Mit der katholischen Messe geht es vielen Menschen wie mit einem anspruchsvollen Kunstwerk im Museum: Es ist klar, dass man vor einem bedeutenden kulturellen Schatz steht, aber was fehlt, ist eine Vermittlung. Dementsprechend würden viele Christen die Eucharistie kaum als „Quelle und Höhepunkt (fons et culmen) [ihres] (…) ganzen christlichen Lebens“ , wie dies treffend das II. Vatikanum beschreibt, bezeichnen. Einen Zugang zur Eucharistiefeier zu eröffnen ist somit Anliegen dieser Seminararbeit.
Im ersten Schritt wird der Begriff der Begriff der Eucharistie vorab versucht zu klären, welcher als Bezugsrahmen für das Verständnis der weiteren Kapitel hilfreich erscheint. Es folgt der liturgische Ablauf der Heiligen Messe von den Eröffnungsriten bis zum Abschlussritus, so wie dieser im Rahmen des II. Vatikanischen Konzils festgelegt wurde. Die Kommentierung bringt die zahlreichen liturgischen Einzelheiten sowie die einhergehenden theologischen Hintergründe in eine zusammenhängende Form. Dieser liturgische Einstieg soll den Impuls für ein tieferes Verständnis der Messfeier der Kirche darstellen.
Der nächste große Punkt widmet sich der Herausarbeitung des Sinngehalts der Eucharistie. In diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die biblischen Wurzeln der Eucharistie, so wie dieser in den Kapitel 4.1 und 4.2 – von der Bedeutung des Mahls im alttestamentlichen Israel bis zur Mahlgemeinschaft mit Jesu- erfolgt, unabdinglich. Vor einer abschließenden Betrachtung wird ebenso die mittelalterliche Sichtweise auf die Eucharistiefeier im dritten Punkt aufgegriffen. Dabei stellt sich das Mittelalter als eine Zeit vielfacher Umbrüche auch für die Entwicklung der Eucharistie heraus. Erst das letzte Kapitel des theoretischen Parts stellt den Antwortversuch auf den Sinngehalt der Eucharistie dar, verbunden mit unserer heutigen Sichtweise auf die eucharistische Feier. Die Antworten auf die Frage nach dem eigentlichen Sinn und der wahren Bedeutung der Eucharistiefeier erscheinen in Anbetracht der Literaturlage dabei sehr vielfältig, sollen im angemessenen Rahmen dieser Seminararbeit aber nur kurz angerissen werden.
In Bezug auf das Referat, das dieser Hausarbeit vorausgegangen ist, widmet sich das nächste Kapitel unseren entworfenen Kriterienkatalog: Anhand von zwei ausgewählten religiösen Kinderbüchern soll dieser kurz vorgestellt und die Bücher kritisch beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
3. Inhalt und Ablauf der Heiligen Messe
3.1 Die Eröffnung
3.2 Der Wortgottesdienst
3.3 Die Eucharistiefeier
3.4 Die Entlassung
4. Die biblischen Wurzeln der Eucharistiefeier
4.1 Das Mahl im alttestamentlichen Israel
4.2 Mahlgemeinschaft mit Jesus
4.3 Zusammenfassung
5. Eucharistie in der scholastischen Theologie des Mittelalters
6. Die Transsubstantiationslehre
7. Heutige Annäherung und theologische Klärung
8. Anamnetisch- epikleptische Grundstruktur
9. Didaktische Planung
10. Vorstellen des Kriterienkatalogs
11. Reflexion des Gesamtrahmens des Seminars
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen fundierten Zugang zur katholischen Eucharistiefeier zu eröffnen, indem sie theologische Grundlagen mit dem liturgischen Ablauf verknüpft und kritisch reflektiert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Sinngehalt der Eucharistie – ausgehend von biblischen Wurzeln über mittelalterliche Lehren bis hin zum heutigen Verständnis – vermittelt werden kann.
- Grundlagen und Liturgieablauf der Heiligen Messe
- Biblische Wurzeln und Bedeutung der Mahlgemeinschaft
- Mittelalterliche Eucharistietheologie und Realpräsenz
- Wandlungsprozesse im Eucharistieverständnis (Transsubstantiation)
- Didaktische Konzepte zur Vermittlung in Schule und Gemeinde
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Eucharistiefeier
Nach dem Wortgottesdienst beginnt der eucharistische Teil der Heiligen Messe. Stellvertretend für alle bringen die Ministranten zu Beginn der Eucharistiefeier die Gaben zum Altar. Der Priester spricht - in der Regel leise - das Dankgebet über die Gaben und wäscht sich anschließend die Hände, um die Herzensreinheit zu symbolisieren, die für alle Mitfeiernden der Eucharistie notwendig ist. Die Gemeinde kann Begleitgesänge zur Gabenbereitung singen und trägt mit der Gabe der Kollekte dazu bei, dass sich mit Brot und Wein auch die Verhältnisse in der Welt verwandeln und verändern können. So hat die Gabenbereitung auch einen stark sozialen und diakonischen Charakter. Mit dem Gabengebet des Priesters, eingeleitet durch „Lasset uns beten“ schließt die Gabenbereitung ab.
Anschließend folgt das Kerngebet der eucharistischen Feier, das Hochgebet, das in sich anamnetisch- epikleptisch aufgebaut ist, sich also preisend und bittend an Gott als den gestern, heute und morgen Agierenden wendet. Eröffnet wird das Hochgebet durch die Präfation (Einleitungsgebet), welches je nach Festen und Festzeiten variiert, gesungen oder gesprochen werden kann. Innerhalb diesen wird die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen oder ganz konkret das Festgeheimnis des Tages beleuchtet. Die Präfation mündet unmittelbar in die Akklamation des Sanctus, die in der römischen Liturgie nunmehr grundsätzlich von der ganzen Versammlung zu vollziehen ist: Das Sanctus (‚Heilig‘) lässt die Gemeinde einstimmen in den Lobgesang der Engel im Himmel. Im Postsanctus greift der Priester die Verherrlichung aus der Sanctus-Akklamation auf, setzt den anamnetischen Teil je nach Hochgebetstext mehr oder weniger ausführlich fort und leitet über zur (Wandlungs-)Epiklese. In der Epiklese bittet die Kirche um die Heiligung der Gaben von Brot und Wein durch die Gabe des, damit die von Menschen dargebrachten Gaben konsekriert, das heißt, Leib und Blut Christi werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht das Anliegen der Arbeit, einen tieferen Zugang zur katholischen Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens zu eröffnen.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel erläutert die Herleitung des Begriffs Eucharistie und stellt den ursprünglichen Sinn des Dankes sowie die Gegenwart Jesu in Brot und Wein in den Fokus.
3. Inhalt und Ablauf der Heiligen Messe: Es wird ein systematischer Überblick über die vier Teile der Messe gegeben und deren jeweilige liturgische und theologische Bedeutung detailliert erläutert.
4. Die biblischen Wurzeln der Eucharistiefeier: Dieses Kapitel untersucht die Bedeutung des gemeinsamen Mahls im Alten Testament und die Mahlgemeinschaft Jesu als Grundlagen für das eucharistische Verständnis.
5. Eucharistie in der scholastischen Theologie des Mittelalters: Der Fokus liegt hier auf der mittelalterlichen Entwicklung, geprägt durch eine gesteigerte Ehrfurcht vor der Realpräsenz und eine zunehmende Konzentration auf den Wandlungsmoment.
6. Die Transsubstantiationslehre: Hier wird die begriffliche Überwindung des Gegensatzes zwischen Realismus und Symbolik durch die Unterscheidung von Substanz und Akzidenz erklärt.
7. Heutige Annäherung und theologische Klärung: Das Kapitel reflektiert die Liturgische Reform und die Rückbesinnung auf den Mahlcharakter der Eucharistie im II. Vatikanum.
8. Anamnetisch- epikleptische Grundstruktur: Es wird die Struktur christlicher Gebete analysiert, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Dank und Bitte vereinen.
9. Didaktische Planung: Dieser Teil beschreibt die methodische Gestaltung einer Seminarsitzung zur Vermittlung liturgischer Inhalte mittels praktischer Übungen.
10. Vorstellen des Kriterienkatalogs: Anhand eines Kinderbuchbeispiels wird die praktische Anwendung eines Kriterienkatalogs zur Qualitätsprüfung religiöser Lernmittel demonstriert.
11. Reflexion des Gesamtrahmens des Seminars: Der Autor reflektiert kritisch die eigenen Erfahrungen, methodischen Herausforderungen und Lernprozesse während des Seminars.
Schlüsselwörter
Eucharistie, Heilige Messe, Liturgie, Realpräsenz, Transsubstantiationslehre, Mahlgemeinschaft, Theologie, Gottesdienst, Sakrament, Liturgische Reform, biblische Wurzeln, Religionspädagogik, Kriterienkatalog, Anamnese, Epiklese.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theologische Bedeutung und den liturgischen Ablauf der katholischen Eucharistiefeier, eingebettet in einen reflektierten Kontext von Theorie und Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Aufbau der Messe, den biblischen und historischen Grundlagen der Eucharistie, theologischen Erklärungsmodellen sowie didaktischen Ansätzen zur Vermittlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Eucharistie als zentrales Heilsgeschehen zu fördern und Wege aufzuzeigen, wie diese Feier heute in Kirche und Schule vermittelt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Aufarbeitung theologischer Konzepte sowie eine Reflexion von Praxiserfahrungen (Lehramtsstudium) und didaktischer Konzepte.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Analyse des Messablaufs, die biblischen Hintergründe des Mahlhaltens, die mittelalterliche Theologie der Realpräsenz und die Entwicklung der Transsubstantiationslehre.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Liturgie, Eucharistie, Mahlgemeinschaft, Realpräsenz, Transsubstantiation, anamnetisch-epikleptische Struktur und didaktische Vermittlung.
Wie bewertet der Autor das untersuchte Kinderbuch?
Der Autor kritisiert die Informationsfülle und Textlastigkeit sowie das Fehlen von Reflexionsimpulsen, die für eine altersgemäße Auseinandersetzung notwendig wären.
Welche Bedeutung hat die Liturgische Reform für das heutige Verständnis?
Die Reform führte zu einer notwendigen Rückbesinnung auf den Mahlcharakter der Eucharistie und löste die einseitige Fixierung auf die reine Wandlungsthematik.
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- Laura Smith (Autor), 2015, Eucharistie. Theologie und Gestalt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287702