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Corporate Governance bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten

Title: Corporate Governance bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten

Diploma Thesis , 2004 , 86 Pages , Grade: 2,1

Autor:in: Nadine Hirte (Author)

Business economics - Controlling
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Summary Excerpt Details

Einleitung

Seit Jahren wird die Privatisierung öffentlich-rechtlicher Unternehmen durchgeführt und gefordert. Auch der Bankenmarkt befindet sich im Umbruch. Erst kürzlich war die Privatisierung der Sparkasse Stralsund ein heiß diskutiertes Thema. Es besteht die Annahme, dass private Unternehmen effizienter sind als öffentliche Unternehmen. Somit erhofft man sich mit Hilfe der Privatisierung Effizienzgewinne. Die Effizienz von Unternehmen wird aktuell unter dem Begriff Corporate Governance diskutiert. Dabei werden die aus der Trennung von Eigentum und Unternehmensführung resultierenden Probleme untersucht. Interne Strukturen sowie externe Einflüsse finden Beachtung.

In Deutschland gibt es verschiedene Corporate Governance-Gesetze sowie Corporate Governance-Kodizes. Diese beziehen sich jedoch auf börsennotierte Aktiengesellschaften. Teilweise wird ein Corporate Governance-Kodex für öffentlichrechtliche Kreditinstitute in Erwägung gezogen.1 In der Diplomarbeit steht die Sparkasse als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut und Basis der Sparkassen- Finanzgruppe im Fokus. Die Leitung, Organisation und Kontrolle der Sparkasse wird im Hinblick auf Defizite untersucht. Für die identifizierten Schwachpunkte werden Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Sparkassen erfüllen einen öffentlichen Auftrag, d.h. sie nehmen Funktionen der Daseinsvorsorge wahr. Dafür arbeiten sie eng mit ihrer Kommune zusammen. Der politische Einfluss auf die Arbeit der Sparkasse wird immer wieder kritisiert. Oft wird die Privatisierung gefordert. Es wird gesagt, dass die Interessen der Vorstände und die Interessen der eigentlichen Eigentümer (Bürger) auseinander gehen können, wenn die Geschäftstätigkeit politisch beeinflusst wird.2 Im Rahmen der Analyse wird u.a. der Einfluss der Politik untersucht und die sich daraus für die Erfüllung des öffentlichen Auftrags ergebenden Konsequenzen.
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1 Vgl. Eigendorf/Schwaldt (2003).

2 Vgl. BdB (2003), S. 24.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Öffentlich-rechtliche Kreditinstitute als Teil des deutschen Bankensystems

2.1. Abgrenzung und Aufbau des deutschen Bankensystems

2.2. Sparkassensektor als Teil der Sparkassen-Finanzgruppe

2.3. Sparkassen als lokale Ebene des Sparkassensektors

2.3.1. Merkmale

2.3.2. Rechtliche Rahmenbedingungen

2.3.3. Organisatorischer Aufbau

2.3.4. Eigentumsverhältnisse

2.4. Effizienz (und Effektivität) von Sparkassen

3. Bedeutung der Corporate Governance für Sparkassen

3.1. Begriff und Gegenstand

3.2. Ökonomische Erklärungsansätze als Grundlage der Soll-Konzeption für effiziente Governance-Strukturen von Sparkassen

3.2.1. Analyseobjekt Sparkasse im ökonomischen Kontext

3.2.1.1. Mehrstufige Prinzipal-Agenten-Beziehung

3.2.1.2. Zusammenwirken der ökonomischen Erklärungsansätze

3.2.2. Prinzipal-Agenten-Beziehungen als Ausgangspunkt der Soll-Konzeption

3.2.2.1. Informationen

3.2.2.2. Kontrollen

3.2.3. Verhaltenssteuerung durch Verfügungsrechte

3.2.4. Einflussfaktor Transaktionskosten

3.2.5. Zusammenfassung der Analyse-Aspekte

4. Erarbeitung von Empfehlungen für effiziente Governance-Strukturen von Sparkassen

4.1. Einfluss der Bürger als originäre Prinzipale

4.1.1. Möglichkeiten und Anreize zur Kontrolle ihrer Vertreter

4.1.2. Verbesserung des Informationsangebots

4.2. Gewährträger (Politiker) als Vertreter der Bürger

4.2.1. Zielsetzung der Sparkasse

4.2.2. Verfügungsrechte der Gewährträgerkörperschaft

4.2.3. Ziele der Politiker

4.3. Externe Kontrollmechanismen zur Disziplinierung der Geschäftsführung

4.3.1. Märkte

4.3.1.1. Kontrollpotenzial

4.3.1.2. Diskussion der Privatisierung

4.3.2. Institutionalisierte Kontrollen

4.3.2.1. Möglichkeiten der Staatsaufsicht

4.3.2.2. Jahresabschlusses als Rechenschaft der Geschäftstätigkeit

4.4. Kontrollorgan der Sparkasse

4.4.1. Zusammensetzung und Aufgaben

4.4.2. VWR im Spannungsverhältnis

4.4.3. Empfehlungen zur Verbesserung der Kontrolltätigkeit

4.5. Beziehung des Geschäftsführungs- und Überwachungsorgans

4.5.1. Enge Verzahnung der Aufgaben

4.5.2. Problem des politischen Einflusses

4.6. Geschäftsführungsorgan der Sparkasse

4.6.1. Aufbau und Kompetenzen

4.6.2. Interessen des Vorstands

4.6.3. Empfehlungen für eine optimale Geschäftsführung

4.7. Zusammenfassung der Empfehlungen

5. Kodifizierung der Empfehlungen

6. Abschlussbemerkungen

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Corporate Governance (CG) bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten mit Fokus auf die Sparkassen. Ziel ist es, Defizite in der Leitung, Organisation und Kontrolle der Sparkassen zu identifizieren und auf Basis ökonomischer Theorien (insbesondere der Neuen Institutionenökonomik) Empfehlungen für effizientere Governance-Strukturen zu entwickeln, die den öffentlichen Auftrag unter Effizienzgesichtspunkten wahren.

  • Analyse der Sparkassen-Strukturen und des Einflusses politischer Akteure.
  • Anwendung der Prinzipal-Agenten-Theorie und Verfügungsrechtstheorie auf die Sparkassenorganisation.
  • Untersuchung externer Kontrollmechanismen wie Kapitalmarkt, Wettbewerb und Staatsaufsicht.
  • Diskussion über das Spannungsfeld zwischen öffentlichem Auftrag und Gewinnerzielung.
  • Erarbeitung von Gestaltungsvorschlägen für Governance-Strukturen und Kodifizierungsmöglichkeiten.

Auszug aus dem Buch

3.2.1.1. Mehrstufige Prinzipal-Agenten-Beziehung

Ein Agent ist eine Person, die im Auftrag von jemand anderem (Prinzipal), d.h. stellvertretend für ihn, bestimmte Aufgaben übernehmen soll. Dabei sollen u.a. Vorteile der Arbeitsteilung und Spezialisierung erzielt werden. Dafür werden Verfügungs- oder Handlungsrechte übertragen. Diese definieren die rechtlichen oder institutionellen Handlungsmöglichkeiten und die Verhaltensbeziehung zwischen dem Prinzipal und Agenten. Da nicht alles geregelt werden kann, muss kontrolliert werden, ob die Geschäftsführung ihre Aufgaben erfüllt. In der Sparkasse nimmt der vom Gewährträger besetzte VWR diese Aufgabe wahr. Der eigentliche Anteilseigner bzw. die eigentliche Anspruchsgruppe ist der Steuerzahler. Von dem Steuerzahler des Gewährträgergebietes bis zur Geschäftsführung der Sparkasse gibt es mehrere PA-Beziehungen.

Im Modell sieht das wie folgt aus: In einer Demokratie liegen die originären Verfügungsrechte über öffentliche Unternehmen bei den Bürgern bzw. Steuerzahlern. Daher werden sie als die „originären Prinzipale“ bezeichnet. Durch Wahlen bestimmen sie die Zusammensetzung des Gewährträgerorgans und somit die Politiker der Gewährträgerkörperschaft, als ihre Agents (1). Das Gewährträgerorgan wird des Weiteren der Einfachheit halber mit Gewährträger bzw. Politiker bezeichnet. Auf der zweiten Stufe ist der Gewährträger nun der Prinzipal der Sparkasse. Zur Kontrolle der Geschäftsführung setzt er den VWR ein. Demzufolge nimmt er die Kontrolle gegenüber dem Vorstand indirekt wahr (2). Der VWR beauftragt den Vorstand mit der Geschäftsführung (3).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zum Thema Corporate Governance bei Sparkassen und Darstellung des Untersuchungsgegenstandes sowie des Aufbaus der Arbeit.

2. Öffentlich-rechtliche Kreditinstitute als Teil des deutschen Bankensystems: Einordnung der Sparkassen in das Drei-Säulen-Modell und Erläuterung der rechtlichen sowie organisatorischen Rahmenbedingungen.

3. Bedeutung der Corporate Governance für Sparkassen: Definition von Corporate Governance im Kontext von Sparkassen und theoretische Fundierung mittels Prinzipal-Agenten-Theorie und weiteren ökonomischen Ansätzen.

4. Erarbeitung von Empfehlungen für effiziente Governance-Strukturen von Sparkassen: Analyse der Delegationskette von den Bürgern bis zum Vorstand und Ableitung konkreter Verbesserungsvorschläge für Leitung und Kontrolle.

5. Kodifizierung der Empfehlungen: Diskussion der Vor- und Nachteile einer gesetzlichen Regelung gegenüber unverbindlichen Kodizes für Sparkassen.

6. Abschlussbemerkungen: Zusammenfassung der Kernergebnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit, Governance-Instrumente für Sparkassen weiterzuentwickeln.

Schlüsselwörter

Corporate Governance, Sparkassen, Öffentlicher Auftrag, Prinzipal-Agenten-Theorie, Verfügungsrechte, Transaktionskosten, Gewährträger, Verwaltungsrat, Effizienz, Effektivität, Kontrolle, Delegationskette, Politische Einflussnahme, Gemeinnützigkeit, Neue Institutionenökonomik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Strukturen der Unternehmensführung und -kontrolle (Corporate Governance) bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten, insbesondere Sparkassen, um deren Effizienz zu steigern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Trennung von Eigentum und Unternehmensführung bei Sparkassen, die Rolle der Politik im Gewährträgerorgan und die Anwendung ökonomischer Theorien zur Optimierung der Kontrollstrukturen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist die Ermittlung einer optimalen Ausgestaltung der Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten der Organe einer Sparkasse, um den öffentlichen Auftrag unter Effizienzgesichtspunkten zu erfüllen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt Ansätze der Neuen Institutionenökonomik, insbesondere die Prinzipal-Agenten-Theorie und die Verfügungsrechtstheorie, um die bestehenden Strukturen zu bewerten und Lösungsvorschläge abzuleiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die gesamte Delegationskette vom Bürger als „originären Prinzipal“ über den Gewährträger bis hin zum VWR und Vorstand und entwickelt daraus Empfehlungen für eine bessere Governance.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Corporate Governance, Sparkassen, Öffentlicher Auftrag, Prinzipal-Agenten-Theorie, Verfügungsrechte, Transaktionskosten, Verwaltungsrat und Effizienz.

Warum ist der politische Einfluss auf Sparkassen problematisch?

Der Einfluss wird als problematisch angesehen, da Politiker oft individuelle Ziele (wie Wiederwahl oder Prestigegewinn) unter dem Deckmantel des öffentlichen Auftrags verfolgen, was zu ineffizienten Entscheidungen führen kann.

Welche Rolle spielt das Controlling in diesem Governance-Modell?

Das Controlling soll als Unterstützungsinstrument für den Vorstand fungieren, indem es ergebnisrelevante Informationen bereitstellt und somit bei der Umsetzung der Strategien hilft, anstatt rein kontrollierend einzugreifen.

Excerpt out of 86 pages  - scroll top

Details

Title
Corporate Governance bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)
Grade
2,1
Author
Nadine Hirte (Author)
Publication Year
2004
Pages
86
Catalog Number
V28632
ISBN (eBook)
9783638303590
Language
German
Tags
Corporate Governance Kreditinstituten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadine Hirte (Author), 2004, Corporate Governance bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28632
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