Metaphern sind mit einer hohen Frequenz in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens zu finden, auch wenn sie nicht als diese wahrgenommen werden. Es gibt zahlreiche metaphorische Sprichwörter, („stille Wasser sind tief“; „im Glashaus sitzen und mit Steinen werfen“) die Werbung bedient sich ihrer (Krombacher: „eine Perle der Natur“) aber auch im obligaten zwischenmenschlichen Sprachgebrauch werden Metaphern häufig verwendet (die „Warteschlange“ im Supermarkt; Beschimpfungen, wie „Du Schwein“ oder Kosenamen). Jede Kulturwissenschaft stößt früher oder später auf das Phänomen der Metapher, selbst die Naturwissenschaften können sich ihr nicht entziehen, und auch in der Theologie ist das Interesse an der Metapher, gerade bezüglich der Beschreibung Gottes, neu erwacht.
Was macht das multikulturelle-und disziplinäre Phänomen der Metapher aus, insbesondere im religionsphilosophischen Kontext? In welchem Verhältnis steht die Metapher zur Wahrheit und welchen Prinzipien folgen die Metaphern über Gott in der Bibel? Diesen Fragen soll im folgenden Essay nachgegangen werden.
Dabei soll zunächst als Grundlage der Wahrheitsbegriff thematisiert werden, um anschließend eine Definition von Metaphern zu geben und die verschiedenen Metapherntheorien zu beschreiben. Anschließend soll die absolute Metapher nach Hans Blumenberg vorgestellt werden, um diese auf den religionsphilosophischen Kontext zu beziehen. Dabei soll eine kurze Betrachtung eines Metaphernkonzepts in der Bibel einen konkreten Anwendungsraum liefern. Abschließend werden die Ergebnisse im Fazit gebündelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Diskussion des Wahrheitsbegriffs
3. Die Metapher
3.1 Die Substitutionstheorie
3.2 Vergleichstheorie
3.3 Interaktionstheorie
3.4 Die absolute Metapher nach Blumenberg
4. Metaphern im religionsphilosophischen Kontext
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das vorliegende Essay untersucht das vielschichtige Phänomen der Metapher und ihre besondere Bedeutung im religionsphilosophischen Kontext. Dabei wird der Frage nachgegangen, in welchem Verhältnis Metaphern zur Wahrheit stehen und welche Prinzipien die metaphorische Beschreibung Gottes in der Bibel leiten.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Wahrheitsbegriff unter Bezugnahme auf Nietzsche und Saussure
- Vergleichende Analyse gängiger Metapherntheorien (Substitution, Vergleich, Interaktion)
- Einführung in die absolute Metapher nach Hans Blumenberg
- Analyse der Funktion von Metaphern in der christlichen Theologie und Bibelauslegung
Auszug aus dem Buch
3.4 Die absolute Metapher nach Blumenberg
Auf Grundlage der bisher erläuterten verschiedenen linguistischen Theorien zur Metapher soll im Folgenden die absolute Metapher als eine Sonderform der Metapher beschrieben werden, die Blumenberg in den Mittelpunkt seiner Forschung stellt.
Für Blumenberg sind Metaphern dann absolut, wenn "sie sich gegenüber dem terminologischen Anspruch als resistent erweisen, nicht in Begrifflichkeit aufgelöst werden können." Absolute Metaphern sind als eigenständiges Basisphänomen also nicht durch einen Begriff ersetzbar und deswegen für Blumenberg elementarer Grundbestandteil der philosophischen Sprache.
„Absolute Metaphern beantworten jene vermeintlich naiven, prinzipiell unbeantworteten Fragen, deren Relevanz ganz einfach darin liegt, daß sie nicht eliminierbar sind, weil wir sie nicht stellen, sondern als im Daseinsgrund gestellte vorfinden.“
Metaphern beantworten elementare und religiöse Fragen der Menschheit, pragmatische Fragen und theoretische Totalitätsfragen, die sich der Wissenschaft völlig entziehen. Sie lassen sich nicht „[…] ins Eigene, in die Logizität zurückholen […].“ Folglich kommt Blumenberg zu dem Schluss, dass Metaphern als ästhetisches Medium an der Grenze dort ihren Ort haben, wo das Denken auf Totalität stößt. Damit stehen absolute Metaphern auf der Schwelle zwischen Unsagbarem und Sagbarem, zwischen Mythos und Sprache und überführen Sprache in ein Bild. Dabei wird dieser implizite prinzipiell unanschauliche „Unbegriff“, der nicht verbalisiert werden kann, stets durch einen anschaulichen Gegenstand aus der Wirklichkeit, in der wir leben, thematisiert. Absolute Metaphern versuchen also das Nichtgegenständliche zu thematisieren und das Undarstellbare darzustellen. Sie machen auf das Abwesende aufmerksam und deuten auf die Unmöglichkeit der Wahrheitsfindung und der vollkommenen Sprache hin.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Allgegenwärtigkeit von Metaphern im Alltag und in der Wissenschaft ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Religionsphilosophie.
2. Diskussion des Wahrheitsbegriffs: Hier wird die Problematik einer objektiven Wahrheit beleuchtet, indem die Arbitrarität sprachlicher Zeichen sowie die kulturelle Konstruiertheit von Begriffen dargelegt werden.
3. Die Metapher: In diesem Hauptteil werden die Substitutionstheorie, die Vergleichstheorie und die Interaktionstheorie detailliert gegenübergestellt, um ein tieferes Verständnis für die Funktionsweise von Metaphern zu schaffen.
3.1 Die Substitutionstheorie: Das Kapitel erläutert den klassischen Ansatz, in dem Metaphern primär als rhetorisches Mittel zur sprachlichen Verschönerung ohne eigenen Wahrheitsgehalt betrachtet werden.
3.2 Vergleichstheorie: Hier wird die Theorie beschrieben, die Metaphern als verkürzte, implizite Vergleiche begreift, die durch eine wörtliche Entsprechung ersetzt werden können.
3.3 Interaktionstheorie: Dieses Kapitel fokussiert auf die Metapher als eigenständige Sprachform, die durch die Spannung zwischen verschiedenen Kontexten eine Wissenserweiterung ermöglicht.
3.4 Die absolute Metapher nach Blumenberg: Hier wird das Konzept der absoluten Metapher eingeführt, die sich einer begrifflichen Auflösung entzieht und elementare Fragen des Seins an der Grenze des Denkbaren thematisiert.
4. Metaphern im religionsphilosophischen Kontext: Dieser Abschnitt überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf das religiöse Feld, insbesondere auf die biblische Sprache und das Verständnis Gottes als transzendentes Wesen.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Metaphern eine unhintergehbare Basis für die menschliche Kommunikation bilden und besonders in der Suche nach einer Beschreibung für transzendentale Phänomene unverzichtbar sind.
Schlüsselwörter
Metapher, Wahrheitsbegriff, Hans Blumenberg, Religionsphilosophie, Substitutionstheorie, Vergleichstheorie, Interaktionstheorie, absolute Metapher, Transzendenz, biblische Sprache, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, Bedeutungserweiterung, Theologie, Gottesbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Bedeutung von Metaphern und ihre spezifische Rolle im Kontext der Religionsphilosophie sowie in biblischen Texten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Sprachphilosophie, die Metaphorologie, die Diskussion um den Wahrheitsbegriff und die Metaphorik in der Theologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, in welchem Verhältnis Metaphern zur Wahrheit stehen und welche Funktion sie bei der Darstellung transzendenter Inhalte, wie dem Gottesbild in der Bibel, einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen essayistischen Ansatz, der auf der Analyse und Synthese sprachwissenschaftlicher und religionsphilosophischer Theorien (insbesondere von Blumenberg, Lakoff/Johnson und Buntfuß) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Metapherntheorien – von schwachen rhetorischen Modellen bis hin zu starken, erkenntnisorientierten Ansätzen – und deren Anwendung auf religiöse Fragestellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören die absolute Metapher, die Interaktionstheorie, der Wahrheitsbegriff und die metaphorische Beschreibung von Transzendenz.
Warum sind absolute Metaphern nach Blumenberg für die Religionsphilosophie so bedeutend?
Da sie sich einer rein logischen oder begrifflichen Erklärung entziehen, dienen sie als Medium, um fundamentale Fragen des Seins zu behandeln, die jenseits empirischer Nachprüfbarkeit liegen.
Wie beeinflusst die "Körperlichkeit" biblische Metaphern über Gott?
Die Arbeit zeigt auf, dass abstrakte Konzepte durch universelle körperliche Erfahrungen (z.B. Gott als Vater oder mit menschlichen Körperteilen) für den Menschen erst greifbar und verständlich gemacht werden.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2012, Die Metapher. Eine Betrachtung im religiösen Kontext, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286276