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Todesinszenierungen im amerikanischen Kriegsfilm nach 1945. Sterben in "Platoon", "Hamburger Hill" und "Saving Private Ryan"

Title: Todesinszenierungen im amerikanischen Kriegsfilm nach 1945. Sterben in "Platoon", "Hamburger Hill" und "Saving Private Ryan"

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Antje Linßner (Author)

Film Science
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Die Filme „Hamburger Hill“, „Platoon“ und „Privat Ryan“ spielen eine je unterschiedliche Tonart vom „Lied vom Tod“. Allen Filmen gemein ist die Auseinandersetzung mit der Todesangst, der Angst vor dem Tod und der Todeserfahrung, speziell mit dem „Tod des Anderen“. Die Inszenierungen des Sterbeprozesses und des Todesmomentes sind verschiedene. Bahnt sich in „Platoon“ eine mythische Todesinszenierung an, da der Mythos den Tod als Ende und Beginn einer Wandlung beschreibt, so ist in „Hamburger Hill“ die Zerstörung des menschlichen Körpers die Ausdrucksform der Kriegserfahrung, „Private Ryan“ berichtet hingegen vom zerstückelten Körper im Tod, und schafft mit der Landungssequenz der alliierten Truppen in der Normandie einen Epos des Todes.
Die Ansatzpunkte für die Frage nach der Todesinszenierung sind die ästhetischen und handlungsspezifischen Merkmale, die den Tod abbilden oder davon erzählen. Konkret bedeutet das die Untersuchung der Äußerungen und Handlungen der Soldaten zum Tod der Kameraden oder zum eigenen Tod als Bevorstand. Wie wird Sterben und Todesmoment ästhetisch dargestellt bzw. abgebildet? Wie wird der Tod an sich verstanden oder welche Bedeutungszusammenhänge werden ihm, speziell im Krieg, oder allgemein, zugeordnet? Wie wird das brutale DASS des Todes gezeigt, was sagt es über das WAS?
Stefan Reinecke spricht davon, dass Kino den Schrecken abbilde, „Bilder vom Sterben machen das Unfassbare abbildbar, das Unvorstellbare verständlich“ . Erfahrung von Grauen oder Schrecken ist eine Möglichkeit für den Einzelnen, diffuse Ängste zu bewältigen, Verdrängungsmechanismen werden überflüssig. Ist das Sterben im Kriegsfilm ein Angebot zur Integration des uns „fremden“ Todes? „Rambo – und Filme, in denen massenhaft gestorben wird – kann man (...) als Angebot verstehen, in dem die Angst vor dem Tod (...) in der Vernichtung des Anderen, des Feindes undeutlich verarbeitet wird.“ . Hier ist noch hinzuzufügen, dass meines Erachtens diese Verarbeitung nicht nur in der Vernichtung des anderen vonstatten geht: die behandelten Filme bieten dafür viel Stoff.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Vorwort

1 Einleitung

2 Vorüberlegungen

2.1 Vom Töten im Krieg

2.2 Zum Verständnis des Todes

2.3 Todesangst und Angst vor dem Tod

2.4 Sterbeprozess und Todesmoment

2.5 Varianten der Todeserfahrung

3 Sterben und Tod in „Hamburger Hill“, „Platoon“ und „Private Ryan“

3.1 Mythische Strukturen

3.2 Welt, Körper, Sterben und Tod

3.3 Der Umgang mit dem Tod

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Inszenierung des Todes im amerikanischen Kriegsfilm nach 1945. Dabei wird analysiert, wie das Sterben und der Tod als tabuisierte Themen in den Spielfilmen „Platoon“, „Hamburger Hill“ und „Saving Private Ryan“ ästhetisch und inhaltlich dargestellt und in den soziokulturellen Kontext der Kriegserfahrung eingebettet werden.

  • Philosophische und anthropologische Grundlagen des Todesverständnisses
  • Die moralische Legitimation des Tötens im Krieg
  • Vergleichende Analyse der Todesdarstellungen in drei exemplarischen Kriegsfilmen
  • Die Rolle mythischer Strukturen und Initiationsrituale
  • Der Umgang der Soldaten mit dem Tod von Kameraden (Stellvertreter-Tod)

Auszug aus dem Buch

3.1 Mythische Strukturen

Tod ist im Mythos niemals das Ende eines Seins, sondern bedeutet den Moment der Wandlung. Der Übergang von einem Zustand zum nächsten ist der symbolische Tod, etwas muss sterben, um neu zu beginnen. Anhand von „Platoon“ möchte ich nachweisen, dass hier, abgesehen von der Thematisierung eines historisch-realen Kriegsereignisses, das Initiationsritual vom Kind zum Mann konsequent umgesetzt wird. Der Übergang vom Kindes zum Erwachsenenalter ist gekennzeichnet durch die Ablösung vom Elternhaus (eigene Identität und Ablösung vom Vater) und der „Herstellung sozial produktiver Männlichkeit“58.

Ein Initiationsritual beginnt mit einer „Entführung und Absonderung“59 des Kandidaten. Chris Taylor (Charlie Sheen), der Kandidat, geht in den vietnamesischen Dschungel. Anfangs gehört er noch nicht zur Gemeinschaft, Neulinge sind nichts wert, da „sie noch nichts geleistet haben“60. Der Bezug zu seiner Familie ergibt sich aus seinen Briefen an die Großmutter, die, im Off erzählt, gleichzeitig beschreibendes Element seiner Wandlung sind. Der Dschungel ist ein archetypisches weibliches Symbol, bei Initiationsritualen wurden die Einweihungskandidaten oftmals in den Wald geschickt, zurück in die Geborgenheit des weiblichen. Beim ersten Manöver begegnet Chris einer Schlange, die einerseits als phallisches Repräsentant der weiblichen Erde in der Sexualität ihre symbolische Entsprechung findet, andererseits auch mit ihren Attributen „sich häutend und regenerierend“ für den Kreislauf des Lebens und die Wiedergeburt steht. Hier schließt sich das nächste strukturelle Element des Initiationsrituals an: die Hingabe des „alten, eigenen Ichs“61. Das erste Anzeichen ist Chris Taylors Rückkehr nach seiner Kampfesverletzung in die „Kifferhöhle“: „Taylor wurde erschossen, das hier ist Chris, der auferstanden ist.“62 Auf die Frage eines Kameraden, Junior, ob er denn keine Familie, niemanden hätte, antwortet Chris: „Nein, es gibt niemanden“63.

Zusammenfassung der Kapitel

0 Vorwort: Die Einleitung reflektiert die persönliche Erfahrung der Autorin mit der filmischen Darstellung des Sterbens und stellt die Leitfrage nach der Inszenierung des tabuisierten Todes im Kriegsfilm.

1 Einleitung: Das Kapitel führt in die drei behandelten Filme ein und stellt die zentrale Untersuchungsmethode sowie die Bedeutung des Kinos bei der Bewältigung des Unfassbaren vor.

2 Vorüberlegungen: Hier werden philosophische und gesellschaftliche Aspekte des Tötens, das Verständnis des Todes und die Abgrenzung zwischen Todesangst und Angst vor dem Tod dargelegt.

3 Sterben und Tod in „Hamburger Hill“, „Platoon“ und „Private Ryan“: In diesem Hauptteil werden die Filme anhand von mythischen Strukturen, der physischen Darstellung der Zerstörung und den Formen des Umgangs mit dem Tod detailliert analysiert.

Schlüsselwörter

Kriegsfilm, Todesinszenierung, Sterbeprozess, Platoon, Hamburger Hill, Private Ryan, Todesangst, Initiationsritual, Mythos, Stellvertreter-Tod, Körperzerstörung, gesellschaftliche Tabuisierung, Kriegserfahrung, Endlichkeit, Tod des Anderen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die filmische Inszenierung des Todes im amerikanischen Kriegsfilm nach 1945 unter Einbeziehung philosophischer und anthropologischer Perspektiven.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Auseinandersetzung mit Todesangst, der Bedeutung von Ritualen im Krieg, der Darstellung des sterbenden Körpers und der moralischen Legitimation des Tötens.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu untersuchen, wie der in der Gesellschaft tabuisierte Tod in den Filmen „Platoon“, „Hamburger Hill“ und „Private Ryan“ visualisiert und narrativ verarbeitet wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Filmanalyse durchgeführt, die den Film als Medium zur Sichtbarmachung des Todes durch theoretische Konzepte (z. B. von Heidegger, Ariès und Scheler) interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit mythischen Strukturen (Initiationsrituale), der körperlichen Demontage im Krieg und verschiedenen Umgangsformen der Charaktere mit dem Tod von Kameraden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Todesinszenierung, Kriegserfahrung, Endlichkeit, Initiationsritual und die filmische Darstellung der Zerstörung.

Wie spielt das Element „Natur“ eine Rolle in „Hamburger Hill“?

Die Arbeit erläutert, wie in „Hamburger Hill“ der Soldat als Teil der Natur begriffen wird, wobei das Sterben der Soldaten mit der Zerstörung der Umgebung durch den Krieg korrespondiert.

Was bedeutet der „Stellvertreter-Tod“ in der Analyse?

Damit wird das Phänomen beschrieben, dass Soldaten im Film stellvertretend für andere sterben oder Missionen existieren, in denen das Überleben eines Einzelnen durch das Sterben mehrerer erkauft wird.

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Details

Title
Todesinszenierungen im amerikanischen Kriegsfilm nach 1945. Sterben in "Platoon", "Hamburger Hill" und "Saving Private Ryan"
College
University of Leipzig  (Theaterwissenschaft)
Course
Shell shocked Face - Der amerikanische Kriegsfilm nach 1945
Grade
1,0
Author
Antje Linßner (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V28716
ISBN (eBook)
9783638304177
ISBN (Book)
9783638649919
Language
German
Tags
Kriegsfilm Todes-Inszenierungen Eine Analyse Darstellung Sterbens Platoon Hamburger Hill Saving Private Ryan Shell Face Kriegsfilm
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Antje Linßner (Author), 2003, Todesinszenierungen im amerikanischen Kriegsfilm nach 1945. Sterben in "Platoon", "Hamburger Hill" und "Saving Private Ryan", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28716
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