Die Herausbildung der Demokratie in Südkorea: Vom autoritären Militärstaat zur Demokratie


Seminararbeit, 2004
16 Seiten, Note: nicht benotet

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Übergang zur Neuzeit
2.1. Korea als japanische Kolonie
2.2. Teilung des Landes und Koreakrieg
2.3. „Aufstieg und Fall der Ersten und Zweiten Republik

3. Südkorea unter Militärdiktatur
3.1. Die ersten Schritte des Park-Regimes
3.2. Wirtschaftlicher Aufschwung: Die Fünfjahrespläne
3.3. Aufstieg der Arbeiterklasse
3.4. Die Yusin-Reformen und das Ende der Ära Park

4. Demokratisierungsprozess
4.1. Rückfall unter Diktator Chŏn Duhwan
4.2. Demokratische Entwicklung unter No Tae-u
4.3. Demokratische Konsolidierung
4.4. Kim Daejungs „Sonnenscheinpolitik“

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die nachfolgenden Aufzeichnungen sollen dem Leser einen grundlegenden Überblick über die Entwicklung Südkoreas von einer autoritären Militärdiktatur hin zu einer modernen Demokratie verschaffen.

Es erfolgt eine kurze Hinleitung über die Geschehnisse vor der Machtübernahme der Militärregierung, deren Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes im Folgenden genauer betrachtet werden soll.

Im Anschluss soll der Demokratisierungsprozess genauer durchleuchtet werden, welcher Südkorea endgültig in die Liga der Staaten aufsteigen ließ, die heute gemeinhin als „entwickelte Industriestaaten“ bezeichnet werden.

Zusammenfassend werde ich versuchen die einzelnen Entwicklungsstufen sowie den Fortschritt der Demokratisierung zu bewerten und einen Ausblick in die Zukunft wagen.

Diese schriftliche Ausarbeitung, der ausschließlich Sekundärliteratur zugrunde liegt, verfolgt eine Begleitung des abgehaltenen Seminars und soll dieses durch die gewählte Thematik qualifiziert vertiefen.

2. Übergang zur Neuzeit

2.1. Korea als japanische Kolonie

Die jahrhunderte lang andauernde selbst gewählte Isolierung Koreas sollte 1876 abrupt enden. Der koreanisch-japanische Vertrag von Kanghwado sorgte für die Öffnung Koreas nach außen und gleichzeitig wurde – trotz chinesischer Intervention – die koreanische Unabhängigkeit anerkannt. Zu diesem Zeitpunkt begann für Korea die „dornenreiche Suche nach dem Weg zu einem souveränen Nationalstaat“[1].

Neben Japan und China versuchte auch Russland seinen Einfluss auf der koreanischen Halbinsel auszubauen. Der russische Versuch jedoch die eigene Flotte im koreanischen Hafen Masan zu stationieren, konnte von Japan nicht geduldet werden und es kam 1904 zum Kriegsausbruch. Trotz Neutralitätserklärung seitens Koreas, besetzten japanische Truppen die Hauptstadt Seoul und zwangen das Land zur Aufkündigung der mit Russland geschlossenen Verträge.

Das Friedensabkommen von Portsmouth (1905) bedeutete für Korea bereits das Ende der kurzen Souveränität: Die USA, England und auch Russland erklärten sich mit der japanischen Vorherrschaft in Korea einverstanden und zwangen die Regierung einen Vertrag zu unterzeichnen, der Korea am 17. November 1905 zum japanischen Protektorat degradierte.

Japan war selbstverständlich darauf bedacht, größtmöglichen Nutzen aus seiner neuen Kolonie zu ziehen und so entwickelte sich die für Kolonialstaaten typische Wirtschaftsstruktur. Trotz Verbesserungen im Bereich der Infrastruktur und des Schulwesens, wurde Korea „zum bedeutenden Nahrungsmittel- und Rohstofflieferanten und zu einem Absatzmarkt für japanische Fertigprodukte“[2]. Neben Hunger und Krankheit hatte die koreanische Bevölkerung besonders mit der japanischen „Assimilationspolitik“[3] zu kämpfen. Die Menschen wurden gezwungen ihren Namen in Japanische zu ändern, die Schulkinder wurden ausschließlich in Japanisch unterrichtet und alle Bürger mussten einen Treueid auf den japanischen Kaiser schwören.

2.2. Teilung des Landes und Koreakrieg

Nachdem sich der Sieg der USA über Japan im Verlauf des 2. Weltkrieges abzeichnete, befasste sich die amerikanische Regierung auch mit dem „Problem“ Korea. Präsident Roosevelt hatte Vorstellungen von einer alliierten Treuhandschaft mit späterer Entlassung in die Unabhängigkeit. Jene Treuhandschaft wurde im Moskauer Vertrag vom 20. Dezember 1945 geregelt, vorher hatten sich die USA und Russland bereits auf eine Teilung (bezüglich des Verantwortungsbereiches) Koreas am 38. Breitengrad geeinigt.

Der geographischen Teilung folgte schnell auch die politische: Als Gegenpol zum demokratischen Rat im Süden, wurde in Nordkorea ein provisorischer Volksausschuss gewählt, an dessen Spitze Kim Ilsŏng (Mitglied der kommunistischen Partei Koreas) trat. Die Vereinten Nationen versuchten auf Drängen der USA zwar eine Lösung im Koreakonflikt zu finden, die vorgeschlagenen freien Wahlen konnten jedoch – aufgrund von Einreiseverbot für UN-Beobachter nach Nordkorea – nur im Süden abgehalten werden.

Die am 15. August 1948 proklamierte Republik Korea wurde von der Sowjetunion nicht anerkannt, stattdessen schrieb man in Nordkorea Wahlen zur Obersten Volksversammlung aus, woraufhin die Demokratische Volksrepublik Chansŏn ausgerufen und die Teilung Koreas somit endgültig besiegelt wurde.

Als nordkoreanische Truppen am 25. Juni 1950 den 38. Breitengrad überquerten, trafen sie auf einen stark unterlegenen Gegner und eroberten schnell weite Teile des Südens einschließlich der Hauptstadt Seoul.

Der Weltsicherheitsrat entschied sich Südkorea militärisch zu unterstützen, jedoch erst massiver Einsatz der Luftwaffe konnte die Nordkoreaner aufhalten. Nach Rückschlägen auf beiden Seiten, entwickelte sich ein verlustreicher Stellungskrieg, der erst 1953 beendet werden konnte. Das Waffenstillstandsabkommen von P´anmunjŏm untermauert bis zum heutigen Tag die Trennung zwischen Nord- und Südkorea.

2.3. „Aufstieg“ und Fall der Ersten und Zweiten Republik

Nach Kriegsende musste der junge Staat das Überleben der Bevölkerung sicherstellen und die öffentliche Ordnung stabilisieren. Zwar schien für einige Jahre Ruhe in Korea eingekehrt, doch schon 1960 brachen Unruhen aus, da man massive Wahlfälschungen zu Gunsten des Präsidenten Yi Sŭngman befürchtete. Bereits am Wahltag kam es zu ersten Aufständen, die am 18. April 1960 auch auf Seoul übergriffen und zum Sturz der Regierung und somit der Ersten Republik führten.

Ho Chŏng, ein ehemalig Vertrauter Yi´s, drängte auf die politische Bühne und erarbeitet ein neues parlamentarisches System. Ende Juli sollten Wahlen stattfinden, doch die Demokratische Partei zerbrach an innerer Zersplitterung, sowie mangelnder öffentlicher Unterstützung.

Ein kurzer und gewaltloser Militärputsch beendete am 16. Mai 1961 auch die Zweite Republik, eine Gruppe von 250 Offizieren unter der Führung von General Park Chŏnghi übernahm den Staat. Die neuen Machthaber verschafften sich mit zahlreichen Verhaftungen politischer Gegner, sowie Einschränkung der Pressefreiheit sofort Respekt, versprachen aber nach Erreichen von vorgegebenen Zielen (Antikommunismus, Aufbau der Wirtschaft, etc.) sich aus der Politik zurückzuziehen.

3. Südkorea unter Militärdiktatur

3.1. Die ersten Schritte des Park-Regimes

Die neue Militärregierung, inzwischen in „Oberster Rat für den nationalen Wiederaufbau des Staates“ umbenannt, versuchte schnell Kontakt zum Westen aufzunehmen. Noch im Mai 1961 versicherten die USA der südkoreanischen Regierung ihre Unterstützung beim Aufbau, im November des gleichen Jahres sagte der amerikanische Präsident Kennedy umfangreiche Finanzhilfen für das vom Krieg weitgehend zerstörte Land zu.

Innenpolitisch setze die Militärregierung auf eine starke Zentralisation. „Mit der Einsetzung von Generalen als Provinzgouverneure und Oberbürgermeister der Großstädte festigte die Junta ihre Herrschaft im ganzen Land, die sie durch eine Reihe von Gesetzen abzusichern versuchte, mit denen sie jegliche demokratische Opposition auf das schärfste zu verfolgen beabsichtigte“[4]. Die außerordentliche starke Verfolgung politischer Gegner vernichte fast alle oppositionelle Kraft im Land und „hemmte die Herausbildung des Klassenbewusstseins der zahlenmäßig schnell anwachsenden Arbeiterklasse“[5]. Zur Absicherung der eigenen Macht wurde der KCIA[6] wieder neu aufgebaut, der über 10.000 Mann starke Geheimdienst entwickelte sich unter der Leitung von Kim Tschongpil zur rechten Hand des Militärregimes.

Durch äußeren und teilweise auch inneren Druck wurden die Machthaber alsbald gezwungen ihre Militärkleidung abzulegen und öffentlich in Zivilkleidung aufzutreten. Zudem wurden 1963 die Parten wieder erlaubt; der Regierungspartei (Demokratisch Republikanische Partei) stand die bürgerliche Volkspartei gegenüber. Die Einsetzung Park Chŏnghis als Präsident im November 1963 markiert den Beginn der Dritten Republik.

3.2. Wirtschaftlicher Aufschwung: Die Fünfjahrespläne

Die wirtschaftliche Entwicklung Südkoreas sollte direkt von der Regierung beeinflusst und kontrolliert werden. Zu diesem Zweck erarbeitete man ab 1962 so genannte Fünfjahrespläne, jeder Plan sollte eine neue Entwicklungsstufe begünstigen. Die Mobilisierung der Massen erfolgte durch den Aufbau der „Volksbewegung für nationalen Wiederaufbau“, der je ein Mitglied jeder Familie angehören musste. Neben Verboten von Cafés, Bars, Tanzlokalen, etc. wurden die Koreaner besonders durch die Massenmedien immer wieder angewiesen für die „gemeinsame Sache“ einzutreten.

Der erste Fünfjahresplan (1962-1966) sah die Schaffung von gesellschaftlichem Kapitalismus vor. Das Augenmerk lag dabei auf dem Aufbau von Düngemittelfabriken zur Verringerung des Nahrungsmitteldefizits, sowie des Kohlebergbaus und die Schaffung von Wärmekraftwerken. Eine wichtige Rolle spielte auch das Auslandskapital, bzw. ausländische Technologie, die von den wissbegierigen koreanischen Facharbeitern innerhalb kürzester Zeit aufgenommen wurde. Um die Abhängigkeit von Auslandstechnologie zu verringern, wurde auch das Bildungssystem reformiert. Es erfolgte eine naturwissenschaftlich-technische Ausrichtung der Schulen, an denen vermehrt japanische und amerikanische Lehrkräfte eingesetzt wurden. Um eine möglichst große Breite an Intelligenz auszuschöpfen, wurden zudem Maßnahmen ergriffen, die auch Kindern aus den unteren Schichten eine qualifizierte Ausbildung ermöglichte. Quasi nebenbei wurde der strikte Gehorsam der Schüler ausgenutzt, um die Kinder von Anfang an in das gesellschaftliche System zu integrieren und die staatsbürgerliche Treue zu fördern.

Ab 1968 wurde mit dem Ausbau des Autobahnnetzes begonnen, neben der Erschließung des Landes und damit einhergehender Verbindung von Industrie- und Landwirtschaftzentren, konnte die Arbeitslosenquote auf bis zu 5 % gesenkt werden.

[...]


[1] Maull, Hanns W.; Maull, Ivo M.: „Im Brennpunkt: Korea“, München 2004, S.60

[2] Maull (2004): S. 65

[3] Maull (2004): S. 65

[4] Göthel, Ingeborg: „Geschichte Südkoreas“, Berlin 1988, S. 80

[5] Göthel (1988): S. 80

[6] Korean Central Intelligence Agency

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Herausbildung der Demokratie in Südkorea: Vom autoritären Militärstaat zur Demokratie
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Veranstaltung
Seminar
Note
nicht benotet
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V28752
ISBN (eBook)
9783638304436
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zusammenfassung des südkoreanischen Demokratisierungsprozesses bis 2003
Schlagworte
Herausbildung, Demokratie, Südkorea, Militärstaat, Seminar
Arbeit zitieren
Stefan Bartels (Autor), 2004, Die Herausbildung der Demokratie in Südkorea: Vom autoritären Militärstaat zur Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28752

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