IFRS 11. Standards zur internationalen Rechnungslegung und Bilanzierung für Unternehmen

Abgrenzung und Auswirkungen anhand von Fallbeispielen


Seminararbeit, 2014

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Allgemeines zu IFRS 11
2.1 Das Ziel der Umsetzung von IFRS 11
2.2 Kurze Begriffsdefinitionen von gemeinsamer Vereinbarung (Joint Arrangement)

3 Abgrenzung und Bilanzierung von gemeinsamen Vereinbarungen im Konzernabschluss
3.1 Abgrenzungskriterien von Joint Operation und Joint Venture
3.1.1 Struktur von Joint Arrangements
3.1.2 Die rechtliche Form eines Joint Arrangements
3.1.3 Vertragliche Vereinbarungen eines Joint Arrangements
3.1.4 Sonstige Tatsachen bzw. Umstände
3.2 Bilanzierung von gemeinsamen Vereinbarungen
3.2.1 Bilanzierung von Joint Operation
3.2.2 Bilanzierung von Joint Venture
3.3 Anwendbarkeit und vorzeitige Anwendung

4 Diskussion der Auswirkungen aus der Abgrenzung von Joint Arrangements unter Heranziehung von Fallbeispielen
4.1 Fallbeispiel 1: Liegt eine gemeinsame Führung vor?
4.2 Fallbeispiel 2: Unternehmen eines Joint Arrangements, das an der gemeinsamen Führung nicht beteiligt ist, aber einen Output abnimmt
4.3 Fallbeispiel 3: Ein Rahmenvertrag für mehrere Joint Arrangements mit einer Abnahmeverpflichtung über den vollständigen Output

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

Der IFRS 11 legt neue Grundsätze für Unternehmen zur internationalen Rechnungslegung fest. Genaue Begriffsdefinitionen und die neue Abgrenzung anhand von Rechten an Vermögenswerten und Pflichten aus Schulden von gemeinsamen Vereinbarungen werden dargestellt, sowie die daraus resultierende Bilanzierung im Einzel- und Konzernabschluss festgelegt.

Obwohl die Anwendung des neuen Standards seit dem 01.01.2013 verpflichtend ist, gibt es vielerorts noch Unklarheiten bzw. unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Klassifizierung und der anschließenden Bilanzierung von gemeinsamen Vereinbarungen. Im Folgenden sollen die Abgrenzungskriterien aufgezeigt und eine Auswahl sich daraus ergebender Auswirkungen anhand von Fallbeispielen erläutert werden.

2 Allgemeines zu IFRS 11

2.1 Das Ziel der Umsetzung von IFRS 11

Der Standard soll Rechnungslegungsgrundsätze von Unternehmen festlegen, „die an gemeinschaftlich geführten Vereinbarungen […] beteiligt sind“.1

Unter anderem soll das oben genannte Ziel, durch die Begriffsdefinition von gemeinschaftlicher Führung erreicht werden. Außerdem wird beteiligten Unternehmen vorgeschrieben, wie sie die Art der gemeinschaftlichen Vereinbarung zu ermitteln haben. Hierzu werden die Rechte und Pflichten der beteiligten Unternehmen beurteilt und entsprechend der jeweiligen Art der gemeinschaftlichen Vereinbarung bilanziert.2 Somit ist die bilanzielle Darstellung von gemeinsamen Vereinbarungen im Einzel- und Konzernabschluss Gegenstand des IFRS 11.3

2.2 Kurze Begriffsdefinitionen von gemeinsamer Vereinbarung (Joint Arrangement)

Ein Joint Arrangement ist eine Vereinbarung, bei der zwei oder mehr Parteien (Unternehmen) die gemeinschaftliche Führung ausüben.

Die Merkmale von gemeinsamer Vereinbarung sind,

(a) wenn Parteien auf Basis einer vertraglichen Vereinbarung gebunden sind oder
(b) wenn innerhalb der vertraglichen Vereinbarung von zwei oder mehr Parteien eine gemeinschaftliche Führung zugewiesen ist.4

Gemeinschaftliche Führung (Joint Control) bedeutet, die vertraglich vereinbarte und gemeinsam ausgeübte Führung eines Arrangements. Nur wenn Entscheidungen über die maßgeblichen Tätigkeiten eine einstimmige Zustimmung der beteiligten Parteien benötigen, besteht gemeinschaftliche Führung.5 Zur Überprüfung, ob gemeinsame Führung und somit ein Joint Arrangement vorliegt, hilft folgende Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beurteilung Joint Arrangement (modifiziert)6

Nach IFRS 10.10 sind maßgebliche Tätigkeiten solche, „die die Rückflüsse aus einer Vereinbarung wesentlich beeinflussen“.7 Maßgebliche Geschäftsaktivitäten sind unter anderem, das Kaufen und Verkaufen von Waren und/oder Dienstleistungen, das Verwalten von finanziellen Vermögenswerten über ihre Laufzeit, die Auswahl und der Kauf / Verkauf von Vermögenswerten etc.8

Die Art des Joint Arrangements muss vom eingebundenen Unternehmen bestimmt werden. Gegenstand eines Joint Arrangements können eine gemeinschaftliche Tätigkeit (Joint Operation), aber auch ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) sein. Dies ist abhängig von den Rechten und Pflichten der einzubeziehenden Partei.9

Joint Operation (gemeinschaftliche Tätigkeit)

Unternehmen, die die gemeinsame Führung der Vereinbarung ausüben, haben Rechte an Vermögenswerten und obliegen Pflichten an Schulden von gemeinsamen Aktivitäten des Joint Arrangements.10

Die beteiligten Parteien werden Joint Operators genannt.11

Joint Venture (Gemeinschaftsunternehmen)

Ist eine gemeinschaftliche Vereinbarung, „bei dem die Parteien, die die gemeinschaftliche Führung innehaben, Rechte am Reinvermögen des Joint Arrangements besitzen.“12

Die beteiligten Parteien werden Joint Venturers genannt.13

Eigenständige Vehikel besitzen eine eigenständige Finanzstruktur und umfassen eigenständige, rechtliche oder mit einem Gesellschaftsvertrag anerkannte Einheiten. Egal ob diese Einheiten eingetragen und im Besitz einer eigenen Rechtspersönlichkeit sind oder nicht.14 Durch diese offen gefasste Definition können sich Auslegungsprobleme ergeben. Kapitalgesellschaften sind als Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit immer eigenständige Vehikel. Ebenso Personengesellschaften wie die oHG und KG.15

3 Abgrenzung und Bilanzierung von gemeinsamen Vereinbarungen im Konzernabschluss

3.1 Abgrenzungskriterien von Joint Operation und Joint Venture

Der bisherige Standard IAS 31 richtete sich bei der Abgrenzung zwischen Joint Operation und Joint Ventures auf die rechtliche Einheit, in der die gemeinsame Tätigkeit durchgeführt wurde. Durch IFRS 11 soll nun die Abgrenzungen nach den Rechten und Pflichten von Vertragspartnern stattfinden. 16

Die Rechte und Pflichten eines Joint Arrangements müssen von jeder Partei beurteilt werden. Somit entscheiden die Parteien über die Klassifizierung der gemeinschaftlichen Vereinbarung unter Berücksichtigung von

der Struktur,

der Rechtsform,

soweit vorhanden vertraglichen Vereinbarungen und

sonstigen Tatsachen und Umständen17 (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Prüfschritte zur Klassifizierung eines Joint Arrangements auf Basis von Rechten und Pflichten18

3.1.1 Struktur von Joint Arrangements

Nur wenn die Charaktereigenschaften eines separaten Vehikels gegeben sind, kann es ein Gemeinschaftsunternehmen sein. Wenn nicht besteht unwiderlegbar eine gemeinsame Tätigkeit.19

Daher muss als erstes geprüft werden, ob ein eigenständiges Vehikel besteht oder nicht.

“The first factor in classifying a joint arrangement is the assessment of whether a separate vehicle exists. If yes, then further evaluation must be completed to classify the joint arrangement. However, if no separate vehicle exists, then the joint arrangement is always a joint operation.”20

Am einfachsten zu prüfen ist das Vorliegen einer eigenständigen Finanzstruktur. Hierzu finden sich Vorschläge zur Abgrenzung. Eine abgrenzbare Finanzstruktur liegt vor, wenn zum Beispiel ein eigenes Rechnungswesen oder eine eigene Finanzierung vorhanden ist21. ein gemeinsames Bank- oder Finanzierungskonto der Unter-nehmen vorhanden ist.

Eigenverantwortlichkeit zur Durchführung vom Kooperationszweck besteht. Durch das Vorliegen einer autonomen rechtlichen Einheit, wird dies begünstigt.22

3.1.2 Die rechtliche Form eines Joint Arrangements

Bei Joint Arrangements kann die Rechtsform variieren. Wichtig zu wissen ist, ob durch die rechtliche Form den Unternehmen irgendwelche Rechte an Vermögenswerten und Pflichten aus Schulden übertragen werden.23 Wäre dies der Fall, ist die Vereinbarung, wie in Abb. 1 aufgezeigt, als Joint Operation zu klassifizieren.

3.1.3 Vertragliche Vereinbarungen eines Joint Arrangements

Rechte und Pflichten von beteiligten Unternehmen ergeben sich aus gesellschaftsrechtlichen Grundlagen bzw. besonders aus der Rechtsform der gemeinschaftlichen Vereinbarung. Zusätzlich können aber auch separate Vereinbarungen getroffen werden. Sobald vertraglich irgendwelche Vermögenswertrechte oder Schuldverpflichtungen vereinbart werden, kann das Joint Arrangement nur ein Joint Operation sein.24

Man kann aber auch vertraglich festlegen, dass

gemeinsam für Schulden gehaftet wird,

eine anteilige Beteiligung am Gewinn oder Verlust besteht25 oder

alle eingebrachten oder erworbenen Vermögenswerte zur gemeinsamen Vereinbarung gehören.26

Sollte dies der Fall sein, so werden die Joint Arrangements als Gemeinschaftsunternehmen klassifiziert. Siehe 4.3 Fallbeispiel 3 oder weitere Beispiele hierzu unter IFRS 11.B27.

Somit kann man sagen, dass durch rechtliche und wirtschaftliche Kriterien die Unterscheidung zwischen gemeinsamer Tätigkeit und Gemeinschaftsunternehmen vorgenommen wird.27

3.1.4 Sonstige Tatsachen bzw. Umstände

Durch diese Rubrik „öffnet sich der IFRS 11 einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise“.28

Nur wenn vorherige Beurteilungen der Rechtsform und der vertraglichen Vereinbarungen darauf hinweisen, dass ein Joint Venture vorliegen könnte, müssen sonstige Tatsachen und Umstände geprüft werden. Es gilt zu prüfen, ob den Parteien Vermögensrechte oder Pflichten an Schulden zugewiesen sind.29

Wenn explizit keine vertraglichen Vereinbarungen getroffen wurden, in denen Unternehmen Vermögensrechte oder Schuldverpflichtungen des Joint Arrangements zugesprochen werden, müssen sonstige Tatsachen bzw. Umstände geprüft werden.30

Wenn die Unternehmen „Ansprüche auf nahezu den gesamten wirtschaftlichen Nutzen“ von Vermögenswerten des Unternehmens haben und wenn die Schulden der Partei aus regelmäßigen Zahlungseingängen der gemeinsamen Vereinbarung getilgt werden, ist das Joint Arrangement nach IFRS 11 als Joint Operation zu klassifizieren.31

Allgemein zu erwähnen gilt, dass für die konkrete Beurteilung der Parteien im Standard einige ins Detail gehende Implementierungsbeispiele für verschiedenste Wirtschaftsbereiche aufgeführt sind.32

Zu beachten ist, dass sich mit der Zeit die Klassifizierung einer gemeinschaftlichen Vereinbarung ändern kann. Somit müssen die beteiligten Unternehmen die Entscheidung der Klassifikation regelmäßig überprüfen.33 Den Parteien können bezüglich der jeweiligen Aktivitäten unterschiedliche Rechte und Pflichten zustehen. Somit kann, aus einem Joint Arrangement sowohl ein Joint Operation als auch ein Joint Venture hervorgehen.34 Siehe hierzu 4.3 „Fallbeispiel 3“.

[...]


1 IFRS 11.1

2 Vgl. IFRS 11.2

3 Graml (2014), S. 32

4 Vgl. IFRS 11.4-7

5 Vgl. IFRS 11.7

6 Vgl. Ernst & Young (2014): Applying IFRS: Challenges in adopting and applying IFRS 11, S. 10

7 PWC (2011): IFRS für die Praxis – Leitfaden zu den aktuellen Entwicklungen der IFRS mit Erläuterungen, S. 10

8 Vgl. IFRS 10.B11

9 Vgl. IFRS 11.14

10 Vgl. Zeyer, Frank (2014): Klarstellung an IFRS 11 – Wurden alle Unklarheiten restlos beseitigt?, S. 266

11 Vgl. Deloitte (2011): IFRS in Focus – IASB issues new standard on joint arrangements, S. 2

12 KPMG (2013): Accounting Insights, IFRS 11 – Joint Arrangements, S. 4

13 Vgl. Deloitte (2011): IFRS in Focus – IASB issues new standard on joint arrangements, S. 2

14 Vgl. PWC (2011): IFRS für die Praxis – Leitfaden zu den aktuellen Entwicklungen der IFRS mit Erläuterungen, S. 13

15 Vgl. KPMG (2013): Accounting Insights, IFRS 11 – Joint Arrangements, S. 18

16 Vgl. Graml (2014), S. 34

17 KPMG (2013): Accounting Insights, IFRS 11 – Joint Arrangements, S. 13

18 Vgl. KPMG (2013): Accounting Insights, IFRS 11 – Joint Arrangements, S. 14

19 Vgl. Mujkanovic/Holzapfel (2014): Klassifikation der Bau-ARGE als joint arrangement nach IFRS 11, S. 82

20 Ernst & Young (2014): Applying IFRS: Challenges in adopting and applying IFRS 11, S. 23

21 Vgl. Lüdenbach/Schubert (2012): Gemeinschaftliche Vereinbarungen (joint arrangements) nach IFRS 11 – Darstellung und kritische Würdigung des neuen Standards, S. 3

22 Vgl. Mujkanovic/Holzapfel (2014): Klassifikation der Bau-ARGE als joint arrangement nach IFRS 11, S. 82

23 Vgl. PWC (2011): IFRS für die Praxis – Leitfaden zu den aktuellen Entwicklungen der IFRS mit Erläuterungen, S. 13

24 Vgl. KPMG (2013): Accounting Insights, IFRS 11 – Joint Arrangements, S. 22

25 Vgl. IFRS 11.B27

26 Vgl. Graml (2014), S. 35

27 Vgl. Mujkanovic/Holzapfel (2014): Klassifikation der Bau-ARGE als joint arrangement nach IFRS 11, S. 82

28 KPMG (2013): Accounting Insights, IFRS 11 – Joint Arrangements, S. 28

29 Vgl. Ernst & Young (2014): Applying IFRS: Challenges in adopting and applying IFRS 11, S. 27

30 Vgl. IFRS

31 Vgl. KPMG (2013): Accounting Insights, IFRS 11 – Joint Arrangements, S. 25f

32 Vgl. KPMG (2013): IFRS 11 – Die Neuregelungen zur Bilanzierung von Joint Arrangements, S. 3

33 Vgl. KPMG (2013): Accounting Insights, IFRS 11 – Joint Arrangements, S. 16

34 Vgl. Seel (2013), S.207

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
IFRS 11. Standards zur internationalen Rechnungslegung und Bilanzierung für Unternehmen
Untertitel
Abgrenzung und Auswirkungen anhand von Fallbeispielen
Hochschule
Wissenschaftliche Hochschule Lahr
Note
1,5
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V288072
ISBN (eBook)
9783656890751
ISBN (Buch)
9783656890768
Dateigröße
805 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IFRS, IFRS 11, Internationale Rechnungslegung, Standards, Rechnungswesen, BWL
Arbeit zitieren
Markus Schenk (Autor), 2014, IFRS 11. Standards zur internationalen Rechnungslegung und Bilanzierung für Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288072

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