Die Metapher. Eine Betrachtung im religiösen Kontext


Hausarbeit, 2012

12 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diskussion des Wahrheitsbegriffs

3. Die Metapher
3.1 Die Substitutionstheorie
3.2 Vergleichstheorie
3.3 Interaktionstheorie
3.4 Die absolute Metapher nach Blumenberg

4. Metaphern im religionsphilosophischen Kontext

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Metaphern sind mit einer hohen Frequenz in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens zu finden, auch wenn sie nicht als diese wahrgenommen werden. Es gibt zahlreiche metaphorische Sprichwörter, („stille Wasser sind tief“; „im Glashaus sitzen und mit Steinen werfen“) die Werbung bedient sich ihrer (Krombacher: „eine Perle der Natur“) aber auch im obligaten zwischenmenschlichen Sprachgebrauch werden Metaphern häufig verwendet (die „Warteschlange“ im Supermarkt; Beschimpfungen, wie „Du Schwein“ oder Kosenamen). Jede Kulturwissenschaft stößt früher oder später auf das Phänomen der Metapher, selbst die Naturwissenschaften können sich ihr nicht entziehen, und auch in der Theologie ist das Interesse an der Metapher, gerade bezüglich der Beschreibung Gottes, neu erwacht.1 Was macht das multikulturelle-und disziplinäre Phänomen der Metapher aus, insbesondere im religionsphilosophischen Kontext? In welchem Verhältnis steht die Metapher zur Wahrheit und welchen Prinzipien folgen die Metaphern über Gott in der Bibel? Diesen Fragen soll im folgenden Essay nachgegangen werden.

Dabei soll zunächst als Grundlage der Wahrheitsbegriff thematisiert werden, um anschließend eine Definition von Metaphern zu geben und die verschiedenen Metapherntheorien zu beschreiben. Anschließend soll die absolute Metapher nach Hans Blumenberg vorgestellt werden, um diese auf den religionsphilosophischen Kontext zu beziehen. Dabei soll eine kurze Betrachtung eines Metaphernkonzepts in der Bibel einen konkreten Anwendungsraum liefern. Abschließend werden die Ergebnisse im Fazit gebündelt.

2. Diskussion des Wahrheitsbegriffs

Der Philosoph Friedlich Wilhelm Nietzsche schreibt dem Menschen in seinem 1872 verfassten Aufsatz „Über Wahrheit und Moral im aussermoralischen Sinne“ einen Wahrheits-trieb zu, dabei werde allerdings ein beliebiges Faktum als kulturimmanente „konstruierte“ Wahrheit gesetzt. Diese gesetzte Fixierung ist von Willkürlichkeit geprägt. Nach Nietzsche ist jeder Begriff metaphorisch, da er durch das Gleichsetzen von Nicht-Gleichem entstehe:

„Wir glauben etwas von den Dingen selbst zu wissen, wenn wir von Bäumen, Farben, Schnee und Blumen reden und besitzen doch nichts als Metaphern der Dinge, die den ursprünglichen Wesenheiten ganz und gar nicht entsprechen.“2

Für Nietzsche ist die durchgängige Bestimmung aller Begriffe ein Ideal, auch wenn Begriffe genau sein wollen.3 Elementar formuliert kann als Legitimation für die Existenz der Metapher der zweifelhafte Status der Begriffe genannt werden.4

Um diese Aussage in seiner Bedeutungskraft zu verstehen, sei kurz auf den Strukturalisten Ferdinand de Saussure (1857-1913) verwiesen, der die Arbitrarität zwischen Signifikat (Vor-stellung) und Signifikant (Ausdrucksseite) betont: „Das sprachliche Zeichen ist beliebig.“5 Nach Saussure und Nietzsche beziehen sich die Lautfolge eines Wortes und die außer-sprachliche Wirklichkeit in keinster Weise aufeinander, Begriffe seien künstlich festgesetzt und würden nun als „wahr“ gelten (vgl. dazu: Ideal der endgültigen Terminologie nach Descartes).6

Auch die Linguisten George Lakoff und Mark Johnson argumentieren für die Nichtigkeit des objektiven Wahrheitsbegriffs: Sie charakterisieren „Wahrheit“ als relativ, da sie sich stets auf ein kulturelles Konzept beziehe.7

3. Die Metapher

Etymologisch geht der Begriff „Metapher“ auf das griechische Wort „metaphorá“ (von „metá“ = nach, hinter und „phérein“ = tragen, bringen) zurück, das Kompositum bedeutet also „Übertragung“.

Voraussetzung für das Verständnis der Metapher ist, dass Sprecher wie Hörer die Translatio der lexikalischen Bedeutung auf die konstruierte Bedeutungsebene erkennen und die Metapher nicht „wörtlich“ nehmen. Dieses Verstehen einer Metapher ist in hohem Maße vom kulturellen Verständnis und Horizont des Rezipienten geprägt. Für eine weitere Charakterisierung der Metapher sollen im Folgenden die drei populärsten Metapherntheorien der Sprachwissenschaft (Substitutionstheorie, Vergleichstheorie und Interaktionstheorie) beschrieben werden.

3.1 Die Substitutionstheorie

Die Substitutionstheorie geht in ihrer Intention auf Aristoteles zurück und wurde traditionell von der Rhetorik, der Literaturwissenschaft und der Philologie vertreten. In der klassischen Rhetorik von Aristoteles werden Metaphern – als das signifikante Element dieser Schule - als sprachverschönernde poetische Mittel zur Verlebendigung von Reden ohne eigenen Wahrheitsgehalt verstanden:

„Die Metapher ist die Übertragung eines Wortes, das [eigentlich] der Name für etwas anderes ist, entweder von der Gattung auf die Art oder von die Art auf die Gattung oder von einer Art auf eine [andere] Art oder gemäß einer Analogie.“8

In diesem Sinn fungiert die Metapher als Ersatz für ein verbum proprium, das ebenso hätte verwendet werden können, aber aus stilistischen und künstlerischen Gründen vermieden wurde. Dem Redner ist nicht das Was wichtig, sondern das Wie.9 Das folgende klassische Beispiel aus der Metapherntheorie von Aristoteles macht das Verständnis der Metapher in der Rhetorik als eines sprachlichen Ausdrucks poetischer Kreativität deutlich: „Achill ist ein Löwe“. Nach dieser Theorie ist dies eine Metapher als rhetorische Figur für die semantische Bedeutung „Achill ist tapfer“.10

3.2 Vergleichstheorie

Nach der Vergleichstheorie ist die metaphorische Aussage ähnlich wie bei der Substitutions-theorie durch einen äquivalenten wörtlichen Vergleich ersetzbar. Die Metapher wird als ein impliziter Vergleich ohne die Vergleichswörter „wie“ oder „als“ verstanden (nach Quintilian). Dabei ist eine Ähnlichkeit zwischen den Relationshälften obligat. Ein sinnlich erfahrbarer Ursprungsbereich (Y) wird als Explanans auf den abstrakten Zielbereich (X) als Explanandum übertragen, auf diese Weise wird x als y verstanden.11 Das Beispiel „Achill ist ein Löwe“ meint nach der Vergleichstheorie „Achill ist wie ein Löwe“.

Der Theologe Markus Buntfuß schreibt der Substitutions-und der Vergleichstheorie das Prädikat „schwach“ zu, da die Metapher in beiden Theorien durch wörtliche Umformung ersetzt werden kann und keinen eigenen Wahrheitsgehalt hat. 12

3.3 Interaktionstheorie

Die starke Metapherntheorie oder Interaktionstheorie hingegen charakterisiert Metaphern als eigenständige Sprachform. Nach dieser Theorie ist eine Metapher „eine gerichtete Über-tragung von einer semantischen Domäne auf eine andere, so dass eine wörtlich verstandene falsche Aussage und eine gewisse Spannung entstehen.“13 Die Schaffung der Analogie und Interaktion der Bedeutung der Relata erst durch die Metapher impliziert eine Erweiterung der Bedeutung. Diese Kopplung der alten und der neuen Bedeutung macht das Rätsel der Metapher aus. Es handelt sich nicht mehr nur um eine Verschiebung der Worte, sondern um eine Transaktion der Kontexte, wie es der Name auch formuliert.14 Die Interaktionstheorie unterscheidet zwei Arten von Metaphern, die lebendigen und die konventionellen: Die lebendige Metapher dient als kreative Neubeschreibung oder Initialzündung für spätere weitere unkonventionelle Beschreibungsmöglichkeiten. Die konzeptuelle Metapher hingegen dient der Stabilisierung von individuellen und kollektiven Überzeugungen, somit liegt ihr eine mentalitätsprägende und identifikationsfördernde Kraft inne.15

Seit dem 20. Jahrhundert gibt es wieder ein neues großes Interesse an der Erschließung der Metapher. Wichtige Namen hierzu sind Max Black, der ein heuristisches Modell der Metapher entwarf sowie der Philosoph Paul Ricoeur, der zahlreiche semantische Studien zur Klärung der metaphorischen Referenz durchführte.16

[...]


1 vgl. G. Sellin, Metapher. Symbol. Mythos, Göttingen 2011, 210.

2 F. Nietzsche, Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinn, München 1999, 879.

3 Der 1972 im Bundeskabinett verabschiedete „Entwurf eines elften Gesetzes zur Änderung des Tabaksteuer-gesetzes“ fasst viele Merkmale von Zigarren zusammen, um faktisch in folgender negierender Definition zu resultieren: „Besteht das Deckblatt aus Tabakfolie, so sind die Erzeugnisse nur dann Zigarren, wenn sie nicht als Zigaretten gelten.“; zit. nach Blumenberg in A. Haverkamp, Hans Blumenberg. Theorie der Unbegrifflichkeit, Frankfurt a. M. 2007, 36.

4 vgl. F. Nietzsche, Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinn, München 1999, 876-884.

5 Ferdinand de Saussure zit. nach C. Bally/A. Sechehaye, Ferdinand de Saussure. Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, Berlin/New York 32001, 79.

6 Blumenberg verweist auf dieses Ideal vollständiger Vergegenständlichung in Descartes Schrift „Discours de la Méthode“, H. Blumenberg, Paradigmen einer Metaphorologie, Bonn 1960, 7.

7 Als Beispiel wird ein Bild angeführt, auf dem ein Ball hinter einem Stein liegt, wie wir es formulieren würden. Die Haussa, eine Völkergruppe Afrikas, definiert „vorne“ und „hinten“ genau umgekehrt. In Hinblick auf ihr kulturelles Konzept ist die Beschreibung „wahr“, dass der Ball vor dem Stein liegt. G. Lakoff/M. Johnson, Metaphors we live by, Chicago 1980, 185-188.

8 Aristoteles zit. nach H. Flashar, Aristoteles, Berlin 2008, 29.

9 vgl. H. Blumenberg, Paradigmen einer Metaphorologie, Bonn 1960, 8

10 vgl. M. Buntfuß, Metaphern, Leipzig 2004, 40.

11 vgl. O. Jäkel, Wie Metaphern wissen schaffen, Hamburg 2009, 41.

12 vgl. ebd. 41.

13 J. Hartl, Metaphorische Theologie, Berlin 2008, 174.

14 vgl. P. Ricoeur, Die lebendige Metapher, München 32004, 139.

15 vgl. M. Buntfuß, Metaphern, Leipzig 2004, 43.

16 J. Hartl, Metaphorische Theologie, Berlin 2008, 101.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Metapher. Eine Betrachtung im religiösen Kontext
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Missions-, Ökumene- und Religionswissenschaften)
Veranstaltung
Religionsphilosophie: Bild, Symbol, Metapher
Note
1,0
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V286276
ISBN (eBook)
9783656864714
ISBN (Buch)
9783656864721
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religionsphilosophie, Metapher, Blumenberg, Bild, Symbol
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Die Metapher. Eine Betrachtung im religiösen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286276

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Metapher. Eine Betrachtung im religiösen Kontext



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden