Besonders deutlich wird Wagners offene Anerkennung der kompositorischen Qualität Jacques Offenbachs in einem – allerdings bislang nicht im Original, sondern nur auf Französisch veröffentlichten – Brief Wagners an Felix Mottl in Karlsruhe. Wagner schreibt am 1. Mai 1882:
„Betrachten Sie Offenbach. Er versteht es ebensogut wie der göttliche Mozart. Mein Freund, das ist eben das Geheimnis der Franzosen. Ich bin ihnen in vielen Dingen nicht wohlgesonnen. Aber dennoch muss man diese in die Augen springende Wahrheit zugeben: Offenbach hätte ein zweiter Mozart werden können. Ich glaube, Auber wäre dazu weniger in der Lage gewesen."
Oft zitiert wird hingegen Wagners fataler Ausspruch angesichts des Ringtheaterbrandes in Wien, wie ihn Cosima Wagner in ihrem Tagebuch im Dezember 1881 festgehalten hat:
„Es klingt hart und geht fast über die Natur hinaus, aber die Menschen sind zu schlecht, um daß es einem nahegehen kann, wenn Massen untergehen. Wie gesagt, wenn in Kohlengruben Menschen verschüttet werden, da kommt mich das Entsetzen an über eine Gesellschaft, die sich mit solcher Hülfe Heizung verschafft; und ob so oder so viele, die einer Offenbach'schen Operette beiwohnen, aus dieser Gesellschaft dabei umkommen, wobei sich auch nicht ein Zug von moralischer Größe zeigt, das läßt mich gleichgültig.“
Inhaltsverzeichnis
- Wagner und Offenbach
- „Eine Kapitulation“
- „La Descente de la Courtille“
- „Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie“
- Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text untersucht die Beziehung zwischen Richard Wagner und Jacques Offenbach, zwei Komponisten, die im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in der Musikgeschichte spielten. Der Text analysiert die gegenseitigen Einflüsse und die Rivalität zwischen den beiden Komponisten, wobei er sich auf Wagners Werke konzentriert, die Offenbachs Musik und Stil zitieren oder parodieren.
- Wagners Auseinandersetzung mit Offenbachs Musik und Stil
- Die Rolle von Offenbach in Wagners „Lustspiel in antiker Manier“
- Wagners „Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie“ und ihre Verbindung zu Offenbachs Werken
- Die Rezeption von Wagners Werken im Kontext der Offenbach-Ära
- Die Bedeutung von Offenbach für Wagners kompositorisches Schaffen
Zusammenfassung der Kapitel
- Wagner und Offenbach: Dieser Abschnitt beleuchtet die historische und kompositorische Verbindung zwischen Wagner und Offenbach, insbesondere im Kontext der Pariser Erstaufführung von Wagners „Tannhäuser“. Der Text analysiert die Parallelen zwischen Wagners Venus und Offenbachs Venus in der Operette „Orphée aux Enfers“ und zeigt, wie Offenbachs Musik in Wagners Werken präsent ist.
- „Eine Kapitulation“: Dieser Abschnitt befasst sich mit Wagners „Lustspiel in antiker Manier“, „Eine Kapitulation“, das während des Deutsch-Französischen Krieges im besetzten Paris spielt. Der Text analysiert die politische und kulturelle Bedeutung des Stückes, das Wagners Parodie auf deutschen und französischen Kulturbetrieb darstellt.
- „La Descente de la Courtille“: Dieser Abschnitt untersucht Wagners Musik zum Vaudeville „La Descente de la Courtille“, die ursprünglich aus seiner unvollendeten zweiten Komischen Oper „Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie“ stammt. Der Text zeigt, wie Wagners Musik in diesem Werk Offenbachs Stil zitiert und gleichzeitig eine eigene kompositorische Sprache entwickelt.
- „Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie“: Dieser Abschnitt analysiert Wagners zweite Komische Oper, die auf einer Erzählung aus „Tausend und eine Nacht“ basiert. Der Text untersucht die Parallelen zwischen Wagners Oper und der Märchenvorlage, sowie die autobiografischen Elemente, die Wagner in das Werk integriert hat.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen Richard Wagner, Jacques Offenbach, „Tannhäuser“, „Orphée aux Enfers“, „Eine Kapitulation“, „La Descente de la Courtille“, „Männerlist größer als Frauenlist oder Die glückliche Bärenfamilie“, Pariser Oper, Musikgeschichte, Komposition, Stil, Parodie, Einfluss, Rivalität, Kulturbetrieb, Deutsch-Französischer Krieg, Vaudeville, Operette, Märchen, Autobiografie.
Häufig gestellte Fragen
Wie beurteilte Richard Wagner Jacques Offenbach als Komponisten?
In einem Brief an Felix Mottl lobte Wagner Offenbachs kompositorische Qualität und verglich ihn sogar mit Mozart, indem er schrieb, Offenbach hätte ein "zweiter Mozart" werden können.
In welchen Werken parodierte Wagner den Stil Offenbachs?
Besonders deutlich wird dies in Wagners „Lustspiel in antiker Manier“ mit dem Titel „Eine Kapitulation“, in dem er den französischen und deutschen Kulturbetrieb verspottet.
Was verbindet Wagners „Tannhäuser“ mit Offenbachs „Orphée aux Enfers“?
Die Forschung zieht Parallelen zwischen Wagners Venus-Figur und Offenbachs Darstellung der Venus. Offenbach parodierte in seinen Operetten oft den heroischen Stil, den Wagner verkörperte.
Was war Wagners „Männerlist größer als Frauenlist“?
Dies war eine unvollendete komische Oper Wagners, die auf „Tausend und eine Nacht“ basierte. Teile der Musik wurden später für das Vaudeville „La Descente de la Courtille“ verwendet, das Offenbachs Stil zitiert.
Warum war das Verhältnis zwischen Wagner und Offenbach ambivalent?
Trotz Wagners Anerkennung für Offenbachs Talent gab es eine starke Rivalität, die auch durch politische Spannungen (Deutsch-Französischer Krieg) und Wagners teilweise abfällige Bemerkungen über die Operette geprägt war.
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- Prof. Dr. Peter P. Pachl (Author), 2013, Jacques Offenbach im Werk Richard Wagners, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287761