Gegenstand und Problemstellung der Arbeit
Ein „monströses Frauenbuch“1 über „die Komplexe der Amerikanerin,“2 „ein üppiger Saftschinken nach amerikanischem Rezept,“3 „ein Buch, das Leben verändert,“4 „das die Männer von den Frauen trennt“5 und das „...in die komfortablen Konzentrationslager der amerikanischen Vorstädte wie eine Bombe einschlug“6 - selten wurde ein Roman mit so viel Häme und Lob überhäuft wie Marilyn French′s Roman The Women′s Room. Das belletristische Erstlingswerk der Autorin eroberte 1977 in kürzester Zeit die Bestsellerlisten in den USA. Als erste Veröffentlichung des damals neu gegründeten Verlages Summit Books, einer Abteilung des renommierten Verlagshauses Simon & Schuster Inc., erreichte allein die gebundene Ausgabe des Buches in wenigen Monaten enorme Verkaufszahlen, so daß die Rechte für die Taschenbuchausgabe daraufhin für die Summe von $ 750.000 verkauft wurden.7 In über 20 Sprachen übersetzt, wurde der Roman auch international zu einem Erfolg und 1997 von Virago Press, London, neu aufgelegt. Dieser beeindruckende kommerzielle Erfolg rief natürlich nationale und internationale Literaturkritiker auf den Plan. In den USA beschäftigten sich Rezensent/Innen der bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften mit dem Roman, wie zum Beispiel Harper′s, Newsweek, People, The New York Times und The Washington Post. Im deutschsprachigen Raum griffen ihn die Neue Züricher Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Zeit als erste in ausführlichen Rezensionen auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand und Problemstellung der Arbeit
2. Die Suche nach der Frau in Philosophie und Wissenschaft
2.1. Anatomy is Destiny? Positionen der Frau in Gesellschaft, Familie und Kultur bis ins 19. Jahrhundert
2.2. „Mind Management“ als gesellschaftliches Kontrollmittel
2.3. „The Feminine Mystique“ - Rückschritt statt Fortschritt im 20. Jahrhundert?
3. Der Mythos Frau – eine Frage der Identität?
3.1. „A person’s consistent sense of self“ - Psychoanalyse und Identität
3.2. Sozialpsychologische Ansätze zur Identitätstheorie
3.2.1. Die Verknüpfung persönlicher Identität mit kritischen Lebenssituationen
3.2.2. Selbstkonzept und Selbstwertgefühl als Aspekte der Identität
3.2.3. Soziale Rolle und Identität
3.3. Sex und Gender als kulturdefinierte Rahmen der Geschlechterforschung
3.3.1. Geschlecht als Definitionsraum für Identität
3.3.2. Gender Identity und Genderismus als ideologisiertes System der Relevanz von Geschlecht
3.3.3. Judith Butlers Dekonstruktivismus
4. Lebensentwürfe weiblicher Figuren in Marilyn Frenchs Romanen
4.1. „Mira was an independent baby.“ Geschlechtsrollenspezifische Erziehung und Bildung
4.1.1. „But Mira had a private life.“ Flucht in die Innenwelt
4.1.2. „...the first appearence of my bad character.“ Selbstbewertung im Konflikt zwischen Rollenerwartung und Rollendistanz
4.1.3. „She was being undermined.“ Pubertät als sozialer Scheideweg
4.1.4. „He’s getting a virgin, that I know.“ Defloration als Inbesitznahme
4.2. „And they lived happily ever after.“ Die Institution der Ehe als Manifestierung sozialer Geschlechtsrollen
4.2.1. „Armed by the title of Mrs...“ Gender-Rollen in der Ehe
4.2.2. Sexualität in der Ehe als Ausdruck sozialer Machtverhältnisse
4.2.3. „Children are the center of a woman's life.“ Die Mutterrolle als Wertmaßstab und Herausforderung
4.3. Gewalt gegen Frauen
4.3.1. Finanzielle Unterdrückung und Entmündigung als subtile Formen der Gewalt
4.3.2. „I’m a woman hater“ Ambivalente Signale aus Angst vor Kontrollverlust
4.3.3. Verweigerung als Gewaltform und Psychoterror
4.3.4. „The mad woman“ Totale physische und psychische Gewalt an Frauen
4.3.5. Scheidung als Ausweg? Institutionelle Gewalt an Frauen
4.4. Die allegorische Figur „Norm“ – Täter und Produkt zugleich?
4.5. Die weibliche Subkultur – Frauen in Solidaritätsgruppen
4.5.1. „She laughed with them at the absurdities of the big world.“ – Systemerhaltende Mechanismen in Solidaritätsgruppen
4.5.2. Frauengruppen als Artikulationsforum
4.5.3. Alternative Lebensentwürfe für Frauen
5. Literarische Darstellungsmittel der Identitätsproblematik
5.1. „Writing beyond the ending“ als Schritt aus narrativen und sozialen Restriktionen weiblicher Identität
5.2. „I guess I should get back to the story,“ – Identitätsentwürfe im Verhältnis von Erzählinstanz und Figurenebene
5.3. „[...]because, you see, it’s all true, it happened.“ Authentizitätsanspruch als appellatives Element der Erzählinstanz
5.4. „But only the tide rolls in.“ Zeitdarstellung im Roman als Inszenierung von Identitätsentwicklung
5.5. „The Women’s Room“ - Raumdarstellung als Gestaltungsmittel der Identitätserweiterung
6. „Behind the Bestsellers“ – eine journalistische Rezeptionsanalyse von The Women’s Room
6.1. Literaturkritik als Forum feministischer Publikation
6.2. „Sexual Bias in Reviewing“ - Journalistische Literaturkritik auf dem Prüfstand
6.3. „Separating the Men from the Women“ - Tradition und Klischee in Rezensionen zu The Women’s Room
7. Schlußbemerkungen
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion und Darstellung weiblicher Identität in ausgewählten Romanen von Marilyn French. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, wie sich gesellschaftliche Determinanten wie das Geschlecht auf die Selbstdefinition und Lebensentwürfe der weiblichen Romanfiguren auswirken und inwieweit literarische Erzählmittel genutzt werden, um patriarchale Strukturen abzubilden oder zu dekonstruieren.
- Analyse der theoretischen Identitätsmodelle aus Psychologie und Soziologie in Bezug auf Frauen.
- Untersuchung der Bedeutung von Geschlechterrollen und deren Manifestierung in Institutionen wie der Ehe.
- Exploration von Gewaltformen gegen Frauen als Instrumente der Kontrolle und Unterdrückung.
- Betrachtung von Frauengruppen und Subkultur als Raum für alternative Lebensentwürfe.
- Kritische Analyse der journalistischen Rezeption von Frenchs Romanen vor dem Hintergrund feministischer Literaturkritik.
Auszug aus dem Buch
Die Suche nach der Frau in Philosophie und Wissenschaft
„One day I wanted to explain myself to myself. And it struck me with a sort of surprise that the first thing I had to say was 'I am a Woman.'“
In ihrem Buch Le Deuxième Sexe versucht Simone de Beauvoir eine fast enzyklopädisch breit angelegte Erklärung des Begriffes Frau. Sie gliedert ihr Werk nach biologischen, mythologischen, historischen, psychoanalytischen und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen. Grundgedanke ist eine Zweiteilung der Gattung Homo Sapiens in männliche und weibliche Repräsentanten, die von unterschiedlichen physischen Voraussetzungen ausgehend im Verhältnis eines soziokulturellen Ungleichgewichts leben, wobei der Mann generell die größere physische und vor allem soziale Macht ausübt.
Dabei wird das männliche Prinzip von den Herrschenden seit Jahrtausenden als die Norm, als „das Menschliche per se“ gesehen, das Weibliche dagegen als Abweichung von dieser Norm, als etwas Defizitäres, als „das zweite Geschlecht“. Gleichwohl erkennt die Autorin auf jedem Gebiet dargestellte Unterschiede nicht als Rechtfertigung der Unterdrückung an, sondern belegt deren Ursachen und zeigt Alternativen auf, die den Kernsatz ihrer Weltanschauung stützen: „One is not born but rather becomes a woman.“ Daraus ergibt sich die Frage, welche Faktoren Prozesse bestimmen, die das Selbstbild und die gesellschaftliche Rolle der Frau beinflussen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand und Problemstellung der Arbeit: Einführung in die literarische Rezeption von Marilyn Frenchs Romanen und Skizzierung der Identitätsproblematik von Frauen.
2. Die Suche nach der Frau in Philosophie und Wissenschaft: Historischer Überblick über die philosophische und wissenschaftliche Sicht auf Frauen von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
3. Der Mythos Frau – eine Frage der Identität?: Theoretische Fundierung des Identitätsbegriffs durch sozialpsychologische und psychoanalytische Ansätze unter Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht.
4. Lebensentwürfe weiblicher Figuren in Marilyn Frenchs Romanen: Literarische Analyse der Romanfiguren hinsichtlich ihrer Sozialisation, Eheerfahrung und den damit verbundenen Rollenkonflikten.
5. Literarische Darstellungsmittel der Identitätsproblematik: Untersuchung der ästhetischen und erzählerischen Mittel, die French zur Gestaltung weiblicher Identitätsentwürfe einsetzt.
6. „Behind the Bestsellers“ – eine journalistische Rezeptionsanalyse von The Women’s Room: Analyse der zeitgenössischen Literaturkritik und deren Voreingenommenheit gegenüber „Frauenliteratur“.
7. Schlußbemerkungen: Zusammenführende Synthese der Ergebnisse zur Identitätsbildung und sozialen Verankerung weiblicher Rollen.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Frauenliteratur, Identität, Geschlechterrollen, Marilyn French, The Women's Room, Feminismus, Patriarchat, Sozialisation, Identitätstheorie, Rezeptionsanalyse, häusliche Gewalt, Weiblichkeit, Selbstkonzept.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von weiblicher Identität in den Romanen der US-Schriftstellerin Marilyn French und beleuchtet, wie gesellschaftliche Normen die Lebensentwürfe ihrer Protagonistinnen beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit konzentriert sich auf Identitätstheorien, die Institution der Ehe, geschlechtsspezifische Sozialisation, Gewalt gegen Frauen und die feministische Literaturkritik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, wie sich weibliche Identität und Lebenswelt in der Literatur manifestieren und welche Rolle das soziale Geschlecht bei der Selbstdefinition spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch soziologische und psychoanalytische Theorien, insbesondere Ansätze von Nancy Chodorow und Erving Goffman, sowie eine Rezeptionsanalyse ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Hintergründe zu Identität und Geschlecht, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Romanfiguren in Hinblick auf Erziehung, Ehe, Gewalt und Solidarität, sowie eine medienkritische Betrachtung der zeitgenössischen Rezeption.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Identität, Geschlechterrollen, Feminismus, Patriarchat, Sozialisation und literarische Rezeption.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Institution Ehe in den untersuchten Romanen?
Die Ehe wird als Institution analysiert, die Frauen systematisch in eine ökonomische und soziale Abhängigkeit drängt und damit ihre individuelle Identitätsentwicklung einschränkt.
Welche spezifische Rolle spielt der Begriff „Schlechter Charakter“ für die Protagonistinnen?
Der Begriff dient als Chiffre für Abweichungen von der gesellschaftlich geforderten Anpassung; für die Romanfiguren entwickelt sich die Akzeptanz dieses „schlechten Charakters“ jedoch zum notwendigen Schritt in Richtung Selbstbestimmung.
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- Cornelia Peters (Author), 2003, Frauendarstellungen in ausgewählten Romanen der Schriftstellerin Marilyn French, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28699