The Attentional Blink. Eine Studie über das Auftreten des Aufmerksamkeitsblinzelns

Replikation im Rahmen des Experimentalpraktikums


Hausarbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Theorie
1.1 Hypothesen.

2. Methoden
2.1 Versuchspersonen.
2.2 Versuchsablauf.
2.3 Versuchsaufbau.

3. Ergebnisse

4. Diskussion

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Theorie

In vier Experimenten untersuchten Raymond, Shapiro & Arnell (1992) das Phänomen des Attentional Blinks. Mit Attentional Blink, im Deutschen auch Aufmerksamkeitsblinzeln genannt, wird ein sehr kurzes Aufmerksamkeitsdefizit bezeichnet, welches bei RSVP-Aufgaben (Rapid Serial Visual Presentation) auftritt. Hierunter versteht man eine schnell aufeinanderfolgende visuelle Präsentation von Stimuli, die stets an der gleichen räumlichen Stelle auftauchen. Es wird von der An­nahme ausgegangen, dass direkt nach der Präsentation eines primären Reizes, keine weiteren Reize verarbeitet werden können. Dieses Phänomen ist auch unter dem Namen Refraktärperiode bekannt. Diese Refraktärperiode ist umso länger, je kürzer der Zeitabstand zwischen den beiden präsentierten Reizen ist.

In ihrem zweiten Experiment verwendeten Raymond et al. (1992) im Durchschnitt 20 schwarze Buchstaben, die im Abstand von 90 ms an der jeweils gleichen Stelle eines Bildschirms hintereinander auftauchten. Die nicht zu identifizierenden Stimuli werden als Distraktoren bezeichnet. Zielreize besitzen mindestens ein Differenzierungs­merkmal, wie zum Beispiel eine andere Farbe, oder gehören einer anderen Kategorie als die anderen Stimuli an (Harris, Benito & Dux, 2010). In der Experimentalbedingung sollte ein erster Zielreiz (Target), bei dem es sich um einen in eine Sequenz einge­betteten weißen Buchstaben handelte, identifiziert werden. Ein zweiter Zielreiz (Probe), ein schwarzes „X“, wurde an einer variablen seriellen Position nach dem Target präsentiert. Der Probe konnte an acht Stellen nach dem Target dargestellt werden. Da die Reize in regelmäßigen Abständen von 90 ms präsentiert wurden, konnte der Probe in einer Zeitspanne von minimal 90 ms bis maximal 720 ms Verzögerung angezeigt werden. In der Kontrollbedingung wurden die Probanden dazu instruiert die Farbe des Targets zu ignorieren, da eine Identifikation nicht erforderlich war. In beiden Be­dingungen sollte anschließend eine Entscheidung getroffen werden, ob der Probe, also der Buchstabe „X“, vorhanden war oder nicht.

Schon in unveröffentlichten Arbeiten von Frankish (1977) gab es Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Entdeckung eines zweiten Zielreizes innerhalb einer RSVP-Sequenz durch den vorangegangenen ersten Zielreiz. Diese Hinweise wurden durch die Ergebnisse von Raymond et al (1992) verifiziert. Nach der genauen Identifikation der Targets wurden die Probes nur mangelhaft während eines 270 ms-Intervalls, ab 180 ms nach dem Target, entdeckt. Der Attentional Blink tritt also 180 ms nach der Identifi­kation des Targets auf und besitzt eine Dauer von mindestens 270 ms. In dieser Zeit­spanne ist es kaum möglich einen zweiten Zielreiz wahrzunehmen. Es wird davon ausgegangen, dass der beeinträchtigten Verarbeitung des Probes eine Limitation der selektiven Aufmerksamkeit zugrunde liegt. Nach der Entdeckung des ersten Zielreizes ist eine attentionale Verarbeitung zur genauen Identifikation des Zielreizes erforderlich. Während ein erster Zielreiz verarbeitet wird, kann Aufmerksamkeit nicht auf einen zweiten Zielreiz gelenkt werden, dieser wird folglich übersehen (Karnath & Thier, 2012).

Bei dieser Replikation des Attentional Blinks wurde aus zeitlichen und ökonomi­schen Gründen auf eine Kontrollgruppe verzichtet. Stattdessen liegt der Fokus dieser Replikation auf den Fehlern der Targetidentifikation. Allgemein versteht man unter einem Fehler der Targetidentifikation die fälschliche Nennung eines Distraktors als Zielreiz. Man unterscheidet hierbei zwei Arten von Fehlern, die Pretarget Fehler und die Posttarget Fehler. Bei einem Pretarget Fehler gibt man das zu benennende Merk­mal des Items an, welches dem Target unmittelbar vorangegangen ist. Im Gegensatz dazu gibt man bei einem Posttarget Fehler das zu beschreibende Merkmal des Stimulus an, welches unmittelbar nach dem Target folgte (Raymond et al., 1992). Man geht davon aus, dass die Verarbeitung eines Targetmerkmals über die physikalisch präsente Zeit hinausreicht. Das Auftreten von Posttarget Fehlern wird so interpretiert, dass die Target-identifizierung in zwei Stadien abläuft. Zuerst gibt es eine Initialphase, in der die target-spezifizierende Eigenschaft, in diesem Fall die weiße Farbe, entdeckt wird. In der darauffolgenden Phase wird das zu benennende Merkmal des Targets identifiziert, also um welchen Buchstaben es sich handelt. Wird das zu benennende Merkmal identifiziert während andere Buchstaben präsent sind, treten Posttarget Fehler auf (Raymond et al., 1992).

Da aus früheren Studien bekannt ist, dass die vollständige Targetidentifizierung in den meisten Durchgängen nach etwa 100 ms abgeschlossen ist (Gathercole & Broad-bent, 1984), hat man in dieser Replikation die Abstände zwischen den einzelnen Buch-staben bewusst von 90 ms auf 100 ms erhöht, um die Posttarget Fehler so weit wie möglich zu reduzieren. Da Posttarget Fehler in der Untersuchung von Raymond et al. (1992) zu 11% aufgetreten sind, hofft man, dass diese Fehler mit der Veränderung der Abstände zwischen den Buchstaben in dieser Replikation in geringerer Häufigkeit auftreten.

1.1 Hypothesen.

Die Hypothesen dieser Replikation des Attentional Blinks lauten, dass

1. die Erkennungsleistung eines vollständig definierten Stimulus „X“ abhängig von dessen Position in der RSVP-Reihe unterschiedlich stark durch eine vorherige Targetidentifizierung beeinflusst wird,
2. die Erkennungsleistung am schwächsten sein wird, wenn der Probe an den Stellen zwei und drei nach dem Target dargeboten wird (2a) und die Erkennungsleistung mit jeder weiteren Stelle wieder zunimmt (2b), die Pretarget Fehler nicht auftreten (3a) und die Posttarget Fehler zu weniger als 11% auftreten (3b).

2. Methoden

2.1 Versuchspersonen.

Insgesamt 104 Personen nahmen freiwillig an dieser Versuchsreihe teil, darunter waren 75 weibliche Teilnehmerinnen und 29 männliche Teilnehmer. Die Probanden gliederten sich auf in 40% Psychologiestudenten des ersten und dritten Semesters der Bergischen Universität Wuppertal und 60% Personen aus dem Bekanntenkreis der Versuchsleiter. Das Durchschnittsalter betrug 28,5 Jahre (σ=14; min=17, max=72).

2.2 Versuchsablauf.

Die Psychologiestudenten führten die Versuchsreihe in Räumen der Universität durch, in denen mehrere Computer zur Verfügung standen. Die übrigen Teilnehmer nahmen einzeln in ruhiger, häuslicher Umgebung an der Versuchsreihe teil. Insgesamt gab es zehn Versuchsleiter.

Das Experiment wurde zur Überprüfung der Deutlichkeit der Instruktionen in Probedurchgängen mit freiwilligen Testpersonen, die hinterher nicht mehr am fertigen Experiment teilnahmen, getestet. Zusätzlich konnten durch zahlreiche Selbstversuche auch technische Probleme ausgeschlossen werden.

Das Experiment wurde aus ökonomischen Gründen zusammen mit drei anderen Experimenten zu einer Versuchsreihe zusammengefügt. Für die Programmierung wurde Inquisit 3 verwendet. Die Durchführung der Untersuchung erfolgte also vollständig computergestützt. Zunächst wurden in einem kurzen Fragebogen demographische Daten erhoben. Danach folgte in der insgesamt vierteiligen Versuchsreihe an zweiter Stelle der Attentional Blink. Dieser Teil der Versuchsreihe nahm etwa 15 Minuten in Anspruch.

Wie bei der Untersuchung von Raymond et al. (1992) wurde ein experimentelles Versuchsdesign mit Messwiederholungen benutzt. Jede Versuchsperson wurde auf jeder Position des Probes getestet.

2.3 Versuchsaufbau.

Jede Versuchsperson nahm an der aus 100 Durchgängen bestehenden Experi­mentalbedingung teil. In jedem Durchgang wurde den Versuchspersonen in kurzen Abständen 13, sich nicht wiederholende, Buchstaben schwarz auf weiß präsentiert. Alle 26 Buchstaben aus dem Alphabet konnten in diesem Experiment auftauchen. Die Buchstaben wurden in zufälliger Reihenfolge präsentiert mit der Bedingung, dass keiner dieser Buchstaben zweimal innerhalb eines Durchgangs dargeboten wurde. Jeder Stimulus wurde für 99 ms präsentiert mit einem Interstimulusintervall von 100 ms. Jeder Buchstabe wurde einzeln an derselben Position in der Mitte einer weißen Fläche gezeigt und hatte eine Größe von etwa 3x3cm. Alle Buchstaben erschienen in schwarzer Farbe mit Ausnahme des rot formatierten Targets. Bei jedem Durchgang gab es vier Buchstaben, die dem Target vorangestellt waren und acht Buchstaben, die nach dem Target dargeboten wurden. In 80% der Durchgänge war ein Probe in Form eines schwarzen „X“ an einer der seriellen Positionen nach dem Target vorhanden, in 20% der Durchgänge wurde kein Probe eingearbeitet. Die Anzeige eines Probes erfolgte nie vor dem Target und nie zweimal in einer Buchstabenreihe. Der Probe wurde zehn Mal an jeder Position nach dem Target präsentiert, somit gab es 80 positive Durchgänge und 20 negative Durchgänge, bei denen kein Probe vorhanden war. Da die Reize in regel­mäßigen Abständen von 100 ms präsentiert wurden, konnte der Probe von minimal 100 ms bis maximal 800 ms Verzögerung visualisiert werden. Jeder Durchgang begann mit einem schwarzen Fixationskreuz, welches 500 ms angezeigt wurde. Nach jeder Buchstabenreihe erschien die Frage, welcher Buchstabe rot angezeigt worden war. Die Probanden konnten mit allen 26 Buchstaben aus dem Alphabet ohne Zeitdruck durch Druck auf die jeweilige Taste der Tastatur antworten. Nachdem sie die erste Frage beantwortet hatten, erschien die zweite Frage, ob ein „X“ vorhanden war. Auch diese Frage konnten die Probanden ohne Zeitdruck mit den Tasten „j“ und „n“ beantworten. Dies sollte zu Assoziationen mit den deutschen Wörtern „ja“ und „nein“ führen und die Antwortreaktion erleichtern. Nachdem die zweite Frage beantwortet wurde, begann automatisch der nächste Durchgang. Die Probanden erhielten zu Beginn drei Test­durchläufe bevor die Daten gespeichert wurden. Bei diesen Testdurchgängen bekamen die Versuchspersonen eine entsprechende Rückmeldung vom Programm, ob ihre Antworten richtig oder falsch waren, um ein Gespür für diese Aufgabe zu entwickeln. Nachdem die Testpersonen die Übungsphase durchlaufen hatten, wurden sie noch einmal mit den Instruktionen vertraut gemacht und darauf hingewiesen, dass das Experiment nun beginnen würde. Zudem wurden sie gebeten, sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren, bei der es nun keine Rückmeldungen durch das Programm mehr geben würde. Das Experiment wurde in drei Blöcke aufgeteilt, sodass die Probanden nach jedem Drittel eine Gelegenheit zur Pause erhielten, dessen Ende sie mit einem Mausklick selbst bestimmen konnten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
The Attentional Blink. Eine Studie über das Auftreten des Aufmerksamkeitsblinzelns
Untertitel
Replikation im Rahmen des Experimentalpraktikums
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Experimentalpraktikum
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V287967
ISBN (eBook)
9783656884040
ISBN (Buch)
9783656884057
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Expra, Experimentalpraktikum, Attentional Blink
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, The Attentional Blink. Eine Studie über das Auftreten des Aufmerksamkeitsblinzelns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287967

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