Anglizismen im Deutschen. Die deutsche Sprache unter dem Einfluss der Globalisierung


Hausarbeit, 2014

13 Seiten, Note: 1,8

Anonym (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition Anglizismus
2.1 Formen der Anglizismen
2.2 Deutsch als Mischsprache
2.3 Wie kamen die Anglizismen in die deutsche Sprache

3. Lingua franca Englisch – Machtverhältnisse der Sprachen
3.1 Beispiel: Die Macht der Sprache

4. „Globalization and the Future of German”

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir schlüpfen morgens easy in unseren Slip, unser T-Shirt oder unseren Body, breakfasten bei McDonald’s, lunchen im nächsten Fast-food, holen uns Bier im Sixpack und zu unserer Verschönerung eine Moisture Cream im Body Shop, gehen zum Hair Stylist, informieren uns am Service Point, fahren mit unseren Kids im InterCity, sitzen am Computer, am Scanner oder am Laptop, betätigen uns als Online-Surfer, bezahlen für unsere Citycalls, RegioCalls oder GermanCalls - und die Jüngeren unter uns finden das meist cool und die Älteren meist nicht o.k.“ (Hoberg 2002, 311) In der folgenden Hausarbeit werde ich einen Überblick über die deutsche Sprache unter dem Einfluss der Globalisierung geben, unter besonderer Betrachtung der Anglizismen. „Globalisierung“ ist im Allgemeinen ein vielfältiger Begriff und kann dafür gesehen werden, dass unsere Welt immer näher zusammenwächst. Globalisierung darf nicht nur unter einem wirtschaftlichen Aspekt betrachtet werden, sondern auch politische und kulturelle Gesichtspunkte rücken immer mehr in den Vordergrund. „Die Verbreitung der englischen Sprache ist ein seit Jahrzehnten heiß diskutiertes Phänomen.“ (Bauernschuster 2006, Klappentext) „Unser aller Leben wird in hohem Maße von der englischen Sprache und der Globalisierung beeinflusst, egal, ob wir es wollen oder nicht – ob wir es bewusst wahrnehmen oder nicht. Wir können uns nicht entziehen.“ (Ebd., Klappentext) Der bereits verstorbene Fernsehmoderator Rudi Carrell sagte einst: „Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch - aber weil die deutsche Sprache inzwischen so viele englische Wörter hat, spreche ich jetzt fließend Deutsch!“ (Verein Deutsche Sprache e.V., 08.10.2013) Dieses Zitat macht deutlich, dass die englische Sprache durch die fortscheitende Globalisierung zur internationalen Weltsprache geworden. Durch die Globalisierung der Märkte und die weltweite Vernetzung durch das Internet bringt die Globalisierung eine gemeinsame Sprache als Kommunikationsmittel mit sich. Die enge Beziehung, “that has previously existed between language, territory and cultural identity“ (Graddol 1997, 6) wird immer mehr aufgeweicht. Durch den Globalisierungsprozess sprechen immer mehr Menschen Englisch und benutzen englische Wörter oder Konstruktionen um sich zu verständigen. Es ist von Anglizismen die Rede. Mittlerweile ist das gesamte Wirtschaftsleben auf Anglizismen ausgerichtet, und wir lernen früh und schnell, uns anzupassen.

Der Abschnitt 2 der vorliegenden Hausarbeit definiert den Begriff des Anglizismus und geht in 2.1 näher auf die verschiedenen Formen ein. Teil 2.2 stellt dar, dass das Deutsche eine Mischsprache ist und wie diese zustande gekommen ist. In Abschnitt 2.3 wird kurz historisch gezeigt, wie die Anglizismen in die deutsche Sprache kamen. Absatz 3 zeigt, wie das Machtverhältnis der Sprachen und der globalen lingua franca Englisch entstanden sind und gibt in 3.1 ein Beispiel zur Macht der Sprache an. Abschließend versucht Punkt 4 die Zukunft des Deutschen unter dem Globalisierungsaspekt aufzuzeigen, welcher in das Fazit übergeht.

2. Definition Anglizismus

„Ein Anglizismus ist ein Wort aus dem britischen oder amerikanischen Englisch im Deutschen oder eine nicht übliche Wortkomposition, jede Art der Veränderung einer deutschen Wortbedeutung oder Wortverwendung (Lehnbedeutung, Lehnübersetzung, Lehnübertragung, Lehnschöpfung, Frequenzsteigerung, Wiederbelebung) nach britischem oder amerikanischem Vorbild.“ (Carstensen 1965, 30)

2.1 Formen der Anglizismen

Anglizismen können Einflüsse des Englischen auf das Deutsche sein. Es wird unterschieden zwischen „evidenten“ Einflüssen, dies sind Fremdwörter und Mischkomposita und „latenten“/„verborgenen“ Einflüssen, hierbei handelt es sich um Lehnübersetzungen, Lehnschöpfungen und Lehnübertragungen. (Vgl. Carstensen 1979, 90ff.) Diese Einflüsse können sich auf allen Ebenen der Sprache äußern. In der Lautung, der Formenlehre, der Syntax sowie im Wortschatz. Evidente Einflüsse sind „die direkte Übernahme eines englischen Wortes, das durch seine Form und häufig durch seine Aussprache den englischen Ursprung erkennen lässt.“ (Ebd., 90) Zu ihnen zählen die Fremdwörter, „das aus einer fremden Sprache übernommene – in Aussprache, Schreibweise oder Flexion noch nicht voll der übernehmenden Sprache angeglichene – Wort.“ (Chang 2005, 33) Fremdwörter sind beispielsweise der Account oder der bar code. Und die Mischkomposita, dies ist „ein zusammengesetztes Wort, dessen Einzelelemente aus verschiedenen Sprachen stammen, d.h. ein Element ist Englisch, das andere Deutsch." (Chang 2005, 33) Dies kann zum Beispiel der Farbdisplay sein.

Bei den latenten Einflüssen handelt es sich um „alle Formen von semantischer Entlehnung, die durch die geringere formale Abhängigkeit vom englischen Vorbild vom deutschen Sprecher nur schwer als englischer Herkunft erkannt werden können.“ (Ebd., 34) Hierzu gehören die Lehnübersetzung, die Lehnschöpfung und die Lehnübertragung. Lehnübersetzungen sind Anglizismen, bei denen „die Übersetzung eines englischen Begriffs Glied für Glied wiedergegeben wird.“ (Ebd., 34) Dies kann zum Beispiel das Wort <real time> (Echtzeit) sein. Um Lehnschöpfungen handelt es sich, „wenn ein fremder Begriff ohne formale Anlehnung an das Vorbild durch ein völlig neues Wort wiedergegeben wird.“ (Ebd., 35) Dies kann das Wort Hochschule für Universität sein. Eine Lehnübertragung ist es, „wenn ein Glied eines englischen Begriffs wörtlich wie eine Lehnübersetzung, das andere frei übertragen wird.“ (Ebd., 35) Ein Beispiel wäre das deutsche Wort Wolkenkratzer für Skyscraper, dies würde wörtlich übersetzt „Himmelskratzer“ heißen und wäre dann eine Lehnübersetzung.

2.2 Deutsch als Mischsprache

„Wörter kommen über die Sprachgrenzen herein, und zwar nicht als Flüchtlinge, sondern als geladene Gäste, einige werden abgewiesen, die meisten werden aufgenommen und mit der Zeit assimiliert, und so sehr sich auch manche über den Zustrom echauffieren, die Sprache ist daran offensichtlich nicht zugrunde gegangen, hat davon sogar profitiert.“ (Zimmer 1998, 18) Im Deutschen gab es schon früh entlehnte Wörter. In der vor- und althochdeutschen Zeit waren es die Kelten und Slawen, später die Römer, die durch ihre Nachbarschaft zu den Germanen, durch Kontakt und Austausch, die ersten Entlehnungen ins Deutsche brachten. (Vgl. Nübling 2006, 133) Die meisten Entlehnungen aus dem ersten bis fünften Jahrhundert kamen aus dem Lateinischen. „Im Mittelhochdeutschen wurde Latein als sog. Gebersprache durch das Französische abgelöst.“ (Ebd., 133) Das Französische brachte Wörter aus der höfischen Kultur wie Turnier, Preis und Tanz mit sich. Im Spätmittelhochdeutschen, der Ära des Bürgertums, kamen durch Gewerbe und Handel, neue Wörter aus dem italienischen (brutto, Konto) hinzu. (Vgl. Nübling 2006, 133) In der Zeit des Humanismus und der Renaissance kamen viele Wörter des Lateinischen und Griechischen ins Deutsche, im Barock jedoch erneut Italianismen wie Adagio und Allegro. (Vgl. ebd., 133) Seit dem 18. Jahrhundert waren es dann immer mehr englische Wörter, die ins Deutsche übernommen wurden. (Vgl. ebd., 134)

2.3 Wie kamen die Anglizismen in die deutsche Sprache

„Ende des 16. Jahrhunderts sprachen etwa vier Millionen Menschen Englisch. Vier Jahrhunderte später sind es schätzungsweise 1,3 Milliarden, verteilt über alle Erdteile.“ (Krischke 2009, 241) Für 400 Millionen von ihnen ist Englisch die Muttersprache, für noch einmal so viele die Zweitsprache. Insgesamt beherrscht etwa ein Viertel der Weltbevölkerung Englisch. (Vgl. ebd, 241) Die englische Sprache begann ihren Aufstieg durch die politische und ökonomische Macht des britischen Kolonialreiches, später durch die Vereinigten Staaten von Amerika. (Vgl. ebd., 242) „Dass die Nordamerikaner englisch sprechen, sah schon Bismarck als geschichtsträchtigen Faktor.“ (Ebd., 242) Englisch wird immer mehr zur Weltsprache, bedingt durch die wachsende Zahl internationaler Organisationen auf der ganzen Welt. Früheste englische Lehnwörter waren bereits aus dem Mittelalter ins Deutsche gelangt. Dies waren meist Fachausdrücke aus der Schifffahrt wie Brise oder Kutter. Im 17. und 18. Jahrhundert kamen Wörter wie Barometer, Pudding und stoppen hinzu, genauso wie frühe Lehnübersetzungen von Pferderennen - Horserace oder Pressefreiheit - freedom of press. (Vgl. ebd., 242) „Stammte Anfang des 17. Jahrhunderts nur ein Prozent der in dieser Zeit neu aufgenommen Fremdwörter aus dem Englischen, so stieg deren Anteil in der Mitte des 18. Jahrhunderts auf nahezu zehn Prozent.“ (Ebd., 242)

In dem Roman „Der Stechlin“ von Theodor Fontane aus dem Jahr 1899 fragte der alte Dubslav von Stechlin anlässlich einer Einladung zum Frühstück seinen Sohn:

Sagt man noch Déjeuner à la fouchette?

Kaum Papa. Wie du weißt, es ist jetzt alles englisch.

Natürlich. Die Franzosen sind abgesetzt. (Fontane 2012, 47)

Wie das Déjeuner à la fourchette auf Englisch genannt werden würde, wird nicht erwähnt, würde jedoch der alte Dubslav von Stechlin in der heutigen Zeit zum Frühstück einladen, müsste er zum Brunch bitten.

Großbritannien war Vorreiter der industriellen Revolution und hatte im Laufe des 19. Jahrhunderts und durch die voranschreitende Globalisierung eine Vielfalt von Lehnwörtern aus Wirtschaft, Politik, Industrie, Transport- und Pressewesen geliefert. (Vgl. Krischke 2009, 243) Es kamen Sportausdrücke (Sport, boxen), Wörter aus dem Handel (Scheck, Export) und Wörter aus der Mode (Smoking) hinzu. (Vgl. Nübling 2006, 134) „Englisch löste Französisch als Renommiersprache der höheren Gesellschaftskreise ab.“ (Krischke 2009, 243) In den zwanziger Jahren wurden Anglizismen aus dem Bereich der Musik wie Jazz, Blues und Swing heimisch. (Vgl. ebd., 244) Die angloamerikanische Popkultur brachte den Teenager, Rock ‚n‘ Roll und den Playboy ins Deutsche und ist bis heute eine der größten Quellen der Anglizismen geblieben. (Vgl. ebd., 244) Ein anderes Gebiet war der wissenschaftlich-technische Bereich, er lieferte Wörter aus der Computersprache wie byte, bit und software. (Vgl. ebd., 244) Die lautlichen und orthographischen Eindeutschungen englischer Wörter fanden meist vor 1945 statt, allerdings auch nur vereinzelt (Klub, kraulen, Streik). Dies geschah, damit Arbeiter und Gewerkschafter die Wörter richtig aussprechen und schreiben konnten. (Vgl. ebd., 245) „Solche Hilfs-Schreibungen würden heutigen Global Players nur noch als Zeichen peinlicher Hinterwäldlerei gelten.“ (Vgl. ebd., 245) „Allerdings bilden profane Ausspracheprobleme nach wie vor eine Barriere beim Import: Das zeigt sich an der geringen Zahl der englischen Lehnwörter mit <th> (...).“ (Vgl. ebd., 245) Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, nach 1945, kam dann der Hauptstrom der englischen Wörter in das Deutsche als eine Folge der politischen, wirtschaftlichen, technischen, militärischen und kulturellen Ereignisse. (Vgl. Chang 2005, 15)

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Anglizismen im Deutschen. Die deutsche Sprache unter dem Einfluss der Globalisierung
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,8
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V287113
ISBN (eBook)
9783656873525
ISBN (Buch)
9783656873532
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Anglizismus, Sprache
Arbeit zitieren
Anonym (Autor), 2014, Anglizismen im Deutschen. Die deutsche Sprache unter dem Einfluss der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287113

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