Im zwischenmenschlichen Alltag gehen wir normalerweise davon aus, dass eine gemachte Behauptung nur dann einen Anspruch auf Geltung haben kann, wenn der Sprecher in der Lage ist, diese nachvollziehbar zu begründen.
Aber Ist es vielleicht nicht eher der Fall, dass bestimmte Begründungen am Ende einer Begründungskette stehen und daher selbst nicht begründungsfähig sind?
Kann man daher berechtigterweise davon sprechen, dass es begrifflich so etwas wie eine "Letztbegründung" geben muss und dass dementsprechend auch Einsichten bestehen, welche es erlauben, etwas unbegründet als "gegeben" hinzunehmen?
Inhaltsverzeichnis
1. Aufgabe dieses Essays
2. Rekonstruktion der kuhlmann`schen Argumentation
Exkurs: "Struktur" bzw. "Bedingungen der Möglichkeit" von etwas
2.1. Aspekte der begrifflichen Argumentation Kuhlmanns
2.1.1. Ein Widerspruch im Handeln
2.1.2. Handlungswissen
3. Probleme
3.1 Die kuhlmann`sche Rede über „Argumentationen“
3.1.1.Begriff der Argumentation und Begriff der Begründung
Exkurs: Möglichkeiten der Rede von „Begründungen“ im Bereich begrifflicher Argumentation
3.1.2. Heißt „unbezweifelbar“ auch „unantastbar“?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in einer kritischen Analyse des Letztbegründungsarguments nach Wolfgang Kuhlmann. Die Forschungsfrage untersucht dabei, ob Kuhlmanns Argumentation im Bereich der Transzendentalpragmatik in sich konsistent ist oder ob sie aufgrund einer zu engen Begriffsfassung und unzureichender Berücksichtigung abweichender Argumentationsweisen inkonsistenten Annahmen unterliegt.
- Kritische Würdigung der reflexiven Letztbegründung
- Untersuchung von Widersprüchen im Handeln und begrifflichem Handlungswissen
- Analyse des Begriffs der Argumentation und der Begründungslogik
- Diskussion über die Unhintergehbarkeit von Begriffsdefinitionen
- Reflexion über die Intersubjektivität und sprachliches Handeln
Auszug aus dem Buch
3.1.1.Begriff der Argumentation und Begriff der Begründung
Zunächst ist festzustellen, dass der bei Kuhlmann in den Kapiteln 2.3. - 2.5. verwendete Begriff des Argumentativen nur zum Teil expliziert ist. Dies muss an sich noch keinen Einwand darstellen, da ein Autor natürlich nicht verpflichtet sein kann, jeden in einer Arbeit verwendeten Begriff hinreichend zu explizieren. Problematisch wird eine fehlende Explikation oft erst dann, wenn es sich um zentrale Begriffe der Argumentation handelt, wenn die Begriffe in der etablierten Unterscheidungspraxis keine präzise oder stark umkämpfte Bedeutung aufweisen, oder sich aus den fehlenden Angaben Widersprüche gemäß der eigenen Position entwickeln. Kuhlmann definiert ein Argument bzw. einen wichtigen Teil eines Arguments als eine "ernsthafte, aufrichtige, sachliche und begründete Behauptung". Obwohl Kuhlmann selbst einschränkend anführt, dass es sich bei diesem Bedingungen nur um Teilbedingungen eines sinnvoll rekonstruierten Begriffs des Arguments handelt, vervollständigt er die Merkmalskonstellation nicht. Jedoch ist dies unabdinglich, da die genannten Merkmale eher die intersubjektiv geforderte psychische Einstellung eines Argumentationswilligen beschreiben, als die begriffliche Gesamtheit der Merkmale einer Argumentation. Der Begriff „Argumentation“ reduziert sich keinesfalls auf dass ernst gemeinte Formulieren einer sachlich begründbaren Behauptung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufgabe dieses Essays: Einleitung in die kritische Auseinandersetzung mit dem Letztbegründungsargument bei Kuhlmann.
2. Rekonstruktion der kuhlmann`schen Argumentation: Darstellung von Kuhlmanns Position zur Unbestreitbarkeit bestimmter Argumentationsregeln und deren transzendentalpragmatischer Begründung.
3. Probleme: Kritische Analyse der Argumentationsstruktur, insbesondere hinsichtlich der Begriffe "Argumentation" und "Begründung" sowie der Frage nach der Unantastbarkeit dieser Ansätze.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Kuhlmanns Begriffsbestimmungen zwar nützlich, aber nicht alternativlos sind und somit keine absolute, über jeden Zweifel erhabene Grundlage bieten.
Schlüsselwörter
Kuhlmann, Letztbegründung, Transzendentalpragmatik, Argumentation, Begründung, Diskurs, Sprachphilosophie, Intersubjektivität, Sprechhandlung, Begriffsbildung, Erkenntnistheorie, Logik, Normenbegründung, Handlungslogik, Zweifel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das "Letztbegründungsargument" von Wolfgang Kuhlmann und prüft, ob dessen philosophische Argumentation konsistent und stichhaltig ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Transzendentalpragmatik, die Struktur von Argumentationen, der Begriff des Handelns sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Begründung von Aussagen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Kuhlmanns Argumentation teilweise inkonsistent ist und die behauptete "unhintergehbare" Grundlage der Argumentationsregeln nicht zwingend aufrechterhalten werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kritische philosophische Textanalyse und Begriffsdekonstruktion, die auf den Kapiteln 2.3. bis 2.5. von Kuhlmanns Werk basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Kuhlmanns Argumente zu Widersprüchen im Handeln, das Konzept des Handlungswissens und die Präzision seiner Begriffe „Argumentation“ und „Begründung“ untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Letztbegründung und Transzendentalpragmatik sind dies Begriffe wie Begriffsanalyse, Argumentationsregeln, Sprechhandlung und die Frage nach der Intersubjektivität.
Wie bewertet der Autor Kuhlmanns Fokus auf die ideale Kommunikationsgemeinschaft?
Der Autor kritisiert diesen Fokus als zu exklusiv und argumentiert, dass auch Personen, die dieses Abstraktionsniveau nicht erreichen, durchaus in der Lage sind, sprachlich sinnvoll zu handeln und Behauptungen aufzustellen.
Warum reicht laut der Arbeit die bloße "Aufdeckung" von Begriffen nicht aus?
Weil das, was Kuhlmann als „Aufdeckung“ von notwendigen Bedingungen bezeichnet, in Wahrheit eine zweckhafte Normierung ist, die sich im Laufe der Zeit durch menschliches Handeln verändern kann und daher einer kritischen Begründung zugänglich sein sollte.
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- Kilian Seefeld (Autor), 2012, Das "Letztbegründungsargument" bei Kuhlmann, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287793