Dialogisches Elterncoaching und Konfliktmanagement in der Elternbildung


Hausarbeit, 2014
33 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bedeutung von Elternbildung

3 Was ist dialogisches ElternCoaching?

4 Die Bedeutung der Dialogischen Haltung im dialogischen Eltercoaching und Konflikt-management

5 Die Rolle des Seminarleiters und der Fachkräfte im dialogischen ElternCoaching

6 Seminarablauf
6.1 Elternwerkstatt
6.2 Kinderentwicklungslabor
6.3 Elternuniversität
6.4 Konfliktmanagement

7 Fazit

8 Anhang
8.1 Namenanalyse
8.2 Veränderungskalender
8.3 Entwicklungsgeschichte meines Kindes
8.4 Buch der Stärken meines Kindes
8.5 Krisen- und Ereignisweg der Familie
8.6 Transkript Experteninterview C. H., Soest den 19.09.2014

9 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Während meiner Praxisphasen, die ich vor und auch während des Studiums absolviert habe, musste ich mich immer wieder mit der Frage auseinandersetzen auf welche Art und Weise ich mit Klienten/innen umgehen soll. Was ist die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz? Darf ich als „Professionelle“ Privates von mir Preis geben? Oder verschwimmt somit die Grenze zwischen dem strikt voneinander zu trennenden Beruflichen und dem Privaten? Was bedeutet überhaupt „professionelle Distanz“? Besonders im Bereich der Erziehungshilfe oder auch in Elternbildungsseminaren arbeitet man mit seinen Klienten/innen sehr nah zusammen. Bei dieser Arbeit, die auf zwischenmenschlichen Beziehungen basiert, ist es unabdingbar eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Gegenüber aufzubauen, um erfolgreich arbeiten zu können. Schließlich ist es bei Hilfen, die sich auf familiärer Ebene bewegen unvermeidbar in die Privatsphäre des Klientels einzudringen. Dies kann sich allerdings als schwierig gestalten vor allem dann, wenn die Klienten/innen sich nicht sicher fühlen, misstrauisch werden oder sich bevormundet fühlen. Viele Eltern haben Angst, jemand Fremdem ihre Probleme anzuvertrauen, was selbstverständlich auch nachvollziehbar ist.

Es gibt immer mehr Angebote für Hilfe suchende Eltern im Bereich der Elternbildung. Sie wünschen sich Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder und erhoffen sich Antworten auf ihre Fragen. Oftmals stellt es für die aufsuchenden Eltern jedoch auch eine Hürde dar zu diesen Seminaren zu kommen. Viele schämen sich dafür, es nicht „alleine“ hinzukriegen oder haben Angst davor, für „dumm“ erklärt zu werden. Um die Eltern nicht direkt zu verschrecken, bemühen sich die Leiter/innen der Elternbildungsangebote sehr darum, den Eltern ein Gefühl der Wertschätzung, Akzeptanz und des Verständnisses zu geben. Eines der Elternbildungsangebote die versuchen das richtige Gleichgewicht zwischen Distanz und Nähe zu meistern ist das Dialogische ElternCoaching und Konfliktmanagement, das erst vor wenigen Jahren entwickelt und speziell für die und von der Diakonie Ruhr-Hellweg in Zusammenarbeit mit Remi Stork konzipiert wurde.

Zu Beginn dieser Arbeit werde ich erstmals auf die Bedeutung der Elternbildung im Allgemeinen eingehen. Es wird beschrieben, warum die Elternbildung eine immer größere Rolle in der heutigen Gesellschaft spielt. Daraufhin werde ich das Prinzip des dialogischen Elterncoachings erläutern und dessen Kerngedanken konkretisieren. Als nächstes werde ich in dieser Arbeit die Grundlagen der „dialogischen Haltung“ darlegen, die den Schwerpunkt der Arbeit mit der oben benannten Methode der Elternbildung ausmacht. Schließlich werde ich mich dem Seminarablauf des Dialogischen ElternCoachings zuwenden, der sich aus den vier Stationen „Elternwerkstatt“, „Kinderentwicklungslabor“, Elternuniversität“ und „Konfliktmanagement“ zusammensetzt. Abschließend werde ich ein Fazit erstellen, das sich kritisch mit dem vorgestelltem Konzept auseinander setzt.

2 Bedeutung von Elternbildung

In den letzten Jahrzehnten hat die Frage nach der „richtigen“ Erziehung der Kinder immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dies liegt unter anderem daran, dass immer weniger allgemeingültige Richtlinien für Erziehung existieren. Unsere Gesellschaft hat sich dahingehend verändert, dass sich Eltern nun selbst zwischen den unzähligen Erziehungsstilen- und Methoden entscheiden müssen. Vom Laissez-Fair bis zum autoritären Erziehungsstil ist alles möglich. Aus diesem Grund macht sich bei den Erziehungsberechtigen immer mehr Unsicherheit breit wie konsequent oder locker man seine Kinder erziehen sollte, ob man eine freundschaftliche Beziehung mit seinen Kindern pflegen sollte oder inwieweit man als Autoritätsperson gelten muss (vgl. Tschöpe-Scheffler 2005, S.9 f.). Ferner wurde im Jahr 2000 das Gesetz zum Recht des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung verabschiedet. Es gibt immer mehr Freiheiten, aber dennoch auch mehr Einschränkungen in Bezug auf die Optionen, die man zur Erziehung seiner Kinder hat (vgl. Tschöpe-Scheffler 2005, S.13). Dementsprechend steigt die Nachfrage nach Angeboten, die den Eltern dabei helfen sollen, die geeignete Erziehungsmethode zu finden.

Hinzu kommt, dass das Familiensystem sich im ständigen Wandel befindet. Das alte Familiensystem „Vater-Mutter-Kind“ hat ausgedient. Natürlich gibt es diese Familienkonstellation gegenwärtig noch, dennoch kommen immer mehr Familienformen hinzu. Von Patchwork-Familien über gleichgeschlechtliche Paare mit Kind bis hin zu alleinerziehenden Vätern und Müttern sind viele verschiedene Lebensformen möglich. Auch gibt es zwischen den Erziehungsberechtigten meistens keine klassische Rollenaufteilung mehr (vgl. Barbara Ehrlich S.9, 2011). Die neuen, alternativen Formen der Familienzusammensetzung bringen neue Herausforderung für alle Beteiligten mit sich. Es kommen immer mehr Reibungspunkte hinzu, die zu innerfamiliären Konflikten führen können. Auch hier erhoffen sich die Familienmitglieder Hilfe und Tipps von Experten, da oftmals Ratlosigkeit und Orientierungslosigkeit an der Tagesordnung stehen.

Zusätzlich zu den bereits oben erwähnten Punkten klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Die von Armut und von existentieller Angst behafteten Familien sind somit zusätzlichem Stress ausgesetzt, der sich natürlich auch in der Familiensituation widerspiegelt (vgl. Tschöpe-Scheffler 2005, S.9f.). „Viele Erwachsene fühlen sich derart belastet, dass ihnen für die Aufgaben der Erziehung kaum noch Kraft bleibt. Überforderung, Hilflosigkeit und Unsicherheit nehmen zu“ (Tschöpe-Scheffler 2005, S.10).

Trotz der steigenden Nachfrage nach Elternbildungsangeboten und der hohen Nachfrage nach diesen stellt es eine Hürde für Eltern dar diese anzunehmen (vgl. Barbara Ehrlich 2013, S.10). Umso wichtiger ist es den Eltern, die die Elternangebote nutzen und annehmen, das Gefühl zu geben sich nicht schämen zu müssen und mit ihnen gemeinsam zu arbeiten, anstatt ihnen den Eindruck zu vermitteln, dass sie versagt haben. Es gibt Unmengen an Methoden, Konzepten und Seminaren, die genau dieses versuchen. Entscheidend ist, „ob das Konzept des Elternkurses angstfreie Räume, Anregungen und Möglichkeiten zur Selbstreflexion und Selbsterkenntnis bietet“ (Tschöpe-Scheffler 2003, zit. nach Schopp 2013,S. 20). Eines der in den letzten Jahren unter diesem Gesichtspunkt entwickelten Konzepte ist das Dialogische ElternCoaching, das Reinhart Wolff und Remi Stork gemeinsam im gleichnamigen Buch vorstellen. Dieses Konzept wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher beschrieben.

3 Was ist dialogisches ElternCoaching?

Das Dialogische ElternCoaching ist ein Konzept, das die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachkräften von einem völlig neuen Blickwinkel aus betrachtet. Bisher galt die Annahme Fachkräfte müssten sich von ihren Klienten/innen distanzieren, um professionell, gezielt und erfolgreich arbeiten zu können. Das Dialogische ElternCoaching stellt die These auf, die übliche Balance zwischen Nähe und Distanz sei nur ein Selbstschutz der Fachkräfte (vgl. Wolff/Stork 2013, S.5). Außerdem lernten Eltern von den Fachkräften und keinesfalls andersrum, sodass nur eine sehr einseitige Lern- Lehrbeziehung zustande kam.

Das Dialogische ElternCoaching stellt, nicht zuletzt aufgrund des statt gefundenen Paradigmenwechsels, eben diese Arbeitsweisen in Frage. Immerhin greifen Fachkräfte, sowohl im Schulbereich und in den Kindertagesstätten, als auch den in Bereichen der ambulanten und stationären Erziehungshilfeeinrichtungen ganz massiv in die Privatsphäre der Betroffenen ein und erwarten Zusammenarbeit und vor allem Offenheit, ohne viel von sich Preis zu geben.

Oftmals weckt dies Misstrauen bei den Klientinnen und Klienten und verunsichert diese, was zu „Passivität oder Widerstand“ (Wolff/Stork 2013, S.5) den Professionellen gegenüber führt. Ist es möglich, dass eine Reduzierung der „professionellen Distanz“ es unseren Klienten/innen ermöglicht, offener, aktiver und weniger ängstlich mit den Fachkräften zu kommunizieren? Können wir als

Fachkräfte nicht ebenso von den Eltern lernen? Sind Fachkräfte wirklich so unfehlbar wie sie von vielen Eltern gesehen werden?

Das hier vorgestellte Konzept bietet bei der Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften neue Möglichkeiten: „ Eine neue Architektur der Zusammenarbeit sowie dialogische Methoden und Arbeitsformen für ein gemeinsames Lernen von Fachkräften und Eltern“ (Wolff/Stork 2013, S. 5). Die dazugehörigen Methoden wurden während der letzten 10 Jahre von Fachkräften aus Wissenschaft und Praxis des Kroneberger Kreises für Dialogische Qualitätsentwicklung entwickelt und erprobt.

Hierbei handelt es sich nicht allein um eine Methode, „[…] sondern um eine Haltung, die eine auf Prozesshaftigkeit angelegte existentielle Begegnung mit sich selbst und dem anderen initiiert“ (Schopp 2013, S.17). Denn Konzepte, Methoden und Trainings allein können nicht zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Klienten/innen führen, da hier auch zwischenmenschliche Beziehungen eine bedeutende Rolle einnehmen (vgl. Schopp 2013, S.17). Bei dem Seminar des Dialogischen ElternCoachings geht es keinesfalls darum, den „dummen, unwissenden Eltern“ aufzuzeigen, wie sie ihre so genannten „Problemkinder“ zu gut angepassten, braven Vorzeigekindern machen (vgl. Schopp 2013, S.18). Es geht vielmehr darum, mit den Eltern auf Augenhöhe zu arbeiten, auch ein Stück von sich selbst Preis zu geben, sich zu öffnen und nicht distanziert und von oben herab Eltern Anweisungen zu geben wie sie es richtig machen, sondern es mit ihnen zusammen zu (er)arbeiten. Die Klientinnen und Klienten werden wertgeschätzt und geachtet, anstatt für „unwissend“ erklärt zu werden. Außerdem ist es sehr wichtig, dass die Fachkräfte bei den im späteren Teil der Arbeit vorgestellten Methoden aktiv mitmachen, anstatt die Eltern dabei zu beobachten, sodass kein Machtungleichgewicht entsteht. Im dialogischen ElternCoaching ist die Grundhaltung, die vermittelt wird und auf Wertschätzung und Akzeptanz basiert, ausschlaggebend (vgl. H. 2014). Hier ist die dialogische Haltung, die im weiteren Verlauf näher beschrieben wird, von großer Relevanz (vgl. Wolff/Stork 2013, S.23).

Das dialogische ElternCoaching dient dazu, einen Denkprozess anzuleiten, der den Klientinnen und Klienten ermöglicht, zu sich selbst zu finden, sich den eigenen „Erfahrungen, Gefühlen, Lebensthemen, Sehnsüchten, Problemen, aber auch ihren Stärken und Schwächen“ (Schopp 2013, S.18) bewusst zu werden und dieses Wissen aktiv zu nutzen. Denn nicht wir als Fachkräfte, sondern die Erziehungsberechtigten selbst sind die Experten/innen in ihrer eigenen Sache. Es gibt somit nicht die eine perfekte Erziehung. Erziehung ist individuell, setzt Selbstkritik und Selbstentwicklung voraus und ist von verschiedenen Faktoren der Person selbst abhängig wie z.B. der Biografie, der Lebensumstände, der Familienverhältnisse usw. Während der Seminare können sich Eltern austauschen und über ihre Erziehungsmaßnahmen und Probleme offen mit anderen diskutieren. Hierbei entwickeln sich oftmals „[…] neue Sichtweisen, die Eltern helfen, ihr Repertoire an Handlungsspielräumen zu erweitern […]“(Schopp 2013, S.19). Der Fokus wird nicht auf die Defizite der Seminarteilnehmer/innen gelegt, sondern auf ihre Ressourcen (vgl. H. 2014). Es wird die Überzeugung vertreten, dass jeder Mensch in der Lage dazu ist, sich selbst dazu zu befähigen Antworten und Lösungen auf seine Antworten zu finden, sich weiter zu entwickeln und von anderen, ebenso wie von sich selbst, zu lernen. Dies geschieht innerhalb der Gruppe, die an den Seminaren teilnimmt, mit Hilfe des Dialogs. Es soll während des in der Gruppe stattfindenden Dialogs auf keinen Fall Druck entstehen, richtige Antworten zu liefern. „Wir müssen einen leeren Raum haben, wo wir nicht verpflichtet sind, etwas zu tun, zu irgendwelchen Schlüssen zu kommen, etwas zu sagen oder nichts zu sagen. Der Dialog bleibt offen und frei, ein leerer Raum“ (Schopp 2013, S.23). Das Besondere an den Seminaren ist, dass die Eltern gemeinsam mit ihrer in der Jugendhilfe arbeitenden Fachkraft daran teilnehmen müssen. Die Anwesenheit beider Beteiligten ist somit die Voraussetzung für die Teilnahme an dem Seminar (vgl. H. 2014). Sie erarbeiten alles gemeinsam und befinden sich dabei auf einer Ebene. Hierbei entwickelt sich zwischen den Klienten/innen und den Fachkräften eine ganz neue Beziehungsebene und es wird eine Grenze der Distanz überschritten, die ansonsten immer aufrechterhalten wird. Fachkräfte und Eltern nehmen an dem Seminar als „Lehrende und Lernende“ teil (vgl. H. 2014). In Zusammenarbeit mit Remi Stork wurde dieses Konzept speziell für die Diakonie Ruhr-Hellweg angepasst, sodass nun seit 3 Jahren das Dialogische ElternCoaching von der Diakonie Ruhr-Hellweg für Eltern angeboten wird. Die Seminare erstrecken sich hier über 3 Wochenenden über ein halbes Jahr verteilt und finden in ruhig gelegenen, angemieteten Seminarhäusern statt, in denen die Teilnehmer auch übernachten. Bisher fanden die Seminare nur intern von der Diakonie Ruhr-Hellweg statt. Ab diesem Jahr sind die Seminare auch für Externe zugelassen (vgl. H. 2014).

4 Die Bedeutung der Dialogischen Haltung im dialogischen Eltercoaching und Konflikt-management

Wenn man das Wesen des Dialogischen ElternCoachings verstehen will, muss man den Begriff des „Dialogs“, wie er hier verstanden wird, verstehen. Im Duden wird der Begriff „Dialog“ folgendermaßen definiert:

„von zwei oder mehreren Personen abwechselnd geführte Rede und Gegenrede; Zwiegespräch, Wechselrede“.

Dies ist aber auf keinen Fall die Definition von Dialog wie er im Dialogischen ElternCoaching verstanden wird. Hier geht es weniger darum einfach nur Informationen oder Sichtweisen auszutauschen. Noch weniger steht im Vordergrund aus den gesammelten Informationen eine allgemeingültige Schlussfolgerung zu erstellen. Der Dialog soll dazu genutzt werden, offen und ohne Vorurteile verschiedene Sichtweisen, Erfahrungen und Erkenntnisse anzunehmen und zu verstehen (vgl. Schopp 2013, S. 53). Der Dialog in dem Sinne fordert Offenheit, Respekt und Neugierde den anderen Seminarteilnehmern/innen gegenüber. Es geht nicht darum, für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer Sympathie zu empfinden, sondern darum „ [….] sich als Wesen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten und Ausdrucksmerkmalen […]“ anzunehmen (Schopp 2013, S.57). Alle Teilnehmenden des Dialogs, sowohl Fachkräfte als auch Eltern, sind gleichwürdige Partner, die sich auf einer Ebene bewegen. Es darf kein Machtgefälle entstehen, bei dem man sich gegenseitig ermahnt oder belehrt. Auch der Seminarleiter darf unter keinen Umständen seine Meinung über die der anderen stellen. Der Dialog setzt voraus, dass man wahrhaftiges Interesse an den Sichtweisen, dem Wissen und den Gefühlen seines Gegenübers hat, „[…] er ist der Schlüssel im Umgang mit den teilnehmenden Eltern“ (Schopp 2013, S.56).

Es sollen Fragen beantwortet werden, die den Teilnehmern/innen auf der Seele brennen. Es gibt allerdings nicht nur eine richtige Antwort, sondern schlichtweg mehrere Antworten. Die Menschen sollen sich in ihrer Unterschiedlichkeit kennenlernen und diese annehmen als „Reichtum menschlicher Vielfalt“ (Schopp 2013, S.55). Dies führt dazu, dass das „Fremde“ in den Anderen nicht mehr als bedrohlich gesehen wird, sondern als Bereicherung. Die Teilnehmer/innen lernen die Unterschiede zwischen sich und ihren Kindern, sowie auch Nachbarn, Familienmitgliedern etc. wahrzunehmen und als „normal“ zu betrachten, anstatt diese ändern zu wollen. Das „Andere im Anderen“ soll bestätigt werden. Die Bestätigung als Mensch darf allerdings nicht mit dem „befürworten“ kritikwürdiger Verhaltensweisen gleich gestellt werden (vgl. Schopp 2013, S.59ff.). Außerdem soll die Erfahrung der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit der Gruppe die Eltern dazu befähigen auch achtsamer und feinfühliger ihren Kindern gegenüber zu sein. Alle Dialogpartner, der Seminarleiter und die teilnehmenden Fachkräfte mit eingeschlossen, sind Schülern/innen und Lehrern/innen zum gleichen Teil. Wird eine Frage oder eine Meinung in den Raum gestellt, so werden diese unkommentiert im Raum stehen gelassen. Die anderen Teilnehmer/innen erläutern daraufhin ihre Sichtweisen und Erfahrungen, ohne den anderen zu ermahnen oder sich abfällig zu äußern. Man lernt von den Erfahrungen, Gefühlen und Sichtweisen seiner Mitmenschen, ohne sie ständig zu beurteilen (vgl. Schopp 2013, S.55 ff.).

Natürlich ist es nicht immer einfach vorurteilsfrei auf bestimmte Themen einzugehen, wie zum Beispiel dann, wenn es zum Tabu-Thema „Schlagen“ kommt. Doch gerade bei diesem Thema hat Johannes Schopp „[….] wiederholt eine spürbare Entlastung der Eltern erlebt, wenn sie ohne Schuldgefühle vor anderen Vätern und Müttern gestehen konnten, dass sie in eskalierenden Situationen ihre Kinder schlagen“ (Schopp 2013, S.56f.). Für die Eltern ist es wichtig, sich über dieses Thema auszutauschen, Alternativen von Gleichgesinnten anzuhören und diese auch anzunehmen. Das Gefühl des Scharms und des Versagens Fehler zu machen rückt in den Hintergrund. Stattdessen geht es darum es in Zukunft anders zu gestalten und das geht am besten dann, wenn man sich mit Menschen austauschen kann, die einem zuhören, anstatt einen zu verurteilen und gewillt sind gemeinsam nach Lösungen zu suchen(vgl. Schopp 2013, S.56f.).

Doch nicht nur das Wahrnehmen des Gegenübers ist von großer Bedeutung. Es ist ebenfalls wichtig darauf zu achten wie man selbst auf das Erzählte reagiert, wie man zuhört und was man als Dialogbegleiter/in und Teilnehmer/in empfindet (vgl. Schopp 2013, S.95ff.).

5 Die Rolle des Seminarleiters und der Fachkräfte im dialogischen ElternCoaching

Der/die Seminarleiter/in, auch Dialogbegleiter/in genannt, ist während der Seminare nicht dazu da, allgemeingeltende, richtige Antworten auf alle Fragen der Teilnehmenden zu geben. Er ist dazu da, „[…] das Seminar zu strukturieren und zu moderieren und darauf zu achten, dass den Personen, die daran teilnehmen ein möglichst großer Raum geschaffen wird, dass sie sich entfalten können und, dass sie Ideen und Lösungen für ihre Anliegen entwickeln können […]“(H. 2014). Er gibt Anstöße, stellt Fragen und versucht, so gut wie nur möglich, Vorurteile und Bewertungen abzuwehren. Um den Dialog voran zu treiben stellt der/die Dialogbegleiter/in unter anderem Fragen wie: „Wollen Sie von den anderen hören, wie Sie an Ihrer Stelle gehandelt hätten?“ oder „Wer kennt ähnliche Ängste bei sich oder bei Menschen, die Ihnen nahe stehen?“ (Schopp 2013, S.43). Er bereitet bestimmte, geeignete Arbeitsweisen für die Seminare vor und leitet die Diskussionen. Ansonsten hält sich der/die Seminarleiter/in so gut es geht im Hintergrund und lässt den Dialog einfach „geschehen“. Wichtig: Auch alle Fachkräfte sind aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer (vgl. Wolff/Stork 2013 S.105).

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Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Dialogisches Elterncoaching und Konfliktmanagement in der Elternbildung
Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
33
Katalognummer
V286904
ISBN (eBook)
9783656908951
ISBN (Buch)
9783656908968
Dateigröße
952 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dialogisches, elterncoaching, konfliktmanagement, elternbildung
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Dialogisches Elterncoaching und Konfliktmanagement in der Elternbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286904

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