Virtuelle Welten im Tourismus. Kein Platz mehr für Authentizität?


Hausarbeit, 2014

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Historischer Wandel des Reisens

3. Zur Authentizität: Definitionen und Konzepte
3.1. Authentizität: Definitionen
3.2. Differenzierte Konzepte von Authentizität:
3.3. Zur Authentizität und der Postmoderne
3.4. Der Post-Moderne Tourist

4. Postmoderne Inszenierungen
4.1. Inszenierungen
4.2. Kritik an den Postmodernen Inszenierungen

5. Virtualität, Realität und Echtzeit
5.1. Virtualität und Realität
5.2. Echtzeit

6. Virtueller Tourismus
6.1. Virtueller Tourismus im Internet
6.2. Virtuelle Stadtrundgänge
6.3. Google Earth

7. Zusammenfassung und Ausblick

8. Quellenverzeichnis

1. Einführung:

Tourismus ist ein soziales Phänomen, von dem alle Mitglieder der Gesellschaft betroffen sind, an dem die Mehrzahl partizipiert und welcher verschiedenste Formen hervorbringt. Wanderungen durch Grönland oder auf dem Himalaja gehören ebenso zu touristischen Aktivitäten wie z.B. der Partytourismus auf den Balearen, Kulturreisen mit Opernbesuch, Städtereisen oder Reisen zu sportlichen Ereignissen. Tourismus ist mittlerweile ein differenziertes Massenphänomen geworden.

Der Tourismus wie wir ihn heute kennen, wird von einigen namhaften Wissenschaftlern, als eine Erscheinung der Postmodernen Gesellschaft tituliert. Die Postmoderne ist durch den relativen Wohlstand und die evolutionäre Entwicklung ihrer Gesellschaft gekennzeichnet. Nur wer während seiner Arbeitszeit genügend Wohlstand schafft, kann es sich überhaupt leisten, eine wachsende Menge an Zeit mit Freizeit und eben auch mit Reisen zu verbringen. Dabei geht man davon aus, dass gesellschaftlicher und kultureller Wandel selbstverständlich auch Auswirkungen auf das Angebot und dem Konsum des Tourismus hat.

Ein Trend in der heutigen Entwicklung des Tourismus ist es beispielsweise, dass der Faktor Geld immer mehr hinter den Faktor Zeit zurück fällt. (Opaschowski 1993: 17)

Da wir in einer Zeit leben, die durch ein in der Zeitgeschichte einmalig hohes Niveau der Existenzsicherheit gekennzeichnet ist, sind wir mit ganz anderen Problemen oder Herausforderungen konfrontiert, als frühere Generationen. Der Wohlfahrtsstaat führt dazu, dass der Durchschnittverdienst ausgesprochen gut ist, was es möglich macht von Zeit zu Zeit dem Alltag zu entfliehen und zu verreisen.

Diese Gesellschaftlichen Veränderungen führten auch zu einem Anstieg der frei verfügbaren Zeit für die Menschen. Freizeit ist oft auch mit Konsum verbunden, mit dem Besitz von Dingen, eher als dem Tun; Freizeitformen, so individuell sie sein können, sind für den bekannten Britischen Soziologen David Frisby, auch immer von der objektiven, materiellen Welt durchdrungen. Die Übersättigung mit Warenangeboten erleichtert und steigert den „materielle Lebensgenuss und das Vergnügen“. (Frisby 1992: 123)

Auch Reisen werden heute vor allem zum Zwecke des Vergnügens getätigt. Zwar sind Reisen keine biologische Notwendigkeit des Menschen, sondern an eine bestimmte zivilisatorische Entwicklung gebunden. (Spode 1988, 41). Dennoch scheint das Wohlbefinden der Menschen in der heutigen Zeit davon abzuhängen, dass sie von Zeit zu Zeit verschwinden können. (Urry 1990: 5)

In Wirklichkeit sind Reisen aber vor allem ein Ausdruck von Status und sozialem Prestige. Reisen dienen oftmals der gesellschaftlichen Positionierung. Die sorgfältige Auswahl des oder der Urlaubsziele mit Blick auf den sozialen Status ist kennzeichnend für den modernen Touristen.

Der Tourismus heute, kennzeichnet vor allem dadurch, dass er den entdeckungsfreudigen Reisenden nahezu unbegrenzte Möglichkeiten bietet, sich nach eigenen Wünschen und Vorstellungen ein individuelles Reiseangebot zurechtzuschneidern.

Tourismus ist ein Grundbestandteil der modernen Gesellschaft geworden. Vorhin hatte ich bereits erwähnt, dass Gesellschaftlicher Wandel Auswirkungen auf das Angebot und dem Konsum des Tourismus hat. Da wir in einer Welt des technologische Umbruchs leben, in der die Alltägliche Lebenswelt sich immer mehr auch in Virtuellen, sprich in digitalen Welten, abspielt, will ich mit dieser Arbeit untersuchen und veranschaulichen in wie weit diese „Virtualisierung“ der alltäglichen Lebenswelt auch Einfluss auf den Tourismus hat.

Ziel soll es sein, einige bereits eingetretene oder absehbare Tendenzen zu beschreiben, die den Tourismus im Allgemeinen und den Massentourismus im Besonderen beeinflussen beziehungsweise beeinflussen können. Da Virtuelle Welten immer nur Abbildung von Realität sein können, steht natürlich die Frage nach der Authentizität solcher virtueller Tourismus Formen in Raum. Die Fragestellung inwieweit Authentizität im Tourismus in seiner heutigen Form überhaupt noch möglich ist soll ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit sein. Dieser Thematik widme ich im dritten Kapitel dieser Arbeit.

Zur Einführung und zum besseren Verständnis über die Thematik dieser Arbeit will ich zunächst einen historischen Abriss zum Thema Reisen geben; viele moderne Erscheinungen im Tourismus lassen sich in diesem Kontext leichter einordnen und verstehen. Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich die Postmodernen Freizeit und Ferienwelten beschreiben und skizzieren und diese auch kritisch betrachten. Im fünften Kapitel dieser Arbeit werde ich beschreiben inwieweit die Grenzen zwischen der Virtualität und der Realität durch Technischen Fortschritt immer mehr verschwimmen und verschmelzen können. Im sechsten Abschnitt werde ich beschreiben was unter Virtuellen Tourismus zu verstehen ist und Anschluss dann zwei Praxisbeispiele geben um die Thematik zu veranschaulichen. Der siebte Abschnitt soll dann dazu dienen einige Erkenntnisse aus dieser Arbeit nochmals hervorzuheben und zusammenzufassen und einen Ausblick zu wagen. In diesem Abschnitt will ich Bezug nehmen welche Gesellschaftlichen Veränderungen zu einer Konvergenz im Tourismus geführt haben und wie diese aussehen. Desweiteren will ich die Möglichkeiten und Grenzen von Virtuellen Tourismusformen aufzeigen und veranschaulichen ob und inwieweit sich Virtualität und Authentizität ausschließen müssen oder nicht.

2. Historischer Wandel des Reisens

Erholungs- und bildungsgeprägtes Reisen gab es bereits in der Antike und zuvor im ägyptischen Pharaonenreich. Hier sind Reisen belegt, deren Motive in Luxusgebaren, Zeitvertreib, Erfahrungserweiterung und Erholung lagen. Privilegierte Bevölkerungskreise pflegten erste Reisen zum Vergnügen.

Auch die römische Antike verhalf dem Reisen und ausgewählten Urlaubsformen zu Schubkraft. Der Reiseverkehr gewann aufgrund des infrastrukturellen Ausbaus zunehmend an Bedeutung. Um 300 n. Chr. stand ein Straßennetz mit 90.000 Kilometer Überlandverbindungen und 200.000 Kilometer kleineren Landstraßen zur Verfügung, das neben Truppen- und Warentransport auch dem Personenverkehr diente. Davon profitierten in erster Linie begüterte Bildungs- und Vergnügungsreisende. Seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert bestand "eine regelrechte Fremdenverkehrswirtschaft, die Einzel- und Gruppenreisen organisierte, Auskünfte erteilte und für Unterkunft sowie Verpflegung sorgte". (Ludwig 1990: 30 f.)

Mit dem Niedergang des römischen Reiches jedoch verfielen zahlreiche Straßen. Reisen wurde beschwerlicher, unsicherer und aufwändiger. Lange Zeit wurden die Risiken und Strapazen einer Reise nur noch aufgrund zwingender ökonomischer, militärischer, religiöser oder politisch-administrativer Interessen in Kauf genommen.

Als Frühform und Vorläufer des modernen Tourismus gilt die Grand Tour – die von jungen Adeligen vom 16. bis ins 18. Jahrhundert absolvierte Kavaliersreise. Sie verfügte über eigene, neue und klare standesbezogene Strukturen: Diese waren primär auf Bildungserweiterung, Abschluss der Erziehung, Aneignung und Verfeinerung der weltmännisch-gesellschaftlichen Umgangsformen ausgerichtet, schlossen aber auch Muße und Vergnügungen ein. Es formierte sich hier ein differenziertes Paradigma des Reisens "als eine Kunst“, zum anderen deutet sich mit dem Anspruch auf Amüsement und Lebensgenuss auch ein Element von Reisen als Selbstzweck an. (Opaschowski 1996: S.67f.)

Die klassische Grand Tour dauerte ein bis drei Jahre und wurde bezüglich Route, Ablauf, Kontakten sowie Erziehungs- und Bildungsprogramm minutiös geplant. Die Adeligen reisten im Tross, in ständiger Begleitung von Reisemarschällen, Hofmeistern, Mentoren, Tutoren, Projektoren, Protegés, Domestiken, Kutschern und weiterem Begleitpersonal. Lange Zeit bis weit in das 19. Jahrhundert hinein blieben touristische Reisen nur der reichen Oberschicht vorenthalten.

Neu geschaffen wurde ab den 1840er Jahren die organisierte Gruppen- oder Gesellschaftsreise, bei der zur Entlastung der Reisenden das Prinzip eines Pauschalarrangements zur Anwendung gelangte. Die von Thomas Cook, einem englischen Unternehmer, organisierten Pauschalreisen gelten als Frühform und Wegbereiter des kommerziellen Massentourismus. (Knebel 1960: S.22ff.)

Die von Cook angebotenen Reisen, bedienten eine gemischte Klientel, von Staatspräsidenten und Fürsten bis hin zu Durchschnittsvertretern aus Mittelstand, Kleinbürgertum und Arbeiterschaft.

Motivlich dominierte bei Reisen und Urlaub nach 1900 die Regeneration, doch werden Anspruch und Erholungsgedanke nur auf geistige Arbeit bezogen – sie erreichten neben Adel, Bildungsbürgern und hohen Beamten nunmehr auch Unternehmer, Kaufleute, mittlere Beamte, Angestellte und Lehrer. (Spode 1993: 5)

Der Urlaub als bezahlte Auszeit von der Arbeit ist mithin eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, erst durch die größere Verfügbarkeit von freier Zeit konnte auch der Tourismus in seiner heutigen Form entstehen. Betrug die durchschnittliche Urlaubszeit im Jahre 1910 gerade einmal 5 Tage, steigerte sich diese Zahl im Jahre 1940 auf 10 Tage und wiederum 30 Jahre später im Jahr 1970 auf etwa 21 Tage. Mittlerweile sind in Deutschland etwa 30 Tage Jahresurlaub üblich, inklusive aller gesetzlichen Feiertage können fast 40 Tage des Jahres frei genommen werden. Mit der größeren Verfügbarkeit von Freizeit geht allerdings nicht, wie zu erwarten wäre, ein Trend zu ausgedehnteren Reisen einher.

Im Gegenteil, verbrachte die Nachkriegsgeneration noch den Hauptteil ihres Urlaubes an einem, häufig immer wiederkehrenden Ferienort, geht der Trend heute eher in Richtung vieler kurzer Urlaube oder vielmehr freier Tage. Diese gravierende Veränderung des Reise- und Freizeitverhaltens resultiert aus einem gesellschaftlichen Wandel von Lebensstilen. Nach einer „Restaurationsphase“ infolge des zweiten Weltkrieges über einen „Kulturkonflikt“ in den 70er Jahren geht die Entwicklung nach Ansicht einiger Forscher in Richtung einer „Erlebnisgesellschaft“.

Der Massentourismus wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich im Zuge dieser „Erlebnisgesellschaft“ ebenfalls in den 70er Jahren. Dieser stellte den Wert bzw. den Preis in den Vordergrund der Entscheidung für ein touristisches Produkt. Qualitätsorientierung und Qualitätsbewusstsein entwickelten sich auch in Bezug auf die touristische Dienstleistung erst in den 80er und 90er Jahren. In den letzten Jahren kamen zudem eine starke Orientierung hin zum Erlebnis und damit ein stärkerer Schwerpunkt auf die Erlebnisqualität dazu. Der Trend basiert auf einem verstärkten Verlangen nach Selbsterkenntnis, Selbstfindung und Selbsterfahrung. Mittlerweile Menschen suchen und finden, immer mehr Menschen im Konsum von Erlebnisprodukten ihre Lebenserfüllung. (vgl. Schulze 1992)

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Virtuelle Welten im Tourismus. Kein Platz mehr für Authentizität?
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Seminar: Ethnologie des Tourismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V286285
ISBN (eBook)
9783656864950
ISBN (Buch)
9783656864967
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tourismus, Authentizität, Virtualität, Virtuelle Welten, Virtueller Tourismus, Realität, Postmoderne, Postmoderner Tourismus, Inszenierungen
Arbeit zitieren
Robert Kindopp (Autor), 2014, Virtuelle Welten im Tourismus. Kein Platz mehr für Authentizität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286285

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