„Auch 30 Jahre nach dem Anwerbestopp ist es für die 'klassischen Arbeitsmigranten' und ihre Familien noch immer sehr schwierig an den zentralen gesellschaftlichen Gütern und Positionen teilzuhaben. Sicherlich haben sich die Abstände gerade in der Generationenfolge deutlich verringert, dennoch besteht nach wie vor eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Eine große Ausnahme scheint hierbei der Sport zu sein: Fußballer, Boxer, Handballer und viele andere Sportler in den unterschiedlichsten Sportarten ernten als „Arbeitsmigranten“ hohen gesellschaftlichen Respekt und Sympathie. Zumindest im Falle von Profisportlern spielen die klassischen Integrationshürden: Sprache, kulturelle Kompetenzen und Kenntnisse oder auch gesellschaftliche Diskriminierung, scheinbar keine Rolle. Anerkennung und Positionierung erfolgen alleine durch sportliche Leistung.“ (Weber 2008: 3)
Das einleitende Zitat beschreibt ein bestehendes Geflecht zwischen Sport und Integration, wie es aktuell in den deutschen Medien und der Politik oft namentlich auftaucht. Einzelne Erfolgsgeschichten von Profi-, Spitzen und Nationalsportlern mit Migrationshintergrund werden als Beispiel gelungener Integrationsvorgänge herangezogen und in der Öffentlichkeit angepriesen. Ein aktuelles Beispiel ist der türkischstämmige Fußballspieler Mezut Özil, der erfolgreich in der Bundesliga sowie für die deutsche Nationalmannschaft gespielt hat, mittlerweile aber schon wieder emigriert ist und für einen spanischen Verein spielt (vgl. Braun/Nobis 2011: 9-10).
Die Verbindung „Sport und Integration“ scheint als geläufige Formulierung und wird in vielerlei Kontexten erwähnt und benutzt, so als würden diese zwei Rubriken automatisch zusammen gehören und sich gegenseitig bedingen. Einige Institutionen und Sportvereine rufen gezielt Aktionen ins Leben, die sich mit der Integration durch Sport beschäftigen. Dabei wird meist versucht sich der Gunst zu bedienen, dass durch Sport leicht eine spielerische und ungezwungene Zusammenkunft zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen realisiert werden kann.
Der Blick auf die bisher genannten Aspekte von Sport und Integration beweist bereits eine Vielfalt an Betrachtungsweisen und wirft gleichzeitig einige Fragen auf: Können erfolgreiche Spitzensportler als Beispiele gelungener Integration herangezogen werden? Hat der Sport eine automatische integrative Wirkung, die ohne gezielte Aktionen funktioniert? [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Integrationsbegriffs
3. Integration in deutschen Sportvereinen
3.1 Ansätze und Beispiele für die Verknüpfung von Sport und Integration
3.2 Aktuelle empirische Lage in der Vereinslandschaft
3.3Hindernisse im Bereich Sport und Integration
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Rolle von Sport und insbesondere Sportvereinen als Integrationsmotor für Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei wird analysiert, inwieweit die Verbindung von Sport und Integration auf einer tatsächlichen integrativen Wirkung beruht oder ob sie als politische oder werbliche Konstruktion zu bewerten ist, wobei insbesondere die Rolle ethnischer Sportvereine und bestehende Barrieren beleuchtet werden.
- Analyse des Begriffs der sozialen Integration im Kontext des Sports.
- Vorstellung und Bewertung von Integrationsprogrammen wie „Integration durch Sport“ und „spin“.
- Empirische Untersuchung der Vereinslandschaft bezüglich des Anteils und der Beteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund.
- Untersuchung der Rolle und Problematik ethnischer Sportvereine.
- Identifikation von Hindernissen und Voraussetzungen für eine gelingende Integration im Vereinssport.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Auch 30 Jahre nach dem Anwerbestopp ist es für die „klassischen Arbeitsmigranten“ und ihre Familien noch immer sehr schwierig an den zentralen gesellschaftlichen Gütern und Positionen teilzuhaben. Sicherlich haben sich die Abstände gerade in der Generationenfolge deutlich verringert, dennoch besteht nach wie vor eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Eine große Ausnahme scheint hierbei der Sport zu sein: Fußballer, Boxer, Handballer und viele andere Sportler in den unterschiedlichsten Sportarten ernten als „Arbeitsmigranten“ hohen gesellschaftlichen Respekt und Sympathie. Zumindest im Falle von Profisportlern spielen die klassischen Integrationshürden: Sprache, kulturelle Kompetenzen und Kenntnisse oder auch gesellschaftliche Diskriminierung, scheinbar keine Rolle. Anerkennung und Positionierung erfolgen alleine durch sportliche Leistung.“ (Weber 2008: 3)
Das einleitende Zitat beschreibt ein bestehendes Geflecht zwischen Sport und Integration, wie es aktuell in den deutschen Medien und der Politik oft namentlich auftaucht. Einzelne Erfolgsgeschichten von Profi-, Spitzen und Nationalsportlern mit Migrationshintergrund werden als Beispiel gelungener Integrationsvorgänge herangezogen und in der Öffentlichkeit angepriesen. Ein aktuelles Beispiel ist der türkischstämmige Fußballspieler Mezut Özil, der erfolgreich in der Bundesliga sowie für die deutsche Nationalmannschaft gespielt hat, mittlerweile aber schon wieder emigriert ist und für einen spanischen Verein spielt (vgl. Braun/Nobis 2011: 9-10).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik der Verbindung von Sport und Integration ein, hinterfragt kritisch die mediale Darstellung und formuliert die zentralen Forschungsfragen der Arbeit.
2. Definition des Integrationsbegriffs: Hier wird der Begriff der sozialen Integration erläutert und in den spezifischen Kontext der Anpassung an das Normengefüge einer Gesellschaft gesetzt.
3. Integration in deutschen Sportvereinen: Dieses Kapitel bildet das Kernstück, in dem Programme vorgestellt, empirische Daten zur Vereinsbeteiligung analysiert und die Rolle sowie Probleme ethnischer Sportvereine diskutiert werden.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Resümee, dass Sport Integrationsbarrieren überwinden kann, dies jedoch aktives Engagement erfordert und kein Selbstläufer ist.
Schlüsselwörter
Integration, Sportvereine, Migrationshintergrund, soziale Teilhabe, Integrationsprogramm, Sport, ethnische Vereine, Integrationsbarrieren, Vereinslandschaft, interkulturelle Arbeit, Sprachförderung, Sportpolitik, Diskriminierung, Spitzensport, Vereinsengagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Bedeutung von Sport und Sportvereinen als Instrument der sozialen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Integration, die Darstellung bestehender Förderprogramme, die Analyse der empirischen Lage in Sportvereinen sowie die Herausforderungen durch ethnische Sportvereine.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu differenzieren, ob die Verknüpfung von Sport und Integration eine reale Basis hat oder medial sowie politisch künstlich konstruiert wurde, und in welcher Form Vereine Integration tatsächlich fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung vorhandener Fachliteratur, Studien (z.B. Sportentwicklungsberichte) und Programmkonzeptionen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Integrationsprogrammen (wie „Integration durch Sport“ und „spin“), eine empirische Bestandsaufnahme der Vereinslandschaft und die kritische Auseinandersetzung mit Hindernissen, insbesondere am Beispiel ethnischer Vereine.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Integration, Sportvereine, Migrationshintergrund, soziale Teilhabe und Integrationsbarrieren sind die zentralen Begriffe der Arbeit.
Warum spielt die Sprache laut der Arbeit eine so große Rolle?
Die Sprache wird als wesentlicher Indikator und „Kapital“ für die kulturelle Anpassung und Akkulturation in der Aufnahmegesellschaft angesehen, weshalb ihre Förderung ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Integrationsarbeit ist.
Welche Rolle spielen ethnische Sportvereine in der Integrationsdebatte?
Sie werden zwiespältig betrachtet: Einerseits bieten sie eine Anlaufstelle für Neuankömmlinge, andererseits können sie durch Segregation und mangelnden Austausch zur Gettoisierung beitragen, anstatt die Integration in die Gesamtgesellschaft zu fördern.
- Citation du texte
- B.A. Moritz Bibow (Auteur), 2013, Sport als Integrationsmotor? Eine Analyse der Bedeutung von Sport(vereinen) für die Integration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288339