Der Linguistik war es schon seit langer Zeit bekannt, dass eine Sprache kein genaues Geburtsdatum hat und sich unaufhörlich weiterentwickelt. Es wird vom sogenannten „Evolutionsprinzip“ gesprochen; der Tatsache, dass alles Menschliche veränderlich ist und deshalb auch die Sprache – als Teil des Menschen - sich konstant verändert. Wie genau dieser Prozess von statten geht und vor allem ab wann man sagen kann, dass eine Sprache „geboren“ wurde, ist ein äußerst komplexer Prozess. Der Vorgang der Ausgliederung von Sprachräumen mit Fokus auf die Iberische Halbinsel soll in vorliegender Arbeit erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Was ist Ausgliederung
1.2. Vertikale Kommunikation und Diglossie
1.3. Multikausalität
2. Hauptteil
2.1. Thesen zur Ausgliederung der romanischen Sprachen
2.1.1. Substrat-, Superstrat-, Adstrattheorie
2.1.1.1. Substrateinflüsse
2.1.1.2. Superstrateinflüsse
2.1.1.3. Adstrateinflüsse
2.1.2. Die Rolle der Kontaktverhältnisse und Verkehrsbedingungen
2.1.2.1. Kontaktverhältnisse
2.1.2.2. Verkehrsbedingungen
2.1.3. Chronologie und Intensität der Romanisierung
2.1.3.1. Gröbertheorie
2.1.3.2. Kritik
2.2. Soziale und regionale Herkunft der Romanisierungsträger
2.2.1. Westen vs. Osten
2.2.2. Sprachbeispiel
2.2.3. Situation auf der Iberischen Halbinsel
2.2.4. Kritik
2.3. Kräfteverhältnis zwischen Sprachneuerung und Sprachtradition
2.3.1. Sprachtradition vs. Sprachneuerung
2.3.2. Sprachbeispiel
2.4. Soziale Herkunft der Romanisierungsträger als Grundlage für spätere Sprachpolitik/Sprachtradition?
2.4.1. Versuch eines Vergleiches
2.4.2. Restauration (Karolingische Reform)
2.4.3. Konzil von Tours
3. Schluss
3.1. Ende der Vertikalen Kommunikation
3.2. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Prozess der Ausgliederung der romanischen Sprachräume mit einem spezifischen Fokus auf die Iberische Halbinsel. Ziel ist es, die multikausalen Ursachen für das Zerbrechen der vertikalen Kommunikation und die daraus resultierende Entstehung eigenständiger romanischer Identitäten wissenschaftlich zu beleuchten.
- Multikausaler Ansatz zur Sprachausgliederung
- Analyse von Substrat-, Superstrat- und Adstrat-Theorien
- Soziale und regionale Herkunft der Romanisierungsträger
- Spannungsfeld zwischen Sprachtradition und Sprachneuerung
- Historische Zäsuren wie die Karolingische Reform und das Konzil von Tours
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Die Situation auf der Iberischen Halbinsel
Wie jedoch war die Situation auf der Iberischen Halbinsel? Der deutsche Romanist Harri Meier ging von zwei sozio-kulturell unterschiedlichen Romanisierungszentren aus. Diese sollen an der späteren inneriberoromanischen Differenzierung und Ausgliederung beteiligt gewesen sein. Im Jahre 218 v. Chr. kam es zur Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Römer. Bis zur vollständigen Romanisierung der Iberischen Halbinsel vergingen etwa 200 Jahre (bis 19 v.Chr.). In dieser relativ langen Eroberungszeit gab es zwei unterschiedliche Romanisierungsströme. Hispanien wurde von den Römer in zwei Provinzen eingeteilt: Hispania Citerior (Tarraconensis) und Hispania Ulterior (Baetica). Die Baetica, im Süden der Insel gelegen, wurde tiefgreifend romanisiert. Die Bevölkerung nahm die Bräuche, Sitten, Kultur und Sprache der Römer an. Eine ältere Form des Lateins (im Vergleich zum Norden) wurde angenommen. Die dort herrschende städtische Kultur zog Römer aus einer höheren sozialen Schicht an, deren Grundlage ein konservativeres und „reineres“ Latein war. In der Provinz der Tarraconensis (heute: Nordspanien) begann die Romanisierung erst, als sie im Süden bereits abgeschlossen war. Als Grundlage diente demzufolge eine jüngere Form des Lateins. Die Romanisierung war nur wenig tiefgreifend; es existierte kaum städtische Kultur, da sich hauptsächlich Soldaten aus geringeren Bildungsschichten ansiedelten. Es entstand ein sogenannter Dualismus zwischen Baetica und Tarraconensis, der an der späteren innerromanischen Differenzierung und Ausgliederung beteiligt gewesen ist. Dieser Dualismus schlägt sich noch heute im Gegensatz zwischen Katalanisch-Aragonensisch einerseits und Asturisch-Leonisch andererseits nieder. Das Kastilische nimmt dabei eine Art Mittelstellung ein, nämlich dort, wo beide Ströme aufeinander treffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den Begriff der Ausgliederung und erläutert das theoretische Fundament der vertikalen Kommunikation sowie das Konzept der Diglossie.
2. Hauptteil: Untersucht verschiedene linguistische Thesen zur Sprachausgliederung, angefangen bei fremdsprachlichen Einflüssen über soziokulturelle Herkunft der Romanisierungsträger bis hin zu politischen Reformbewegungen.
3. Schluss: Identifiziert das Konzil von Tours als entscheidenden Indikator für das Ende der vertikalen Kommunikation und fasst die multikausale Entwicklung zusammen.
Schlüsselwörter
Ausgliederung, Romanistik, Iberische Halbinsel, vertikale Kommunikation, Diglossie, Multikausalität, Substrat, Superstrat, Adstrat, Romanisierung, Sprachtradition, Sprachneuerung, Karolingische Reform, Konzil von Tours, Iberoromania
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den historischen und sprachwissenschaftlichen Prozess der Ausgliederung der romanischen Sprachen von ihrem lateinischen Ursprung, insbesondere auf der Iberischen Halbinsel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die soziokulturellen Bedingungen der Romanisierung, der Einfluss fremder Sprachschichten sowie das Spannungsverhältnis zwischen der bewahrten lateinischen Tradition und sprachlichen Neuerungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu zeigen, dass die Sprachausgliederung kein singuläres Ereignis war, sondern ein komplexer, multikausaler Prozess, der über Jahrhunderte hinweg durch verschiedene Faktoren beeinflusst wurde.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener romanistischer Theorien, die durch konkrete Sprachbeispiele und historische Belege (wie das Konzil von Tours) untermauert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Thesen zur Ausgliederung (Substrat/Superstrat), die Rolle der Kontaktverhältnisse zu Rom, die soziale Herkunft der Romanisierungsträger sowie historische Reaktionen wie die Karolingische Reform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Multikausalität, Diglossie, Romanisierung, Iberoromania, Sprachtradition und Sprachneuerung.
Wie unterscheidet sich die Romanisierung der Baetica von der Tarraconensis?
Die Baetica wurde tiefgreifend durch eine städtische Kultur und eine ältere Form des Lateins romanisiert, während die Tarraconensis durch Soldaten aus geringeren Bildungsschichten und eine spätere, weniger tiefgreifende Romanisierung geprägt war.
Warum wird das Konzil von Tours als wichtiges Ereignis genannt?
Das Konzil von Tours ist ein zentrales Indiz für das Ende der vertikalen Kommunikation, da es explizit die Übertragung von Predigten in die Volkssprache forderte, was die Trennung zwischen Latein und den entstehenden romanischen Sprachen verdeutlicht.
- Citar trabajo
- Susanne Zeller (Autor), 2012, Die Ausgliederung der Sprachräume auf der Iberischen Halbinsel. Ein multikausaler Prozess, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286900