Evaluierung von Kreditverbriefungen aus der Sicht von Kreditinstituten


Studienarbeit, 2014

38 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Hinführung zum Thema

2 Kreditverbriefung als Finanzinstrument
2.1 Definition und Abgrenzung
2.2 Arten der Kreditverbriefung
2.2.1 True-sale-Verbriefung
2.2.2 Synthetische Verbriefung
2.3 Formen der traditionellen und synthetischen Kreditverbriefung

3 Risiken und Nachteile von Verbriefungsstrukturen

4 Motive zur Nutzung von Verbriefungen

5 Ansätze zur Reglementierung von Risiken

6 Abschließende Wertung

7 Literaturverzeichnis

8 Verzeichnis der Abbildungen

1 Hinführung zum Thema

Seit nunmehr 7 Jahren beschäftigt die Finanzkrise die Volkswirtschaften aller Welt. Gewiss sind die Auswirkungen nicht mehr so deutlich spürbar wie vor einigen Jahren, dennoch haben die Negativmeldungen über überschuldete Staaten und gerettete Banken nach wie vor ihren festen Platz in der Presselandschaft. Was mit einem rasanten Anstieg der Immobilienpreise in den USA begann, mündete in heftigen Verwerfungen auf den Finanzplätzen um den Globus. Mittlerweile ist die „Subprime-Krise“ auch für Laien ein verständlicher Begriff geworden. Es stellt sich die Frage, wie es von der „einfachen“ Vergabe von Hypothekendarlehen zu einer weltweiten Krise kommen konnte.

Einen Anhaltspunkt zur Beantwortung liefert das Finanzinstrument der Kredit-verbriefung, welches in vorliegender Arbeit behandelt wird. Es soll ein Überblick über die theoretische Funktionsweise und die Motive zur Nutzung gegeben werden.

Zu Beginn wird das Instrument der Kreditverbriefung als eine Art des Risikotransfers definiert und die beiden Arten, echte und unechte Verbriefung vorgestellt. Die anschließenden Kategorisierungen hinsichtlich zugrunde liegender Aktiva und Laufzeit ist nicht abschließend, da hier nur die gängigsten Unterscheidungen aufgezeigt werden sollen.

Kapitel 3 befasst sich mit den resultierenden Risiken einer Strukturierung, welche in Kredit-, strukturelle und rechtliche Risiken unterteilt werden können. Bei letzterem wurde bewusst auf die Angabe von Gesetzesverweisen verzichtet, da aufgrund der Aktualität des Themas ein kontinuierlicher Wandel der Rechtsnormen stattfindet.

Das anschließende Kapitel widmet sich den möglichen Motiven, die Kreditinstitute dazu bewegt, Kredite zu verbriefen anstatt sie bis zur Fälligkeit zu halten.

Aufgrund fehlender Regulierungen und der exzessiven Ausnutzung einiger Motive entwickelte der Verbriefungsmarkt eine Dynamik, welche letztendlich zum Zusammenbruch einiger Banken und Staaten führte. Um solchen Marktübertreibungen künftig vorzubeugen, wurden nationale sowie internationale Gesetze zur Regulierung verabschiedet. Die wichtigsten Bestrebungen werden in Kapitel 5 dargestellt.

Dem Leser sollen differenzierte Kenntnisse über die Funktionsweise von Verbriefungsstrukturen vermittelt werden, die es ihm erlauben, Schlussfolgerungen zu den Beweggründen von Banken und anderen Marktteilnehmern zu ziehen.

Inwiefern der Markt für Verbriefungen im heutigen regulatorischen Umfeld eine Zukunft hat, zeigt die abschließende Wertung auf. Aufgrund der Aktualität des Themas finden nur Studien, Gesetze und Positionen Berücksichtigung, die bis zum 01.03.2014 erschienen sind.

2 Kreditverbriefung als Finanzinstrument

Kreditinstitute versuchen anhand von Diversifikation Risiken zu minimieren, welche aus der Vergabe von Krediten resultieren. Gewisse Risiken, wie beispielsweise das Zinsänderungsrisiko, lassen sich jedoch nur eingeschränkt durch Diversifikation mindern. Deswegen sind Kreditinstitute bestrebt, Risikopositionen durch geeignete Instrumente zu verkaufen bzw. an veränderte Marktsituationen anzupassen. Zu den traditionellen Instrumenten gehört unter anderem die Finanzierung großer Kreditengagements über Bankenkonsortien oder der Abschluss einer Kreditversicherung.[1] Ein modernes kapitalmarkorientiertes Instrument stellt die Kreditverbriefung dar, welche in den letzten 20 Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat.[2]

2.1 Definition und Abgrenzung

Unter einer Verbriefung versteht man „handelbare Wertpapiere, die auf Forderungen oder Eigentumsrechten basieren.“[3] Die zu verbriefenden Forderungen reichen von Konsumentenkreditverträgen über Autofinanzierungen bis hin zu Kreditkartenforderungen. Grundsätzlich ist dabei jeder Kredit bzw. jede Forderung geeignet, die einen regelmäßigen Cash-Flow aufweist. Die Entwicklung als Finanzinstrument begann mit der Verbriefung von Hypothekendarlehen, da diese sich aufgrund ihrer langen Laufzeit und der prognostizierten zukünftigen Zins- und Tilgungszahlungen besonders eigneten. Bereits nach Vertragsabschluss ließ sich der Kredit zum abgezinsten Barwert weiterverkaufen. In der Praxis bedient man sich der Bündelung mehrerer Kredite zu einem Portfolio, welches mit Wertpapieren unterlegt wird, um sie anschließend an Investoren zu verkaufen. Der Vorgang der allgemeinen Verbriefung wird mit dem englischen Begriff securitization bezeichnet.[4]

Entscheidender Unterschied der Forderungsverbriefung, als ein Instrument des Kreditrisikotransfers, ist die Handelbarkeit am Kapitalmarkt. Da Anleger auch einzelne Wertpapiere eines Portfolios kaufen können, ermöglicht es diesen den Zugang zu bzw. die Beteiligung an Kreditengagements. Zwar konnte bereits vorher ein Kredit vom ursprünglichen Kreditgeber gehandelt werden, dies war aber sehr umständlich, da man entweder auf spezielle Auktionsplattformen zugreifen oder einen passenden Käufer finden musste. Dies war aber insofern problematisch, da es sich bei den angebotenen Krediten häufig um notleidende Kredite handelte, sogenannte non-performing loans.[5] Ein Überblick zur Unterscheidung der verschiedenen Instrumente des Kreditrisikotransfers gibt Abbildung 2.11.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.11: Überblick über die Instrumente des Kreditrisikotransfers

Quelle: RUDOLPH, B. et al. (2007): Kreditrisikotransfer – Moderne Instrumente und Methoden. 2., erweiterte Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag, 2012

Im Allgemeinen werden Kreditverbriefungen als Asset Backed Securities (ABS) bezeichnet. Je nach Ausgestaltungsform hat man diesen Begriff um Mortgage Backed Securities (MBS) und Collateralized Debt Obligations (CDOs) erweitert, um eine Differenzierung hinsichtlich Struktur und zugrunde liegender Forderungen zu ermöglichen.[6] Neben der klassischen Kreditverbriefung, gibt es auch synthetische ABS-Strukturen. Da diese Charakteristika von sowohl Verbriefungstransaktionen als auch Kreditderivaten aufweisen, werden sie den hybriden Produkten zugeordnet, welche in Kapitel 2.2.2 näher erläutert werden.

Die Deutsche Bundesbank definiert ABS wie folgt: „Unter dem Begriff Asset-Backed Securities (ABS) sind Wertpapiere oder Schuldscheine zu verstehen, die Zahlungsansprüche gegen eine ausschließlich dem Zweck der ABS-Transaktion dienende Zweckgesellschaft zum Gegenstand haben. Die Zahlungsansprüche werden durch einen Bestand unverbriefter Forderungen ("assets") gedeckt ("backed"), die auf die Zweckgesellschaft übertragen werden und im wesentlichen [sic] den Inhabern der Asset-Backed Securities (Investoren) als Haftungsgrundlage zur Verfügung stehen.“[7]

2.2 Arten der Kreditverbriefung

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die Art des Transfers von Forderungen. Werden Kredite aus der Bilanz herausgelöst und zum Barwert an eine Zweckgesellschaft veräußert, handelt es sich um eine „echte“ Verbriefung. Verbleiben die Forderungen jedoch in der Bilanz des Veräußerers und werden lediglich die zugrunde liegenden Kreditrisiken übertragen, so spricht man von einer „unechten“ bzw. synthetischen Verbriefung.

2.2.1 True-sale-Verbriefung

Bei einer echten bzw. true-sale-Verbriefung bündelt der Originator, beispielsweise ein Kreditinstitut oder ein Kreditkartenunternehmen, seine durch den laufenden Geschäftsbetrieb entstandenen Kredite oder andere Forderungen in einem Portfolio und verkauft dieses an eine eigens dafür gegründete Zweckgesellschaft, auch Special Purpose Vehicle (SPV) genannt. Die veräußernde Bank erhält im Gegenzug als Verkaufserlös entweder eine feste Provision oder einen Teil der Zinsmarge, der bei der anschließenden Verbriefung erzielt wird.[8] Die Zins- und Tilgungsansprüche gehen zum Transaktionszeitpunkt auf die SPV über, wie Abbildung 2.211 visualisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.211: Grundstruktur einer traditionellen Kreditverbriefung

Quelle: RICKEN, S. (2008): Verbriefung von Krediten und Forderungen in Deutschland. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 2008

Durch die Übertragung des Portfolios an die SPV erreicht man eine Abtrennung von Vermögenswerten des Originators, wodurch die Kreditforderungen im Falle seiner Insolvenz nicht in die Haftungsmasse zählen, was wiederum attraktiver für künftige Investoren ist. Finanziert wird der Kaufpreis des Portfolios durch die Emission von Wertpapieren, welche von Investoren erworben werden. Bei den zumeist institutionellen Investoren handelt es sich vor allem um Banken, Versicherungen und Kapitalanlagegesellschaften wie Renten- und Hedgefonds.

Der Erwerb entsprechender Wertpapiere kann dabei auf zwei Wegen erfolgen. Im Rahmen einer privaten Platzierung tritt die SPV nur an einige ausgewählte Investoren, die sich häufig bereits an der Ausgestaltung der Transaktion beteiligt haben. Im Gegensatz dazu offeriert die Zweckgesellschaft bei der öffentlichen Platzierung die Wertpapiere einem breiten Publikum, häufig unter Einbezug finanzieller Hilfe durch ein Bankenkonsortium, wodurch die Liquidität der Papiere am Sekundärmarkt steigt.[9] Investoren können damit an Zins und Tilgung der Kredite des unterliegenden Forderungsportfolios partizipieren.

Durch die Ausgestaltung der SPV tragen die Investoren nahezu ausschließlich das Ausfallrisiko der verbrieften Kredite. Andere Geschäftsrisiken sind fast vollständig ausgeschlossen.[10] Durch die strikte Limitierung der Geschäftstätigkeit minimiert die Zweckgesellschaft ihr eigenes Insolvenzrisiko. Zu dem tragen auch die Wahl der Rechtsform und der Sitz der Gesellschaft bei, um diese insolvenzfest (bankruptcy remote) auszugestalten.[11] Auch steuerliche Gründe beeinflussen die Wahl des Sitzlandes, so werden SPV häufig an Standorten mit steuerlich attraktiven Regelungen gegründet, wie z.B.: Irland oder Luxemburg.

Bei der Strukturierung und Durchführung von Verbriefungstransaktionen nimmt der Originator den Dienst einer Investmentbank in Anspruch. Sie fungiert als Arranger in allen Phasen des Prozesses, dabei ist sie für die Gründung der SPV verantwortlich sowie für die Vorbereitung und Begleitung der ABS-Emission. Im Gegenzug erhält sie ein Beratungshonorar für ihre Dienstleistungen. Häufig stellt der Arranger dem Originator vor Transaktionsbeginn eine revolvierende Fazilität (warehouse line of credit) zur Verfügung. Sie dient dem Originator als Zwischenfinanzierung zum Ankauf weiterer Forderungen bzw. Kredite, bis das Forderungsportfolio ein ausreichend großes Volumen für den Verkauf an die Zweckgesellschaft erreicht.[12] Zudem besteht die Möglichkeit, dass der Arranger die Funktion des underwriters gegen eine Gebühr übernimmt. Hierbei trägt er das Risiko, dass eine ABS-Emission nicht vollständig am Kapitalmarkt platziert werden kann und er die emittierten Wertpapiere ganz oder teilweise in seine Bücher zu einem bestimmten Preis nehmen muss.[13]

Um die Verwaltung der emittierten Wertpapiere kümmert sich ein sogenannter Servicer. Prinzipiell könnte diese Aufgabe durch die SPV übernommen werden, da diese jedoch nicht die notwendigen betrieblichen sowie personellen Mittel aufweist bzw. im Rahmen von Insolvenzsicherungsmaßnahmen eine Beschränkung der Tätigkeiten auf die definierte Verbriefungstransaktion vorgesehen wird, bedarf es dem Einsatz des Servicers. Dieser ist zuständig für die Debitorenbuchhaltung, das Mahnwesen und die termingerechte Weiterleitung der Zahlungseingänge an den Treuhänder, sowie in der Regel auch die Identifikation und Meldung der Kreditereignisse.[14] Für gewöhnlich übernimmt diese Aufgabe der Originator, damit ein Anreiz zur Überwachung der Kreditnehmer erhalten bleibt. Zudem setzt er für die Abwicklung Personal ein, welches bereits Erfahrungen mit den zugeordneten Kunden besitzt. Dieser Aufwand wird mit einer Service-Gebühr vergütet und stellt somit eine Ertragsquelle dar.

Aufgrund des hohen Grades an Komplexität, welche ABS-Transaktionen aufweisen, bedienen sich Investoren der Einschätzungen meist mehrerer Rating-Agenturen. Diese prüfen den Originator, die zugrundeliegenden Forderungen sowie die rechtliche und wirtschaftliche Ausgestaltung der Emissionsstruktur, um einen objektiven Anhaltspunkt für Investoren und Originator zu geben. Ausgedrückt wird das Rating in den bekannten Rating-Skalen, wobei diese auf der einen Seite eine Einschätzung über das vorhandene Risiko abgeben, auf der anderen Seite aber dem Originator als Orientierungspunkt für die Bepreisung der ABS-Papiere dienen. Abweichend von einem gewöhnlichen Rating wird nicht auf die Bonität des Emittenten (sog. Emittentenrating) abgestellt, sondern auf die spezifische Bonität der im Rahmen einer Verbriefung emittierten Anleihen (sog. Emissionsrating).[15] Dabei versteht man unter Bonität beim Rating, die allgemeine Fähigkeit zur termingerechten und vollständigen Erfüllung von Zins- und Tilgungszahlungen.[16] Da eine Vielzahl von Investoren das Rating als präferiertes Entscheidungskriterium wählt, ist dem Originator sehr dran gelegen, die ABS-Emission nach den Erfordernissen der Rating-Agenturen auszugestalten um höchste Bonitätsstufen zu erhalten, welche wiederum Einfluss auf die Bepreisung der ABS-Anleihen nehmen. Tritt der Fall ein, dass ABS-Papiere die besten Rating-Noten bekommen, so besteht für Unternehmen, Banken und Staaten, welche mit einem nicht erstklassigen Rating versehen sind, die Möglichkeit, innerhalb einer geeigneten Verbriefungskonstruktion, Wertpapiere zu emittieren, welche mit einem Zinssatz für Wertpapiere mit höchsten Bonitätsnoten ausgestattet sind.[17] Dadurch wird eine günstigere Refinanzierung ermöglicht, als bei einem direkten Gang an den Kapitalmarkt. Ein damit einhergehender Effekt ist das Überwinden des Sovereign Ceiling eines Staates. Dieser bezeichnet die durch ein Länderrisiko bedingte Obergrenze für Ratings von Unternehmen eines Landes.[18] Erhält beispielsweise ein Land aufgrund diverser Risiken die Rating-Note „BB-“, so kann kein Unternehmen dieses Landes ein individuell höheres Rating als „BB-“ erlangen. Mit Hilfe von ABS kann diese Grenze durchbrochen werden.

Um das Rating und damit die Qualität der emittierten ABS-Papiere zusätzlich zu verbessern, übernehmen Sicherungsgeber einen Teil der Risiken. Diese Sicherungsgeber, meist Kreditinstitute und Versicherungen, müssen eine ausgezeichnete Bonität aufweisen. Gegen eine Gebühr gehen sie die Verpflichtung ein, Ausgleichszahlungen an Investoren zu leisten, sollten die Zins- und Tilgungszahlungen sich verzögern oder ausfallen.

Eine Ausgestaltungsform stellen die Bürgschaften und Finanzgarantien (sog. surety bonds) dar. Dabei geben darauf spezialisierte Versicherungsunternehmen (sog. Financial Guarantee Insurance Companies) das Versprechen zugunsten der SPV, im Garantiefall Zahlungen zu leisten, um Investorenansprüche zu bedienen.[19] In Deutschland ist diese Möglichkeit der Besicherung vergleichbar mit einem Avalkredit.

Daneben gibt es die Sicherungsform der verpfändeten Geldeinlage (sog. cash collateral account). Sie wird der SPV vom Originator oder dem Sicherungsgeber zur Verfügung gestellt und enthält leicht liquidierbare geldmarktnahe Vermögenswerte, die bei Bedarf veräußert werden können, um Zahlungsausfälle und Verzögerungen auszugleichen. Durch die Verpfändung fließen dennoch mögliche Erträge aus diesen Vermögenswerten dem Originator bzw. dem Sicherungsgeber zu.[20] Da bei all diesen genannten Sicherungstechniken externe Sicherungsgeber einen Teil der Risiken für die Investoren abnehmen, nennt man diese externe Credit Enhancements.

Resultieren die Sicherungsformen aus der Verbriefungsstruktur selbst, so spricht man von internen Credit Enhancements. Die wohl verbreitetste Form ist die Tranchierung, welche in Kapitel 2.3 näher behandelt wird. Daneben findet häufig eine wirtschaftliche Übersicherung statt, bei der der Originator mehr Forderungen an die Zweckgesellschaft überträgt, als diese später als Wertpapiere emittiert. Sollten die überschüssigen Zahlungen der Schuldner nicht benötigt werden, fließen sie am Ende der Laufzeit an den Originator zurück.[21] Eine Ergänzung zur verpfändeten Geldeinlage stellt das Überlaufkonto dar. Anfallende Zahlungsüberschüsse (sogenannte Residualerlöse) werden während der Laufzeit auf diesem gesammelt. Residualerlöse resultieren aus der Differenz der von den Kreditnehmern eingehenden Zahlungen, abzüglich der an die ABS-Inhaber zu leistenden Zinsen und Tilgungen sowie sonstiger Auszahlungen, etwa für das Servicing der Kredite.[22]

Weitere auftretende Risiken stellen Zinsänderungen und Währungsschwankungen dar. Eliminiert werden können diese durch Swapgeschäfte mit Swap-Partnern. Zinsänderungsrisiken resultieren aus der Tatsache, dass es auf der einen Seite vertraglich festgelegte Zinszahlungen seitens der ursprünglichen Kreditnehmer gegenüber der SPV gibt, welche entweder fest- oder variabel-verzinslich sein können, auf der anderen Seite erwerben aber auch Investoren Zinsansprüche gegenüber der SPV, die ebenfalls in beiden genannten Varianten vorkommen können. Die genannten Absicherungsgeschäfte werden insbesondere dann relevant, wenn nur eine Seite feste Zinszahlungen aufweist.[23]

Auch Liquiditätsrisiken können eliminiert werden, indem die SPV diese an Liquiditätsgeber auslagert. Auch diese Aufgabe übernehmen in der Regel Kreditinstitute mit ausgezeichneter Bonität. Durch die zur Verfügung zu stellende Liquiditätslinie (liquidity facility) erhält die SPV gewisse Toleranzspielräume, um temporäre Zahlungsengpässe zu überbrücken oder bei Zahlungsausfall hinterlegte Sicherheiten zu verwerten.[24]

Aufgrund der Tatsache, dass sich an traditionellen Kreditverbriefungen häufig zehn oder mehr Parteien beteiligen, welche alle vertraglich festgeschriebene Rechte und Pflichten aufweisen und miteinander korrelieren, bedarf es des Einsatzes einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder Rechtsanwaltskanzlei als unabhängiger Treuhänder, welcher die Einhaltung der Verträge und die richtige Verteilung des aufkommenden Cash-Flow überwacht. Zudem ist er für die Verwaltung der SPV verantwortlich und nimmt damit eine Mittlerfunktion zwischen allen Beteiligten und der Zweckgesellschaft ein,[25] wie Abbildung 2.211 auf Seite 4 ebenfalls visualisiert. Zudem kommt es auch häufig vor, dass Zahlstelle, Sicherheitentreuhänder und Datentreuhänder von unterschiedlichen Parteien wahrgenommen wird, um optimale Unabhängigkeit zu gewährleisten.

Jede involvierte Partei erhält ihre Erträge für den Beitrag am Prozess der Verbriefung in Form von Honoraren oder Gebühren. Absolut gesehen wirken die Gesamtkosten, welche in Abbildung 2.212 zu sehen sind, sehr hoch und stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten einer einzelnen gewerblichen Finanzierung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.212: Kostenstruktur einer ABS-Verbriefung

Quelle: GERKE, W./ MAGER, F./ HERBST, G. (2002): Asset-Backed Securities - Eine Simulation der bilanziellen Ertragswirkung bei Kreditinstituten. In: Die Betriebswirtschaft, Heft 1 (2002), Seite 83

Bei einem durchschnittlichen Transaktionsvolumen von 1,35 Mrd. € je Transaktion, ist der relative Kostenanteil jedoch sehr niedrig.[26] Wie man der Abbildung entnehmen kann, unterteilen sich die Kosten in fixe Kosten, sogenannte Front-up Kosten, und laufende Kosten. Letzteres wird prozentual anhand der Rückflüsse durch Zins- und Tilgungsleistungen der Kreditnehmer berechnet. Bei der gezeigten Darstellung handelt es sich jedoch um Durchschnittswerte. Die Höhe der Kosten variiert je nach Volumen und Art der verbrieften Kredite, der Laufzeit und Struktur der Transaktion, der Platzierungsart und gegebenenfalls weiteren individuellen Rahmenbedingungen.

2.2.2 Synthetische Verbriefung

Bei einer synthetischen Kreditverbriefung verbleiben die Kredite des unterlegten Forderungsportfolios in der Bilanz des Originators. Lediglich das Kreditrisiko wird mittels Kreditderivaten entweder an die SPV oder direkt am Kapitalmarkt veräußert. Durch Kreditderivate besteht die Möglichkeit, Risiken handelbar zu machen, ohne die eigentlichen Kredite zu verkaufen. Dadurch verbleibt der erzeugte Cash-Flow beim Originator. Kreditderivate weisen die Besonderheit auf, dass „ihre Zahlungscharakteristik an die Zahlungscharakteristik oder Wertentwicklung einer risikobehafteten Kreditposition als Referenzaktivum oder Basiswert geknüpft ist."[27] Vereinfacht gesagt, hängt der Wert eines Kreditderivates von der Entwicklung des Kreditrisikos einer Kreditposition ab.

Der Begriff des Kreditrisikos ist sehr umfangreich.[28] Er umschließt unter anderem das Adressenausfallrisiko, welches die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz des Kreditschuldners anzeigt. Daneben zählt das Bonitätsrisiko dazu, welches allgemeiner die Gefahr einer Bonitätsverschlechterung angibt, ohne zum sofortigen Ausfall zu führen. Als weiteres wichtiges Risiko ist das sogenannte Spread-Risiko anzuführen. Dieses zeigt die Gefahr einer veränderlichen Differenz zwischen risikolosem und risikobehaftetem Zins einer Anleihe bei gleichbleibender Bonität des Schuldners. Je nach Ausgestaltungsform können Kreditderivate unterschiedliche Aspekte des Kreditrisikos abdecken. So deckt beispielsweise der Total Return Swap das vollumfängliche wirtschaftliche Risiko einer Kreditbeziehung ab.

Die am häufigsten verwendete Variante der Kreditderivate bilden die Credit Default Swaps (CDS). Mit Abschluss eines Credit Default Swaps verpflichtet sich der Sicherungsgeber, bei Eintritt eines vorab definierten Kreditereignisses (credit event) eine Ausgleichszahlung an den Sicherungsnehmer zu leisten, welcher im Gegenzug eine periodische Prämie zahlt.[29] Die Höhe der zu zahlenden Prämie ist in erster Linie abhängig von der Bonität des Schuldners, der Laufzeit des CDS und der Definition des Kreditereignisses. Typische Kreditereignisse sind das Erreichen eines 90-tägigen Zahlungsverzuges oder der Antrag auf Insolvenz. Zudem besteht die Möglichkeit als Referenzwert nicht nur einen Schuldner abzubilden, sondern ein Portfolio an Schuldnern. Hierbei ist zu beachten, dass ein CDS mit Portfolio-Basiswert erst ab einer bestimmten Anzahl an Ausfällen greift, man nennt diese Produkte deshalb n´th-to-default-Produkte. Eine andere Möglichkeit zur Absicherung der Kreditbeziehung mehrerer Schuldner ist die Tranchierung der Portfolios in eine bestimmte Reihenfolge, diese Methode wird bei Verbriefungsstrukturen sehr häufig angewendet. Auf diesen Sachverhalt wird allerdings in Kapitel

[...]


[1] Vgl. BURGHOF, H./ HENKE, S. (2005): Seite 105

[2] Vgl. BIZ (2005): Seite 77f.

[3] Vgl. ERBER, G. (2008): Seite 670

[4] Vgl. RICKEN, S. (2008): Seite 21

[5] Vgl. RUDOLPH, B. et al. (2007): Seite 21

[6] Vgl. JOBST, A. (2008): What is Securitization? (26.01.14)(online) http://www.imf.org/external/pubs/ft/fandd/2008/09/basics.htm

[7] Vgl. Deutsche Bundesbank (1997): Seite 1

[8] Vgl. BARTMANN, B. et al. (2009): Seite 127

[9] Vgl. RICKEN, S. (2008): Seite 23

[10] Vgl. JORTZIK, S. (2005): Seite 28

[11] Vgl. KOTHARI, V. (2006): Seite 70f.

[12] Vgl. International Finance Corporation (o. Jg.): How Warehouse Line of Credit Works. (online)(16.02.14) http://www.ifc.org/wps/wcm/connect/ca0c538049586197a70ab719583b6d16/HF-WHL.pdf?MOD=AJPERES

[13] Vgl. Deutsche Bundesbank (2007): Seite 34

[14] Vgl. RUDOLPH, B. et al. (2007): Seite 49

[15] Vgl. Österreichische Nationalbank (2004): Seite 43

[16] Vgl. Ebenda Seite 42f.

[17] Vgl. RUDOLPH, B. et al. (2007): Seite 50

[18] Vgl. Ebenda Seite 50

[19] Vgl. Association of Financial Guaranty Insurers (o. Jg.): The Basics. (online)(22.02.14) http://www.afgi.org/who-fact.htm

[20] Vgl. BÖHRINGER, M. et al. (2001): Seite 14

[21] Vgl. EBBERG, J. (1997): Seite 20

[22] Vgl. RICKEN, S. (2008): Seite 33

[23] Vgl. Kapitel 3

[24] Vgl. RICKEN, S. (2008): Seite 24

[25] Vgl. Emse, C. (2005): Seite 35

[26] Vgl. Tec 7 (o. Jg.): Entwicklungen von ABS in Deutschland und Europa. (online)(02.03.14) http://www.tec7-factoring.de/studien/bilanzrating/asset-backed-securities/entwicklungen-von-abs-in-deutschland-und-europa.html

[27] Vgl. RUDOLPH, B. et al. (2007): Seite 65

[28] Vgl. folgende Ausführungen Deutsche Bundesbank (2004): Seite 28

[29] Vgl. Ebenda Seite 30

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Evaluierung von Kreditverbriefungen aus der Sicht von Kreditinstituten
Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Dresden
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
38
Katalognummer
V287914
ISBN (eBook)
9783656881728
ISBN (Buch)
9783656881735
Dateigröße
1845 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
evaluierung, kreditverbriefungen, sicht, kreditinstituten
Arbeit zitieren
Roman Safronov (Autor:in), 2014, Evaluierung von Kreditverbriefungen aus der Sicht von Kreditinstituten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287914

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