Gegenstand dieser Arbeit ist die Rolle des Unbewussten in der Psychologie. Von der psychologischen Forschung lange Zeit vernachlässigt, etabliert sich die Erforschung des Unbewussten zunehmend als spannendes Forschungsgebiet.
Ziel der Arbeit ist dabei, unvoreingenommen einige Fortschritte der Erforschung des Unbewussten aufzuzeigen. Besonders Fortschritte auf dem Sektor der Neuropsychologie haben in den letzten Jahren den Wissensbestand um die Funktionsweise des Unbewussten rapide erhöht. Ein modernes Experiment aus dem Bereich der Neuropsychologie, wird in der vorgelegten Arbeit exemplarisch geschildert. Die Grundfrage die sich in der heutigen, modernen Forschung auf diesem Gebiet stellt, lautet: Wie stark determinieren unbewusste Prozesse unser Denken, Fühlen und Handeln.
Inhaltsverzeichnis
1 Themeneinleitung und Überblick -die Rolle des Unbewussten in der Psychologie-
2 Das Unbewusste in der Psychologie, Theorie des Unbewussten
2.1 Erste Erforschungen unbewusster Prozesse
3 Erforschung unbewusster Prozesse, breites Spektrum mit verschiedenen Ansätzen
3.1 Der freie Wille, ein Experiment aus der Neuropsychologie
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung des Unbewussten innerhalb der modernen Psychologie. Das primäre Ziel besteht darin, darzulegen, dass unbewusste Prozesse unser Denken, Fühlen und Handeln maßgeblich determinieren und wie neurophysiologische Studien diesen Einfluss messbar machen.
- Historische Entwicklung des Konzepts "Unbewusstes" (Freud bis heute)
- Neuropsychologische Experimente zur Handlungssteuerung
- Implizite Lernprozesse und unbewusste Informationsverarbeitung
- Methodische Herausforderungen bei der Erforschung unbewusster Abläufe
- Diskurs über den freien Willen im Lichte neurowissenschaftlicher Erkenntnisse
Auszug aus dem Buch
3.1 Der freie Wille, ein Experiment aus der Neuropsychologie
Schon Benjamin Libet stellte nach ausgiebiger Forschung 1983 ein Experiment vor welches belegte, dass sich schon 550 ms vor einer bewussten Bewegung ein Bereitschaftspotential in Neuronen des SMA (somatomotorisches Areal, vgl. Abb. 3) feststellen ließ. Der bewusste Wille zu einer Handlung wurde allerdings erst 200 ms vor der tatsächlichen Bewegung registriert.
Das Experiment von Libet wurde nun in dem vorliegenden Experiment „Unconscious determinants of free decisions in the human brain“ (Soon, Brass, Heinze & Haynes, 2008 [nature neuroscience]) modifiziert. Durch die Erweiterung des Beobachtungszeitraumes, vor der bewussten Entscheidung, gelang es den Forschern neue, unerwartete Erkenntnisse zu gewinnen. Die Versuchsanordnung wurde wie folgend gewählt: Die Probanden saßen vor einem Computer und betrachteten einen Buchstabenfluss, alle 500 ms wechselte der angezeigte Buchstabe. Die Aufgabe bestand darin, zu einem selbstgewählten Zeitpunkt eine rechte oder linke Taste mit dem Zeigefinger zu drücken und sich den jeweilig angezeigten Buchstaben zum Zeitpunkt der bewussten Entscheidung zu merken. Um Fehlerinnerungen zu vermeiden, wählten die Probanden aus vier Buchstabenalternativen per Tastendruck den Korrekten aus.
Im Durchschnitt betätigten die Probanden einen der beiden Knöpfe nach 21,6 Sekunden. Während der gesamten Zeit wurden ihre Gehirnströme mittels des fMRT-Verfahrens aufgezeichnet. Das functional magnetic resonance imaging ermöglicht eine Abbildung von Hirnströmen auf Grund von Blutflussveränderungen in Gehirnarealen. Die Grundlage dieser Technik ist, dass Aktivitäten in Hirnregionen mit einer stärkeren Durchblutung einhergehen. Die stärkere Durchblutung führt zu einem Anstieg des oxygenierten Hämoglobins, welches andere magnetische Eigenschaften aufweist, als das desoxygenierte Hämoglobinmolekül. Da die Hämoglobinmoleküle sich in dieser fundamentalen Eigenschaft unterscheiden, kann (über das Magnetfeld) ein Kontrast zwischen durchbluteten bzw. aktivierten und nicht durchbluteten, inaktiven Zuständen im Gehirn unterschieden werden; dieser Kontrast wird auch als BOLD-Kontrast bezeichnet. (Poldrack, Mumford & Nichols, 2011)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Themeneinleitung und Überblick -die Rolle des Unbewussten in der Psychologie-: Diese Einleitung skizziert den Stellenwert des Unbewussten in der heutigen Psychologie und führt in die Thematik der wissenschaftlichen Erforschung unbewusster Prozesse ein.
2 Das Unbewusste in der Psychologie, Theorie des Unbewussten: Das Kapitel erläutert die historischen Grundlagen des Unbewussten, insbesondere durch das Instanzenmodell von Sigmund Freud und die Weiterentwicklung in der Tiefenpsychologie.
2.1 Erste Erforschungen unbewusster Prozesse: Hier werden frühe Ansätze und Fallbeispiele diskutiert, die auf die Existenz unbewusster Einflüsse auf das Verhalten und die Physiologie des Menschen hindeuten.
3 Erforschung unbewusster Prozesse, breites Spektrum mit verschiedenen Ansätzen: Dieses Kapitel behandelt diverse moderne Forschungsbereiche, wie subliminale Wahrnehmung, implizites Wissen und navigationsbezogene unbewusste Prozesse.
3.1 Der freie Wille, ein Experiment aus der Neuropsychologie: Dieser Abschnitt analysiert detailliert ein spezifisches Experiment mittels fMRT, das die neuronale Vorhersagbarkeit von Entscheidungen vor deren bewusster Wahrnehmung untersucht.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Das Kapitel resümiert die Bedeutung des Unbewussten als zentrales Forschungsgebiet und diskutiert künftige wissenschaftliche Fragestellungen.
Schlüsselwörter
Unbewusstes, Psychologie, Neuropsychologie, freier Wille, fMRT, Gehirnströme, BOLD-Kontrast, kognitive Prozesse, Handlungssteuerung, implizites Lernen, Tiefenpsychologie, Bewusstseinsforschung, neuronale Aktivität, Ebbinghaus-Täuschung, Entscheidungsfindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle unbewusster Prozesse in der Psychologie und untersucht, inwieweit unser Denken, Fühlen und Handeln durch Faktoren beeinflusst wird, die außerhalb unseres bewussten Zugriffs liegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung der Theorie des Unbewussten, die wissenschaftliche Messbarkeit unbewusster Einflüsse sowie moderne neuropsychologische Studien zur Entscheidungsfindung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, dass das Unbewusste ein wissenschaftlich ernstzunehmendes Forschungsgebiet ist und dass moderne Methoden, wie die fMRT-Bildgebung, konkrete neuronale Vorläufer für bewusste Handlungen nachweisen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär zur Untersuchung herangezogen?
Die Arbeit greift primär auf neuropsychologische Studien zurück, insbesondere auf bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), um Gehirnaktivitäten zu analysieren.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Ansätze, wie das Freud'sche Instanzenmodell, als auch empirische Befunde zu subliminaler Wahrnehmung, implizitem Lernen und neurophysiologischen Experimenten zum freien Willen detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern zählen das Unbewusste, Neuropsychologie, freier Wille, Entscheidungsfindung, fMRT, neuronale Aktivität und Bewusstseinsforschung.
Welche Rolle spielt die BOLD-Technik in der Untersuchung?
Die BOLD-Technik ist entscheidend, um durch Blutflussveränderungen im Gehirn die Aktivitäten spezifischer Areale sichtbar zu machen, was es den Forschern ermöglicht, neuronale Muster mit bewussten Entscheidungen zu korrelieren.
Was sind die zentralen Kritikpunkte an den besprochenen Studien?
Ein zentraler Kritikpunkt ist die mangelnde externe Validität der Laborumgebungen sowie die zeitliche Ungenauigkeit bei der exakten Bestimmung des Zeitpunkts einer bewussten Entscheidung innerhalb der Versuchsreihen.
- Citation du texte
- Jens Thöne (Auteur), 2013, Das Unbewusste in der Psychologie. Klassische und moderne psychologische Sichtweisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287135