Die Glen Mills Schools ist eine private, offene und stationäre Einrichtung in Philadelphia/ USA. Sie sind die älteste, heute noch bestehende ‚Jugend-Verbesserungs-Anstalt’ der Vereinigten Staaten. Sie ist unabhängig und eine gemeinnützige Stiftung in der Form eines Internates.
Sie beherbergt delinquente, gewalt- und gangorientierte jugendliche Wiederholungstäter aus New York, Washington, Baltimore und Philadelphia, die hier nicht negativ ‚gelabelt’ werden, sondern ‚normale’ ‚students’ sind. Diese Mehrfachtäter sind aggressiv-manipulativ und subkulturell engagiert.
Weidner beschreibt die Schools als eine Art Mischung „aus komfortablem, lern- und ausbildungsorientierten Universitäts-Campus und strukturiertem Alltag einer deutschen Sozialtherapie“. Die Schule versteht sich nach dem Motto „Service to the Youth since 1826“ als Dienstleistungsanbieter für über 980 Täter, die von den Gerichten zugewiesen wurden.
Ziel dieser Anstalt ist die „Transformation vorinstitutioneller Verhaltensstandards in den institutionellen Alltag“. Dies geschieht durch die Neuorganisation der Gang-Strukturen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Philosophie Ferrainolas’
2. Die Voraussetzungen in der amerikanischen Gesellschaft
3. Die Praxis in Glen-Mills und die Konfrontation
4. Deutsche Bedenken an Glenn-Mills
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das pädagogische Konzept der Glen Mills Schools in den USA, um die Prinzipien der dort angewandten konfrontativen Pädagogik zu analysieren und deren Übertragbarkeit sowie die damit verbundenen Herausforderungen für das deutsche Jugendhilfesystem kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der Philosophie von Dr. C. D. Ferrainola
- Soziokulturelle Voraussetzungen in den USA im Vergleich zu Deutschland
- Struktur des Alltags und die Methodik der Konfrontation (Guided-Group-Interaction)
- Rolle des "Bulls-Club" und der Hierarchie für die Verhaltensänderung
- Kritische Reflexion der Diskrepanz zwischen US-amerikanischer Praxis und deutschem Rechtsverständnis
Auszug aus dem Buch
Die Praxis in Glen-Mills und die Konfrontation
In Glen Mills fügt sich der Jugendliche einer kollektiven Erziehung und gibt fast jegliche Individualität auf. Individuelle (Gang)Symbole und Eigenplanung sowie Spontanität sind gänzlich untersagt.
„Kein eigener Raum für die Befriedigung emotionaler Bedürfnisse, die ‚Aneignung’ des Raumes als Möglichkeit, sich die Umgebung zu eigen zu machen, mit dem Raum vertraut zu werden, sich verantwortlich für ihn zu fühlen und ihn verändern zu können, ist nicht intendiert, ebenso wenig wie das Verfügen können über eigene Zeit“ (Colla 2001: 60). Es wird mit bisher gewohnten und bereits erlernten Verhaltensroutinen sowie Handlungskontinuitäten gebrochen (vgl. ebd.).
So ist auch der ganze Tagesablauf eines students in Glen Mills bis auf die letzte Minute durchstrukturiert. ‚Wasting of time’ ist etwas negatives in diesem Habilitationsprogramm. Der Tag beginnt früh um 6.30 Uhr und die erste geleitete Konfrontation findet von 9.00 – 10.00 Uhr statt. Sie nennt sich Guided-Group-Interaction. Hier wird ein Feedback zu gelungenen Aktivitäten gegeben und vor allem werden Normverstöße diskutiert. Hierbei werden die individuellen Schwächen und Probleme der Jugendlichen auf die geltenden Gruppennormen bezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Glen Mills Schools als älteste US-amerikanische Jugend-Verbesserungsanstalt und deren Zielsetzung der Transformation von Verhaltensstandards.
1. Die Philosophie Ferrainolas’: Analyse des soziologischen Erziehungsmodells von Dr. Ferrainola, das delinquentes Verhalten als soziale Erscheinung betrachtet und auf konfrontative Gruppenprozesse setzt.
2. Die Voraussetzungen in der amerikanischen Gesellschaft: Erörterung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA, die von einem autoritäreren Umgang mit Straftätern geprägt sind, im Vergleich zu europäischen Verhältnissen.
3. Die Praxis in Glen-Mills und die Konfrontation: Detaillierte Darstellung des durchstrukturierten Alltags, der Rolle des Bulls-Clubs und der Anwendung der konfrontativen Erziehungsmethoden.
4. Deutsche Bedenken an Glenn-Mills: Kritische Auseinandersetzung mit der Übertragbarkeit des Glen-Mills-Modells auf das deutsche Jugendhilfesystem unter Berücksichtigung ethischer Bedenken.
Schlüsselwörter
Glen Mills Schools, konfrontative Pädagogik, Jugendkriminalität, C. D. Ferrainola, Resozialisierung, Guided-Group-Interaction, Bulls-Club, autoritäre Erziehung, Verhaltensveränderung, Peer-Group, Jugendstrafvollzug, Erziehungswissenschaft, Sozialtherapie, Delinquenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der konfrontativen Pädagogik der Glen Mills Schools, einer stationären Einrichtung in den USA, und deren pädagogischem Umgang mit gewaltorientierten Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das soziologische Modell der Verhaltensänderung, die Struktur des Internatsalltags, die Macht von Peergroups sowie der Vergleich zwischen US-amerikanischen und deutschen Ansätzen in der Straffälligenhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung des Glen-Mills-Experiments, um zu verstehen, ob und wie diese spezifischen pädagogischen Methoden zur Transformation delinquenten Verhaltens in einem anderen gesellschaftlichen Kontext Anwendung finden könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um eine theoretische Analyse, die auf Literaturrecherche, der Auswertung bestehender Experten-Expertisen und der Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Erziehungskonzept basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen nach Ferrainola, die soziokulturellen Rahmenbedingungen in den USA sowie die konkrete Alltagspraxis der Konfrontation innerhalb der Glen Mills Schools.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie konfrontative Pädagogik, Resozialisierung, Jugenddelinquenz, Gruppennormenkultur und institutionelle Verhaltensanpassung charakterisiert.
Was unterscheidet das "Soziologische Modell" von Ferrainola von klinischen Ansätzen?
Während klinische Ansätze Delinquenz oft als psychiatrisches Syndrom betrachten und den Fokus auf individuelle Defizite legen, betrachtet das soziologische Modell Delinquenz als normales Verhalten, das durch die Anpassung an prosoziale Gruppennormen verändert werden kann.
Warum ist die direkte Übertragung des Modells auf Deutschland so schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in den fundamental unterschiedlichen Rechtssystemen und dem gesellschaftlichen Wertewandel in Deutschland, in dem autoritäre Erziehungsmethoden ohne Empathie und individuelle Beziehungsarbeit als problematisch oder rechtlich kaum umsetzbar angesehen werden.
- Citar trabajo
- Eric Maes (Autor), 2004, Am Rand der Konfrontativen Pädagogik. Die Glen Mills Schools, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286212