Globalisierung und Aufgeklärtheit. Meinungsfreiheit und rationales Denken und Handeln. Die moderne deutsche Gesellschaft erscheint im aktuellen politischen Diskurs als frei,
unabhängig und demokratisch. Frei im Sinne von tabulos. Dennoch sind unangenehme Themen und Sachverhalte, wie Antisemitismus oder Sexualität, die gern verschleiert oder
durch Euphemismen umgangen werden, keine Seltenheit.
Es scheint als wäre das Phänomen in der modernen deutschen Gesellschaft noch immer existent, wenn gleich es einem Bedeutungs- und Wirkungswandel unterzogen wurde. Im Zuge dieser wissenschaftlichen Arbeit soll das Tabu auf seine Aktualität untersucht werden. Dazu wird die Frage beantwortet: „Gibt es in der deutschen Gesellschaft noch Tabus?“ Weiterhin wird erforscht, inwiefern sich Tabus im Alltag widerspiegeln. Des weiteren muss entschlüsselt werden, welche grundsätzliche Bedeutung ihnen zu kommt.
Die wissenschaftliche Arbeit soll zeigen, dass es in der modernen deutschen Gesellschaft tatsächlich Tabus gibt und diese auch in Zukunft bestand haben werden. Um dieses Ziel zu
erreichen, wird zunächst eine semantische Analyse des Phänomens erfolgen, da es zwar im gesellschaftlichen als auch im politischen Diskurs hochfrequent aber dennoch relativ
unscharf formuliert ist. Hier soll herausgearbeitet werden, wie sich die Definition von der Entstehung bis heute entwickelt hat. Daraus werden die verschiedenen Funktionen abgeleitet und unter zwei Kategorien subsumiert. Aus diesen beiden Herangehensweisen wird ein gemeinsamer Nenner formuliert. Dieser fungiert als Voraussetzung, um die verschiedenen Arten heutiger Tabus zu charakterisieren. Dies bildet den Abschluss der semantischen Analyse. Im zweiten Teil erfolgt die qualitative Inhaltsanalyse. Das Thema umfasst eine Fülle von
verschiedenem Textmaterial, welches systematisch ausgewertet werden soll, um die vielen Informationen auf das Wichtigste zu reduzieren. Ziel soll es sein, das vorhandene Material so zu dezimieren, dass nur die wesentlichen Inhalte zur Beantwortung der Fragestellung erhalten bleiben. Zunächst wird in diesem Zusammenhang die Methodik heutiger Tabus
untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Prolog
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit
2. Semantische Analyse des Phänomens Tabu
2.1 Die Entwicklung der verschiedene Definitionen
2.2 Funktionen von Tabus
2.3 Arten von Tabus
3. Qualitative Inhaltsanalyse
3.1 Verschiedene Handlungsakteure zur Darstellung der Methodik
3.2 Motive und Wirkungen von Tabus
3.3 Bezug zur aktuellen Tabuthematik und kritische Analyse der political correctness
4. Auswertung
4.1 Zusammenfassung der Kernthesen
4.2 Kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vorgehensweise
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht die Aktualität von Tabus in der modernen deutschen Gesellschaft und erforscht, wie sich diese im Alltag widerspiegeln und welche grundlegende Bedeutung ihnen zukommt.
- Semantische Entwicklung und Definition des Tabubegriffs
- Soziologische und psychoanalytische Funktionen von Tabus
- Kategorisierung in Handlungs-, Berührungs- und Wahrnehmungstabus
- Rolle der „political correctness“ im modernen Tabudiskurs
- Der Prozess der Tabuisierung, Tabubrüche und Enttabuisierung
Auszug aus dem Buch
2. Semantische Analyse des Phänomen Tabu
Der britische Seefahrer und Entdecker Capt´n James Cook (1728-1779), der aufgrund seiner drei Seefahrten in den Pazifischen Ozean weltweite Bekanntheit erlangte, entdeckte auf seinen Reisen viele Inseln , kartografierte und vermaß diese. Im Jahre 1776 trat er seine dritte große Seereise an. Neben Körben, Pflanzen, Tieren, Kleidungsstücken und Keulen brachte er auch das Wort „Ta-pu“ mit. Dieses hatte er erstmals im April 1777 auf den Tonga-Inseln wahr genommen, später auch auf Tahiti und Hawaii. Demnach stammt das Phänomen Tabu ursprünglich aus Polynesien. Cook beschrieb im Lochbuch seines Schiffes, dass Menschenopfer mit „Tangata Ta-pu“ und verbotene Speisen mit „Ta-pu“ bezeichnet wurden. Folglich gab es zu jener Zeit bereits eine Unterscheidung in zeitlich begrenzte Tabus: Beispielsweise wurde der Verzehr bestimmter Nahrungsmittel bei drohender Hungersnot oder nach schlechter Ernte auf den Tonga-Insel verboten. Übersetzt bedeutet „Ta“ = „kennzeichnen“ und „pu“ soviel wie „sehr, intensiv oder kräftig“. Zusammengefügt bedeutet es „sehr kennzeichnen“. Allerdings charakterisiert diese Übersetzung noch keine konkrete Definition. Aus diesem Grund soll im folgenden Abschnitt die Entwicklung des Tabus aus dem polynesischen Zeitalter bis in die heutige Gesellschaft skizziert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Prolog: Einführung in die Problemstellung, wonach trotz vermeintlicher Tabulosigkeit der modernen Gesellschaft weiterhin unangenehme Themen verschleiert werden, und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2. Semantische Analyse des Phänomens Tabu: Historische Herleitung des Begriffs aus Polynesien sowie Untersuchung verschiedener soziologischer und psychoanalytischer Definitionen und Funktionen.
3. Qualitative Inhaltsanalyse: Systematische Auswertung von Textmaterial zu den Handlungsakteuren (Tabugeber, -nehmer, -wächter), den Motiven sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der politischen Korrektheit.
4. Auswertung: Synthese der Erkenntnisse, die bestätigt, dass Tabus trotz Wandels als Mechanismen der Identitätssicherung und sozialen Kontrolle in modernen Gesellschaften fortbestehen.
Schlüsselwörter
Tabu, Soziale Forschung, Tabuisierung, Tabubruch, politische Korrektheit, Identität, Soziale Kontrolle, Sprachverbot, Semantische Analyse, Qualitative Inhaltsanalyse, Gesellschaftsstruktur, Meidungsgebot, Euphemismus, Diskurs, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Ausprägung von Tabus in der modernen deutschen Gesellschaft und analysiert, inwiefern das Phänomen trotz Aufgeklärtheit weiterhin besteht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Begriffsbestimmung, die soziopsychologischen Funktionen von Tabus sowie deren konkrete Erscheinungsformen in Sprache und Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu belegen, dass Tabus auch in der heutigen Gesellschaft existieren, und zu entschlüsseln, welche Bedeutung und Funktion sie für das soziale Zusammenleben haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, um verschiedenes Textmaterial systematisch auszuwerten und auf die wesentlichen Aspekte der Forschungsfrage zu reduzieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine semantische Analyse des Tabubegriffs, die Untersuchung der Akteure (Geber, Nehmer, Wächter) sowie eine Diskussion über politische Korrektheit als moderne Form der Sprachreglementierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Tabuisierung, soziale Kontrolle, politische Korrektheit, Identitätsstiftung und Meidungsgebote.
Wie unterscheiden sich die im Text genannten Akteure?
Der Autor unterscheidet zwischen dem Tabugeber, der die Macht zur Setzung hat, dem Tabunehmer, der diese anerkennt, und dem Tabuwächter, der die Einhaltung innerhalb des sozialen Systems überwacht.
Warum spielt die „political correctness“ in der Analyse eine Rolle?
Die „political correctness“ wird als moderne Entwicklung diskutiert, die zwar nicht mit klassischen Tabus identisch ist, aber durch Sprachreglementierungen das Verhalten und den Diskurs in der Gesellschaft stark beeinflusst.
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- Katharina Putz (Author), 2014, Gibt es in der deutschen Gesellschaft noch Tabus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286527