Die Zahl russischer Touristen steigt seit Jahren kontinuierlich an. Trotzdem ist sowohl die Anzahl reisender Russen als auch ihr Anteil am Gesamttourismus nach wie vor sehr gering. So betrug beispielsweise der Anteil der Nächtigungen russischer Gäste im Jahr 2009 in Österreich, das mit einem Marktanteil von 30 % zu einem der beliebtesten Urlaubsländer russischer Touristen zählt, lediglich 1,1 %. Dennoch scheinen die Printmedien nicht müde zu werden, über russische Touristen zu berichten. In dieser Arbeit wird ein Korpus von Printmedien der Kritischen Diskursanalyse unterzogen. Dabei sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden:
Wie hat sich der Diskurs entwickelt? Über welche Themen wird im Zusammenhang mit russischen Touristen berichtet? Wie werden russische Touristen von den einzelnen Printmedien mithilfe sprachlich-rhetorischer Mittel und inhaltlich-ideologischer Aussagen dargestellt?
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 METHODE
3 KORPUS
4 DISKURSVERLAUF UND DISKURSSTRÄNGE IM ALLGEMEINEN
5 DIE BLATTLINIEN IM EINZELNEN
5.1 Der Spiegel
5.2 Der Standard
5.3 Die Presse
5.4 Die Welt
5.5 Focus
5.6 Kleine Zeitung
5.7 Kronen Zeitung
5.8 News
5.9 Stern
5.10 Sueddeutsche Zeitung
5.11 Wirtschaftsblatt
6 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert mittels der Methode der Kritischen Diskursanalyse, welches mediale Bild von russischen Touristen in ausgewählten österreichischen und deutschen Printmedien zwischen 2004 und 2010 vermittelt wird. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich der Diskurs entwickelt hat, welche Themenfelder im Zentrum der Berichterstattung stehen und wie verschiedene Printmedien sprachlich sowie inhaltlich-ideologisch auf russische Gäste reagieren.
- Kritische Diskursanalyse als methodisches Instrument
- Analyse des Diskursverlaufs und zentraler Diskursstränge
- Vergleich der Berichterstattung zwischen österreichischen und deutschen Medien
- Untersuchung der wirtschaftlichen Darstellung vs. des Diskurses um "schlechtes Benehmen"
- Einordnung der "Russen-Quote" in Kitzbühel als diskursives Ereignis
Auszug aus dem Buch
5.1 Der Spiegel
Der Spiegel widmete den längsten der vier untersuchten Artikel der russischen Ausgabefreudigkeit, Liebe zum Luxus und dem Reichtum russischer Touristen. In diesem Artikel werden russische Touristen hauptsächlich als verschwenderische Preistreiber charakterisiert. Dies erfolgt durch die Nennung zahlreicher Luxus-Marken (zB Chanel, Louis Vuitton) und –Artikel (zB Porsche Cayenne, Grand-Suite-Imperial), die russische Touristen bevorzugt konsumieren würden. Der Großteil der in diesem Artikel verwendeten Adjektiva, die russische Touristen näher beschreiben, stehen in direktem Zusammenhang mit Geld: zahlungskräftig, gutbetucht, ausgabefreudig, reich etc. Dass russische Touristen nicht nur über viel Geld verfügen, sondern dies auch bedenkenlos ausgeben, wird durch Aussagen wie „gekauft wird, was gefällt“, „Geld spielt keine Rolle“ oder „lassen es richtig krachen“ induziert.
Ein Artikel der Zeitschrift ist der von Kitzbühel angedachten Russen-Quote gewidmet. Auch in diesem Artikel finden sich einige Äußerungen, die russische Gäste als Preistreiber charakterisieren und die mögliche Quote rechtfertigen sollen. Erstmals wird auch das (vermeintlich) schlechte Benehmen dieser Gästeschicht angesprochen. Dies wird zwar mit der Aussage „ihnen werden schlechte Manieren vorgeworfen“ relativiert, es finden sich aber auch Aussagen, die keinen Zweifel am schlechten Benehmen russischer Touristen lassen (zB „anstößiges Gebaren“, „gefürchtete Rubel-Millionäre“). Konkrete Beispiele schlechten Verhaltens seitens russischer Gäste werden allerdings nicht genannt. Weiters wird wiederum der verschwenderische Umgang mit Geld kritisiert („ein Milliönchen mehr oder weniger kratzt sie kaum“). Vor allem die Aussage, „Russen mit viel Geld, aber schlechten Manieren [sind] in den 8500-Seelen-Ort [Kitzbühel] eingefallen“ ist eindeutig negativ konnotiert und induziert, russische Touristen seien gewaltsam und überfallsartig in das Land bzw. den Ort eingedrungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in das Thema, die Relevanz der Untersuchung sowie die Vorstellung der Forschungsfragen und der methodischen Herangehensweise.
2 METHODE: Darstellung der theoretischen Grundlagen der Kritischen Diskursanalyse und deren Anwendung als Instrument zur Macht- und Diskursanalyse.
3 KORPUS: Beschreibung der Datengrundlage, des Umfangs des Korpus (112 Artikel) sowie der Kriterien für die Auswahl der untersuchten Printmedien.
4 DISKURSVERLAUF UND DISKURSSTRÄNGE IM ALLGEMEINEN: Analyse der allgemeinen Entwicklung der Berichterstattung und der zeitlichen sowie saisonalen Verteilung der Diskursstränge.
5 DIE BLATTLINIEN IM EINZELNEN: Detaillierte Untersuchung der spezifischen Berichterstattung und der sprachlichen Charakterisierung russischer Touristen für jedes der elf analysierten Medien.
6 ZUSAMMENFASSUNG: Fazit der Ergebnisse hinsichtlich der Unterschiede in der Berichterstattung zwischen österreichischen und deutschen Printmedien sowie der Rolle medialer Konstruktionen.
Schlüsselwörter
Kritische Diskursanalyse, russische Touristen, Printmedien, Tourismuswirtschaft, Russen-Quote, Diskursstränge, Medienberichterstattung, Kitzbühel, Ausgabefreudigkeit, Stereotype, Bild von Russland, Diskursverlauf, interkulturelle Kommunikation, Reiseverhalten, Machtwirkung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht, wie russische Touristen in der Berichterstattung österreichischer und deutscher Printmedien im Zeitraum von 2004 bis 2010 dargestellt wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben dem wirtschaftlichen Stellenwert russischer Gäste stehen insbesondere die Rezeption der "Russen-Quote" in Kitzbühel, Fragen des Benehmens sowie die Verwendung spezifischer Vokabulare im Fokus.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welches Bild russischer Touristen über die untersuchten Printmedien verbreitet wird und wie sich dieses durch sprachlich-rhetorische Mittel konstituiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf der Methode der Kritischen Diskursanalyse, um sowohl die inhaltliche Darstellung als auch die Machtwirkungen der Diskurse sichtbar zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen allgemeinen Teil zum Diskursverlauf und einen detaillierten Teil, der elf spezifische Printmedien hinsichtlich ihrer Blattlinie und Berichterstattung analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Kritische Diskursanalyse, Diskursstränge, Tourismus, Medienrezeption und die medialen Konstruktionen russischer Gäste als wirtschaftlicher Faktor oder kulturelles "Andere".
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung zwischen österreichischen und deutschen Medien?
Österreichische Medien betonen häufiger den positiven wirtschaftlichen Nutzen, während deutsche Medien tendenziell stärker zu einer negativen Darstellung neigen und die "Russen-Quote" eher mit Verständnis kommentieren.
Warum wird im Kontext der Berichterstattung oft militärischer Wortschatz verwendet?
Die Analyse zeigt, dass Begriffe wie "Invasion", "Ansturm" oder "erobern" besonders in deutschen Medien genutzt werden, was auf latente Ängste und die Fortdauer historischer Stereotype hindeutet.
- Citar trabajo
- Bakk. MA Carmen Peresich (Autor), 2011, Russische Touristen im Diskurs ausgewählter österreichischer und deutscher Printmedien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287958