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Wie alt ist der Herzog von Brabant? Der Gesang des Schwanes Gottfried in Richard Wagners Lohengrin

Title: Wie alt ist der Herzog von Brabant? Der Gesang des Schwanes Gottfried in Richard Wagners Lohengrin

Essay , 2015 , 8 Pages

Autor:in: Prof. Dr. Peter P. Pachl (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Zum auratisch Wunderbaren des Lohengrin gehört insbesondere der zweimalige Auftritt eines Schwans. In der Kunst ist der weiße Schwan ein romantisches Bild von Reinheit, und wenn er singt, steht dies für dessen Todesstunde. Aber der Schwan ist auch ganz allgemein ein Topos des Zaubers.
„Wem solche Zaubertiere frommen, dess’ Reinheit achte ich für Wahn“ , merkt Friedrich von Telramund in Wagners Romantischer Oper grundsätzlich durchaus korrekt über den Fremden an. Dieses Zaubertier „frommt“ jenem namenlosen Helden, der „von einem wilden Schwan“ nach Brabant gezogen wurde.
Und nachdem der fremde Mann im Schlussakt endlich seine Identität enthüllt hat, wird der Gesellschaft von einer Mitwisserin verraten, wer jener Schwan ist, der ihn ans Land gezogen hatte, nämlich niemand Anderes als der tot geglaubte Herzog von Brabant.

Gottfried von Brabant wird in der Vorgeschichte der Opernhandlung in einen Schwan verwandelt. Im Märchen ist notwendige Voraussetzung für die Verzauberung das – wenn auch kleine – Vergehen eines vordem Unschuldigen, so etwa Rotkäppchens Abweichen vom rechten Pfade. Ohne das eigene Fehlverhalten kann kein Anderer Gewalt über das Individuum erlangen, und ohne eigenes Zutun kann es weder gefressen noch verwandelt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Wie alt ist der Herzog von Brabant?

Der Gesang des Schwanes Gottfried in Richard Wagners Lohengrin WWV 75

„Totem und Tabu“

Der stumme und der singende Gottfried

Die Komposition von Gottfrieds Gesang

Schützer oder Führer?

Sopranlage des neuen Helden

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Gottfried von Brabant in Richard Wagners Oper „Lohengrin“. Ziel ist es, die tiefenpsychologische Bedeutung der Verwandlung Gottfrieds in einen Schwan, seine Funktion als „geschädigter Dritter“ sowie die musikalischen und dramaturgischen Implikationen seines Gesangs zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen.

  • Die symbolische und psychologische Deutung der Schwanenmetamorphose.
  • Untersuchung von Inzestmotiven und Tabubrüchen innerhalb der Lohengrin-Handlung.
  • Analyse der kompositorischen Gestaltung von Gottfrieds Gesang und dessen Aufführungspraxis.
  • Reflexion über die politische Vereinnahmung und Deutung von Begriffen wie „Schützer“ und „Führer“.
  • Diskussion der Stimmfachwahl für die Rolle des Gottfried (Sopran vs. Tenor).

Auszug aus dem Buch

Der stumme und der singende Gottfried

Gottfried, der heranwachsende, die Lohengrin-Handlung auslösende Jüngling, steht in WWV 75 im Verzeichnis der handelnden Personen, und in Wagners Urfassung singt er sogar.

In der Urschrift der Dichtung vom Sommer 1845 heißt es: „Während alle im äußersten, gespanntesten Schweigen verharren, vernimmt man einen zarten Gesang, wie von der Stimme des Schwanes gesungen. Leb wohl, du wilde Wasserfluth, Die mich so weit getragen hat! Leb wohl, du Welle blank und rein, Durch die mein weiss Gefieder glitt! Am Ufer harrt mein Schwesterlein, Das soll von mir getröstet sein.“

[... Lohengrin] löst dem Schwan die Kette, worauf dieser sogleich untertaucht. Darauf hebt er einen schönen Jüngling (Gottfried) aus dem Wasser an das Ufer [...].“12

Der Druck der Noten modifiziert am Ende von Gottfrieds Gesang die Worte: „Am Ufer harrt mein Schwesterlein, das muß [!] von mir getröstet sein.“13

Zusammenfassung der Kapitel

Wie alt ist der Herzog von Brabant?: Das Kapitel führt in die Thematik der Schwanenmetamorphose Gottfrieds ein und beleuchtet die Rolle des Schwans als Topos des Zaubers sowie die Verbindung zu antiken Vorbildern.

Der Gesang des Schwanes Gottfried in Richard Wagners Lohengrin WWV 75: Dieser Abschnitt analysiert das motivische Umfeld der Verwandlung unter Berücksichtigung von Reifungsprozessen und märchenhaften Voraussetzungen.

„Totem und Tabu“: Hier wird das Thema des Inzest-Wunsches bei Wagner untersucht, wobei die Geschwisterbeziehung von Gottfried und Elsa als zentraler, tabuisierter Konfliktpunkt herausgearbeitet wird.

Der stumme und der singende Gottfried: Das Kapitel dokumentiert, dass Gottfried in der Urfassung der Oper ursprünglich eine Gesangspartie besaß, die später aus dramaturgischen Gründen gestrichen wurde.

Die Komposition von Gottfrieds Gesang: Diese Sektion befasst sich mit der Entstehungsgeschichte und dem Verbleib der Kompositionsskizzen von Gottfrieds Gesang sowie der Rezeption des Stücks im Kontext von Wagners Weltbild.

Schützer oder Führer?: Eine kritische Auseinandersetzung mit der politischen Umdeutung der Rolle des Gottfried vom „Schützer“ zum „Führer“ in der Rezeptionsgeschichte nach 1945.

Sopranlage des neuen Helden: Hier wird die Frage beantwortet, warum Wagner Gottfried für die Stimmlage Sopran komponierte und welche Rolle dies für die Darstellung eines „geschädigten Dritten“ spielt.

Schlüsselwörter

Richard Wagner, Lohengrin, Gottfried von Brabant, Schwanenmetamorphose, Musikdrama, Tiefenpsychologie, Inzest-Tabu, Gesang, Inszenierung, Operngeschichte, Schwanengesang, Stimmlage, Geschädigter Dritter, Rezeptionsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Publikation befasst sich mit der Rolle des Gottfried von Brabant in Richard Wagners Oper „Lohengrin“. Sie beleuchtet die dramaturgische und psychologische Bedeutung der Figur sowie deren Wandel in der Aufführungsgeschichte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die mythologische Bedeutung des Schwans, die Inzest-Problematik, die Entwicklung der Rolle vom stummen Akteur zum singenden Helden und die politische Rezeption spezifischer Begrifflichkeiten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wagners eigene Konzeption der Figur durch spätere Striche und Interpretationen verändert wurde und welche tieferen psychologischen Konzepte, wie die des „geschädigten Dritten“, in der Oper verborgen liegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine musikwissenschaftliche und musikdramaturgische Herangehensweise, ergänzt durch tiefenpsychologische Ansätze und eine Analyse der Rezeptionsgeschichte anhand von Besetzungszetteln und Regiekonzepten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Genese des Gesangs, zur Stimmfachwahl, zur symbolischen Bedeutung der Schwanenexistenz und zu den unterschiedlichen szenischen Interpretationen durch verschiedene Regisseure.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Lohengrin, Gottfried von Brabant, Schwanenmetamorphose, Inzest-Tabu, Wagner-Rezeption und das Konzept des geschädigten Dritten.

Warum hat Wagner die Rolle des Gottfried ursprünglich als Sopran komponiert?

Wagner wählte die Sopranlage basierend auf zeitgenössischen Konventionen und um eine bewusste dramaturgische Gewichtung zu erzielen, die den Helden von Gottfried als „geschädigten Dritten“ unterscheidet.

Inwiefern hat sich die Wahrnehmung der Rolle nach dem Zweiten Weltkrieg verändert?

Die Wahrnehmung war stark durch eine politische Umdeutung geprägt; viele Regisseure und Kapellmeister scheuten sich, Begriffe wie „Führer“ zu verwenden, und änderten den Text teilweise in „Schützer“ um.

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Details

Title
Wie alt ist der Herzog von Brabant? Der Gesang des Schwanes Gottfried in Richard Wagners Lohengrin
Author
Prof. Dr. Peter P. Pachl (Author)
Publication Year
2015
Pages
8
Catalog Number
V287748
ISBN (eBook)
9783656880035
ISBN (Book)
9783656880042
Language
German
Tags
herzog brabant gesang schwanes gottfried richard wagners lohengrin
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Prof. Dr. Peter P. Pachl (Author), 2015, Wie alt ist der Herzog von Brabant? Der Gesang des Schwanes Gottfried in Richard Wagners Lohengrin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287748
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