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Exil auf der Leinwand - "Casablanca" als 'Emigrationsfilm'

Title: Exil auf der Leinwand - "Casablanca" als 'Emigrationsfilm'

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Helmut Strauss (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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„Europa ist eng geworden. Es ist gequält von Sorgen, Ängsten, Wahnvorstellungen. Es
ist überfüllt. Für die paar Zehntausende von armen Emigranten scheint nirgends Platz
zu sein. Keiner, der noch in der Heimat lebt, sei es unter den bedrängtesten
Umständen, kann wohl ganz ermessen, was das bedeutet: Es ist nirgends Platz für
dich.“
So beschreiben Klaus und Erika Mann in ihrem 1939 erschienenen Buch „Escape to Life“
die Ausgangssituation der europäischen Emigration1.
Am 3. März 1944 erhielt der achtmal nominierte Film „Casablanca“ die Academy Awards
(Oscars) für das beste adaptierte Drehbuch, für die beste Regie und wurde zur Krönung als
bester Film ausgezeichnet2. Ein besonderer Aspekt des bis heute ungebrochen populären
Filmes ist die doppelte Beteiligung von Emigranten: einerseits, auf der inhaltlichen Ebene,
durch die Darstellung der Emigrationsthematik; andererseits, auf der Produktionebene durch
die Vielzahl von vertretenen emigrierten Schauspielern.
Im Rahmen dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, „Casablanca“ als
‚Emigrationsfilm‘ zu betrachten3; sowohl die Produktions-, als auch die inhaltliche Ebene des
Filmes sollen dazu in den historischen Kontext gestellt werden. Im folgenden werden
zunächst zum Umreißen der Entstehungsbedingungen die Genese der ursprünglichen Vorlage
für das Drehbuch und der Einfluss der weltpolitischen Lage auf die Filmproduktion in den
USA dargestellt, um dann auf die deutschsprachige Emigration in Hollywood einzugehen. In
einem biographischen Teil werden fünf an „Casablanca“ beteiligte deutschsprachige
Schauspieler vorgestellt, die nach 1933 in die Emigration mussten. [...]
1 Mann, Erika / Mann, Klaus: Escape to Life. Deutsche Kultur im Exil (1939), 2. Aufl., München 1991, S. 233.
2 Missler-Morell, Andreas: Ich seh‘ dir in die Augen, Kleines. Casablanca. Der Kultfilm, München 1992, S. 152-
154.
3 Dies soll in Abgrenzung zum Genre ‚Exilfilm‘ erfolgen, das, Horak, Jan-Christopher: Exilfilm, 1933-1945, in:
Jacobsen, Wolfgang (Hg.): Geschichte des deutschen Films, Berlin 1993, S. 101-118, hier S. 102, so definiert:
„Als Exilfilme werden hier solche im Ausland gedrehten Werke bezeichnet, die von einem aus Deutschland
emigrierten Produzenten, Regisseur und Drehbuchautor gestaltet wurden“; somit berücksichtigt diese Definition
von ‚Exilfilm‘ nicht die Beteiligung von emigrierten Schauspielern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehungsbedingungen

2.1. Die Vorlage für das Drehbuch: „Everyboday comes to Rick’s“

2.2. Hollywood zwischen Isolationismus und Pearl Harbor

2.3. Deutschprachige Emigranten in Hollywood

2.4. Deutschsprachige Emigranten in „Casablanca“

3 Inhaltliche Analyse von „Casablanca“

3.1. Inhaltszusammenfassung

3.2. Aspekte der Emigrationsthematik in „Casablanca“

3.3. „The refugee trail“ – der Realitätsgehalt der Flüchtlingsroute

4 Schluss

5 Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Film „Casablanca“ unter dem Aspekt der Emigrationsthematik. Dabei wird analysiert, inwiefern die Produktionsbedingungen und die inhaltliche Darstellung des Fluchtschicksals in einem historischen Kontext zu betrachten sind und wie das Exil im Hollywood-Kino der 1940er Jahre reflektiert wurde.

  • Entstehungsgeschichte des Drehbuchs und der Einfluss der weltpolitischen Lage auf die Filmproduktion.
  • Situation und Rolle deutschsprachiger Emigranten in Hollywood.
  • Biographische Einblicke in die Beteiligung emigrierter Schauspieler am Film „Casablanca“.
  • Analyse der Fluchtproblematik und des Realitätsgehalts der im Film dargestellten Flüchtlingsroute.
  • Diskussion der Genregrenzen zwischen Liebesgeschichte und politischem Konflikt.

Auszug aus dem Buch

3.3. „The refugee trail“ – der Realitätsgehalt der Flüchtlingsroute

Die in „Casablanca“ beschriebene Flüchtlingsroute geht, wie schon erwähnt, von Paris ausgehend über die Stationen Marseille, Oran, Casablanca, zum Ausreisehafen Lissabon und von dort nach Amerika.

Bis Juni 1940 standen neben den iberischen Häfen und Marseille noch Genua und Triest als wichtigste Ausreisehäfen zur Verfügung. Mit dem italienischen Kriegseintritt am 10.6. 1940 fielen die beiden letztgennanten weg. Infolge der französischen Niederlage im Juni 1940 war von Marseille aus die Ausreise nach Übersee zeitweilig unmöglich, denn bis Spätherbst 1940 wurden von der französichen Regierung überhaupt keine Ausreisegenehmigungen erteilt; ohne offizielle Ausreisevisa aber wäre die Aufrechterhaltung einer Schiffahrtslinie sinnlos gewesen. Eine Wende in der französischen Visapolitik hin zu einer „émigration massive“ voll zog sich erst im November 1940. So verließ am 25. November wieder ein Überseedampfer Marseille.

Zudem wurde mit dem deutsch-französischen Waffenstillstand von Compiègne der französische Schiffsverkehr als solcher eingeschränkt: „Den französischen Handelsschiffen aller Art [...] ist bis auf weiteres das Auslaufen zu verbieten. Die Wiederaufnahme des Handelsverkehrs unterliegt der Genehmigung der Deutschen bzw. Italienischen Regierung“. Dies ist für die Ausreise insofern von Bedeutung, da Frachtschiffe auch Passagiere transportierten und teilweise sogar zum provisorischen Massentransport von Flüchtlingen umgerüstet wurden. Die mangelnden Schiffspassagen waren das Hauptproblem bei der Flucht nach Übersee.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Ausgangssituation europäischer Emigranten vor dem Zweiten Weltkrieg und führt in die Fragestellung zur Einordnung von „Casablanca“ als Emigrationsfilm ein.

2 Entstehungsbedingungen: Dieses Kapitel erläutert die Genese der Drehbuchvorlage „Everybody comes to Rick’s“ sowie die Einflüsse der amerikanischen Isolationspolitik und die Rolle deutschsprachiger Exilanten in Hollywood.

3 Inhaltliche Analyse von „Casablanca“: Hier erfolgt eine detaillierte Inhaltsangabe des Films, gefolgt von einer Untersuchung der Emigrationsthematik und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Realitätsgehalt der im Film dargestellten Fluchtrouten.

4 Schluss: Das Fazit fasst den Erfolg des Films zusammen und bewertet ihn als eine für Hollywood-Verhältnisse ungewöhnlich realitätsnahe Auseinandersetzung mit der Exilerfahrung.

5 Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Filmdokumente, Zeitungsartikel, autobiographischen Schriften sowie der Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Casablanca, Emigration, Exil, Hollywood, Zweiter Weltkrieg, Flüchtlinge, Filmgeschichte, Antinazismus, Fluchtroute, Emigrationsfilm, Schauspielerexil, Warner Brothers, Max Reinhardt, Vichy-Frankreich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Film „Casablanca“ als „Emigrationsfilm“ und untersucht, wie der Film sowohl durch seine Produktionsgeschichte als auch durch seine inhaltliche Darstellung das Schicksal europäischer Flüchtlinge thematisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Drehbuchvorlage, die Rolle der US-Filmindustrie während der Zeit des Isolationismus, das Leben deutschsprachiger Emigranten in Hollywood und die historische Realität der Flüchtlingsrouten im Jahr 1941.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Film „Casablanca“ in seinen historischen Kontext zu stellen und zu klären, inwiefern er trotz seines Hollywood-Charakters eine realitätsnahe Auseinandersetzung mit der Flucht und dem Exil bietet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Primärquellen (Film, zeitgenössische Berichte) sowie den Vergleich mit dokumentarischen und autobiographischen Werken (wie „Transit“ von Anna Seghers oder „Die Nacht von Lissabon“ von Erich Maria Remarque).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsbedingungen, eine biographische Vorstellung der beteiligten emigrierten Schauspieler und eine inhaltliche Filmanalyse, die besonders die Darstellung der Fluchtrouten und der sozio-ökonomischen Situation der Emigranten beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Emigration, Hollywood, Filmexil, Casablanca und den historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs charakterisiert.

Warum war die Beteiligung von Emigranten am Film so bedeutend?

Die Beteiligung von Emigranten sowohl hinter als auch vor der Kamera trug maßgeblich zur atmosphärischen Dichte und Authentizität des Films bei, da viele Schauspieler die dargestellten Konflikte und Lebenssituationen aus eigener Erfahrung kannten.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Sprachbarriere im Film?

Der Film ironisiert die Sprachbarriere und die Schwierigkeiten der Integration in den USA, was den sozialen und beruflichen Abstieg vieler ehemaliger europäischer Eliten im Exil widerspiegelt.

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Details

Title
Exil auf der Leinwand - "Casablanca" als 'Emigrationsfilm'
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Course
Emigration und Asyl. Politisch Verfolgte und ihre Aufnahme als Problem der europäischen Geschichte. Ausgewählte Beispiele vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Helmut Strauss (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V28723
ISBN (eBook)
9783638304245
Language
German
Tags
Exil Leinwand Casablanca Emigrationsfilm Emigration Asyl Politisch Verfolgte Aufnahme Problem Geschichte Ausgewählte Beispiele Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Helmut Strauss (Author), 2003, Exil auf der Leinwand - "Casablanca" als 'Emigrationsfilm', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28723
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