Die Faschodakrise von 1898 und ihr Einfluss auf die britische Afrikapolitik


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Faschodakrise
2.1 Die diplomatischen Voraussetzungen
2.2 Der Verlauf der Krise
2.3 Die Lösung der Krise

3 Die britische Afrikapolitik vor der Faschodakrise
3.1 Der britische Imperialismus in Afrika
3.2 Die britische Herrschaft über Ägypten
3.3 Die Bedeutung des Sudans
3.4 Salisbury vor der Faschodakrise

4 Die britische Afrikapolitik nach der Faschodakrise
4.1 Der Sudan nach der Faschodakrise
4.2 Ostafrika nach der Faschodakrise
4.3 Salisbury nach der Faschodakrise
4.4 Großbritanniens Beziehungen zu Frankreich

5 Zusammenfassung

6 Quellenverzeichnis

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Faschodakrise von 1898, auf den ersten Blick nur ein periphärer kolonialer Konflikt, brachte die beiden großen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich an den Rand eines Krieges. Dabei ging es lediglich um ein altes ägyptisches Fort am Oberlauf des Nils, das eine französische Expedition besetzt hielt. In dieser Auseinandersetzung spiegelten sich jedoch eindeutig die damaligen Mächtekonstellationen wider. Die Aufteilung Afrikas war noch in vollem Gange und viele europäische Konflikte wurden auf den schwarzen Kontinent transferiert anstatt in Europa ausgetragen zu werden. Die Ergebnisse der Faschodakrise brachten einen Wandel in der britischen Afrikapolitik mit sich, der in dieser Arbeit erläutert und untersucht werden soll.

Dazu soll zunächst die Faschodakrise von 1898 dargestellt und dann auf die britische Afrikapolitik vor dieser eingegangen werden. Dies dient dazu, bei der Beschreibung der britischen Afrikapolitik nach der Faschodakrise im letzten Teil Veränderungen zu identifizieren.

Quellen wurden vorwiegend den Editionen von Gooch/Temperley[1] und Lowe entnommen.[2] Hilfreiche Literatur waren vor allem die Werke von Lowe[3], Robinson/Gallagher[4] und James[5], die alle über gute Überblicksdarstellungen des britischen Imperialismus verfügen. Eine detaillierte Ausführung der Ereignisse vor und kurz nach der Faschodakrise bietet Sanderson mit seinem Werk „England, Europe and the Upper Nile. 1882-1899.[6]

2 Die Faschodakrise

1898 schien ein Krieg zwischen England und Frankreich um ein kleines Fort am Nil irgendwo inmitten des Sudans nicht unmöglich. Ein diplomatisches Kräftemessen begann, das England schließlich für sich entschied. Auslöser, Verlauf und Ergebnis der Krise sollen im Folgenden kurz dargestellt werden.

2.1 Die diplomatischen Voraussetzungen

England und Frankreich hatten Ende des 19. Jahrhunderts unterschiedliche Interessen in Afrika. Frankreich wollte den Kontinent von Westen am Atlantik bis zum Osten am Roten Meer in seinen Besitz bringen.[7] England hingegen war an einem ununterbrochenen Weg vom Kap der Guten Hoffnung in Südafrika bis zur Nilmündung in Ägypten, also von Süden nach Norden interessiert, der sogenannten Kap-Kairo-Linie. Die Interessen der beiden Kolonialmächte kollidierten im Sudan, der aufgrund seiner zentralen Lage für beide Konzepte ein wichtiges Gebiet war.

Ägypten stand unter britischer und französischer Protektion, was faktisch hieß, dass diese Mächte die Herrschaft über das Land innehatten. Genauer wird dies unten in Kapitel 3.2 (Seite 5) erläutert. Der Sudan war formell ägyptisches Territorium. Jedoch hatte der britische General Gordon 1885 gegen die islamischen Mahdisten verloren, die danach den Sudan unter ihre Kontrolle brachten.

Schließlich entschied die britische Regierung, Sir Horatio Herbert Kitchener mit der Rückeroberung des Sudans zu beauftragen, womit dieser 1898 begann. Dies geschah aufgrund der sich verändernden Machtverhältnisse in Ostafrika und britischen Beziehungen zum Dreibund. Außerdem spielten das Prestigedenken der britischen Öffentlichkeit und die geographische Lage des Sudan mit dem Nil eine Rolle. Näheres dazu folgt unten in Kapitel 3 (Seite 4).

2.2 Der Verlauf der Krise

Nach einem Jahr entbehrungsreicher Wanderung durch Afrika traf Captain Jean-Baptiste Marchand am 10. Juli 1898 mit seinen Männern in Faschoda ein und besetzte das Fort.[8] Gleichzeitig nahm er auch den gesamten Oberen Nil für Frankreich in Besitz. Die Briten wollten dies nicht hinnehmen und Kitchener machte sich von Khartoum aus auf, um Marchand aus Faschoda zu vertreiben. Die Gründe der Briten, eine französische Besetzung des Nils abzulehnen, werden unten (Kapitel 3.3 und 3.4) erläutert.

Als Kitchener am 20. September 1898 in Faschoda ankam, begannen Verhandlungen zwischen ihm und Marchand. Der Franzose lehnte einen sofortigen Rückzug aus Faschoda ab, da er auf Instruktionen seiner Regierung warten müsse.[9]

Nach einigen Wochen erfolgloser Verhandlungen kehrte Kitchener zurück nach Europa, ließ aber seine Soldaten in Faschoda zurück. Damit begann das diplomatische Ringen der britischen und französischen Regierungen. Die Franzosen waren davon überzeugt, ein Recht auf das Gebiet zu haben, das Recht des Ersteren:

„Si Marchand est à Faschoda, ses ‚droits‘ sont exactement de même sorte que ceux de Kitchener à Khartoum“[10] erklärte der französische Außenminister dem britischen Botschafter in Paris, Monson, im September 1898 als Antwort auf die britische Meinung:

„[…] by the military events of last week, all the territories which were subject to the Khalifa passed to the British and Egyptian Governments by right of conquest.“[11]

Die Franzosen waren also der Ansicht, dass Marchand Faschoda erobert habe, genau wie Kitchener kurz zuvor die Hauptstadt des Sudan, Khartoum. Der französische Premierminister sah sich aufgrund der öffentlichen Stimmung in seinem Land zunächst nicht dazu fähig, Marchand den Rückzug aus Faschoda zu befehlen. Jedoch war Frankreich nicht stark genug, um einen Krieg gegen England riskieren zu können.[12] Eine Unterstützung Russlands war zu diesem Zeitpunkt sehr fragwürdig, da dieses mehr an Ostasien interessiert war.[13] Außerdem hatte Großbritannien eine viel größere Flotte als Frankreich.[14] Mit einem Krieg hätte Frankreich sogar den Verlust seiner Kolonien riskiert. Es ist deswegen anzunehmen, dass Frankreich nicht bereit war, zu diesem Zeitpunkt einen Krieg gegen Großbritannien zu beginnen.

Auch in Großbritannien war die Regierung nicht bereit, wegen des kleinen Forts im Sudan einen Krieg zu beginnen. Die beiden Regierungen wussten von der Einstellung der jeweils anderen Regierung zu einem Krieg aber nichts, weswegen sie durchaus mit einem Krieg rechneten. Die Krise zog die Aufmerksamkeit aller Kolonialmächte auf den Sudan.[15]

2.3 Die Lösung der Krise

Am 4. November 1898 erhielt Salisbury vom französischen Botschafter in London ein Telegramm. In diesem stand, dass die französische Regierung erkannt habe, dass die Besetzung Faschodas für sie keinen Nutzen hätte. Schon am Tag zuvor hatte er vom britischen Botschafter in Paris ein Telegramm erhalten: „[…] to inform your Lordship that Fashoda would be evacuated with the least possible delay.“[16] Die französische Entscheidung hatte unter anderem so lange gedauert, weil dort ein neues Kabinett gebildet wurde und dieses neue Kabinett dann die Entscheidung über Faschoda fällte.[17]

Auch nach dem französischen Rückzug aus Faschoda wurden Verhandlungen über die Grenzziehungen im Sudan weitergeführt. Am 21. März 1899 wurden von den beiden Regierungen im Sudanvertrag die gegenseitigen Interessenssphären festgelegt: Frankreich sollte den Zentralsudan von Dafur im Osten bis zum Tschadsee erhalten, während Großbritannien das gesamte Niltal erhielt.[18] Somit war der letzte große Streit Großbritanniens und Frankreichs in Afrika beigelegt.

3 Die britische Afrikapolitik vor der Faschodakrise

In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts regierten in Großbritannien zunächst die Liberalen unter Gladstone und ab 1894 unter Rosebery und danach ab 1895 die Konservativen unter Salisbury. Die Politik der beiden Parteien in Afrika unterschied sich aber nicht wesentlich. Beide wollten Ägypten und den Sudan für Großbritannien sichern und auch in den Methoden waren sich die Regierungen nicht unähnlich. So stand der Führer der Liberalen, Lord Rosebery, 1898 hinter der Afrikapolitik der konservativen Regierung.[19] Zunächst soll hier generell der britische Imperialismus in Afrika beschrieben werden, um dann mit der Politik in Ägypten und dem Sudan konkreter zu werden.

3.1 Der britische Imperialismus in Afrika

Die britische Regierung war Ende des 19. Jahrhunderts nicht bereit, Geld und Zeit in die Eroberung neuer Gebiete zu investieren, sondern überließ dies privaten Handelskompanien wie zum Beispiel der „Royal Niger Company“ oder der „British East Africa Company“.[20] Diese Kompanien wurden in ihren Bestrebungen vordergründig von ökonomischen Aspekten angetrieben, aber auch Prestigegewinn für das Empire war ein Motiv für ihre Aktivitäten in Afrika. Angetrieben vom Druck der Öffentlichkeit unterstützte die Regierung die Handelskompanien, wenn sie auf Widerstand entweder von Einwohnern oder anderen Kolonialmächten stießen.[21]

Ein wichtiges Motiv der britischen Kolonialpolitik in Afrika war auch, den Seeweg nach Indien freizuhalten. Deswegen waren besonders Ägypten und die Küstengebiete des Roten Meeres für Großbritannien sehr wichtig. Ein großer Teil der britischen Afrikapolitik konzentrierte sich also auf dieses Gebiet.

Im Gegensatz zu Nord- und Südafrika hatten die zentralafrikanischen Gebiete keine besondere ökonomische Bedeutung, aber laut Pierce Brendon waren sie nützliche Gewichte im Gleichgewicht der Mächte, denn sie sicherten das politische Gewicht Großbritanniens wenn das ökonomische nachließ.[22] Außerdem soll laut Brendon Salisbury Afrika als Friedenssicherung für Europa gesehen haben. Dies ist eine durchaus berechtigte Aussage, da es zwischen 1870 und 1914 keinen großen europäischen Konflikt gegeben hat.[23] Dies könnte durchaus auf die Abwendung der Spannungen auf Afrika zurückgeführt werden. Oft wurden europäische Konflikte nicht in Europa ausgetragen, sondern durch Stellvertreterkonflikte in Afrika gelöst.[24] Dies verhinderte einige ernste Auseinandersetzungen innerhalb Europas.

[...]


[1] Gooch, G. P./Temperley, Harold (Hrsg.): From the Occupation of Kiao-Chau to the Making of the Anglo-French Entente. December 1897-1904. Bd. 1: The End of British Isolation. London 1927.

[2] Lowe, C. J.: The Reluctant Imperialists. British Foreign Policy 1878-1902. Bd. 2 The Documents. London/New York 1967.

[3] Lowe, C. J.: The Reluctant Imperialists. British Foreign Policy 1878-1902. Bd. 1. London/New York 1967.

[4] Robinson, Ronald/Gallagher, John: Africa and the Victorians. The Official Mind of Imperialism. London 1972.

[5] James, Lawrence: The Rise and Fall of the British Empire. London 1994.

[6] Sanderson, G. N.: England, Europe and the Upper Nile. 1882-1899. Edinburgh 1965

[7] Riker, T. W.: A Survey of British Policy in the Fashoda Crisis, in: PSQ 44 Nr. 1 (1929.), S. 55.

[8] Riker, S. 59.

[9] Sanderson, S. 334.

[10] Delcassé an Monson, zit. Nach Sanderson, S. 340.

[11] Marquis von Salisbury an Sir Edward Monson, 9. September 1898 (Gooch/Temperley Nr. 189).

[12] Riker, S. 66.

[13] Riker, S. 68; Wipperfürth, Christian: Von der Souveränität zur Angst. Britische Außenpolitik und Sozialökonomie im Zeitalter des Imperialismus. Wiesbaden 2004, S. 116.

[14] Wipperfürth, S. 118.

[15] Steele, David: Lord Salisbury. A Political Biography. London 1999. S. 327.

[16] Telegramm von Sir E. Monson an den Marquis von Salisbury, 3. November 1898 (Grooch/Temperley Nr. 226).

[17] Riker, S. 72.

[18] Robinson/Gallagher, S. 374.

[19] Riker, S. 67: „[…] the leader of the Liberals placed himself unreservedly behind the premier in support of British claims.”

[20] Judd, Denis: The British Imperial Experience from 1765 to the Present. London 1996, S. 119.

[21] Judd, S. 125.

[22] Brendon, Pierce : The Decline and Fall of the British Empire 1781-1997. London 2008, S. 193.

[23] Brendon, S. 193.

[24] Cain, P. J./Hopkins A. G.: British Imperialism: Innovation and Expansion 1688-1914. 4. Auflage London/New York 1994, S. 393; Brendon, S. 193.

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Details

Titel
Die Faschodakrise von 1898 und ihr Einfluss auf die britische Afrikapolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V288429
ISBN (eBook)
9783656886563
ISBN (Buch)
9783656886570
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
faschodakrise, einfluss, afrikapolitik
Arbeit zitieren
Rebekka Gotter (Autor), 2011, Die Faschodakrise von 1898 und ihr Einfluss auf die britische Afrikapolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288429

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