Schizophrenie und Kriminalität

"Wer so krank ist muss doch gefährlich sein?"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Störungsbild der Schizophrenie nach ICD-10
2.1 Positiv- und Negativsymptomatik anhand ausgewählter Formen
2.2 Häufigkeit und Auftreten

3. Schizophrenie und Kriminalität

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich im Allgemeinen mit der Frage, ob eine Verbindung zwischen der Schizophrenie und Kriminalität besteht und im Speziellen, ob die Schizophrenie einen protektiven Faktor oder einen Risikofaktor für Kriminalität darstellt. Des Weiteren soll herausgefunden werden, ob es innerhalb der Schizophrenie verschiedene Subgruppen gibt, die ein höheres oder geringeres Risiko aufweisen, Straftaten zu begehen oder gewalttätiges Verhalten zu zeigen. Auf diese Fragen soll eine Antwort gefunden werden, um herauszufinden, ob die Vorurteile der Gesellschaft, die schizophrene Menschen generell als wahnsinnig oder gemeingefährlich einstufen, berechtigt oder einfach nur überzogen sind.

Um diese Frage beantworten zu können, ist es zunächst das Ziel, ein Verständnis über das Krankheitsbild der Schizophrenie zu erlangen, also welche Symptome erfüllt sein müssen, damit man überhaupt als schizophren gilt und welche dieser Symptome für sich allein schon ein Risiko für kriminelles Verhalten darstellen könnten. Auf diese Symptome wird kurz anhand von zwei ausgewählten Formen eingegangen, die besonders häufig und auffällig in ihrem Auftreten sind. Nachdem anschließend noch dargestellt wird, wie weit verbreitet die Schizophrenie eigentlich ist und wann sie auftreten kann, wird die eigentliche Fragestellung anhand verschiedener Studien erarbeitet.

Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit bezüglich ihrer empirischen Evidenz bewertet. Methodisch ist die Arbeit in Form einer Literaturstudie aufgebaut.

2. Störungsbild der Schizophrenie nach ICD-10

Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine der schwerwiegendsten psychischen Störungen. Hierbei steht allerdings kein zentrales Symptom im Mittelpunkt, sondern die Variabilität mit der sich eine Schizophrenie äußert. „ Im Vordergrund stehen jedoch Störungen des formalen Denkens und der Denkinhalte verbunden mit Einbußen der Leistungsfähigkeit.“ (Hautzinger & Thies, 2009, S.51)

Nach Dilling & Freyberger (2014, S.94f.) wird die Schizophrenie im ICD-10 unter der Kennziffer ( F20) wie folgt beschrieben:

In einem Zeitraum von mindestens einem Monat zeigen sich die meiste Zeit über1. mindestens eines der folgenden Symptome:

a) Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug, -ausbreitung
b) Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten
c) kommentierende oder dialogisierende Stimmen
d) kulturell unangemessener, bizarrer Wahn

2. oder mindestens zwei der folgenden Symptome:

a) täglich auftretende Halluzinationen, die von Wahngedanken oder überwertigen Ideen begleitet werden
b) Neologismen, Gedankenabreißen und Gedankeneinschiebungen
c) katatone Symptome
d) negative Symptome wie Apathie, Alogie und Affektverflachung

Anhand dieser Heterogenität wird deutlich, dass es die eine Diagnose der Schizophrenie nicht geben kann. Aus diesem Grund wurde die Schizophrenie in verschiedene Subtypen eingeteilt, die verschiedene Merkmale in den Vordergrund stellen und sich im ICD-10 wie folgt darstellen:

paranoide Schizophrenie ( F 20.0)

hebephrene Schizophrenie ( F 20.1)

katatone Schizophrenie ( F 20.2)

undifferenzierte Schizophrenie ( F 20.3)

postschizophrene Depression ( F 20.4)

schizophrenes Residuum ( F 20.5)

Schizophrenia simplex ( F 20.6)

2.1 Positiv- und Negativsymptomatik anhand ausgewählter Formen

Derzeit wird die Symptomatik der Schizophrenie in eine so genannte Positiv- und Negativsymptomatik eingeteilt. „ Zu den positiven Symptomen zählen übermäßig ausgeprägte oder verzerrte Phänomene wie eine desorganisierte Sprechweise, Halluzinationen und Wahnideen.“ (Davison, Neale & Hautzinger, 2007, S.366) Solche Symptome sind in der Regel kennzeichnend für einen akuten schizophrenen Schub.

Anders als bei den positiven Symptomen, halten die negativen Symptome über eine akute Episode hinaus an und haben zudem gravierende Auswirkungen auf ihr persönliches Leben. „ Zu den negativen Symptomen der Schizophrenie zählen Verhaltensdefizite wie Apathie, Antriebslosigkeit, Spracharmut, Lustlosigkeit, Affektverflachung und Ungeselligkeit.“ (Davison et al., 2007, S.370)

Nun werden die positiven Symptome, die bei der paranoiden und hebephrenen Schizophrenie auftreten kurz erläutert, da diese beiden Formen in ihrem Auftreten besonders auffällig und für gesunde Menschen kaum nachvollziehbar sind.

Die hebephrenen Form der Schizophrenie wird vor allem durch eine desorganisierte Sprechweise oder ein generell desorganisiertes Verhalten charakterisiert. Das bedeutet, dass die Sprache und das Verhalten, was der Schizophrene an den Tag legt, für gesunde Menschen absolut unverständlich und gerade zu verrückt wirken. Sie bilden beispielsweise neue Wörter (Neologismen) oder vernachlässigen ihr äußeres Erscheinungsbild vollkommen.

Bei der paranoiden Schizophrenie, die am häufigsten diagnostiziert wird, stehen Halluzinationen und bizarre Wahnphänomene im Vordergrund. Halluzinationen sind Sinneswahrnehmungen bei fehlenden Umweltreizen. Diese treten meistens in akustischer, seltener in visueller Form auf. Unter einem bizarren Wahn wird hingegen eine Wahrnehmung verstanden, die ein gesunder Mensch in keiner Art und Weise nachvollziehen kann. Die Wahnvorstellungen sind fernab von jeder Realität.

Am häufigsten tritt der Verfolgungswahn bei der Schizophrenie auf, aber auch andere Wahnthemen wie zum Beispiel der Größenwahn, Beziehungswahn oder Eifersuchtswahn treten in selteneren Fällen auf.

Befindet sich die schizophrene Person in einem akuten Schub und es treten solche positiven Symptome wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen auf, so besteht für sie besonders in diesen Phasen ein höheres Risiko kriminelles Verhalten zu zeigen, da sie in diesen Momenten eine völlig verzerrte Wahrnehmung haben und somit nicht mehr Herr ihrer selbst sind. Es sind beispielsweise Fälle bekannt in denen Schizophrene, andere Menschen getötet haben, weil es ihnen von Stimmen in ihren Köpfen befohlen worden ist oder wo sie aus einem Beziehungswahn heraus bestimmte Leute angreifen, weil sie in ihren Augen schlecht über sie reden oder Intrigen gegen sie planen. Zwar darf man dies nicht überbewerten, da es sich hierbei lediglich um extreme Einzelfälle handelt und nicht um die Regel, allerdings erkennt man daran trotzdem welche Gefahr diese Art der positiven Symptome in einem akuten Schub mit sich bringen können.

2.2 Häufigkeit und Auftreten

Die Lebenszeitprävalenz liegt nach übereinstimmender Meinung mehrerer Autoren bei weltweit etwa 1 % und geht von einer gleich häufigen Verteilung auf die beiden Geschlechter aus. Auch länderübergreifend bleibt die Prävalenzrate gleich. Doch ein gravierender Unterschied besteht im Vergleich zwischen den sozioökonomischen Schichten.

Hierbei haben Befragungen ergeben, dass Menschen aus der Unterschicht fast fünfmal so oft, wie Menschen aus der Oberschicht, an Schizophrenie erkranken. Dieser Zusammenhang ist auf zwei verschiedene Art und Weisen denkbar. Entweder entsteht die Schizophrenie erst aufgrund der enormen Belastungen, die sich für Menschen der Unterschicht ergeben oder die Schizophrenie ist aufgrund ihrer enormen Beeinträchtigung die Ursache dafür, dass die Menschen in die Unterschicht abrutschen und keine Möglichkeiten mehr haben, sich daraus zu befreien. „ Dieser Ansatz wurde auch als downward drift-Theorie bezeichnet.“ (Comer, 2008, S.378)

Der Verlauf und die Erstmanifestation einer Schizophrenie können auf verschiedene Art und Weisen auftreten. „ Gelegentlich setzt die Störung zwar schon in der Kindheit ein, normalerweise aber erst im späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter, bei Männern ca. drei Jahre früher als bei Frauen.“ (Davison et al., 2007, S.366)

Aufgrund dieser späteren Erstmanifestation verläuft die Krankheit für Frauen besser und führt zu weniger Hospitalisierungen, da sie vor dem Ausbruch der Krankheit ein höheres soziales Funktionsniveau erreichen. Generell gehen der ersten Krankheitsepisode, häufig schon Jahre vorher, das Auftreten negativer Symptome und die Entwicklung merkwürdiger Gedanken voraus. „ Häufig erleben die Betroffenen mehrere akute Krankheitsepisoden oder Schübe in ihrem Leben. Dazwischen können negative Symptome und Verhaltensdefizite bestehen bleiben, die die Betroffenen in ihrer Lebensführung beeinträchtigen.“ (Hautzinger & Thies, 2009, S.53)

Zwei große Probleme bei Schizophrenen sind zudem zum Einen der häufige Missbrauch von psychotropen Substanzen und zum Anderen das erhöhte Suizidrisiko. Die Hälfte aller Schizophrenen missbrauchen nach übereinstimmenden Angaben psychotrope Substanzen und etwa ein Drittel versucht sich das Leben zu nehmen, wobei dies circa 15 % auch verwirklichen können.

3. Schizophrenie und Kriminalität

Da nun das Störungsbild, die Häufigkeit und das Auftreten der Schizophrenie erläutert worden sind, kann nun die eigentliche Frage erörtert werden, ob es einen Bezug zwischen Kriminalität auf der einen und der Schizophrenie auf der anderen Seite gibt und wenn ja, ob die Schizophrenie einen protektiven oder Risikofaktor für Kriminalität darstellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Schizophrenie und Kriminalität
Untertitel
"Wer so krank ist muss doch gefährlich sein?"
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Duisburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V287017
ISBN (eBook)
9783656872771
ISBN (Buch)
9783656872788
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schizophrenie, kriminalität
Arbeit zitieren
Philipp Lorenz (Autor), 2014, Schizophrenie und Kriminalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287017

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