Kino besteht nicht einfach darin, bloß auf andere Art dasjenige zu sagen,
was andere Künste schon haben sagen können, sondern mit seinen spezifischen
Mitteln auch etwas Anderes zu sagen. Eric Rohmer1
Die vorliegende Hausarbeit ist im Anschluss an die Einführung in das Studium der
neueren deutschen Literatur entstanden, in dessen Mittelpunkt sowohl der Roman
„Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin als auch dessen Transformation in eigenständige
akustische und visuelle Texte.
Am Beispiel der Fernsehserie „Berlin Alexanderplatz“ von Rainer Werner Fassbinder2
möchte ich exemplarisch den Übergang vom literarischen zum filmischen
Text darstellen, um in einem weiteren Schritt den Begriff „Literaturverfilmung“ zu
diskutieren.
Beginnend mit einem Einblick in die Entstehungsgeschichte der Fernsehserie und
der Arbeit Fassbinders soll dann kurz der Stand der Forschung dargestellt werden.
In diesem Zusammenhang soll der Transformationsprozess erklärt werden.
Die konkrete Umsetzung des vorher erläuterten stelle ich dann anhand der Entlassungsszene
aus Fassbinders Verfilmung in Form einer Szenenanalyse dar. Dabei
ist näher auf die einzelnen bedeutungstragenden und bedeutungsschaffenden
Ebenen einzugehen.
Die Hausarbeit endet dann mit dem Verzeichnis der verwendeten Literatur und
einem Szenenprotokoll des verwendeten Filmausschnitts.
1 Nach Rost, S. 318.
2 Im folgenden mit FBA abgekürzt.
Inhaltsverzeichnis
(1) Einleitung
(2) Die Entstehung von Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“
(3) Von der literarischen Vorlage zur Verfilmung
(3.1) Adaption
(3.2) Transformation
(3.3) Neuschöpfung
(4) Szenenanalyse
(5) Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Übergang vom literarischen zum filmischen Diskurs am Beispiel von Rainer Werner Fassbinders Fernsehserie „Berlin Alexanderplatz“. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die filmische Transformation des gleichnamigen Romans von Alfred Döblin unter Berücksichtigung spezifischer audiovisueller Gestaltungsmittel gelingt.
- Entstehungsgeschichte der Fernsehserie
- Theoretische Grundlagen zur Literaturverfilmung
- Unterscheidung von Adaption, Transformation und Neuschöpfung
- Systematische Filmanalyse anhand der Entlassungsszene
- Bedeutung filmischer Gestaltungsmittel (Kameraführung, Ton, Dialog)
Auszug aus dem Buch
(3.1) Adaption
Unter der Adaption wird die Umarbeitung eines literarischen Werkes für ein anderes Kommunikationsmittel verstanden. Aus der Vorlage für die Adaption lässt sich ein Kern abstrahieren, der auch nach der Umarbeitung in das andere Medium erhalten bleibt. Es entsteht eine Fassung. Es besteht zudem die Möglichkeit eines Gattungswechsels. Ein wesentliches Merkmal der Adaption ist, dass sie jeweils nur in dem jeweiligen Medium funktioniert.
Die hier vorliegende Adaption stellt die subjektive Sichtweise des Regisseurs Fassbinder dar. Er hat Döblins „Berlin Alexanderplatz“ als Melodram adaptiert. Dies entspricht seiner Äußerung über den Roman:
„In „Berlin Alexanderplatz“ wird auch den objektiv kleinsten und ganz einfach mittelmäßigen Emotionen, Gefühlen, Glücksmomenten, Sehnsüchten, Befriedigungen, Schmerzen, Ängsten, Bewusstseinsdefiziten, usw. gerade der scheinbar unscheinbaren, unwichtigen, unbedeutenden Individuen zugestanden, den sog. „Kleinen“ wird hier die gleiche Größe zugebilligt, wie sie in der Kunst gemeinhin nur den sog. „Großen“ zugebilligt wird.“
Die Adaption klärt, was in welcher Form übernommen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
(1) Einleitung: Dieses Kapitel erläutert das Ziel der Arbeit, den Übergang vom literarischen zum filmischen Text am Beispiel von Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ zu untersuchen.
(2) Die Entstehung von Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“: Hier wird der historische Kontext der Produktion und die Entwicklung von Rainer Werner Fassbinder als Regisseur dargelegt.
(3) Von der literarischen Vorlage zur Verfilmung: Dieses Kapitel diskutiert theoretische Ansätze zur Literaturverfilmung und unterscheidet zwischen der strukturellen und der essentiellen Transformationsforderung.
(3.1) Adaption: Es wird definiert, wie die Umarbeitung eines literarischen Werkes in ein anderes Medium unter Wahrung eines inhaltlichen Kerns erfolgt.
(3.2) Transformation: Dieses Kapitel beschreibt den Prozess, bei dem der Regisseur mittels filmischer Phantasie die Leerstellen der literarischen Vorlage auffüllt.
(3.3) Neuschöpfung: Hier wird dargelegt, wie aus Adaption und Transformation ein eigenständiges, neues Werk entsteht.
(4) Szenenanalyse: In diesem Teil erfolgt die praktische Anwendung der Filmanalyse anhand eines Szenenprotokolls der Entlassungsszene.
(5) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Fassbinders Vorgehensweise entscheidend war, um die Modernität des Stoffes in ein neues Medium zu überführen.
Schlüsselwörter
Fassbinder, Berlin Alexanderplatz, Literaturverfilmung, Adaption, Transformation, Neuschöpfung, Filmanalyse, Szenenanalyse, Döblin, Fernsehdrama, Medienwissenschaft, Regie, Filmästhetik, Rezeptionsästhetik, audiovisuelle Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Transformationsprozess von Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ in die gleichnamige Fernsehserie von Rainer Werner Fassbinder.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Theorie der Literaturverfilmung sowie die Analyse der filmischen Umsetzung mittels spezifischer Mittel wie Kameraführung und Ton.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fassbinder durch filmische Neuschöpfung den Übergang vom literarischen Diskurs zum filmischen Text vollzieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Filmanalyse angewandt, ergänzt durch eine theoretische Auseinandersetzung mit Begriffen wie Adaption und Transformation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte der Verfilmung erörtert und die Entlassungsszene aus der Serie in Form eines detaillierten Szenenprotokolls analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fassbinder, Literaturverfilmung, Adaption, Transformation, Neuschöpfung und Filmanalyse.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Adaption und Neuschöpfung wichtig?
Sie ermöglicht eine differenzierte Beurteilung des Films als eigenständiges Werk, das nicht bloß den Roman kopiert, sondern ihn filmisch neu interpretiert.
Welche Rolle spielen die „Leerstellen“ in der Analyse?
Leerstellen sind unbestimmte Stellen im literarischen Text, die der Regisseur durch seine eigene filmische Vision und Phantasie füllt, um die Handlung für das neue Medium zu organisieren.
- Arbeit zitieren
- Anders Adebahr (Autor:in), 2003, Vom literarischen zum filmischen Diskurs: Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" als Beispiel einer Neuschöpfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28844