Die Gefahr der Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit wird durch die neue Eigenkapitalverordnung der Banken (Basel II) verschärft. Durch Basel II gilt im Grundsatz, dass sich die Risiken des Schuldners über das Rating direkt auf das Kapitalrisiko der Bank auswirken. Die Bank muss wiederrum in Abhängigkeit des Kreditrisikos einen Risikopuffer einrichten. Je weiter die Krise vorangeschritten ist, desto höher und unkontrollierbarer sind die Risiken und desto schwerer wird es für Unternehmen sein, ein Kreditinstitut zu finden, das bereit sein wird weitere Kredite zu gewähren.
In die Beurteilung des Kreditrisikos fließen nach Basel II die Bewertung operationeller Risiken und qualitative Faktoren, wie beispielsweise die Ausgestaltung von Prozessen ein. Durch die Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems könnten interne Prozessrisiken minimiert und die eigene Kreditwürdigkeit verbessert werden. Im Ernstfall kann dies über das ökonomische Überleben des Unternehmens entscheiden.
Basel II impliziert also, dass nicht nur auf Bankenseite, sondern auch bei den Schuldnern die Implementierung eines Risikomanagementfrühsystems zur Pflichtaufgabe wird. Die dabei identifizierten Risiken müssen „gemanagt“ werden. Dies kann beispielsweise im Bereich der operationellen Risiken über die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems geschehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Aktualität der Thematik
1.2 Ziel der Arbeit
2 Definition und Inhalt des Begriffs Qualitätsmanagement
2.1 Der Qualitätsbegriff
2.2 Der Qualitätsbegriff im Wandel der Zeit
2.3 Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems nach DIN EN ISO 9001:2008
2.3.1 Inhalt und Ziele eines Qualitätsmanagementsystems
2.3.2 Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9000
2.3.3 Motive für die Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems
3 Die neuen Kapitalregeln für Banken nach Basel II
3.1 Was ist Basel II?
3.2 Die drei Säulen von Basel II
3.3 Bedeutung eines zertifizierten Qualitätsmanagementsystems nach DIN EN ISO 9001:2008 im Rahmen von Basel II aus Bankensicht
4 Auswirkungen der Basel II Regelungen auf KMU und die Rolle des Qualitätsmanagements
4.1 Rating nach Basel II
4.2 Die Bedeutung eines zertifizierten Qualitätsmanagementsystems nach DIN EN ISO 9001:2000 im Rahmen von Basel II und dem Ratingverfahren für KMU
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Qualitätsmanagementsystemen (QMS) nach DIN EN ISO 9001:2008 im Kontext der Basel-II-Kapitalregeln für Banken und kleine sowie mittelständische Unternehmen (KMU). Das primäre Ziel ist es zu klären, ob KMU durch die Implementierung eines solchen Systems ihr Rating bei Kreditinstituten verbessern und somit von günstigeren Kreditkonditionen profitieren können.
- Grundlagen des Qualitätsmanagements und der ISO-Normen
- Struktur und Anforderungen von Basel II
- Zusammenhang zwischen QMS und Risikomanagementanforderungen
- Einfluss von Prozessqualität auf das Bankenrating für KMU
- Kosteneffizienz und Wettbewerbsvorteile durch zertifizierte Systeme
Auszug aus dem Buch
3.2 Die drei Säulen von Basel II
Das Grundkonzept von Basel II basiert auf einem 3-Säulen-System (vgl. Abbildung 5). Die erste Säule konzentriert sich auf die Eigenmittelerfordernisse der Banken für Kredit-, Markt-, und operationelle Risiken und offeriert drei verschiedene Risikomessverfahren (einfache, standardisierte, fortgeschrittene Verfahren) zur Bemessung der Eigenkapitalanforderungen. Die Bank kann dabei weitestgehend selbst bestimmen welches Verfahren sie wählt. Das Neue an der ersten Säule ist, dass operationelle Risiken berücksichtigt werden. Operationelle Risiken sind eng mit dem Leistungserstellungsprozess einer Organisation verbunden (vgl. Paul 2007, 12 f.). Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht definiert das operationelle Risiko als „die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder von externen Ereignissen eintreten“ (Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht 2004, S. 169).
Kernaussage der zweiten Säule von Basel II „Bankenaufsichtlicher Überprüfungsprozess“ ist, dass Kreditinstitute entsprechend der Baseler Regelungen, ein Risikomanagement zu installieren haben und dieses bankenaufsichtsrechtlich gewürdigt, d.h. geprüft werden muss (vgl. Deutsche Bundesbank 2011/a; vgl. Paul 2007, S. 10f.). Durch die Mindestanforderungen für das Risikomanagement und die Solvabilitätsverordnung (SolvV), wurde die Säule 2 von Basel II in nationales Recht umgewandelt und stellt damit verbindliches nationales Aufsichtsrecht dar. Nach MaRisk müssen Steuerungsprozesse etabliert werden, die dafür sorgen, dass genügend Eigenmittel zur Risikodeckung vorhanden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Komplexität des wirtschaftlichen Umfelds und die Herausforderungen durch Basel II, welche Unternehmen zu prozessualen Anpassungen zwingen.
2 Definition und Inhalt des Begriffs Qualitätsmanagement: Dieses Kapitel erläutert den Qualitätsbegriff, seine historische Entwicklung und die methodische Implementierung eines QMS gemäß ISO 9001.
3 Die neuen Kapitalregeln für Banken nach Basel II: Hier werden das 3-Säulen-Konzept von Basel II sowie die Relevanz eines QMS aus Bankensicht als Instrument zur Risikominimierung dargestellt.
4 Auswirkungen der Basel II Regelungen auf KMU und die Rolle des Qualitätsmanagements: Dieser Abschnitt analysiert Ratingverfahren für KMU und zeigt auf, wie ein QMS als Hebel zur Verbesserung der Bonität und Kreditwürdigkeit fungieren kann.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass QMS eine kosteneffiziente Lösung zur Erfüllung bankseitiger Informationsforderungen darstellen und somit die Wettbewerbsfähigkeit von KMU stärken können.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, ISO 9001:2008, Basel II, KMU, Kreditrating, Risikomanagement, Eigenkapitalvereinbarung, Prozessoptimierung, Bonität, Bankenaufsicht, MaRisk, Wettbewerbsvorteile, Prozessmodell, Unternehmenssteuerung, Risikopuffer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Nutzen und die Notwendigkeit eines zertifizierten Qualitätsmanagementsystems (QMS) für Unternehmen, um sich an die regulatorischen Anforderungen durch Basel II anzupassen und ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die zentralen Themen sind das Qualitätsmanagement nach ISO 9001, die Kapitalregeln von Basel II, Risikomanagement in Unternehmen und Banken sowie die Auswirkungen dieser regulatorischen Vorgaben auf das Rating kleiner und mittelständischer Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen prozessorientiertem Qualitätsmanagement und verbesserten Ratingergebnissen bei Banken zu belegen, insbesondere für KMU, die unter dem Druck der Eigenkapitalverordnungen stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um bestehende Normen (ISO 9001) und regulatorische Rahmenwerke (Basel II) miteinander in Beziehung zu setzen und deren Synergieeffekte für die Unternehmensführung theoretisch herzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen des QM sowie Basel II definiert. Danach wird detailliert analysiert, wie ein QMS als Instrument für das Risikomanagement dienen kann und welche qualitativen Faktoren in ein Bankenrating einfließen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Qualitätsmanagement, Basel II, KMU-Rating, Risikomanagement, Eigenkapital, Bonität und Prozessoptimierung.
Warum ist Basel II eine Herausforderung für KMU?
Da Basel II von Banken verlangt, Kredite risikoorientiert zu bepreisen, müssen KMU ihre finanzielle Stabilität und Prozessqualität transparent nachweisen, was ohne strukturierte Systeme oft schwerfällt.
Wie kann ein QMS konkret bei einer Kreditanfrage helfen?
Ein QMS stellt sicher, dass notwendige Daten und Prozessdokumentationen jederzeit verfügbar sind. Da ein Drittel der Basel-II-Anforderungen mit ISO-9001-Forderungen deckungsgleich ist, kann ein zertifiziertes Unternehmen die Bankanfragen effizienter und überzeugender beantworten.
Was bedeutet das Prinzip der doppelten Proportionalität?
Es beschreibt, dass sowohl der risikoorientierte Prozess der Bank (ICAAP) als auch die aufsichtsrechtliche Prüfung (SREP) in ihrer Intensität und Häufigkeit an die Größe und Risikostruktur des Instituts angepasst werden müssen.
- Citation du texte
- Tanja Hörmann (Auteur), 2012, Die Bedeutung eines Qualitätsmanagementsystems nach DIN EN ISO 9001:2008 im Rahmen von Basel II für Banken und KMU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287543