Säkularisierung christlicher Feste. Das Weihnachtsfest in Deutschland


Seminararbeit, 2013

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Säkularisierung der Gesellschaft
2.1 Gründe
2.2 Funktionale Differenzierung
2.3 Rolle der Religion heute

3.Das Weihnachtsfest
3.1 Das Weihnachtsfest aus christlicher Sicht
3.1.1 Ursprung
3.1.2 Bedeutung
3.2 Das Weihnachtsfest aus historischer Sicht
3.3 Das Weihnachtsfest aus gesellschaftlicher Sicht
3.3.1 Entstehung und Entwicklung
3.3.2 Tradition und Brauchtum
3.3.3 Bedeutung heute

4. Evaluierung des religiösen Bedeutungsverlusts des Weihnachtsfests

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Von keiner anderen Religion wurde Europa derart geprägt wie vom Christentum: In Kriegs- und Friedenszeiten formten von christlichen Ideen geleitete Herrscher den Kontinent, schufen christliche Vorstellungen, Moralkodizes und generierten Brauchtum. Ohne den lange währenden und tiefgreifenden Einfluss des Christentums hätte sich Europa definitiv anders entwickelt.[1] Obwohl die aktuellen Vorgaben der Europäischen Union (Art. 9 und Art. 14 EMRK) kein „bestimmtes staatskirchenrechtliches System vorschreiben“[2], so sind doch alle Mitgliedsstaaten bis heute in kultureller, sozialer, politischer oder auch wirtschaftlicher Hinsicht im Wesentlichen christlich geprägt.

Beinahe jede Kultur der Welt teilte das Jahr in verschiedene Zeitabschnitte, wobei sie sich primär durch „die unmittelbar erfahrenen zyklisch wiederkehrenden Gegebenheiten“[3] leiten ließen. Gleichsam wie der Ablauf eines Jahres bewegt sich auch der menschliche Lebenslauf im Kreis, von der Geburt bis zum Tod, und führt demnach letztendlich immer zum Ursprung zurück.[4] Insbesondere mit Blick auf das Allgegenwärtigste, die Zeit, vermochte es das Christentum durch seinen Einfluss das Leben der Menschen grundlegend zu strukturieren und durch die Einteilung in spezifische Zeitabschnitte und die Festlegung von Festen, Orientierungspunkte zu setzen.

Obwohl der Begriff des Kirchenjahres konstruiert[5] ist, so bildet dieses doch den „Grundpfeiler der Ökumene“[6]. Das Christusereignis wird über den gesamten Verlauf des Kirchenjahres aufgeteilt[7] und hält sich dabei nicht an die chronologische, in der Bibel überlieferte Reihenfolge. Es lässt sich demzufolge in zwei Zyklen einteilen: „einmal die Feste, die sich am Leben und Sterben Jesu ausrichten, es wird auch das Herrenjahr genannt, zum anderen der Heiligenkalender.“[8] Den Beginn des Kirchenjahres stellt der Erste Advent dar, das Ende der Christkönigssonntag im November.

Das Weihnachtsfest stellt einen der wichtigsten Feiertage des Kirchenjahres dar. Vielen „erscheint Weihnachten als das eigentlich christliche Fest“[9], da mit Jesus Gottes Sohn in die Welt geschickt wurde, um wie ein Licht in der Finsternis zu leuchten (Joh 1,5). Für viele Deutsche, vor allem die Kinder, ist Weihnachten ein Fest der Freude, dem das ganze Jahr ungeduldig entgegengefiebert wird. Aufgrund dieser herausragenden Stellung soll in dieser Arbeit die Säkularisierung christlicher Feste am Beispiel des Weihnachtsfestes in Deutschland untersucht werden.

Hierfür erfolgt eine Einteilung in zwei Abschnitte. In einem ersten Schritt wird die Säkularisierung der Gesellschaft dargestellt. Hierfür werden einige Gründe angeführt, die funktionale Differenzierung als Merkmal der modernisierten Gesellschaft erläutert und die Rolle der Religion heute vorgestellt. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit dem Weihnachtsfest in Deutschland.

Um dieses systematisch zu präsentieren, wird dieser Punkt in drei Unterpunkte gegliedert. So wird zunächst das Weihnachtsfest aus christlicher Sicht untersucht, wobei auf den Ursprung des Weihnachtsfestes sowie dessen Bedeutung eingegangen wird. Des Weiteren erfolgt eine knappe Darstellung des Weihnachtsfestes aus historischer Sicht. Drittens wird das Weihnachtsfest aus gesellschaftlicher Sicht dargestellt. Hierbei wird wiederum die Entstehung und Entwicklung beschrieben, zudem das Brauchtum und die Tradition erläutert und schließlich auf die Bedeutung heute eingegangen. In einem Fazit wird der relative Bedeutungsverlust des Weihnachtsfestes im heutigen säkularisierten Deutschland evaluiert.

2. Die Säkularisierung der Gesellschaft

Insbesondere in den westlichen Gesellschaften erfolgte, im weitesten Sinne hervorgerufen durch Aufklärungsbewegungen, eine flächendeckende Säkularisierung, die genauer auch als Entchristlichung bezeichnet werden kann. Ursprünglich christliche „Ideen, Erkenntnisse und Erfahrungen [wurden] in solche der allgemein-menschlichen Vernunft“[10] umgewandelt. Infolgedessen verlor die Kirche „ihren Platz als glaubwürdige und letztgültige Übersetzerin von Welt und Existenz“[11]. Hierzu tragen vor allem Umorientierungen[12] auf mehreren Ebenen wie der Position des Menschen, der Natur oder der Zeit bei, die durch die Erkenntnisgewinne der Aufklärung und Bildung zu Tage traten. Durch die Institution der Kirche erfährt der christliche Geist selbst eine Verweltlichung[13], indem er innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen durch das Wort verbreitet wird.

Die Säkularisierung der Gesellschaft ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen. In vielen Teilbereichen des Lebens sind kirchliche und nichtkirchliche Aspekte eng miteinander verwoben, haben sich Glaubensgemeinschaften gar Monopole in bestimmten Bereichen gesichert. Als Beispiel sei hier die Bezugnahme auf Gott in der Präambel[14] des Grundgesetzes genannt. Somit ist in Deutschland die Politik keineswegs komplett von der Kirche losgelöst. Auch das Festhalten an Kirchenrecht, welches unter bestimmten Bedingungen das Zivilrecht außer Kraft setzt kann als ein Beispiel hierfür angeführt werden.

Im kommenden Abschnitt wird die Säkularisierung der Gesellschaft unter drei Gesichtspunkten exemplarisch erläutert. Zum ersten werden weitere Gründe hierfür genannt, zweitens die funktionale Differenzierung ausgeführt und drittens die Rolle der Religion heute untersucht.

2.1 Gründe

Die Säkularisierung selbst wird oftmals als „Entstehungsgrund für den modernen Staat ausgemacht“[15], im Umkehrschluss bedingte aber auch die Modernisierung vornehmlich westlicher Länder den Prozess der Säkularisierung. Zur Modernisierung trugen maßgeblich fünf Entwicklungen[16] bei: (1) das Wohlstandniveau und somit der Lebensstandard der Menschen stiegen sichtbar an, (2) das Prinzip der funktionalen Differenzierung löste bislang allgemeinverbindliche Werte auf und etablierte bereichsinterne Verarbeitungsmuster, (3) die Individualisierung verlieh den Menschen mehr Selbstbestimmung und Autonomisierung, (4) kulturelle Orientierungen und Identitäten erfuhren eine wesentliche Pluralisierung und schließlich (5) führte das immense Wachstum von Wissen und Erfahrung zu einer Horizonterweiterung, wodurch jedoch Wirklichkeit und Möglichkeit auseinandertraten. In der Folge wird exemplarisch auf das Prinzip der funktionalen Differenzierung nochmals eingegangen.

Durch die stetig zunehmende Säkularisierung musste das Verhältnis von Staat und Religion neu bestimmt werden. Vor allem durch Individualisierung und Pluralisierung von Religion[17] verlangten derartige Anstrengungen, um einerseits Altes zu bewahren und zugleich den Weg für Neues frei zu machen. Diese gesellschaftlichen, politischen und vor allem kirchlichen Versuche des Neujustierens und Ausbalancierens sind ebenfalls als Gründe für die Säkularisierung zu betrachten, da sie diese weiter vorantrieben und zugleich ständig mit den Folgen vorangegangener Bemühungen umzugehen hatten.

Den Vertretern der Säkularisierung ging es etwa ab dem 19. Jahrhundert in erster Linie darum, „das Aufgeben der Augustinischen Lehre von den zwei Reichen und die Abschaffung des Dualismus Ewigkeit-Welt, Jenseits-Diesseits“[18] voranzutreiben. Weltliche und rational begründete Gedanken sollten traditionelle religiöse Ideen ablösen und ersetzen. Hierzu trugen insbesondere die Ideen der Aufklärung bei, aber auch die Abspaltung des protestantischen Christentums, welche der bislang vergleichsweise einheitlichen, römisch-katholischen Federführung in politischen und gesellschaftlichen Belangen ein Ende setzte, die zunehmende flächendeckende Alphabetisierung der Bevölkerung und ebenfalls die immer lauter werdenden Rufe nach einem Ende des Feudalismus und dem Wunsch nach Föderalismus, welcher der Bevölkerung mehr Mitspracherechte und eine bessere Repräsentation ihrer Wünsche und Belange sichern sollte.

2.2 Funktionale Differenzierung

Funktionale Differenzierung wurde eben bereits als eines der Merkmale moderner Gesellschaften[19] beschrieben. Die gegenwärtige, moderne und säkularisierte Gesellschaft kann als funktional differenziert bezeichnet werden.[20] Mit funktionaler Differenzierung ist die zunehmende Verselbstständigung und Spezialisierung „einzelne[r] gesellschaftliche[r] Bereiche wie Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Medizin, Erziehung oder auch Religion“[21] gemeint. Ein jeder dieser autonomen Bereiche bezieht sich auf eigene, selbst generierte Codes, Maßstäbe und Funktionsgesichtspunkte, um sich somit von anderen Bereichen abzugrenzen, mit denen es sowohl in Konkurrenz stehen, oder aber kooperativ oder unterstützend interagieren kann. In jedem Fall sind sämtliche Bereiche interdependent und verfügen über ein „wechselseitiges Steigerungsverhältnis“[22], allerdings nicht auf Kosten ihrer Autonomie.

Mit Bezug auf die Säkularisierung kann hier von einem Fortschritt[23] gesprochen werden, da sich beispielsweise die Politik fast komplett als eigener Teilbereich von der Religion lossagte, die jahrhundertelang diesen Bereich mitbestimmte und sich mit eigenen Regeln, Codes und Grenzen verselbstständigte. Durch die Säkularisierung wurde das Konzept der universalen Wahrheit oder gesamtgesellschaftlich verbindlicher Werte umgekehrt: Es wird nicht mehr davon ausgegangen, dass es diese gibt, sondern dass versucht werden muss, dieser durch Bereiche wie Wissenschaft oder Medizin näherzukommen.

2.3 Rolle der Religion heute

Um die Rolle der Religion heute umfassend zu beschreiben, wären zahlreiche verschiedene Unterpunkte notwendig. Für die Betrachtung im Rahmen dieser Arbeit sei mit Blick auf die Themenstellung der Einfluss der christlichen Religion auf die Zeit und die Zeiteinteilung im Fokus. Mehr als zwei Milliarden Menschen[24] bekennen sich weltweit zum Christentum.

[...]


[1] vgl. Antes, Peter, Jesus zur Einführung, Hamburg 1998, S. 11.

[2] Walter, Christian, Säkularisierung des Staates – Individualisierung der Religion. Überlegungen zum Verhältnis von institutionellem Staatskirchenrecht und dem Grundrecht der Religionsfreiheit, in: Lehmann, Hartmut (Hrsg.), Multireligiosität im vereinten Europa. Historische und juristische Aspekte, Göttingen 2003, S. 49.

[3] Bieritz, Karl-Heinrich, Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, München 2005, S. 40.

[4] vgl. Bieritz, Karl-Heinrich, Das Kirchenjahr, S. 23.

[5] „Der Begriff ‚Kirchenjahr‘ ist künstlich. Er taucht 1589 bei Johannes Pomarius in Wittenberg auf. Es gibt an sich kein Kirchenjahr, sondern nur zwei Festkreise und die festlose Zeit“, Rauchenecker, Herbert, Lebendiges Brauchtum. Kirchliche Bräuche in der Gemeinde, München 1985, S. 90.

[6] Bieger, Eckard, Das Kirchenjahr. Entstehung, Bedeutung, Brauchtum, Leipzig 2009, S. 7.

[7] vgl. Bieritz, Karl-Heinrich, Das Kirchenjahr, S. 28.

[8] Bieger, Eckard, Das Kirchenjahr, S. 7.

[9] Ebd., S. 17.

[10] Dubach, Alfred, Glauben in säkularer Gesellschaft. Zum Thema Glaube und Säkularisierung in der neueren Theologie, besonders bei Friedrich Gogarten, Frankfurt am Main 1973, S. 19.

[11] Bogner, Daniel, Säkularisierung als Programmierungswechsel: Der frühneuzeitliche Rollentausch von Religion und Politik, in: Hildebrandt, Mathias/ Brocker, Manfred/ Behr, Hartmut (Hrsg.), Säkularisierung und Resakralisierung in westlichen Gesellschaften. Ideengeschichtliche und theoretische Perspektiven, Wiesbaden 2001, S. 45.

[12] vgl. Dubach, Alfred, Glauben in säkularer Gesellschaft, S. 22.

[13] vgl. Marramao, Giacomo, Die Säkularisierung der westlichen Welt, Frankfurt am Main 1996, S. 47.

[14] vgl. Stein, Tine, „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott…“: Christliches Menschenbild und demokratischer Verfassungsstaat, in: Hildebrandt, Mathias/ Brocker, Manfred/ Behr, Hartmut (Hrsg.), Säkularisierung und Resakralisierung in westlichen Gesellschaften. Ideengeschichtliche und theoretische Perspektiven, Wiesbaden 2001, S. 185.

[15] Walter, Christian, Säkularisierung des Staates – Individualisierung der Religion, S. 32.

[16] vgl. Pollack, Detlef, Rückkehr des Religiösen. Studien zum religiösen Wandel in Deutschland und Europa II, Tübingen 2009, S. 69 ff.

[17] vgl. Walter, Christian, Säkularisierung des Staates – Individualisierung der Religion, S. 44.

[18] Marramao, Giacomo, Die Säkularisierung der westlichen Welt, S. 29.

[19] vgl. Pollack, Detlef, Rückkehr des Religiösen, S. 71.

[20] vgl. Rösch, Henriette, Christentum als Kultur, in: Lewicki, Alexandra/ Möller, Melanie/ Richter, Jonas/ Rösch, Henriette (Hrsg.), Religiöse Gegenwartskultur. Zwischen Integration und Abgrenzung, Berlin 2012, S. 125.

[21] Pollack, Detlef, Rückkehr des Religiösen, S. 71.

[22] Ebd.

[23] vgl. Bogner, Daniel, Säkularisierung als Programmierungswechsel, S. 52.

[24] vgl. Antes, Peter, Jesus zur Einführung, S. 10.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Säkularisierung christlicher Feste. Das Weihnachtsfest in Deutschland
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V288287
ISBN (eBook)
9783656885023
ISBN (Buch)
9783656885030
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
säkularisierung, feste, weihnachtsfest, deutschland
Arbeit zitieren
M.A. Stephanie Theresa Trapp (Autor), 2013, Säkularisierung christlicher Feste. Das Weihnachtsfest in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288287

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