„Die Schaffung und Erhaltung gleichwertiger regionaler Lebensverhältnisse ist eine Gerechtigkeitsnorm. Sie dient der Chancengleichheit der Bürger und soll durch den Abbau regionaler Disparitäten erreicht werden“.
Daher stellt der Abbau regionaler Disparitäten ein wichtiges Ziel raumbezogener Politik und Planung dar. Entsprechend sind die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Teilräumen und der Ausgleich der räumlichen und strukturellen Ungleichgewichte zwischen den bis zur deutschen Einheit getrennten Gebieten als wichtige Leitvorstellungen raumordnerischen Handelns in mehreren Gesetzen festgelegt.
Regionale Disparitäten äußern sich in sehr unterschiedlichen Mustern. Dabei gelten die Unterschiede zwischen Stadt und Land bereits als „traditionell“ (vgl. MARETZKE 2006, S. 473), denn „Stadt und Land werden im Zuge beginnender Verstädterung und Industrialisierung und des heraufkommenden Sozialismus im 19. Jahrhundert zur gängigen Formel, ja zum Inbegriff der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Konfrontation der beiden großen Bereiche des sozialen Raumes“ (PLANK/ZICHE 1979 zit. nach SCHWEPPE 2000, S. 59). Und auch heute sind hier noch immer deutliche Disparitäten zu erkennen, wie die nachfolgende Untersuchung zeigen wird.
Kapitel 2, das den Begriff Disparität definiert sowie die gesetzlichen Grundlagen zum Abbau regionaler Disparitäten darlegt, und Kapitel 3, welches Definitionsversuche des städtischen und des ländlichen Raumes näher betrachtet, sollen eine Einführung in die Thematik Stadt-Land-Gegensatz liefern.
Kapitel 4 untersucht anschließend gezielt wesentliche Disparitäten zwischen Stadt und Land.
Wichtige Potenzialfaktoren, die die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit einer Region entscheidend beeinflussen, sind „die Ausstattung einer Region mit ‚klassischen‘ Produktionsfaktoren wie Sach- und Humankapital, die sektorale Wirtschaftsstruktur, die Innovationskapazität […], das Marktpotenzial bzw. die geographische Standortgunst und die öffentliche Infrastruktur und Existenz von Agglomerationsvorteilen in Form von Lokalisations- und/oder Urbanisierungsvorteilen“ (MARETZKE 2006, S. 473).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Begriffsdefinition „Disparität“
2.2 Gesetzliche Grundlagen
2.3 Formen räumlicher Disparitäten in Deutschland
3 Stadt und Land – ein Definitionsversuch
3.1 Siedlungsstruktur in Deutschland
3.2 Städtischer Raum und ländlicher Raum
3.2.1 Modell der Stadt-Land-Dichotomie
3.2.2 Definition Stadt
3.2.3 Definition ländlicher Raum
4 Stadt-Land-Gegensatz
4.1 Maße zu Stadt-Land-Unterschieden
4.2 Wirtschaftsstruktur
4.2.1 Arbeitslosigkeit
4.2.2 Nutzung städtischer bzw. ländlicher Räume
4.3 Bevölkerung
4.3.1 Bevölkerungsstruktur
4.3.2 Bevölkerungsentwicklung
4.4 Infrastruktur und Verkehr
4.4.1 Infrastruktur
4.4.2 Konzentration von Einrichtungen der Daseinsvorsorge
4.4.3 Verkehr
4.5 Zusammenfassendes Raumbeispiel Mecklenburg-Vorpommern
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gegenwärtigen regionalen Disparitäten in Deutschland mit einem spezifischen Fokus auf den sogenannten Stadt-Land-Gegensatz, um das Ausmaß dieser Unterschiede und deren sozioökonomische Auswirkungen zu analysieren.
- Grundlagen und Definitionen zu regionalen Disparitäten in Deutschland
- Methodische Abgrenzung von städtischen und ländlichen Räumen
- Analyse der Unterschiede in Wirtschaftsstruktur, Bevölkerung und Infrastruktur
- Fallbeispiel Mecklenburg-Vorpommern zur Veranschaulichung der Disparitäten
- Diskussion von Lösungsansätzen zur Förderung gleichwertiger Lebensverhältnisse
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Definition Stadt
Neben dem geographischen Stadtbegriff nennt auch der statistische Stadtbegriff das Definitionskriterium Dichte und Zentrierung. Je nach kulturellem Kontext schwankt der Schwellenwert der Einwohnerzahl, jedoch lässt sich ab 2000 bzw. ab 5000 Einwohnern von einer Stadt sprechen. Damit einher geht auch eine hohe Bebauungsdichte, die aufgrund der hohen Einwohnerdichte typischerweise mehrgeschossig ist. Die höchsten Dichten werden in zentralen Stadtteilen erreicht.
Neben diesem baulichen Merkmal besitzt die Stadt charakteristische soziale und ökonomische Merkmale. Zum einen verfügt die Stadt über einen funktionellen Bedeutungsüberschuss: Sie ist Arbeitsort, Versorgungszentrum, Bildungsinstanz, bietet ein kulturelles Angebot sowie politische und ökonomische Einrichtungen. Von einem Bedeutungsüberschuss ist die Rede, weil eine Differenz zwischen den in einer Stadt angebotenen Gütern bzw. Dienstleistungen und den von der Stadt benötigten Gütern und Dienstleistungen besteht, die daher vom Umland mitgenutzt werden (vgl. FASSMANN 2009, S. 44f.). „Die Stadt ‚strahlt‘ [also] in ihr Umland hinein und je größer diese ‚Strahlkraft‘ ist, desto wichtiger ist die Stadt“ (ebd., S. 45).
Zum anderen weist die Stadt eine spezifische sozioökonomische Struktur auf. Sie ist Zentrum wirtschaftlicher und politischer Prozesse. Die Erwerbstätigkeit ist von Industrie, Gewerbe und besonders von Dienstleistungen geprägt, wobei die Unternehmen auch international agieren. Sie besitzt eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen, was einen Einpendlerüberschuss aus dem Stadt-Umland bewirkt (vgl. ebd., S. 45f.). Des Weiteren ist die soziale Differenzierung hoch und die sozialen Beziehungen sind eher anonym (vgl. ebd., S. 44).
Insbesondere die o.g. ökonomischen und sozialen Merkmale sind Grundlage für intensive Stadt-Umland-Beziehungen (vgl. ebd., S. 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik regionaler Disparitäten ein und erläutert das Ziel der Arbeit, die Unterschiede zwischen Stadt und Land in Deutschland zu beleuchten.
2 Grundlagen: Hier werden der Begriff der Disparität sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die allgemeinen Formen räumlicher Disparitäten in Deutschland definiert.
3 Stadt und Land – ein Definitionsversuch: Dieses Kapitel widmet sich der Siedlungsstruktur und der theoretischen Abgrenzung von städtischem zu ländlichem Raum unter Berücksichtigung verschiedener Definitionen.
4 Stadt-Land-Gegensatz: Das Hauptkapitel untersucht gezielt Disparitäten in den Bereichen Wirtschaftsstruktur, demografische Bevölkerungsentwicklung sowie Infrastruktur und Verkehr.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen bei der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in einer sich wandelnden Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Regionale Disparitäten, Deutschland, Stadt-Land-Gegensatz, Siedlungsstruktur, Daseinsvorsorge, Wirtschaftsstruktur, Bevölkerungsentwicklung, Demografischer Wandel, Infrastruktur, Mecklenburg-Vorpommern, Lebensverhältnisse, Agglomerationsraum, Suburbanisierung, Raumordnung, Arbeitsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den regionalen Disparitäten in Deutschland und fokussiert dabei insbesondere auf die bestehenden Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Räumen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Unterschiede (Arbeitsmarkt/BIP), die demografische Entwicklung, die soziale Bevölkerungsstruktur sowie die Infrastrukturausstattung und der Zugang zu Dienstleistungen der Daseinsvorsorge.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Ausmaß des Stadt-Land-Gegensatzes aufzuzeigen und zu analysieren, welche Disparitäten bestehen und welche politischen oder strukturellen Ansätze zu deren Ausgleich in der Diskussion stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung statistischer Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sowie weiterer Fachpublikationen.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse von Maßzahlen zur Differenzierung und die Untersuchung spezifischer Faktoren wie Wirtschaftsstruktur, Bevölkerungsdynamik und Infrastrukturerreichbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind regionale Disparitäten, Stadt-Land-Gegensatz, Infrastruktur, Demografie, Daseinsvorsorge und Raumordnung.
Welche besondere Rolle spielt Mecklenburg-Vorpommern in der Analyse?
Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern dient als konkretes, zusammenfassendes Raumbeispiel, um die theoretisch hergeleiteten Disparitäten und mögliche Lösungsansätze anhand praktischer Gegebenheiten zu veranschaulichen.
Was versteht man in der Arbeit unter dem Konzept "Garten der Metropolen"?
Es handelt sich um einen Lösungsansatz für ländliche Räume in Metropolnähe, der darauf abzielt, durch einen regional angepassten Produktions- und Dienstleistungssektor sowie eine Aufwertung als Wohn- und Erholungsraum Zuwanderung statt Abwanderung zu generieren.
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- Bachelor of Arts Melanie Scheid (Autor), 2014, Regionale Disparitäten in Deutschland. Der Stadt-Land-Gegensatz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287015