Übungsfirma. Mehr als nur eine Qualifikationsmaßnahme für die Ausbildung?


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition des Begriffs Übungsfirma

3 Konzept der Übungsfirma

4 Zielgruppen der Übungsfirma

5 Wesentliche Vor- und Nachteile der Übungsfirma
5.1 Vorteile für die Zielgruppen
5.2 Vorteile für die realen Unternehmen
5.3 Nachteile der Übungsfirma

6 Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Aufbau des Übungsfirmenmarktes

Abbildung 2 - Tätigkeitsfelder einer Übungsfirma

1 Einleitung

In der heutigen Zeit ist das Erlangen von Zusatzqualifikationen für den Arbeitsmarkt eine unumgängliche Maßnahme. Es spielt keine Rolle ob es sich dabei um einen handwerklichen oder kaufmännischen Beruf handelt. Je besser die Arbeiter qualifiziert sind, umso größer ist Ihre Chance auf dem Arbeitsmarkt die entsprechende Anstellung zu erhalten. „Wer sein Profil [...] durch so genannte Zusatzqualifikationen schärft, kann viele persönliche wie auch berufliche Pluspunkte sammeln und sichert sich durch zusätzliche Qualifikationen gute Karrierechancen.“1 Das duale System der Berufsausbildung steht aktuell stark in der Kritik, da es unter anderem nicht genug Spezialisierungen bzw. Qualifikationen innerhalb dieser Ausbildung gibt. Seit langer Zeit gibt es jedoch schon die Möglichkeit der Qualifikationserwerbung, für kaufmännische Berufe, mit Hilfe sogenannter Übungsfirmen. Die Entwicklung der Übungsfirma lässt sich bis ins 17 Jahrhundert zurückverfolgen.2 Sie ist eine handlungsorientierte Methode, die in der beruflichen Ausbildung eingesetzt wird.3 Darüber hinaus wird die Übungsfirma aber auch in anderen Bildungsgängen genutzt um neue Fähigkeiten und Kenntnisse zu erlangen. Diese Arbeit soll darstellen dass das Übungsfirmenkonzept nicht nur als eine Qualifikationsmaßnahme in der Ausbildung von staatlich anerkannten kaufmännischen Ausbildungsberufen zur Hilfe genommen wird, sondern viel weitreichendere Einsatzgebiete hat. Dazu soll zum einen der Begriff Übungsfirma geklärt und zum anderen das Konzept dieser Maßnahme präsentiert werden. Ein weiterer wichtiger Punkt dieser Arbeit sind die Einsatzgebiete der Übungsfirma. Aber auch die Zielgruppen der Übungsfirma sollen beleuchtet werden. Zum Schluss werden noch die Vor- und Nachteile der Übungsfirma für die Zielgruppen sowie die Vorzüge für die realen Unternehmen dargestellt.

2 Definition des Begriffs Übungsfirma

Die Übungsfirma ist ein „langfristig oder sogar auf Dauer“4 existierendes simuliertes Unternehmen, bei der die reale Geschäftswelt nur wiedergespiegelt wird, da man hier nicht mit wirklich existierenden Waren und Dienstleistungen handelt. Die Arbeit ist jedoch mit der eines realen Betriebes gleich zu setzen, da die Mitarbeiter einer Übungsfirma alle auch in der Praxis anfallenden Aufgaben innerhalb dieses Modells tätigen und somit alle Funktionen einer kaufmännischen Firma kennenlernen. Geld- und Güterströme sind zwar fiktiv aber aus kaufmännischer Sicht vollständig. Durch diese fiktiven Geld- und Güterströme betreiben die Übungsfirmen untereinander Handel. Aus diesem Handel entsteht der Übungsfirmenmarkt, in dem es eine Zentralstelle gibt, welche die nötigen Institutionen darstellt und simuliert. 5 Auf dieses wird im Laufe der Arbeit jedoch noch näher darauf eingegangen. „In der Übungsfirma sind alle kaufmännischen Abteilungen eines Unternehmens vorhanden.“6 Besondere Praxisrelevanz und steigernder Realitätsgehalt ergibt sich, wenn die Übungsfirma mit einem realen Betrieb aus der freien Wirtschaft, die sogenannten Partner- oder Patenfirmen, Kontakt unterhält.7 Die Patenfirmen stellen den Übungsfirmen für ihre Messen Ausstellungsprodukte zur Verfügung, „bieten Mentoring an“8 oder stehen ihnen beratend zur Seite.9 Nach dem der Begriff der Übungsfirma geklärt ist wird nun das genaue Konzept der Übungsfirma erklärt und dargestellt.

3 Konzept der Übungsfirma

Das Konzept der Übungsfirma besteht aus mehreren Organen. Diese sind die Übungsfirma, der Übungsfirmenmarkt, der Übungsfirmenring und deren Zentralstelle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1 - Aufbau des Übungsfirmenmarktes 10

In der Übungsfirma bekommen die Teilnehmer die gleichen Aufgaben wie ein kaufmännischer Angestellter in einem realen Unternehmen, d.h. alle Mitarbeiter werden in sechs verschiedene Tätigkeitsfelder einer Übungsfirma eingeteilt und durchlaufen während ihrer Teilnahme an der Qualifikationsmaßnahme alle Abteilungen, so dass man den maximal individuell möglichen Qualifikationsstand erreichen kann. Zu diesen sechs Tätigkeitsfeldern zählen die Materialwirtschaft, Fertigungswirtschaft, Absatzwirtschaft, Personalwirtschaft, das Rechnungswesen und die Binnen- und Außenwirtschaft.11 In der Abteilung der Materialwirtschaft lernen die Teilnehmer den Einkauf von Roh- und Betriebsstoffen und von Handelswaren, sowie die Lagerhaltung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und der Fertigerzeugnisse kennen. Die Fertigungswirtschaft soll den Mitarbeitern der Übungsfirme die Kenntnisse in der Betriebsmittel- und Auftragsplanung und in der Fertigungssteuerung als auch im Qualitätswesen übermitteln. Das dritte Aufgabenfeld ist die Absatzwirtschaft, bei der, der Verkauf von Fertigerzeugnissen und Handelswaren erlernt und Marktforschung und Werbung betrieben wird. In der Personalwirtschaft wird fiktiv dargestellt, welche Aufgaben in der Personalverwaltung anfallen, wie die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung bearbeitet wird und wie sich das Personal innerhalb eines Unternehmens entwickelt, das heißt es wird gezeigt, in welchen Bereichen eines Unternehmens es sinnvoll ist Personal einzusparen oder einzustellen. Das Rechnungswesen soll den Teilnehmern vermitteln, wie die Finanzbuchhaltung in einem Unternehmen und die damit verbundene Rechnungs- und Frachtprüfung, Betriebsbuchhaltung und Kalkulation funktioniert. Als letztes Tätigkeitsfeld bleibt nun nur noch die Binnen- und Außenwirtschaft übrig. Dies ist ein deutlicher Pluspunkt gegenüber anderen Simulationsmodellen (z.B. Lernbüro), da hier die Kommunikation und der Kontakt zu anderen weltweiten Übungsfirmen unterhalten wird.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 2 - Tätigkeitsfelder einer Übungsfirma13

Das zweite Organ des Übungsfirmenkonzeptes ist der Übungsfirmenmarkt, der sich aus der Vereinigung von circa 560 Übungsfirmen aus Deutschland zusammensetzt um untereinander Handel betreiben zu können. Doch auch im Ausland gibt es etwa 5000 Übungsfirmen, wobei sich diese mehrheitlich auf den europäischen Raum konzentrieren und somit auch einen internationalen Übungsfirmenmarkt bilden. Durch diese globale Vernetzung der Übungsfirmen werden neben dem einfachen Sprachtraining auch die Fremdsprachenkenntnisse gefördert und vertieft. Des Weiteren lernen die Übungsfirmenteilnehmer auch das Export- und Importgeschäft und die damit verbundenen Rechts- und Handelsvorschriften, sowie Zoll-, Einfuhr- und Ausfuhrvorschriften kennen.14 „Im Markt der Übungsfirmen sind alle Branchen vertreten: Speditionen, Modehäuser und Baumärkte zählen dazu wie Computerhersteller, Chemieunternehmen oder Autohändler.“15 Alle diese Übungsfirmen setzen sich mit deren Trägern zum deutschen Übungsfirmenring zusammen und verfolgen als Ziel, die Förderung einer qualifizierten, berufspraktischen Maßnahme der Teilnehmer. Einmal jährlich organisiert der deutsche Übungsfirmenring die stattfindende Übungsfirmenmesse. Bei dieser wird das Konzept der Übungsfirmen der Öffentlichkeit vorgestellt und die Übungsfirmen können untereinander Geschäfte abwickeln und ihre Erkenntnisse austauschen. Träger der Übungsfirma können unterschiedliche Einrichtungen sein.16 Darunter zählen „Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke, Berufsfortbildungswerke des DGB, die Deutsche Angestellten Akademie sowie staatliche Schulen, Schulen und Akademien freier oder öffentlich-rechtlicher Träger und Wirtschaftsunternehmen.“17 Die Zentralstelle, in Deutschland Zentralstelle des Deutschen ÜbungsFirmenRings Essen genannt, stellt den Übungsfirmen eine große Anzahl von Dienstleistungen zur Verfügung, um das Marktgeschehen so realistisch wie möglich darzustellen. Zu diesen Dienstleistungen gehören, eine Bank zur Abwicklung des umfangreichen Zahlungsverkehrs zwischen den Übungsfirmen, Ämter und Behörden wie zum Beispiel die Agentur für Arbeit, das Finanzamt und die Krankenkassen.18 Da die Zentralstelle Mitglied von EUROPEN (European Practice Enterprises Network) ist, übernimmt diese auch noch Aufgaben innerhalb dieses Netzwerkes. Diese sind zum einen, den Übungsfirmen Informationen über Aktivitäten im internationalen Zahlungsverkehr zu vermitteln, zum anderen die Bereitstellung von Modalitäten für den internationalen Zahlungsverkehr und die Koordination des internationalen Datenaustausches. Ein weiterer Bereich ist die „Standardisierung und Aktualisierung des internationalen Branchenverzeichnisses“19, sowie die Koordination der Übungsfirmen Messen.20 Im nächsten Punkt sollen die Zielgruppen der Übungsfirma dargestellt werden.

[...]


1 Zusatzqualifikationen für Bürokaufleute. [http://www.buerokauffrauonline.de/zusatzqualifikationen.html; 30.03.2011].

2 Vgl. PFLUGFELDER, Michael: Normativität und Professionalität in der Übungsfirma. Von den theoretischen Grundlagen zum Beobachtungsbogen. Norderstedt: GRIN Verlag, 1. Auflage, 2007, S. 9 .

3 DAVID, Stefanie: Neue Methoden in der betrieblichen Ausbildung. Die Übungs- und Juniorfirma. Norderstedt: GRIN Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 12.

4 ETZEL, Gerhard: Besser mit Weiterbildung!. Trainingsexperten präsentieren erfolgreiche Konzepte. Norderstedt Books on Demand 1. Auflage, 2009, S. 131.

5 Vgl. DAVID 2008, S. 13.

6 Zentralstelle des deutschen Übungsfirmenrings Essen (ZÜF): Die Übungsfirma: Ein Modell mit Tradition [http://www.zuef.de/zentrale/InfoProdukte/Informationen/Die%C3%9Cbungsfirma/tabid/64/language/de-DE/Default.aspx; 31.03.2011].

7 Vgl. PAHL, Jörg-Peter: Berufsfachschule. Ausformung und Entwicklungsmöglichkeiten. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co.KG, 1. Auflage, 2009, S. 466.

8 Jugendprojekt ARGE Weltläden Übungsfirmen + Juniorenfirmen [http://www.fairjobbing.net/downloads/Leitfaden_Uebungsfirmen.pdf?sessfairj=f2885153530812888b002530a4c9dffa; 07.04.2011] S.1.

9 Vgl. DEIßINGER, Thomas; RUF, Michael: Übungsfirmen am kaufmännischen Berufskolleg in Baden-Württemberg. Praxisorientierung vollzeitschulischer Berufsbildung zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Paderborn: Eusl Verlag, 1. Auflage, 2006, S. 22.

10 RIEBENBAUER, Elisabeth. Agieren auf globalen Märkten. Welche Anforderungen stellt dies an die Übungsfirma?. 2006 [http://www.bwpat.de/ausgabe10/riebenbauer_bwpat10.shtml; 03.04.2011].

11 Vgl. EBBERS, Ilona. Wirtschaftsdidaktisch geleitete Unternehmenssimulation im Rahmen der Förderung von Existenzgründungen aus Hochschulen. Lohmar-Köln: EUL Verlag, 1. Auflage, 2004.

12 Vgl. EBBERS, Ilona. Wirtschaftsdidaktisch geleitete Unternehmenssimulation im Rahmen der Förderung von Existenzgründungen aus Hochschulen. Lohmar-Köln: EUL Verlag, 1. Auflage, 2004.

13 ebenda.

14 Vgl. DAVID 2008, S.15.

15 ZÜF 2010 [http://www.zuef.de/zentrale/InfoProdukte/Informationen/tabid/96/language/de-DE/Default.aspx; 03.04.2011].

16 Vgl. DAVID 2008, S. 15.

17 ebenda.

18 Vgl. ZÜF 2010 [http://www.zuef.de/zentrale/; 03.04.2011].

19 ZÜF 2010 [http://www.zuef.de/zentrale/; 03.04.2011].

20 Vgl. ebenda.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Übungsfirma. Mehr als nur eine Qualifikationsmaßnahme für die Ausbildung?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V286421
ISBN (eBook)
9783656866985
ISBN (Buch)
9783656866992
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
übungsfirma, mehr, qualifikationsmaßnahme, ausbildung
Arbeit zitieren
Konrad Steinwachs (Autor), 2011, Übungsfirma. Mehr als nur eine Qualifikationsmaßnahme für die Ausbildung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286421

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