Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der, durch die die Zahlungsdiensterichtlinie, neu geschaffenen §§ 675c bis 676c BGB. Es wird u. A. die Frage erörtert; inwieweit Bartransaktionen des Kontoinhabers über sein eigenes Konto wieder bepreisbar sind und ob, für die Benachrichtung der Nichteinlösung einer Lastschrift wieder eine Entgeltvereinbarung zulässig ist.
§ 675s BGB regelt Ausführungsfristen für den Zahlungsvorgang. Um diese Fristen seitens des Zahlungsdienstleisters einhalten zu können, sieht § 675r BGB vor, dass es bei der Ausführung von Zahlungsvorgängen ausschließlich auf die vom Auftraggeber angegebene Kundenkennung ankommt. Bisher war in der Regel der Empfängername verbindlich.
In diesem Zusammenhang ist zu klären, ob die Zahlungsdienstleister trotzdem eine Pflicht zur Plausibilitätskontrolle der Empfängerdaten trifft.
Des Weiteren normiert die ZDRI explizit die Erstattungspflicht des Zahlungsdienstleisters gegenüber dem Zahlungsdienstnutzer, soweit dieser den ausgeführten Zahlungsvorgang nicht autorisiert hat. In diesem Kontext soll insbesondere erörtert werden, ob es bei den von Rechtsprechung und Lehre entwickelten Grundsätzen für die bereicherungsrechtliche Rückabwicklung bei Anweisungsfällen bleiben kann oder ob § 675u BGB unter europäischer Auslegung eine Kondiktionssperre für bereicherungsrechtliche Ansprüche gegenüber dem Zahlungsdienstnutzer setzt.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung
B. Historische Entwicklung des Zahlungsverkehrsrechts
I. Die Anfänge des unbaren Zahlungsverkehrs
II. Die Rechtslage bis 13.08.1999
1. Girovertrag
2. Überweisungen
3. Lastschriften
4. Karten
III. Die Rechtslage ab 14.08.1999 durch das Überweisungsgesetz
1. Umsetzung der Überweisungsrichtlinie in deutsches Recht
a. Rechtsnatur des Überweisungsvertrags
b. Haftung
2. EU-Preisverordnung
3. Sonstige europarechtliche Anforderungen
IV. Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie, des zivilrechtlichen Teils der Zahlungsdiensterichtlinie sowie zur Neuordnung der Vorschriften über das Widerrufs- und Rückgaberecht
1. Europarechtliche Anforderungen
2. Umsetzung in deutsches Recht
3. Räumlicher Anwendungsbereich
C. Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen durch Vereinheitlichung der Regelungen funktional gleicher Produkte und Dienstleistungen
I. Wesen des Zahlungsdiensterahmenvertrags
1. Eigenständige Rahmenverträge
2. Rechtsnatur des Dauerauftrags
a. Bisherige Rechtslage
b. Stellungnahme
II. Wesen des Einzelzahlungsvertrags
III. Zahlungsvorgänge als Zahlungsdienste
1. Rechtsnatur der Überweisung innerhalb bestehender Rahmenverträge
2. Autorisierung von Zahlungsvorgängen
3. Autorisierung von Lastschriften
D. Transparenz durch Harmonisierung der Rechte und Pflichten der Beteiligten
I. Informationspflichten des Zahlungsdienstleisters
1. Rahmenvertrag
2. Zahlungsvorgänge innerhalb eines Rahmenvertrags
3. Einzelzahlungsverträge
4. Folgen eines Verstoßes gegen die Informationspflichten
II. Entgeltpflicht des Zahlungsdienstnutzers
1. Entgelte für Bartransaktionen vom eigenen Konto
2. Entgelte für Nebenpflichten
a. Angemessen und kostenorientiert
b. Entgelt für die Informationsbereitstellung
c. Entgelt für die Sperrung eines Zahlungsauthenti-fizierungsinstruments
E. Zügige und effiziente Abwicklung des Zahlungsverkehrs durch Setzung einheitlicher Standards
I. Single Euro Payment Area
1. SEPA-Migrationsverordnung
2. SEPA-Begleitgesetz
II. Ausführung des Zahlungsauftrags anhand der Kundenkennung
1. Anwendungsbereich
2. Bisherige Rechtslage
a. Maßgeblichkeit des Empfängernamens
b. Folgen einer Fehlüberweisung
3. Die Kundenkennung im neuen Recht
a. Maßgeblichkeit der Kundenkennung
b. § 675r Abs. 1 S. 2 BGB als Anspruchsgrundlage auf Gutschrift
4. Kohärenzprüfung
5. Anforderungen an die Kundenkennung
a. Erforderlichkeit von Namensbestandteilen
b. BBAN und IBAN
c. Der Einfluss der Kohärenzprüfung auf die formelle Ordnungsmäßigkeit der Ausführung eines Zahlungsauftrags
6. Ansprüche des Zahlungsdienstnutzers aufgrund einer Fehlüberweisung
III. Interessenabwägung Rationalität versus Sicherheit im Zahlungsverkehr
F. Verbraucherschutz durch Normierung verbindlicher Haftungsregimes
I. Meinungsstand im bisherigen Recht
II. These von der Fortgeltung der entwickelten Grundsätze
III. These von der Sperrwirkung des § 675u BGB
IV. Stellungnahme
1. Grammatik
a. Wortlaut § 675u BGB
b. Wortlaut § 675z Abs. 1 BGB
2. Systematik
3. Historie
4. Sinn und Zweck
a. Vertragliche Ansprüche
b. Haftung für die ordnungsgemäße Ausführung
c. Wertersatz als Aufwendungen
5. Schutz des Zahlungsempfängers
6. Schutz des Zahlungsdienstleisters
G. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht den Einfluss des europäischen Rechts auf die zivilrechtlichen Regelungen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in Deutschland. Im Zentrum steht dabei die Analyse, wie europäische Vorgaben, insbesondere durch die Zahlungsdiensterichtlinie (ZDRI), die nationale Rechtslage verändert haben, sowie die Untersuchung der zentralen Pflichten von Zahlungsdienstleistern und -nutzern unter Berücksichtigung der neuen Haftungs- und Transparenzregeln.
- Entwicklung und Harmonisierung des Zahlungsverkehrsrechts unter europäischem Einfluss
- Rechtsnatur von Zahlungsdiensterahmenverträgen und Daueraufträgen
- Informationspflichten und Entgeltregelungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr
- Rechtliche Anforderungen an die Ausführung von Zahlungsaufträgen und die Kundenkennung (IBAN/BBAN)
- Haftungsregimes bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen und fehlerhaften Überweisungen
Auszug aus dem Buch
a. Maßgeblichkeit der Kundenkennung
Aus dem Effizienzbestreben der ZDRI und dem eindeutigen Willen des nationalen Gesetzgebers erstreckt sich die Maßgeblichkeit der Kundenkennung nicht nur auf das Deckungsverhältnis, sondern auch auf das Inkassoverhältnis. Somit ist auch die Empfängerbank berechtigt, die Gutschrift anhand der Kundenkennung vorzunehmen, da § 675r Abs. 1 S. 1 BGB explizit von allen beteiligten Zahlungsdiensteistern spricht. Es ist auch unerheblich, ob die Überweisung beleglos oder beleghaft erfolgt.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung: Das Kapitel erläutert die Ziele der Europäischen Union zur Schaffung eines einheitlichen Zahlungsraums und die historische Fragmentierung der Standards.
B. Historische Entwicklung des Zahlungsverkehrsrechts: Es beschreibt die Entwicklung vom Girovertrag bis hin zur Entstehung von modernen Debitkartensystemen und die Rechtslage vor 1999.
C. Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen durch Vereinheitlichung der Regelungen funktional gleicher Produkte und Dienstleistungen: Dieses Kapitel definiert den Zahlungsdienstevertrag als Sonderform des Geschäftsbesorgungsvertrages und unterscheidet zwischen Rahmen- und Einzelzahlungsverträgen.
D. Transparenz durch Harmonisierung der Rechte und Pflichten der Beteiligten: Fokus liegt auf den Informationspflichten der Zahlungsdienstleister gegenüber dem Kunden und den Grenzen der Entgeltpflicht.
E. Zügige und effiziente Abwicklung des Zahlungsverkehrs durch Setzung einheitlicher Standards: Analyse der SEPA-Integration und der rechtlichen Bedeutung der Kundenkennung für die Ausführung von Zahlungsaufträgen.
F. Verbraucherschutz durch Normierung verbindlicher Haftungsregimes: Untersuchung der Haftung des Zahlungsdienstleisters bei nicht autorisierten Zahlungen und die Abgrenzung von Bereicherungsansprüchen.
G. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über die erreichten Standards und Hinweis auf regulatorische Lücken durch technische Weiterentwicklungen.
Schlüsselwörter
Zahlungsverkehrsrecht, Europäisches Recht, ZDRI, Zahlungsdienstevertrag, SEPA, Kundenkennung, IBAN, Haftungsregime, Überweisung, Lastschrift, Informationspflichten, Bereicherungsausgleich, Verbraucherschutz, Zahlungsdienstleister, Zahlungsdienstnutzer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das europäische Zahlungsrecht die zivilrechtlichen Grundlagen für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Deutschland neu definiert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Zahlungsdienstevertrag, den Informationspflichten, dem Haftungsrecht bei Fehlern und der Harmonisierung durch SEPA.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie sich die Umsetzung der Zahlungsdiensterichtlinie auf das nationale Recht auswirkt, insbesondere bei der Abgrenzung von Zahlungsdiensten und der Haftung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtsdogmatische Analyse unter Berücksichtigung von EU-Richtlinien, nationalen Gesetzen (BGB, ZAG) sowie der aktuellen Rechtsprechung und Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die neuen vertraglichen Rahmenbedingungen, die Rolle der Kundenkennung bei der Zahlungsabwicklung und die Haftungssituation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Zahlungsverkehrsrecht, Zahlungsdienstevertrag, Haftung, Kundenkennung, SEPA und Verbraucherschutz.
Was bedeutet die "Maßgeblichkeit der Kundenkennung" für den Nutzer?
Sie bedeutet, dass für die korrekte Ausführung einer Überweisung die vom Kunden angegebene Kundenkennung (IBAN) entscheidend ist, nicht mehr zwingend der Empfängername.
Warum ist das Dauerauftrag-Verhältnis rechtlich umstritten?
Es wird debattiert, ob ein Dauerauftrag als eigenständiger Rahmenvertrag gilt oder lediglich als Ausführung einer Weisung innerhalb eines bestehenden Girokontovertrags zu sehen ist.
Welchen Einfluss hat die Kohärenzprüfung auf die Haftung?
Die Kohärenzprüfung ist ein optionales Sicherheitsinstrument; ihr Fehlen kann Auswirkungen auf die Haftung bei Fehlüberweisungen haben, insbesondere im Hinblick auf Schadensersatzpflichten.
- Arbeit zitieren
- Michaela Meyer (Autor:in), 2014, Der Einfluss des europäischen Rechts auf die zivilrechtlichen Regelungen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287122