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Stifters "Kalkstein".Exemplifizierung der Doppelnatur des Pfarrers im Kar anhand seiner Beziehung zur Wäsche

Title: Stifters "Kalkstein".Exemplifizierung der Doppelnatur des Pfarrers im Kar anhand seiner Beziehung zur Wäsche

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Barbara Spögler (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Von der Erzählung "Kalkstein" Adalbert Stifters, die erstmals 1853 in den "Bunten Steinen" erschienen ist, heißt es bereits in ihrem ersten Satz, dass „nichts Ungewöhnliches“ darin vorkommen werde. Tatsächlich erscheint der Pfarrer im Kar, von dessen Leben die Geschichte erzählt, auf den ersten Blick als ein zwar sonderbarer, aber in seiner Nächstenliebe durchaus vorbildlicher und tugendhafter Mensch, was ihn wiederum als geeignete Figur für die "Bunten Steine" auszeichnet, welche Stifter selbst in deren Einleitung als „Sammlung für die Jugend“ bezeichnet.
In der vorliegenden Arbeit soll jedoch gezeigt werden, dass dieses „nichts Ungewöhnliche“, das die Erzählung suggeriert, bei einer genaueren Analyse des Pfarrers genauso fadenscheinig wird wie es seine Kleidung selbst ist. Was sich tatsächlich unter seiner unscheinbaren Kutte, also unter der sichtbaren „gewöhnlichen“ Oberfläche des Pfarrers verbirgt, legt schließlich das Innerste und Geheimnisvollste des Pfarrers offen: Sein fetischistisches Verhältnis zu weißer Wäsche, auf welchem das Hauptaugenmerk meiner Arbeit liegen wird.
Um in die Arbeit einzuleiten, werden anfangs einige Eigenarten in der Beschreibung des Pfarrers herausgearbeitet, welche ihn als durchaus ambivalente Figur entlarven.
Der Hauptteil der Arbeit widmet sich ausführlich dem Wäschefetischismus des Pfarrers, seinem Ursprung, seinen Mechanismen sowie seinem Bezug zur kargen, „abscheulichen“ Kalksteinlandschaft, die der Pfarrer dermaßen schätzt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Pfarrer im Kar – Personifizierte Tugend?

2.1 Ein farblicher Widerspruch in sich

2.2 Askese versus Luxus

2.3. Selbstverrat durch die Verkehrung des Verschleierungsmechanismus

3.„Und ich hatte die weißen Dinge sehr lieb“

3.1.Die Geburt des Fetischs

3.2 Die Wäsche als Reliquie

3. 3 Die Frage nach dem Warum?

3.3.1 Imitation

3.3.2 Substitution

3.3.3 Wäsche als Memorialzeichen

3.3.4 Reinheit

3.5 Der Erzähler und des Pfarrers Fetisch

3.6 Der Kalkstein als Projektionsfläche

4.Nachwort

Zielsetzung & Themen

Diese literaturwissenschaftliche Untersuchung analysiert die Ambivalenz des Pfarrers in Adalbert Stifters Erzählung "Kalkstein". Dabei liegt der Fokus auf der Dekonstruktion seiner vermeintlichen Tugendhaftigkeit durch die Untersuchung seines tiefgreifenden Fetischismus gegenüber weißer Wäsche, der als zentraler, verborgener Antriebsmotor seiner Handlungen interpretiert wird.

  • Die Farbsymbolik als Indikator für den inneren Kampf zwischen Tugend und Sünde
  • Die Entlarvung der asketischen Fassade des Pfarrers
  • Die Analyse des Wäschefetischismus und dessen Ursprungs in der Jugendgeschichte
  • Die Interpretation von Wäsche als Reliquie, Substitutionsmittel und Memorialzeichen
  • Die Rolle der Kalksteinlandschaft als Projektionsfläche für die unterdrückten Phantasien des Protagonisten

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Geburt des Fetischs

Die Binnenerzählung des Karpfarrers, insbesondere die Episode mit der Nachbarstochter Johanna, bildet „die Schlüsselstelle, den verborgenen Knotenpunkt der ganzen Novelle“ und markiert die Geburt seines Wäschefetischs.

Auffallend für den Bericht des Pfarrers ist die Tatsache, dass er in seiner Schilderung der Vorkommnisse im Nachbarsgarten zuerst die „sehr schöne[n] weiße[n] Tücher“, die er in jenem Garten immer gesehen hat, erwähnt, bevor er schließlich von dem Mädchen erzählt. Dieses, an manchen Stellen stärkere Interesse an der Wäsche als an Johanna selbst, wird in dieser noch Arbeit öfter aufgegriffen werden. Die Art und Weise, wie das Mädchen bereits in ihrer ersten Erwähnung beschrieben wird, zeigt „das ungeheure Spannungsmoment“, welches der Binnengeschichte anhaftet: „Diese Frau hatte auch ein Töchterlein, ein Kind, nein es war doch kein Kind mehr – ich wußte eigentlich damals nicht, ob es noch ein Kind sei oder nicht.“

Wird die Tochter anfangs noch als „Kind“ bezeichnet, wird diese Aussage abrupt wieder zurückgenommen, was sofort ein sexuelles Moment impliziert, welches durch die darauffolgende Unsicherheit des Protagonisten, ob Johann nun ein Kind sei oder nicht, ins Verboten-Anrüchige gesteigert wird und „ein schiefes Licht auf die nachträglich erzählten Ereignisse wirft“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, inwiefern die scheinbare Tugendhaftigkeit des Pfarrers in Stifters "Kalkstein" bei genauerer Analyse als fadenscheinig entlarvt werden kann.

2. Der Pfarrer im Kar – Personifizierte Tugend?: Dieses Kapitel untersucht durch die Analyse von Farbsymbolik und Lebensweise die Ambivalenz des Protagonisten und hinterfragt seine asketische Selbstinszenierung.

2.1 Ein farblicher Widerspruch in sich: Hier wird anhand des Schwarz-Weiß-Kontrasts und der Farbe Rot die innere Zerrissenheit des Pfarrers und dessen unterdrücktes Erotikpotenzial dargelegt.

2.2 Askese versus Luxus: Das Kapitel analysiert den Widerspruch zwischen der betonten Armut des Pfarrers und seinem wertvollsten Besitz, der weißen Wäsche, als Zeichen einer devianten Erotik.

2.3. Selbstverrat durch die Verkehrung des Verschleierungsmechanismus: Diese Passage beleuchtet die habituelle Geste des Verbergens der Handkrausen als Anzeichen für das Bewusstsein des Pfarrers über sein sündhaftes Handeln.

3.„Und ich hatte die weißen Dinge sehr lieb“: Dieses Kapitel widmet sich detailliert dem zentralen Motiv des Wäschefetischismus im Leben des Pfarrers.

3.1.Die Geburt des Fetischs: Die Untersuchung der Jugendgeschichte zeigt, wie das Interesse am Nachbarsmädchen in einen Fetisch transformiert wird.

3.2 Die Wäsche als Reliquie: Hier wird dargelegt, wie der Pfarrer Alltagsgegenstände in einen sakralen Kontext überführt und damit eine Art privaten Ding-Kult betreibt.

3. 3 Die Frage nach dem Warum?: Dieses Unterkapitel leitet die theoretische Einordnung des Fetischs als psychologischen Mechanismus ein.

3.3.1 Imitation: Die Analyse zeigt auf, wie der Pfarrer durch das Tragen weißer Wäsche die körperliche Nähe zum Mädchen zu imitieren sucht.

3.3.2 Substitution: Dieses Kapitel interpretiert den Fetisch als Ersatz für unerfüllte Liebe und fehlende mütterliche Zuneigung.

3.3.3 Wäsche als Memorialzeichen: Die Untersuchung behandelt die Funktion der Wäsche als dinggewordene Erinnerung an sexuelle Erfahrungen und den paradiesischen Zustand vor der Vertreibung.

3.3.4 Reinheit: Der Fokus liegt hier auf dem Zwang zur Reinheit als gescheitertem Versuch des Pfarrers, sich symbolisch von seinen Sünden reinzuwaschen.

3.5 Der Erzähler und des Pfarrers Fetisch: Dieses Kapitel beleuchtet, wie der Pfarrer den Erzähler in seine fetischistische Welt einbezieht und eine Übertragung des Fetischs stattfindet.

3.6 Der Kalkstein als Projektionsfläche: Abschließend wird gezeigt, wie die Karlandschaft als Ort dient, an dem der Pfarrer seine Phantasien verinnerlichen kann.

4.Nachwort: Das Fazit fasst zusammen, dass das gesamte Handeln des Pfarrers – bis hin zum Rettungsprojekt für Kinder – von seinem Fetischismus gesteuert wird.

Schlüsselwörter

Adalbert Stifter, Kalkstein, Pfarrer im Kar, Wäschefetischismus, Ambivalenz, Farbsymbolik, Askese, Substitution, Memorialzeichen, Reinheit, Projektionsfläche, Doppelnatur, Scheinheiligkeit, Sublimierung, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die psychologische Tiefe und Doppelnatur des Protagonisten in Adalbert Stifters Erzählung "Kalkstein" unter besonderer Berücksichtigung seines Wäschefetischismus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Ambivalenz von Askese und Luxus, die symbolische Bedeutung von Farbe und Wäsche, sowie die Mechanismen von Fetischismus, Substitution und Projektion.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die oberflächliche Tugendhaftigkeit des Pfarrers zu dekonstruieren und zu zeigen, dass seine Handlungen und seine tiefe Bindung zur Karlandschaft durch seinen verborgenen Wäschefetischismus motiviert sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseverfahren, insbesondere die motivgeschichtliche Untersuchung und die psychologische Deutung von Symbolen innerhalb der Erzählstruktur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Entstehung des Fetischs in der Jugend des Pfarrers, seine Funktion als Reliquie und Substitutionsmittel sowie die Rolle der Kalksteinlandschaft als Projektionsfläche seiner unterdrückten Triebe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselwörter sind Wäschefetischismus, Doppelnatur, Sublimierung, Askese, Symbolik, Kalkstein und Entlarvung.

Warum spielt die Farbe Rot eine so entscheidende Rolle in der Analyse?

Die Farbe Rot ist in der Erzählung eng mit der erwachenden Sexualität des jungen Pfarrers, Schamgefühlen und dem Bruch der asketischen Atmosphäre verknüpft, was seine unterdrückten Erotikanteile sichtbar macht.

Wie lässt sich der Fetischismus des Pfarrers als "Scheinheiligkeit" interpretieren?

Der Pfarrer betreibt einen privaten Ding-Kult, indem er Alltagsgegenstände wie Hostien verehrt, was die Grenze zum Blasphemischen überschreitet und seine öffentliche religiöse Rolle als Pfarrer konterkariert.

Inwiefern beeinflusst der Fetischismus das Verhalten des Erzählers?

Der Erzähler wird selbst vom Fetisch affiziert, indem er die vom Pfarrer bereitgestellte feine Wäsche körperlich genießt und nach dem Tod des Pfarrers dessen Fetisch-Gegenstände wie Reliquien übernimmt.

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Details

Title
Stifters "Kalkstein".Exemplifizierung der Doppelnatur des Pfarrers im Kar anhand seiner Beziehung zur Wäsche
College
LMU Munich  (Deutsche Philologie)
Course
Seelenheil, Sünde, Sex – Nonnen, Mönche und Priester in der Literatur
Grade
1,3
Author
Barbara Spögler (Author)
Publication Year
2014
Pages
23
Catalog Number
V287198
ISBN (eBook)
9783656875871
ISBN (Book)
9783656875888
Language
German
Tags
Fetischismus Wäschefetischismus Stifter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Barbara Spögler (Author), 2014, Stifters "Kalkstein".Exemplifizierung der Doppelnatur des Pfarrers im Kar anhand seiner Beziehung zur Wäsche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287198
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