Anselm von Canterbury, Gaunilo und der ontologische Gottesbeweis


Essay, 2014

7 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Einleitung

Anselms von Canterbury (1033-1109) etwa IO?? veröffentlichtes Proslogion wird bis heute in der Forschung kontrovers diskutiert, Grund hierfür ist vor allem der darin enthaltene von Kant als ontologisch bezeichnete Gottesbeweis, Manche Philosophen bestehen darauf, das Argument sei ungültig, andere, es sei gültig, allerdings nicht schlüssig und eine dritte Gruppe glaubt, dass es sich bei Anselms Argument um einen Zirkelschluss handele,[1] Schon zu Anselms Zeiten hat sich der Mönch Gaunilo, aus dem Kloster Mars-Mutiers bei Tours, mit dem Gottesbeweis Anselms auseinandergesetzt und eine erste Kritik hierzu verfasst, Gaunilos Kritik sowie Anselms Antwort auf diese wurden anschließend in das Proslogion mitaufgenommen,

Die vorliegende Arbeit wird sich mit der Kontroverse zwischen Gaunilo und Anselm beschäftigen, Hierfür wird erstens der Gedankengang Anselms im Proslogion, sowie zweitens Gaunilos Kritik hieran skizziert, Schließlich soll geprüft werde, inwieweit Gaunilo Anselms Argument tatsächlich entkräftet,

1. Der ontologische Gottesbeweis

Der ontologische Gottesbeweis wird von Anselm im zweiten Kapitel des Proslogion entfaltet, Das Besondere an diesem Argument ist die Tatsache, dass Anselm für seinen Gottesbeweis hier nur ein einziges Argument benötigt, während das Monologion aus einer Kette von vielen Beweisen besteht, Nur ein Argument zu verwenden könnte unterschiedliche Vorteile haben: Zum einen spiegelt ein absolutes Argument etwa die Absolutheit Gottes wieder, zum anderen könnte man ein apriorisches[2] Argument wie das von Anselm für überzeugender halten als ein aposteriorisches Argument oder eine Beweiskette. Das „unum argumentum[3] “ lässt sich folgendermaßen darstellen:[4]

1) Gott ist etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann (О[5] ),
2) Selbst der Tor[6], der die Existenz Gottes leugnet, kann den Ausdruck „etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann“ verstehen,
3) Was man versteht, existiert im Verstand,
4) (aus 1, 2 und 3) Gott existiert im Verstand,
5) Zusätzlich zur Existenz im Verstand auch noch in der Wirklichkeit zu existieren, ist „größer“ als nur im Verstand zu existieren,
6) (aus 1, 4 und 5) Q muss also auch noch über den Verstand hinaus in der Wirklichkeit existieren (da sonst etwas Größeres über Q hinaus gedacht werden könnte, was ein Selbstwiderspruch wäre)
7) (aus 1 und 6) Gott existiert nicht nur im Verstand sondern auch in der Wirklichkeit,
Mit diesem ontologischen Argument scheint nach Anselm die Existenz Gottes zweifellos bewiesen, Er erweitert dieses Argument im dritten Kapitel, indem er zeigt, dass Gott nicht nur tatsächlich existiert, sondern dass er sogar notwendig existiert[7]:
8) Notwendige Existenz ist größer als kontingente Existenz,
9) (aus 1, 7 und 8) Gott existiert notwendig,

Um zu erklären, wie der Tor dennoch die Nicht-Existenz Gottes zu denken vermag, unterscheidet Anselm zwischen denken (cogitare) und verstehen (intelligere)[8], Der Tor denkt lediglich eine verbale Äußerung, ohne jedoch dabei das Wesen Gottes zu verstehen[9], Auf die gleiche Weise wäre es möglich, sich ein logisch nicht mögliches Ding zu denken, wie zum Beispiel einen eckigen Kreis, So etwas zu verstehen jedoch sei unmöglich, Wenn der Tor das Wesen Gottes verstünde (im Sinne von Satz (1) oben), wäre es ihm nicht mehr möglich, dessen Nicht-Existenz zu denken ohne sich zu widersprechen,

[...]


[1] vgl, hierzu Burgess-Jackson 2014, S, 5,

[2] Bedeutet hier, dass der Beweis für Gott bereits in Anselm Gottesbegriff angelegt ist,

[3] Anselm von Canterbury 2005, S. 6,

[4] vgl, ebd,, S, 21-23,

[5] „Q“ steht im Folgenden abkürzend für den Ausdruck „das, worüber hinaus Größeres nicht gedacht werden kann“,

[6] Hier möchte Anselm den Begriff der Torheit keineswegs im abwertenden Sinne gebrauchen, Mit einem Toren ist lediglich der Ungläubige gemeint,

[7] vgl, hierzu Anselm von Canterbury 2005, S, 24,

[8] vgl, ebd,, S, 26f.

[9] vgl, ebd,

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Anselm von Canterbury, Gaunilo und der ontologische Gottesbeweis
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Anselm von Canterbury: Proslogion
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
7
Katalognummer
V288348
ISBN (eBook)
9783656886624
ISBN (Buch)
9783656886631
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anselm von Canterbury, Gaunilo, Proslogion, Gottesbeweis, Ontologie
Arbeit zitieren
Dilara Erginos (Autor:in), 2014, Anselm von Canterbury, Gaunilo und der ontologische Gottesbeweis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288348

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