Der Kriegsbegriff in den Überschriften des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zwischen 1947-2013

Eine quantitative Inhaltsanalyse


Hausarbeit, 2014
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Fragestellung

2. Einführung in die Methodik

3. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
3.1 Wie hat sich allgemein die quantitative Frequenz des Begriffs „Krieg“ innerhalb des angegebenen Zeitraums verändert?
3.2 In welcher Häufigkeit tritt der Begriff „Krieg“ in Verbindung mit den einzelnen ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats (Großbritannien, USA, Russland, Frankreich, China) in den Titeln und Vorspännen der Artikel auf?

4. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang: Datentabellen der Erhebung

1. Einführung in die Fragestellung

Die vorliegende Hausarbeit hat die Zielsetzung, eine quantitative Langzeit-Inhaltsanalyse des Kriegsbegriffs innerhalb der Titel und Vorspänne im deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel über den Zeitraum vom 31. Dezember 1947 – 31. Dezember 2013 durchzuführen. Uns interessiert, ob die Frequenz des Begriffs „Krieg“ über diesen Zeitraum tendenziell eher gleich bleibt, oder aber deutliche Veränderungen oder vielleicht auch Regelmäßigkeiten aufweist. In einem zweiten Schritt ergänzen wir den Kriegsbegriff in der Suchmaske unserer Erhebung jeweils um ein ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats, um vergleichend quantitative Unterschiede oder Gemeinsamkeiten in den Entwicklungen herauszufinden. Auf die Systematik dieser Länderauswahl gehen wir an späterer Stelle genauer ein.

Dabei gilt es, diese beiden offenen Fragestellungen zu bearbeiten:

1. Wie hat sich allgemein die quantitative Frequenz des Begriffs „Krieg“ innerhalb des angegebenen Zeitraums verändert? (Wie oft kam er in den Überschriften und Vorspännen vor?)
2. In welcher Häufigkeit tritt der Begriff „Krieg“ in Verbindung mit den einzelnen ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats (Großbritannien, USA, Russland, Frankreich, China) in den Titeln und Vorspännen der Artikel auf?

Um Missverständnissen vorzubeugen, soll an dieser Stelle erwähnt sein, dass die Häufigkeit des Kriegsbegriffs in der Berichterstattung keineswegs gleichzusetzen ist mit der Häufigkeit der allgemeinen Kriegsberichterstattung in dem Nachrichtenmagazin. Dies ist aus methodischen Gründen nicht der Erhebungsanspruch dieser Hausarbeit. Die jeweilige einzelfallorientierte Erfassung des semantischen Gehalts des Begriffs muss in diesem Fall dem großen Untersuchungszeitraum Tribut zollen. Daher sind vereinzelt begriffliche Mehrdeutigkeiten nicht zu verhindern. Dennoch geben die aus der Erhebung hervorgegangen Daten durchaus interessante Einblicke in die Langzeit-Veränderungen des Kriegsbegriffs in Deutschlands meistverkauftem[1] Nachrichtenmagazin.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. 1: Überblick über die Methodik der Erhebung

2. Einführung in die Methodik

Selbst erstellt

Gegenstand der Erhebung sind nur Artikel der Printausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, welche in den Überschriften und Vorspännen den Begriff „Krieg“ oder dessen Pluralform „Kriege“ enthalten, nicht etwa Überschriften von Sonderausgaben des Magazins, wie zum Beispiel Spiegel Geschichte oder Uni-Spiegel. Die Grundgesamtheit bilden also die Überschriften und Vorspänne alle in der Printversion erschienenen Artikel über einen Zeitraum vom 31. Dezember 1947 – 31. Dezember 2013. Beim Spiegel gehören die Vorspänne, die eine kurze Einführung in die Thematik des Artikels bieten, seit der ersten Ausgabe im Januar 1947 dazu.

Die Wahl der Methode fiel aus mehreren Gründen auf die quantitative Inhaltsanalyse über einen Zeitraum von exakt 67 Jahren (1947-2013). Hierbei spielt die Beschaffenheit des Mediums – das wöchentlich erscheinende Nachrichtenmagazin Der Spiegel – eine wichtige Rolle. Aufgrund der Tatsache, dass auf der Internetpräsenz des Nachrichtenmagazins ein kostenloses Online-Archiv bereitsteht, das alle Ausgaben und darin erschienene Artikel des Printmediums seit 1947 umfasst, erschien eine quantitative Langzeitanalyse sinnvoll und umsetzbar. Datenmengen einer solchen Größe und eines so großen Zeitraums sind auf anderem Wege kaum oder zumeist sehr schwierig zu beschaffen und auszuwerten. Ferner ist es möglich, zwischen einer Volltext-Suche und einer Suche explizit in den Überschriften und Vorspännen zu wählen. Letzteres ist auch der Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Hausarbeit, da wir uns auf die Begriffe in den Titeln und Vorspännen der Artikel fokussieren.

Die Ergebnisse, die sich im Zuge einer Volltext-Suche ergeben, sind aufgrund ihrer großen Anzahl im Rahmen einer auf zehn Seiten beschränkten Hausarbeit nicht sinnvoll auszuwerten, können jedoch durchaus als Untersuchungsgegenstand für weiterführende inhaltsanalytische Studien in Betracht gezogen werden.

Die Grundlage dieser Erhebung bildet eine automatisierte Inhaltsanalyse („AIA“), deren allgemeine Zielsetzung eine Reduktion von Artikeln der gewählten Grundgesamtheit auf ihre zu messenden Merkmale durch Selektion von Begriffen mittels Software (in diesem Fall die Suchfunktion des Online-Archivs) ist (Vgl. Brosius et. al. 2012: 163). Im Vergleich zu manuellen Inhaltsanalysen, bei denen jeder Artikel der gewählten Grundgesamtheit manuell erhoben wird (beispielsweise manuelle Erfassung von Begriffen in archivierten Printausgaben von Zeitungen), bringen automatisierte Inhaltsanalysen sowohl Vor- als auch Nachteile.

Die hohen Personalkosten bei den „herkömmlichen“ Inhaltsanalysen haben eine manuelle Inhaltsanalyse über einen vergleichbar langen Zeitraum unmöglich gemacht. Es ist jedoch es bei der automatisierten Inhaltsanalyse denkbar, dass eine Mehrdeutigkeit der Ergebnisse von bestimmten Suchbegriffen auftreten kann. Im Rahmen unserer Erhebung lässt sich als Beispiel „ Ehe-Krieg “ oder „ Krieg in der Küche “ anführen. „Krieg“ hat also ganz verschiedene Bedeutungen in den unterschiedlichen Artikeln. Dem gegenüber steht allerdings, dass durch die gewählte Methode riesige Daten- und Textmengen in einigermaßen kurzer Zeit verarbeitet werden können und die Auszählung daher auch beliebig wiederholt werden kann. Damit ist das Kriterium der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit erfüllt. Dennoch müssen die durch die Suchmaske erreichten Ergebnisse manuell gezählt werden, da nur Artikel der regulären Printausgabe zur Grundgesamtheit zählen, nicht etwa Artikel aus Sonderausgaben. Die Suchfunktion schließt jedoch auch Artikel aus Sonderausgaben des Spiegels mit ein. Hier muss folglich selektiert werden. Aus diesem Grund stellt die automatisierte Inhaltsanalyse nur eine Grundlage für eine später durchgeführte manuelle Auszählung dar. Die Erhebung der Daten hat bei einer Dauer von 4 Tagen ca. 3-4 Stunden pro Tag in Anspruch genommen. In der Summe ergibt sich ein Arbeitsvolumen von etwa 12 Stunden, um unter dem Strich 2502 Daten zu erheben.

Die Systematik dieser inhaltsanalytischen Methode schließt eine Beeinflussung oder eine Verfälschung durch den Forscher so gut wie aus. Sie lässt sich damit zu den nicht-reaktiven Verfahren zählen. Damit geht sie einher mit dem von Diekmann hervorgehobenen Hauptmerkmalen wissenschaftlicher Inhaltsanalysen: systematisch und intersubjektiv nachvollziehbar (Vgl. Diekmann 2012: 578). Außerdem betont Diekmann, dass mithilfe von Inhaltsanalysen über einen langfristigen Zeitverlauf bestimmte gesellschaftliche Veränderungen – beispielsweise von Werten und Normen – sehr gut untersucht werden können (Vgl. Diekmann 2012: 584). Doch obwohl alle Artikel des Print- Spiegels digitalisiert im Online-Archiv vorliegen, dürfen mögliche Fehlerquellen nicht gänzlich ausgeschlossen werden. So sind beispielsweise Fehler in der Funktionsweise der Suchmaschine oder in der Datenbank des Archivs denkbar.

Wir standen im Vorfeld der Erhebung vor der Entscheidung, eine Inhaltsanalyse des Kriegsbegriffs über einen kürzeren Zeitraum mit stärkerem Fokus auf den begrifflichen semantischen Gehalt durchzuführen oder aber eine Langzeit-Inhaltsanalyse über mehr als ein halbes Jahrhundert zu wählen, bei der allerdings Mehrdeutigkeiten des Begriffs nicht ausgeschlossen sind. Da der Zeitraum bei der erstgenannten Variante aus Zeit- und Personalgründen jedoch äußerst klein gewesen wäre, entschieden wir uns für Letzteres. Wie bereits in der Einführung deklariert, bieten die Daten trotz der methodisch bedingten Mehrdeutigkeiten eine interessante Grundlage für das mögliche Herauskristallisieren allgemeiner Trends und Entwicklungen. Auch ein Vergleich mit einem anderen Medium schien interessant und könnte für eine weiterführende Studie in Betracht gezogen werden.

Doch nicht nur aus methodischen Gründen fiel die Wahl auf das Medium Der Spiegel. Es wird in der Kommunikations- und Medienwissenschaft zumeist als gängiges Beispiel für ein sog. „Leitmedium“ angeführt. Andere Medien richten ihre Berichterstattung demnach zu einem gewissen Grad nach den Leitmedien aus: „Teil der ersten Redaktionskonferenz ist bei vielen Redaktionen die „Blattkritik“ […], bei der oftmals Leitmedien wie BILD, Der Spiegel, die überregionale Qualitätspresse oder die unmittelbare Konkurrenz herangezogen werden.“ (Beck 2012: 105). Leitmedien spielen also allgemein in der deutschen Medienlandschaft eine besondere Rolle und beeinflussen die gesellschaftliche Meinungsbildung in einem höheren Maße als andere Medien. Die Systematik der Auswahl des Mediums folgt demnach dem Prinzip des Elite-Status.

3. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

3.1 Wie hat sich allgemein die quantitative Frequenz des Begriffs „Krieg“ innerhalb des angegebenen Zeitraums verändert?

Die Beschaffenheit des Kategoriensystems des ersten Teils der Erhebung lässt sich kurz und knapp darstellen. In Bezug auf die erste Fragestellung handelt es sich um die dichotome Variable des Begriffs „Krieg“. Hierbei gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder tritt der Begriff in der jeweiligen Analyseeinheit auf oder nicht. Ist Ersteres der Fall, werden die entsprechenden Daten erhoben und statistisch festgehalten. In Fig. 2 ist die absolute Häufigkeit des Begriffs „Krieg“ pro Jahr festgehalten. Bei der grafischen Darstellung handelt es sich um ein Säulendiagramm, um die jeweiligen Unterschiede von Jahr zu Jahr anschaulich darzustellen. Erstellt wurde das Diagramm auf Grundlage der erhobenen Datentabelle mithilfe von Microsoft Excel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. 2: Absolute Häufigkeit des Begriffs „Krieg“ pro Jahr

Selbst erstellt

Zu Beginn lässt sich festhalten, dass keine saisonalen Regelmäßigkeiten bei der Nutzung des Begriffs „Krieg“ in den Vorspännen und Titeln aufzufinden sind. Insgesamt wird der Begriff „Krieg“ 2502 Mal verwendet. Durchschnittlich wird der Begriff von den Redakteuren des Spiegels in diesem Zeitraum 38 Mal pro Jahr verwendet. Des Weiteren kann mit voranschreitender Zeit von einer Zunahme der Häufigkeit gesprochen werden, da die Werte ab den 90er Jahren und über den Beginn des 21. Jahrhunderts hinaus ansteigen. Der höchste Wert der Erhebung lässt sich dem Jahr 1999 zuordnen: In diesem Jahr erreicht die Begriffsnutzung mit einem Wert von 160 ihren Höhepunkt. Die vier niedrigsten Werte sind hingegen alle in den 50er-Jahren zu finden.

Grob lassen sich auf Grundlage des Diagramms drei Phasen der Häufigkeit der Begriffsnutzung unterscheiden: Die erste Phase schließt einen Zeitraum von 1947-1961 ein. Bis zu den 60er-Jahren wird der Begriff Krieg kaum in den Titeln und Vorspännen des Spiegel Magazins verwendet. Hierfür gibt es verschiedene Erklärungsansätze, die sich jedoch an dieser Stelle nicht belegen lassen. Eine Mutmaßung könnte sein, dass das Medium in der Nachkriegszeit bewusst auf die Nutzung des Begriffs verzichtet, um die Menschen nicht wöchentlich an die Gräueltaten des zweiten Weltkriegs zu erinnern. Ein anderer Ansatz betrifft die Tatsache, dass in dieser Zeit andere Themen, wie zum Beispiel der Neuaufbau oder die spezielle Rolle der Alliierten im Fokus standen.

[...]


[1] verkaufte Exemplare 2013 durchschnittlich: 875.221; durchschnittlich 6,07 Millionen Leser (Quelle: http://www.spiegelgruppe.de/spiegelgruppe/home.nsf/Navigation/C226C5F6118D70E0C12573F700562F49?OpenDocument) (aufgerufen am 6.9. 2014)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Kriegsbegriff in den Überschriften des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zwischen 1947-2013
Untertitel
Eine quantitative Inhaltsanalyse
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Vorlesung: Erhebungsverfahren II
Note
1,0
Autoren
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V286962
ISBN (eBook)
9783656876595
ISBN (Buch)
9783656876601
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kriegsbegriff, überschriften, nachrichtemagazins, spiegel, eine, inhaltsanalyse
Arbeit zitieren
Fabian Lucca Ferrari (Autor)Adrian Theyhsen (Co-Autor), 2014, Der Kriegsbegriff in den Überschriften des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zwischen 1947-2013, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286962

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