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Professionelles Handeln: Oevermanns Theorie und die Professionalisierung in der Pflege

Titel: Professionelles Handeln: Oevermanns Theorie und die Professionalisierung in der Pflege

Akademische Arbeit , 2005 , 33 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Michael Schwenk (Autor:in)

Pflegewissenschaft - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Oevermann wendet sich in seiner 1997 veröffentlichten „Theoretischen Skizze einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns" deutlich von den klassischen Professionstheorien ab, da sie sich seiner Meinung nach mit der Darlegung der institutionellen Erscheinungsformen der relativen Autonomie der Professionen begnügen, anstatt zu erfassen, woraus sie sich herleiten lassen, nämlich aus der „von ihnen typischerweise zu lösenden Handlungsprobleme zurückzuführende handlungslogische Notwendigkeit" (Oevermann 1997, S.70). Mit anderen Worten gesagt: Oevermann betrachtet sozusagen die berufliche Tätigkeit von innen heraus, anstatt äußere Merkmale als Kriterien zur Einstufung von Professionen heranzuziehen. Zugleich wendet er sich gegen die gegenwärtige Soziologie, da sie Professionen mit Expertentum und Professionalisierung mit Expertisierung gleichsetzt, obwohl schon nachgewiesen sei, dass mit einer Expertisierung auch eine Deprofessionalisierung verbunden ist.

Den Kern professionellen Handelns bildet in den therapeutischen Berufen das Arbeitsbündnis, auf welches die klassische Professionalisierungsstheorie überhaupt nicht eingeht:
Der klassischen Professionalisierungstheorie fehlt diese Fundierung im Arbeitsbündnis. Deshalb bleibt sie auch gegenüber den bloß ideologiekritischen Betrachtungen von professionalisiertem Handeln und von Professionen als überkommenen Privilegienausformungen und ständischen Relikten angreifbar (Oevermann 1997, S.134).
Dieses Arbeitsbündnis wird ausführlicher vorgestellt, weil es Hinweise geben kann, welche Voraussetzungen der Berufsgruppe der Pflegenden fehlen und welche Anforderungen sich im Hinblick auf den Professionalisierungsprozess ergeben können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Ableitungen

2.1 Die Foci professionalisierten Handelns

2.2 Der Focus Wissenschaft

2.3 Der Focus Therapie – das therapeutische Arbeitsbündnis

3 Die doppelte Professionalisierung und Professionalisierungsbedürftigkeit

4 Welche Berufe sind nun professionalisierungsbedürftig?

5 Professionalisierung im Kontext aktueller Entwicklungen der Pflegeausbildungen in Deutschland

5.1 Zum Stand der Akademisierung der Pflege

5.2 Zum Stand der klassischen Pflegeausbildung an Fachschulen

5.3 Bewertung der vorgestellten Entwicklungen

5.4 Wie kann professionalisiertes Handeln in die Praxis gelangen?

6 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Professionalisierung der Pflege auf Grundlage der Theorie des professionalisierten Handelns von Ulrich Oevermann. Dabei wird untersucht, inwiefern aktuelle Reformen in der deutschen Pflegeausbildung den Anforderungen an eine echte Professionalisierung – definiert durch die Verbindung von wissenschaftlichem Wissen und hermeneutischem Fallverstehen im Arbeitsbündnis – gerecht werden.

  • Oevermanns Theorie des professionalisierten Handelns
  • Strukturlogik des therapeutischen Arbeitsbündnisses
  • Konzept der doppelten Professionalisierung
  • Akademisierung und Reformtendenzen der Pflegeausbildung
  • Kritische Bewertung der Praxisrelevanz aktueller Ausbildungsmodelle

Auszug aus dem Buch

2.1 Die Foci professionalisierten Handelns

Oevermann versucht im Anschluss daran herauszufinden, auf welche Lebensbereiche sich dieser Problemlösungsprozess bezieht. Er unterscheidet dabei drei „funktionale Foci des professionalisierten Handelns“:

„Die Aufrechterhaltung und Gewährleistung einer kollektiven Praxis von Recht und Gerechtigkeit im Sinne eines die jeweils konkrete Vergemeinschaftung konstituierenden Entwurfs“;

Die Aufrechterhaltung und Gewährleistung von leiblicher und psychosozialer Integrität des einzelnen im Sinne eines geltenden Entwurfs der Würde des Menschen“;

Die methodisch explizite Überprüfung von Geltungsfragen und –Ansprüchen unter der regulativen Idee der Wahrheit (Oevermann 1997, S.88).

Auf der ersten Ebene geht es um Konsensbeschaffung: Um eine gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten, braucht es spezifische Instanzen. Dafür zuständig ist in der modernen Gesellschaft unter der Bedingung der staatlichen Gewaltenteilung das rechtspflegerische Handeln: „Ihm liegt als Fokus die Aufrechterhaltung des praktischen Konsens über Recht und Gerechtigkeit zugrunde (ebd. S.91).

Auf der zweiten Ebene geht es um die Beschaffung von therapeutischem Potenzial. Wird die leibliche oder psychosoziale Integrität eines Individuums beschädigt, dann muss die Gesellschaft therapeutische Maßnahmen zur Wiederherstellung dieser Integrität bereithalten.

Auf der dritten Ebene geht es um die Wahrheitsbeschaffung. Historisch betrachtet hat sich das Wissen mit zunehmender gesellschaftlicher Differenzierung und Spezialisierung entwickelt. Erst mit der Institutionalisierung der Erfahrungswissenschaften kann man aber erst von einer Professionalisierung wissenschaftlichen Handelns reden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt Oevermanns Ansatz einer revidierten Theorie des professionalisierten Handelns vor und betont die Bedeutung des therapeutischen Arbeitsbündnisses als Kern professionellen Handelns.

2 Theoretische Ableitungen: In diesem Kapitel werden die Grundlagen von Oevermanns Theorie, insbesondere die Autonomie der Lebenspraxis und die drei funktionalen Foci (Recht, Therapie, Wissenschaft), erläutert.

3 Die doppelte Professionalisierung und Professionalisierungsbedürftigkeit: Hier wird der Prozess beschrieben, wie Experten zunächst wissenschaftlich geschult werden und diese Distanz zur Praxis im Arbeitsbündnis durch Fallverstehen wieder überwinden müssen.

4 Welche Berufe sind nun professionalisierungsbedürftig?: Das Kapitel diskutiert, wie Oevermanns Theorie dazu beitragen kann, den Unterschied zwischen authentischen Professionen und Pseudo- oder Semi-Professionen präziser zu fassen.

5 Professionalisierung im Kontext aktueller Entwicklungen der Pflegeausbildungen in Deutschland: Eine kritische Analyse der Akademisierungstendenzen und Reformprojekte in der Pflege, wobei die Diskrepanz zwischen Theorie und praktischer Umsetzung beleuchtet wird.

6 Schluss: Das Fazit stellt fest, dass die Pflege trotz Statusaufwertungen eine Semi-Profession bleibt und für eine echte Professionalisierung eine grundständige akademische Ausbildung zwingend erforderlich ist.

Schlüsselwörter

Professionalisierung, Pflege, Ulrich Oevermann, Arbeitsbündnis, Pflegewissenschaft, Akademisierung, Fallverstehen, Doppel-Professionalisierung, Semi-Profession, Pflegeausbildung, Theorie-Praxis-Transfer, Professionstheorie, Gesundheitswesen, Fallarbeit, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, unter welchen Bedingungen die Pflegeberufe nach der Theorie von Ulrich Oevermann als echte Professionen gelten können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die professionstheoretischen Grundlagen, das Konzept des Arbeitsbündnisses, die doppelte Professionalisierung sowie der aktuelle Stand der deutschen Pflegeausbildung und deren Reformbemühungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem theoretischen Anspruch an professionalisiertes Handeln und den realen Bedingungen der deutschen Pflegepraxis und -ausbildung aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf der theoretischen Analyse und Anwendung des strukturlogischen Ansatzes von Oevermann auf den pflegerischen Berufsstand.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine theoretische Herleitung der Professionalisierung, gefolgt von einer detaillierten Bewertung aktueller Ausbildungsmodelle und der Frage, wie wissenschaftliches Wissen effektiv in die Pflegepraxis integriert werden kann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Professionalisierung, Arbeitsbündnis, Pflegewissenschaft, Akademisierung und Fallverstehen.

Warum stuft Oevermann die Medizin als vollständig professionalisiert ein, während die Pflege eine Semi-Profession bleibt?

Oevermann begründet dies historisch und strukturell mit der starken akademischen Fundierung der Medizin, während er bei der Pflege Defizite in der Verbindung von theoretischem Habitus und dem spezifischen Fallverstehen im Arbeitsbündnis sieht.

Wie bewertet der Autor die Rolle von „Pflegeberatern“ in Patientenfallkonferenzen?

Der Autor sieht diese als nur bedingt geeignet an, da sie die tieferliegenden strukturellen Defizite in der akademischen Ausbildung nicht kompensieren können und ihre Funktion als „Dolmetscher“ nur eine Übergangslösung darstellt.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Professionelles Handeln: Oevermanns Theorie und die Professionalisierung in der Pflege
Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
1,3
Autor
Michael Schwenk (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
33
Katalognummer
V287953
ISBN (eBook)
9783656880226
ISBN (Buch)
9783656880899
Sprache
Deutsch
Schlagworte
professionelles handeln oevermanns theorie professionalisierung pflege
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Schwenk (Autor:in), 2005, Professionelles Handeln: Oevermanns Theorie und die Professionalisierung in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287953
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Leseprobe aus  33  Seiten
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