Auch im einundzwanzigsten Jahrhundert ist der Begriff der Psychiatrie und der (chronisch) psychischen Erkrankung immer noch negativ und mit vielen Vorurteilen behaftet. Dabei ist doch Selbstbestimmung das Recht eines jeden Menschen unabhängig davon, ob er gesund oder krank ist. Und so wie sich die Psychiatrie im Wandel der Zeit verändert hat, so haben sich auch die Menschen von Insassen zu Betroffenen gewandelt. Psychiatrie-Erfahrene schließen sich zu Selbsthilfegruppen zusammen und die professionell Pflegenden werden als Informationsquelle und Unterstützung verstanden, wodurch ein Netzwerk entsteht. Gemeinsam wird an Prozessen des Empowerment und Recovery gearbeitet
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Methode
2 (Psychiatrisches) Gesundheits- und Krankheitsverständnis
3 Chronizität und längerfristiger psychiatrischer Krankheitsverlauf
4 Empowerment
5 Recovery
6 Bezug zur psychiatrischen Pflege
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Grundhaltung sowie dem Gesundheits- und Krankheitsverständnis in der psychiatrischen Pflege auseinander, wobei der Fokus auf den Konzepten Empowerment und Recovery liegt, um Wege für einen ressourcenorientierten Umgang mit längerfristigen psychiatrischen Krankheitsverläufen aufzuzeigen.
- Bedeutung der psychiatrischen Grundhaltung in der Pflege
- Empowerment als Prozess der Selbstbefähigung
- Recovery als Paradigmenwechsel in der psychiatrischen Versorgung
- Ressourcenorientierung bei chronischen psychiatrischen Erkrankungen
- Reflexion des professionellen Pflegehandelns und ethischer Grenzen
Auszug aus dem Buch
4 Empowerment
Historisch handelte es sich bei der Empowermentbewegung um eine Emanzipationsbewegung der amerikanischen Frauen sowie eine Befreiungsbewegung gesellschaftlich unterdrückter Gruppen. Sie erlangten neues Selbstbewusstsein und Stärke, um sich folglich gegen ihre Diskriminierung, Unterdrückung wie auch Machtlosigkeit aufzulehnen (vgl. Knuf, Osterfeld 2007, 7; Knuf 2006, 7f.). Auch in der psychiatrischen Arbeit ist der Begriff des Empowerment inzwischen ein gängiges Schlagwort (vgl. Hammer, Plößl 2012, 26; Knuf 2006, 8). Übersetzt bedeutet „Empowerment“ so viel wie „Bevollmächtigung, Ermächtigung, Stärkung, Unterstützung“ (Pons 2014a) und wird häufig auf die Person selbst bezogen. Es wird als Selbstbefähigung und –er- beziehungsweise -bemächtigung sowie das Zurückgewinnen eigener Stärken und Einflussmöglichkeiten auf das eigene Leben verstanden. Dies lässt sich jedoch nicht ausschließlich auf die persönliche Ebene beziehen, sondern kann auch auf einen institutionellen sowie politischen Rahmen übertragen werden (vgl. Hammer, Plößl 2012, 26; Knuf 2007, 28; Knuf 2006, 7f.; Knuf, Osterfeld 2007, 7). Der Mensch, obgleich gesund oder krank, soll dazu befähigt werden, selbstbestimmt, unabhängig und in Eigenverantwortung sein Leben planen sowie kontrollieren zu können und eigene Entscheidungen treffen zu können. Aber der Grad der gewollten Selbstbestimmung ist auch immer abhängig von der derzeitigen Lebens oder Krankheitsphase in der sich der Betroffene befindet, eine Eigenverantwortung ist nicht in jeder Situation gewünscht oder möglich (vgl. Knuf 2006, 33; Schädle-Deininger 2010, 172f.). Auch soll eine Reduktion von Entmündigung, Zwangsmaßnahmen und Gewalt in der Psychiatrie dadurch erreicht werden (vgl. Knuf, Osterfeld 2007, 7).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung und Methode: Einleitung in die Problematik der Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise sowie des Aufbaus der Hausarbeit.
2 (Psychiatrisches) Gesundheits- und Krankheitsverständnis: Definition und kritische Betrachtung verschiedener Gesundheits- und Krankheitsmodelle als theoretische Basis für das pflegerische Handeln.
3 Chronizität und längerfristiger psychiatrischer Krankheitsverlauf: Auseinandersetzung mit dem Begriff der Chronizität, der Bedeutung von Verlusterfahrungen und der Wichtigkeit einer flexiblen Begleitung im Verlauf der Erkrankung.
4 Empowerment: Erläuterung des Empowerment-Begriffs als Prozess der Selbstbefähigung und Darstellung der Rolle der psychiatrischen Fachkraft bei der Unterstützung dieses Prozesses.
5 Recovery: Vorstellung des Recovery-Konzepts als Weg zur Gesundung, der nicht auf Symptomfreiheit abzielt, sondern auf ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben mit der Erkrankung.
6 Bezug zur psychiatrischen Pflege: Übertragung der Konzepte Empowerment und Recovery auf das psychiatrische Pflegeverständnis und die praktische Umsetzung im Pflegealltag.
7 Fazit und Ausblick: Kritische Zusammenfassung der Ergebnisse, Diskussion von Grenzen der Konzepte in der Praxis sowie Benennung weiterführender Themenschwerpunkte.
Schlüsselwörter
Psychiatrische Pflege, Empowerment, Recovery, Chronizität, Selbstbefähigung, Gesundung, Stigmatisierung, Patientenorientierung, Ressourcenorientierung, Pflegehandeln, Selbstbestimmung, Psychiatrie, Psychische Erkrankung, Lebensqualität, Krisenbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung einer reflektierten Grundhaltung und eines modernen Gesundheitsverständnisses für das Handeln der psychiatrischen Pflege bei Menschen mit chronischen psychiatrischen Krankheitsverläufen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Paradigmenwechsel von einer defizitorientierten Betrachtung hin zu Empowerment und Recovery sowie die aktive Einbeziehung der Betroffenen in den Behandlungsprozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Pflegekräfte Patienten bei der Bewältigung ihrer Erkrankung unterstützen können, ohne deren Autonomie durch bevormundendes Handeln einzuschränken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und theoretischer Modelle zur psychiatrischen Pflege basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit Gesundheits- und Krankheitsmodellen, dem Phänomen der Chronizität, den Konzepten Empowerment und Recovery sowie deren konkreter Anwendung in der professionellen psychiatrischen Pflege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Empowerment, Recovery, psychiatrische Pflege, Selbstbestimmung, Ressourcenorientierung und Stigmatisierung charakterisiert.
Welche Rolle spielt die „passive Aktivität“ laut Knuf in der Pflege?
Die „passive Aktivität“ beschreibt ein zurückhaltendes Verhalten der Pflegekraft, bei dem nur dann aktiv eingegriffen wird, wenn Hilfe erwünscht ist, um den Patienten als Experten für sich selbst zu stärken.
Wie unterscheidet sich Recovery von der klassischen Vorstellung von Heilung?
Recovery zielt nicht primär auf die vollständige Symptomfreiheit oder das Ende der Erkrankung ab, sondern auf das Erreichen eines selbstbestimmten und zufriedenen Lebens trotz bestehender Einschränkungen.
- Arbeit zitieren
- Annina Grimm (Autor:in), 2014, Psychiatrisches Gesundheits- und Krankheitsverständnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287170