Classroom Management in der Grundschule

Klassenführung und Brezelzeit


Essay, 2015
7 Seiten

Leseprobe

Classroom Management in der Grundschule

Eine erfolgreiche Klassenführung ist die Voraussetzung für guten und anspruchsvollen Unterricht mit einem hohen Anteil echter Lernzeit und einer lernförderlichen Atmosphäre. Grundlagen dafür sind eine wertschätzende Beziehung und ein positives Klassenklima. Mit klaren Regeln, sinnvollen Ritualen und Routinen wird proaktiv mit Konflikten und Störungen umgegangen.

Das gilt besonders für Schulen, in denen viele Kinder aus Migrationsfamilien und häufig problematischen Lebenslagen kommen. So wie in der Xxxschule in X, der größten Grundschule Hessens. Unter den 700 Kindern, die hier gemeinsam lernen, haben mehr als 80% einen Migrationshintergrund aus über 30 Nationen. Diese kulturelle Vielfalt zeigt sich auch in der Klasse 1f mit ihren 21 Kindern. Weil die sprachliche Ausdrucksfähigkeit gerade in den Anfangsklassen noch gering ist, ist das Einüben von Ritualen und nonverbalen Signalen in unserer Schule von besonderer Bedeutung.

Übergang

Zu Beginn des ersten Schuljahres erleben die neuen Schulkinder einen deutlichen Einschnitt in ihrer Lebenswelt. Stand bisher das selbstgewählte Spielen im Vordergrund, sollen sie sich nun an einen stark strukturierten Tagesablauf gewöhnen, mit festgelegten Phasen und Abläufen.

Aus dem Kindergarten sind den Schulanfängern Regeln, Rituale und Abläufe, die den Tag strukturieren, bekannt. Daran gilt es nun anzuknüpfen, um positive Beziehungen und eine ruhige Lernatmosphäre aufzubauen. Durch enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Kindertagesstätten und gegenseitigen Hospitationen, können wir vertraute Regeln und Rituale übernehmen und so den Kindern den Übergang erleichtern.

Regeln und Routinen einführen

In der Anfangszeit ist das Einüben der Abläufe (Klassenraum betreten, sich in Gruppenarbeit begeben, Material holen und wegräumen), von zentraler Bedeutung. Gut eingeführte Abläufe mit stabilen Ritualen wirken störungsvorbeugend und minimieren Reibungsverluste, daher lohnt es sich, hier viel Zeit zu investieren. Die Kinder sollen bei jedem Ablauf wissen, welches Verhalten von ihnen erwartet wird. Zum Einüben werden die Abläufe in kleine Einheiten zerlegt und schrittweise eingeführt.

Hier ein Beispiel der Einheiten zum Ablauf „In den Klassenraum gehen“:

Auf die Lehrerin warten – einzeln oder mit Partner aufstellen – ruhig und langsam die Treppe hochgehen – Jacke an die Garderobe hängen – Schuhe ins Schuhregal stellen – Hausschuhe anziehen – leise zum Platz gehen – Arbeitsmaterial bereitlegen.

In der Xxxschule haben die Klassen eine festgelegte Reihenfolge, in der die Kinder das Schulgebäude betreten. Dadurch werden Drängeleien vermieden, jedes Kind kennt seinen Platz und weiß genau, wer sein Vorgänger und Nachfolger ist. Aus dem gleichen Grund sind Kleiderhaken und Schuhfächer mit Namen beschriftet. In der Klasse tragen die Kinder Hausschuhe, damit Sand und Schmutz draußen bleiben und die Räume eine wohnlichere Atmosphäre haben.

Abläufe und Regeln für Unterrichts- und Lernzeiten

Auch während der Arbeitsphasen in Unterrichts- und Lernzeiten gibt es viele Abläufe, die nach und nach eingeübt werden. Bestimmte Phasen erfordern mehr Ruhe, in anderen können sich die Kinder leise über ihre Arbeitsinhalte austauschen.

Die Regeln stellen wir gemeinsam mit den Kindern auf, das erhöht ihre Akzeptanz und fördert das Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft.

In der Einübungszeit entstehen gleichzeitig Regelplakate. Dafür fotografieren wir die Kinder beim richtigen Verhalten, kleben die Bilder auf Plakate und erläutern sie durch Piktogramme. Beginn und Ende von Abläufen werden mittels Symbolen (Handzeichen, akustischen Signalen) bekannt gegeben, Regelplakate erinnern dabei an das richtige Verhalten.

Beim Erklären neuer Abläufe muss unbedingt eine Atmosphäre von Ruhe und Konzentration herrschen. Den dafür notwendigen Rahmen stellen wir durch die „Brezelzeit“ her.

Brezelzeit

Viele unserer Schüler/innen erleben Zuhause wenig Angebote ihrem Bewegungsbedürfnis nachzukommen. Oft wird das Wochenende Zuhause oder bei Verwandten verbracht und die Kinder sitzen täglich viele Stunden vor dem Fernseher oder an Spielkonsolen. In der Schule kommt es dadurch oft zu motorischer Unruhe und Unkonzentriertheit, obwohl wir in der Schule häufigere Bewegungspausen anbieten und Bewegungsphasen in die Unterrichtzeit einbauen. Zum Sammeln und zur Herstellung einer konzentrierten Atmosphäre haben wir die „Brezelzeit“ eingeführt.

Nach einem akustischen Signal (z. B. mit dem Klangstab) werden die Kinder still, legen ihre Materialien ab und verschränken die Arme. Das Verschränken der Arme dicht am Körper wirkt wie eine Selbstumarmung und verhilft auch zappeligen Kindern, sich zu besinnen und zu entspannen.

Insbesondere in der ersten Zeit achten wir nachdrücklich darauf, dass die Brezelzeit richtig eingehalten wird. Die anschließende Ansage erfolgt erst, wenn wirklich alle still und aufmerksam sind und wird sofort unterbrochen, wenn es wieder unruhig wird. Erst in dieser ruhigen Atmosphäre sind die Kinder aufnahmebereit und die Ansage kann erfolgen.

Klare Ansage

Nachdem die Lehrerin das Signal gegeben hat, wartet sie bis alle „brezeln“ und spricht nur, solange Stille ist. Jede Ansage, bei der ein Ablauf oder eine Arbeitsanweisung erklärt wird, beginnt unbedingt mit den Worten: „Erst wenn ich los sage, dann (dürft ihr mit ... beginnen).

Die Ansage erfolgt langsam, deutlich und so knapp wie möglich. Um sicher zu gehen, dass der erklärte Ablauf richtig verstanden wurde, lassen wir ein Kind das Gesagte wiederholen.

Der erste Teil der Ansage (Erst wenn ich los sage, dann) sollte betont mehrmals wiederholt werden, da erfahrungsgemäß viele sofort anfangen in ihren Sachen zu kramen, sobald sie bestimmte Trigger (Arbeitsheft, Schere, Buntstife) hören. In der dann ausgebrochenen Unruhe gehen Teile der Ansage unter und die Arbeitsphase beginnt mit vielen Nachfragen (was soll ich tun, wie geht das, wo ist ...).

[...]

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Details

Titel
Classroom Management in der Grundschule
Untertitel
Klassenführung und Brezelzeit
Autor
Jahr
2015
Seiten
7
Katalognummer
V287058
ISBN (eBook)
9783656875499
Dateigröße
970 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
classroom, management, grundschule, klassenführung, brezelzeit
Arbeit zitieren
Claudia Kuse (Autor), 2015, Classroom Management in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287058

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