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Die Macht der Frauen im Vergleich von weltlichem und geistlichem Tagelied

Titel: Die Macht der Frauen im Vergleich von weltlichem und geistlichem Tagelied

Hausarbeit , 2013 , 22 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sophie Strohmeier (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Beginn volkssprachlicher Literatur ist zwar aufgrund der wenigen Überlieferungen schwer zu datieren, fand aber recht sicher in den Zentren der Bildung im Mittelalter, in Klöstern, statt, war also eindeutig geistlich ausgerichtet (Schiewer 2011: S.10) . Geistlich kommt hier von lateinisch "spiritalis", also alles was von Geist ergriffen und auf Geistliches ausgerichtet ist (Huber 2000: S.3). Das Geistliche und der Geist beziehen sich im Deutschland des Mittelalters natürlich auf den christlichen Gott. Um 1000 n.Chr. war die Produktion von Literatur nicht mehr ausschließlich hinter Klostermauern verborgen, sondern wurde an den, auch für Laien zugänglichen, Bischofshof verlegt. Die ersten Überlieferungen volkssprachlicher, weltlich ausgerichteter Dichtung, wie beispielsweise das „Annolied“, das weltliche und geistliche Elemente verknüpft, stammen aus dieser Zeit und bestätigen die Entwicklung einer „weltlich- geistlichen Mischkultur“ (Schiewer 2011: S.15).

Die weltliche Literatur ist also nicht nur als Begriff von der geistlichen Literatur abgeleitet: Auch allgemein ist weltlich alles was nicht- geistlich ist, aber umgekehrt ist nicht alles geistlich was nicht- weltlich ist. Die beiden Begriffe stehen also in einer Polarität zueinander, die sie gleichzeitig definiert (Huber 2000: S.3f.)- sie können ohne ihren Gegensatz nicht existieren. Trotzdem lässt diese Polarität sehr verschiedene Perspektiven bei der Definition von „Weltlichem“ und „Geistlichem“ für den Einzelnen zu. In der Entwicklung der volkssprachlichen Literatur in Deutschland entstanden, während der Etablierung der höfischen Kultur die ersten weltlichen und geistlichen Dichtungen getrennt voneinander, wie die „Kaiserchronik“ und der Eneas-Roman von Heinrich von Veldeke (Schiewer 2011: S.16). An den Fürstenhöfen war Produktion und Vortrag von Literatur eine wichtige Institution geworden und es gab immer mehr Literati unter den Adligen, was sich durch die Überlieferung von vielen Autornamen aus dieser Zeit recht gut belegen lässt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A) Entstehung der volkssprachlichen geistlichen und weltlichen Literatur

B) Das weltliche Tagelied

C) Das geistliche Tagelied

E) Vergleich des geistlichen und weltlichen Tagelieds

I. Das weltliche Tagelied „Sîne klawen“

II. Das geistliche Tagelied „vrône wahter nû erwecke“

III. Irdische und geistliche Liebe im Mittelalter

IV. Die Liebe in den beiden Gedichten

V. Geschlechterkonzeptionen im Mittelalter

VI. Geschlechtertausch und Machtverhältnisse in der deutschen Literatur des Mittelalters

1. Definition der Macht

2. Mächtige Frauen in der Literatur des deutschen Mittelalters

3. Die Macht der Frau im geistlichen Tagelied

4. Die Macht der Frau im weltlichen Tagelied

5. Resümee

F) Veränderung des Tagelieds und somit der Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau im späten Mittelalter

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Ausübung von Macht durch Frauenfiguren in ausgewählten Beispielen des weltlichen und geistlichen Tagelieds des Mittelalters, um dabei insbesondere die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Konzeption weiblicher Einflussnahme auf den Mann in diesen beiden Gattungen herauszuarbeiten.

  • Vergleichende Analyse des weltlichen und geistlichen Tagelieds
  • Untersuchung der Geschlechterkonzeptionen und Machtverhältnisse
  • Die Rolle der Frau als „Aggressorin“ oder „Verführerin“ in der Literatur
  • Entwicklung des Tagelieds und seiner Intentionen vom 13. zum späten Mittelalter
  • Bedeutung der sinnlichen versus der geistigen Liebe

Auszug aus dem Buch

Die Macht der Frau im geistlichen Tagelied

Der Stereotyp der mächtigen, weil bösen Frau findet sich eindeutig in „Vrône wahter nû erwecke“ wieder. Offensichtlich übt die Frau Welt wegen ihrer körperlichen Verführung viel Macht über die Menschen aus. Soviel Macht, dass diese ihr Leben von Gott abwenden und er anscheinend nur noch über den Wächter Einfluss auf sie hat. Der vrône Wächter aber ruft weder beim Sünder, noch bei Frau Welt irgendeine direkte Reaktion hervor, obwohl er von Gott geschickt wurde und immerhin in der Lage ist alle Sünder anzusprechen. Überhaupt scheint er zu irdischen Dingen sehr viel Abstand zu halten, der einzige Raum in dem er sich sicher aufhält ist die warte, von der aus er zwar alles im Überblick hat, aber anscheinend nirgendwo eingreifen kann.

Frau Welt jedoch bestimmt das Schicksal der Menschen sehr direkt: nicht nur das sie sie zu Sündern macht, sie arbeitet auch noch direkt mit dem Teufel zusammen. Und gerade in dieser Arbeit des Pflügens zeigt sich das Bild, das der anonyme Dichter von Frau Welt vermitteln will: Einerseits bereitet sie die Arbeit für den Teufel vor, lässt sich von ihm sozusagen zum Nutztier degradieren, doch andererseits ist das Pflügen nicht nur in der Realität eine männliche Tätigkeit- auch das Eindringen des Pflugs in die Erde ist als sexuelle Metapher eine eindeutig männlich konnotierte Handlung. Man könnte dies mit der Metapher vom Pferd und Reiter vergleichen, die sowohl für sexuelle als auch für soziale Dominanz des Reiters stehen (Brinke 1999: S.52). Im sozialen, sowie im sexuellen Kontext ist Frau Welt eindeutig eine Person mit dominanten, männlichen Eigenschaften, trotzdem steht der Teufel als Sämann noch über ihr.

Zusammenfassung der Kapitel

A) Entstehung der volkssprachlichen geistlichen und weltlichen Literatur: Das Kapitel beleuchtet die historischen Ursprünge volkssprachlicher Literatur im Mittelalter, die sich von klösterlichen Zentren hin zu weltlichen Fürstenhöfen verlagerte.

B) Das weltliche Tagelied: Hier wird die Gattung des Tagelieds als Rollendichtung definiert, deren zentrale Motive die Trennung eines adligen Paares bei Tagesanbruch und die Vermittlerrolle des Wächters sind.

C) Das geistliche Tagelied: Dieses Kapitel erläutert die Umdeutung der weltlichen Tagelied-Motivik im 13. Jahrhundert zu religiösen Zwecken, wobei der Wächter nun als gottgesandte Figur auftritt.

E) Vergleich des geistlichen und weltlichen Tagelieds: Der analytische Hauptteil kontrastiert das weltliche Lied „Sîne klawen“ mit dem geistlichen „Vrône wahter nû erwecke“ hinsichtlich ihrer Darstellung von Liebe und Macht.

F) Veränderung des Tagelieds und somit der Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau im späten Mittelalter: Das Fazit beschreibt, wie sich die Intentionen der Tagelieder im Spätmittelalter hin zur Selbstdarstellung des Dichters wandelten und die gesellschaftliche Bedrohung des Paares abnahm.

Schlüsselwörter

Tagelied, Mittelalter, Geschlechterkonzeption, Frau Welt, Machtverhältnisse, geistliche Literatur, weltliche Literatur, Wolfram von Eschenbach, Vrône wahter nû erwecke, Sîne klawen, Liebeskonzeption, Wächter, Minnesang, Sexualität, literarische Analyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Machtstrukturen in mittelalterlichen Tageliedern und analysiert, wie Frauenfiguren sowohl in weltlichen als auch in geistlichen Texten dargestellt werden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Liebe, Macht, Geschlechterrollen sowie die Transformation literarischer Motive vom 13. Jahrhundert bis in das späte Mittelalter.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Frauen trotz mittelalterlicher defizitärer Geschlechterkonzeptionen als aktive Subjekte Macht über Männer ausüben können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse und den Textvergleich, wobei insbesondere kulturgeschichtliche und sozialgeschichtliche Aspekte der Mittelalterforschung einbezogen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich dem detaillierten Vergleich der Tagelieder „Sîne klawen“ und „Vrône wahter nû erwecke“ sowie der theoretischen Einordnung von Liebes- und Machtbegriffen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind „Sinnliche Macht“, „Frau Welt“, „Wächterfigur“, „Geschlechtertausch“ und „Literarische Tradition“.

Wie unterscheidet sich die Machtausübung der Dame in „Sîne klawen“ von der „Frau Welt“?

Während die Dame in Wolframs „Sîne klawen“ Macht ausübt, um die Nähe zu ihrem Geliebten zu erzwingen, repräsentiert „Frau Welt“ eine maskulin konnotierte, böse Macht, die den Menschen zur Verdammnis führt.

Welche Rolle spielt der Wächter in den geistlichen Tageliedern?

Er fungiert nicht mehr als bloßer Vermittler einer höfischen Situation, sondern als gottgesandter Rufer, der die Menschheit vor dem Weltgericht warnen soll.

Warum ist das späte Mittelalter für diese Untersuchung relevant?

Das späte Mittelalter zeigt eine Veränderung der literarischen Intentionen, in der die gesellschaftliche Bedrohung für Liebende in den Hintergrund tritt und das männliche Ich des Dichters zentral wird.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Macht der Frauen im Vergleich von weltlichem und geistlichem Tagelied
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Sophie Strohmeier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V287837
ISBN (eBook)
9783656879046
ISBN (Buch)
9783656879053
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tagelied Frau Macht geistliches Tagelied weltliches Tagelied
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sophie Strohmeier (Autor:in), 2013, Die Macht der Frauen im Vergleich von weltlichem und geistlichem Tagelied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287837
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Leseprobe aus  22  Seiten
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