Die Implementierung des Nachhaltigkeitsgedanken in der beruflichen Bildung


Hausarbeit, 2014
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildungstheorien der Beruflichen Bildung
2.1 Neuhumanistischer Ansatz von Humboldt
2.2 Der kulturpädagogische Ansatz von Spranger
2.3 Die Bildung bei Wolfgang Klafki

3. Der Berufsbegriff
3.1 Stellenwert des Berufs
3.2 Spannungsfeld Beruf und berufliche Bildung nach Spranger

4. Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung

4.1 Die Integration der Idee der Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung und dabei aufkommende Problemlagen

5. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den vergangenen Tagen konnten interessierte Zeitungsleser den Verlauf der diesjährigen „DeGrowth“ Konferenz vom 2.- 6. September in Leipzig mit dem Titel „Fourth International Conference on Degrowth for Ecological Sustainability and Social Equity“ verfolgen. DeGrowth ist ein Zusammenschluss von Fachleuten, die sich gemeinsam für einen Ausbau einer nachhaltigen Entwicklung aussprechen und eine „Wachstumswende“ fordern. Die Mitglieder dieser Organisation vertreten die gemeinsame Annahme, dass eine auf Wachstum basierende Gesellschaft keine Zukunft haben wird. Den Abschluss der Konferenz bildete eine Demonstration durch Leipzig, um auch bei der breiten Öffentlichkeit auf sich und die Thematik aufmerksam zu machen. Veranstaltungen wie diese veranschaulichen, dass die Thematik der Nachhaltigkeit bereits ihren Weg in die Gesellschaft gefunden hat. Nachhaltig produzierte Kleidung, ökologisch einwandfreie Nahrung und nachhaltig organisierte Dienstleistungsunternehmen bieten sich einem schon bei der ersten Sucheingabe. Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung hingegen ergibt weit weniger Treffer und ist in der Öffentlichkeit längst nicht so präsent und wirft erst einmal Fragen auf. Was bedeutet nachhaltige Bildung? Wodurch zeichnet sich eine nachhaltige berufliche Bildung aus? Welche Vorkehrungen müssen getroffen sein, um nachhaltig beruflich ausbilden zu können? Stellt man Schüler*innen, Auszubildenden und Studierenden diese Fragen, blickt man häufig in fragende Gesichter, die einem zeigen: „Ich kapier´s nicht?“.

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird literaturgestützt erörtert, welche Relevanz die Idee der Nachhaltigkeit auch für die berufliche Bildung hat. Es wird erörtert, welche Voraussetzungen erforderlich sind, um die Idee der Nachhaltigkeit in die berufliche Bildung zu integrieren und welche Entwicklungen angestoßen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Zu diesem Zweck werden einleitend ausgewählte Bildungstheorien vorgestellt, um die geschichtliche Entwicklung und Entstehung der beruflichen Bildung darzustellen und verschiedene Definitionen der beruflichen Bildung zu erläutern. Dabei wird im ersten Unterpunkt näher auf den Bildungsbegriff von Humboldt eingegangen, anschließend der kulturpädagogische Ansatz von Spranger kurz skizziert und im dritten Unterpunkt die Bildungstheorie von Klafki vorgestellt. Im Folgenden wird der Berufsbegriff thematisiert und die historische Entwicklung des Berufes in den Fokus genommen. Der Stellenwert des Berufes und aktuelle Entwicklungen werden in Folge dessen diskutiert. Das zweite Kapitel schließt mit dem Spannungsfeld zwischen Beruf und der beruflichen Bildung ab und lässt erste Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Entwicklung einer nachhaltigen beruflichen Bildung erahnen.

Konkreter werden diese Problemlagen im dritten Kapitel, welches daran anschließend die wesentlichen Inhalte einer nachhaltigen Entwicklung darstellt, um diese mit der beruflichen Bildung zu verknüpfen. Abgerundet wird die Ausarbeitung durch die Schlussfolgerung, in der alle Kerngedanken der Implementierung der Nachhaltigkeitsidee in die berufliche Bildung gebündelt aufgeführt und bewertet werden.

2. Bildungstheorien der Beruflichen Bildung

Was ist Bildung? Welche Bildungstheorien gibt es? Diese Leitfragen werden in diesem Kapitel ergründet. Zunächst wird auf den Bildungsbegriff im Sinne der Pädagogik eingegangen und in Zuge dessen auf verschiedene Klassiker und den historischen Kontext hingewiesen. Zudem werden verschiedenen Definitionen des Bildungsbegriffes vorgestellt. Eine abschließende Definition des Bildungsbegriffes wird an dieser Stelle nicht gegeben, da der Bildungsbegriff in der Literatur nicht eindeutig definiert wird und verschiedenste Bildungstheorien existieren, die sich auf unterschiedliche Definitionen der Bildung beziehen.

Für den weiteren Verlauf der Arbeit wird der zentrale Gedanke der Aufklärung und die Bildungstheorie von Humboldt entscheidend sein. Dabei werden im Einzelnen die Ansätze und Bildungstheorien von Immanuel Kant (Was ist Aufklärung? 1784), Humboldt (Litauischer Schulplan 1809), Hartmut von Hentig (Essay, Bildung 1996) und Wolfgang Klafki (Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik 2007) näher betrachtet und in Bezug zueinander gesetzt. Zeitgeschichtlich einzuordnen ist dieses Kapitel der Ausarbeitung in der Zeit der Aufklärung, die durch individuelle sowie gesellschaftlich geistige Emanzipationsprozesse gekennzeichnet war. Kant prägte den philosophischen Idealismus, der in der Philosophie unterschiedliche Strömungen und Einzelpositionen hervorbrachte, welche die Wirklichkeit in radikaler Weise durch Erkenntnis und Denken bestimmen (vgl. Hügli & Lübcke, 2013 S. 22). Gleichwohl ist die Aufklärung die Epoche der literarischen Romantik und der Klassik. Lyriker, wie beispielsweise Heinrich Heine („Buch der Lieder“ 1827 und „die Lorelei“) veröffentlichten ihre Werke in dieser Zeit und nahmen damit einen entscheidenden Einfluss auf die deutsche Kultur. Bildungstheoretisch prägte Humboldt diese Zeit durch seinen Litauischen Schulplan, der im Zuge des Neuhumanismus entstand.

Einer der wichtigsten Klassiker der Aufklärung ist der Philosoph Immanuel Kant. Er beschäftigte sich mit der Bildung des Menschen und im Speziellen mit der Mündigkeit der Bürger, die einen zentralen Stellenwert bei der Integration der Idee einer nachhaltigen beruflichen Bildung einnimmt.

In dem Bildungsbegriff der „philosophisch-pädagogischen Klassik“, wie Klafki sie nennt, ist der Zentralgedanke der Aufklärung „aufgehoben“ (Klafki, 2007, S. 45). Zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert formulierte Kant in seinem bekannten Werk „Was ist Aufklärung?“ von 1784, den Satz „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Weiter heißt es „Habe Muth, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Rosenkranz & Schubert, 1838, S. 10). Das Ziel der freien Entfaltung der eigenen Möglichkeiten und Ausschöpfung der individuellen Potentiale wird in diesem Bildungsverständnis fokussiert. Jeder Mensch soll das Recht zur Selbstbestimmungsfähigkeit erlangen, so fordert es Kant (vgl. Klafki, 2007, S.45). Dieses Bildungsverständnis der Aufklärung bildet die Grundlage für die Ausführungen von Humboldt, Hentig und Klafki. Humboldts Konzept der allgemeinen Bildung baut auf den Kerngedanken der mündigen Bürger von Kant auf.

Für Humboldt bedeutet allgemeine Bildung die „innere Kraft“ und „Energie“ zu stärken und zu formen und in Zuge dessen die „höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“ zu ermöglichen. Dies stellt für ihn den „wahren Zweck des Menschen“ dar (Kutscha, 2003, S. 333). Unter Bildung versteht Humboldt also eine ausgewogene Entfaltung der jeweiligen Kräfte, z.B. Potenziale, die einem Menschen von Geburt an gegeben sind. Der Mensch muss selbst tätig werden und diese Kräfte fördern, damit sie sich zu einem Ganzen entwickeln können. Zur Trennung von allgemeiner und beruflicher Bildung äußert Humboldt sich in seinem Litauischen Schulplan. Für ihn werden beide Bildungen „durch verschiedene Grundsätze geleitet“ (ebd., 2003, S. 333), nämlich zum einen die Stärkung und Bündelung der Kräfte des Menschen in der Allgemeinen Bildung und zum anderen der Erhalt von Fertigkeiten zur Anwendung durch die berufliche Bildung (vgl. Kutscha, 2003, S. 333).

Hartmut von Hentig beschäftigt sich in seinem „Essay über die Bildung“ ebenfalls zu Beginn mit dem Bildungsbegriff und hält fest, dass für ihn Bildung als „Formung des Menschen“ ausgedrückt werden sollte. Alles was den Menschen umgibt formt und bildet ihn, so Hentig (vgl. von Hentig, 1996, S. 14). Über die Bedeutung der Bildung zu Zeiten Goethes formuliert Hentig, dass das Wort Bildung zum einen den Prozess und zum anderen das Ergebnis beinhalte. Ob der Prozess das Ergebnis bestimmt oder anders herum ist aus seiner Sicht nicht feststellbar (vgl. von Hentig, 1996, S. 19f).

Klafki bezieht sich mit seiner Bildungstheorie auf den Gedanken der Aufklärung und übernimmt das Ziel der Selbstbestimmung und Mündigkeit in seine drei Bedeutungsmomente des Begriffs „Allgemeinbildung“ (vgl. Klafki, 2007, S. 52).

Diese drei Bedeutungsmomente beinhalten:

(1) Bildung als demokratisches Bürgerrecht („Bildung für alle“) und als eine Bedingung der Selbstbestimmung
(2) Bildung unter der Bedingung des Mitbestimmungs- und Solidaritätsprinzips mit dem verbindlichen Kern des Gemeinsamen
(3) Bildung zur freien Entfaltung der Persönlichkeit in allen Grunddimensionen menschlicher Interessen und Fähigkeiten (vgl. Klafki, 2007, S. 54)

Klafki fordert eine neue Allgemeinbildungskonzeption als Orientierungsrahmen für die Reform des Bildungswesens und eine „Bildung für alle“ (ebd., 2007, S. 53). Dies impliziert ihm zufolge auch eine „bildungsorganisatorische Dimension“ (Klafki, 2007, S. 53), die sich durch den Abbau selektiver Faktoren sowie die konsequente Ausdehnung gemeinsamer Bildungseinrichtungen auszeichnet, denn „ein inhaltlich am Demokratieprinzip orientiertes Allgemeinbildungskonzept kann letztlich nicht von seinen organisatorischen Realisierungsbedingungen abgekoppelt werden“ (ebd., 2007, S. 53).

Auf die Bildungstheorie von Klafki wird im weiteren Verlauf erneut eingegangen, da die vom ihm formulierten drei Bedeutungsmomente eine wichtige Basis für die Entwicklung einer nachhaltigen beruflichen Bildung darstellen. Zunächst wird allerdings ein Einblick in den Neuhumanistischen Ansatz von Humboldt gegeben, da die Bildungstheorien von Spranger und Klafki auf diese aufbauen.

2.1 Neuhumanistischer Ansatz von Humboldt

In dem litauischen Schulplan von Wilhelm von Humboldt verfasst im Jahr 1809 ging es um die Frage wie öffentlicher Unterricht gestaltet und das Schulwesen organisiert werden solle. Wilhelm von Humboldt betrachtete die Trennung von allgemeiner und spezieller Bildung als unabdingbar, um die Bildung insgesamt nicht zu verunreinen (vgl. Kutscha, 2003, S. 331). In seinem Reformkonzept unterscheidet Humboldt drei Dimensionen der Allgemeinen Bildung. Die erste Dimension stellt für ihn die formale Dimension der Bildung dar. In ihr unterscheidet er die Allgemeine von der speziellen Bildung. So ist es die Aufgabe der Allgemeinen Bildung, die Kräfte des Menschen zu stärken, zu läutern und zu regeln. Dem gegenüber hat die spezielle Bildung die Aufgabe, dem Menschen Fertigkeiten zur Anwendung zu vermitteln (vgl. ebd., 2003, S. 330).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Implementierung des Nachhaltigkeitsgedanken in der beruflichen Bildung
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Leuphana College)
Veranstaltung
Theorien der beruflichen Bildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V286857
ISBN (eBook)
9783656876410
ISBN (Buch)
9783656876427
Dateigröße
798 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, berufliche Bildung, Nachhaltigkeitsgedanke Leuphana, nachhaltige berufliche Bildung, Humboldt, Klafki, Allgemeinbildung, Berufsschule
Arbeit zitieren
Nicoline Rohweder (Autor), 2014, Die Implementierung des Nachhaltigkeitsgedanken in der beruflichen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286857

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