Die Bedeutung von Multilingualismus für den Bildungserfolg im Berufsschulstützunterricht


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Sprache und Mehrsprachigkeit
2.2 Migration
2.3 abH-Stützunterricht
2.4 Language Awareness

3. Gesellschaft & Sprache

4. Mehrsprachigkeit im Berufsschulstützunterricht
4.1 Language Awarness Konzept bei Schülern mit Migrationshintergrund
4.2 Bildungsziel & Mehrsprachigkeit

5. Mehr Chancen durch Mehrsprachigkeit

6. Fazit/ Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unabhängig davon ob die Gesellschaft erkennt, dass wir schon seit geraumer Zeit in einer Einwanderungsgesellschaft leben, so ist es doch heute zur Voraussetzung geworden, dass die Bevölkerung multilingual ist. Wie sich diese Multilingualität dann letztlich zeigt, ist stark vom den einzelnen Persönlichkeiten geprägt (Helfrich/Riehl, 1994, S. 1ff.).

In verschiedenen Situationen wird auf die unterschiedlichsten Sprachen zurückgegriffen, wie zum Beispiel im Berufsalltag oder im Privatbereich. Heute ist es schon zum Alltag geworden, dass Kinder mehrsprachig aufwachsen. Sich auf solche Voraussetzungen anzupassen ist Aufgabe der Gesellschaft und in erster Linie der Schule beziehungsweise der beruflichen Bildung. Die Konsequenzen die aus dieser Ausgangslage folgen, liegen auf der Hand, denn nicht jeder Schüler bringt die selben Anforderungen zum Lernen mit. Dies bedeutet der Unterricht muss sich dem Schüler anpassen, demzufolge hat dies Folgeerscheinungen auf die Unterrichtsgestaltung sowie auf die Lerngruppe.

Gegenwärtig bin ich Dozentin in einer ausbildungsbegleitenden Maßnahme des Beruflichen Fortbildungszentrums. Unter anderem betreue ich ausländische Schülerinnen und Schüler in den Ausbildungen zu Industriekauffrau/ Kaufmann und Kauffrau/mann für Büromanagement in einer disparaten Gruppe, das heißt mit verschiedenen Herkunftsländern. Ziel dieser Hausarbeit ist aufzuzeigen wie im berufsbegleitenden Stützunterricht das Language Awareness Konzept als pädagogisches Prinzip - den Bildungserfolg fördert und mir stellt sich die Frage fördert Unterricht in der Muttersprache das Erlernen von ausbildungsrelevanten Kenntnissen in der Zweitsprache?

Zunächst folgt eine Gliederung von grundlegenden Begrifflichkeiten, die anschließend im Text vorausgesetzt werden. Im Anschluss wird die Relation von Sprache und Gesellschaft näher erläutert. Anschließend möchte ich auf das Konzept – Language Awareness- im Hinblick auf den Berufsschulstützunterricht näher eingehen, sowie Mehrsprachigkeit in Verbindung mit dem Bildungsziel näher beleuchten. Das Kapitel der Chancen durch die Multilingualität haben sich aus der Bearbeitung heraus ergeben. Das Schlusslicht bildet mein Fazit bzw. der Ausblick.

2. Begriffsbestimmungen

2.1 Sprache und Mehrsprachigkeit

Wenn es um Sprache und Erwerb geht, fallen viele Begriffe: wie Muttersprache, Erstsprache, Herkunftssprache, Grundsprache, Zielsprache und Fremdsprache. Ohne diese Begrifflichkeiten als stilistische Abwandlung zu benutzen werde ich mich auf die grundsätzlichen Begriffe Herkunftssprache und Zweitsprache beschränken.

Oft ist man der Auffassung Muttersprache sei ein Synonym für Herkunftssprache. Jedoch ist diese Begrifflichkeit im Allgemeinen veraltet, denn der Gebrauch der Bezeichnung Muttersprache kann zu Fehlannahmen führen. Die Muttersprache ist die Sprache, die die Mutter spricht und die das Kind folglich als erstes erlernt. Herkunftssprache jedoch ist die Sprache, in der sich ein Mensch am besten ausdrücken kann (Apeltauer 2007, S. 11), so ist es möglich das es auch eine andere Sprache sein kann, als die, die die Mutter spricht. Die Herkunftssprache ist also die erste Sprache eines Kindes, die es sich angeeignet hat. „Jedes Kind, das unter normalen Bedingungen aufwächst, eignet sich im Verlaufe weniger Jahre die Sprache seiner Umgebung an. Man sagt auch: Es erwirbt eine erste Sprache." (Apeltauer 2007, S.10).

Mehrsprachigkeit bzw. Multilingualismus zeichnet sich durch die Kompetenz aus sich in mehr als nur einer Sprache auszudrücken. Das Ausmaß wie diese erlernt wurde ist hierbei nicht festgelegt. Hierzu gibt es verschiedene Varianten die erworbene Mehrsprachigkeit, die durch parallel Lernen fließend beherrscht wird, sowie die erlernte Mehrsprachigkeit, die beispielsweise Schüler erlernen, die nur grundlegende Begrifflichkeiten kennen, gelten bei Graf (Graf, 1987, S. 18 ff.) als Mehrsprachigkeit.

2.2 Migration

Die Migration trägt einen großen Teil zur Entstehung des Multilingualismus bei. Von Migration spricht man dann, wenn eine Person ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlegt. In dieser Hausarbeit wird vor allem die Zuwanderung von Arbeitnehmern bzw. deren Kindern betrachtet. Meist werden Personen aus den genannten Anwerbeländern wie Portugal, Italien und der Türkei als Arbeitsmigranten bezeichnet.(Gogolin, 2007, S. 15, Siebert-Ott, 2001 S. 9ff.)

2.3 abH-Stützunterricht

Ausbildungsbegleitende Hilfen, abH -Stützunterricht, ist die Bezeichnung eines Lehrgangs, der von der Agentur für Arbeit gefördert wird. Zielgruppen sind hier beeinträchtigte oder sozial benachteiligte Personen, die nach § 14 SGB III Auszubildende oder nach § 15 SGB III ausbildungssuchend sind. Die Basis des Unterrichts bildet einerseits der Stützunterricht und andererseits die sozialpädagogischen Hilfen, welche dazu dienen, den Bildungserfolg der Ausbildung zu fördern. Er soll unterstützend wirken in den Bereichen:

Wissenslücken aufarbeiten

Schulaufgabenvorbereitung

Prüfungsvorbereitung

Problemlösung

Stützunterricht gibt es sowohl für gewerblich-technische als auch für kaufmännische Berufe, außerdem oft für die Grundlagenfächer Mathematik und Deutsch. Deutsch zusätzlich für Schüler mit Migrationshintergrund. Die abH- Teilnehmer kommen in ihrer Freizeit zusätzlich zur Ausbildung im Betrieb und zum Besuch der Berufsschule regelmäßig zum abH- Unterricht. Diese Unterrichte werden in der Regel in Kleingruppen zu maximal acht Personen einmal wöchentlich durchgeführt. Die Kleingruppen werden möglichst homogen, das heißt mit Auszubildenden des gleichen Lehrberufes und Lehrjahres zusammengesetzt.

Das unterrichtende Personal setzt sich in der Regel aus erfahrenen Handwerkern, Ausbildern und Lehrkräften zusammen. Die sozialpädagogischen Mitarbeiter (Sozialpädagogen) unterstützen die Auszubildenden bei beruflichen und privaten Problemen und helfen bei Lernproblemen und Prüfungsangst.

2.4 Language Awareness

Der Begriff des Language Awareness ist kaum zu beschreiben, da dieser viele verschiedene Begrifflichkeiten vereint, wie Sprachbewusstsein, Sprachlernbewusstsein, Sprachaufmerksamkeit und Sprachsensibilisierung. Daher kann man Language Awareness als Wissen über die Sprache und deren Wahrnehmung bezeichnen, ebenso wie das sensible Sprachen lernen. Die Akzeptanz der sprachlichen Vielfalt ist eines der Ziele. Die Schüler mit Migrationshintergrund sollen zum weiteren Lernen motiviert werden, Neugierde auf die zu lernende Sprache geweckt werden, sprachanalytische Kenntnisse gestärkt werden, ebenso wird das Interesse für die Sprachkultur geweckt werden. Über die Herkunfts- und Zweitsprache nachzudenken bewirkt, dass Sprache zum Element der Aufmerksamkeit wird (Andresen/Funke, 2003 S. 438 ff) und Gemeinsamkeiten, Gegensätze und Fehler (Luchtenberg, 2010, S. 107 ff.) der deutschen Sprache auch von Lehrerinnen und Lehrern bewusster wahrgenommen werden.

3. Gesellschaft & Sprache

Erst wenn man keine Option der Einbindung mehr hat, merkt man welche Geltung die Sprache für das „Miteinaderzurechtkommen“ einnimmt. Besonders auffällig wird es bereits bei banalsten Alltäglichkeiten, wie Straßennamen zu lesen oder Hinweisschilder zu entschlüsseln. Erst wenn einem dies klar wird und der Umstand, dass man zwar um Hilfe bitten kann ,aber auch hier die Möglichkeit besteht nicht verstanden zu werden, wird ersichtlich wie wichtig die Relation von Sprache und Gesellschaft in der Tat ist. Sprache ist an Kommunikation gekoppelt, diese wiederum bedeutet Austausch und Teilhabe. Jede Kommunikation findet in einer Wechselbeziehung statt, zwei Gesprächspartner tauschen sich verbal und/oder non- verbal aus. Besonders bedeutend ist die Kommunikation, wenn es um Behörden oder staatliche Einrichtungen handelt. Diffizil wird es dann wenn man von der jeweiligen Sprache der Gesellschaft abhängig ist, wie im vorgenannten Fall. In Europa definieren sich Staaten hauptsächlich durch ihre gesprochene Sprache (Oberndörfer, 2005, S. 231). Vor allem in Europa ist es auch die Norm das nur eine Sprache Nationalsprache ist. Die Orientierung an dem völkischen Nationalgefühl in Bezug auf die Staatenbildung ist hier die Folge der Entwicklung.

Schon im 19 Jahrhundert hatte die Staatenbildung zum Ziel eigene Volksgruppen zu stellen, die äußere Symbole schaffen sollten, wie Flaggen, Hymnen, Mythen, um eine neue nationale Identität beliebig zu entwickeln, um die eigene Herrschaft zu stabilisieren. Staat wurde mit Nation gleich gesetzt und vor allem über die Sprache definiert (Oberndörfer, 2005, S. 231 ff.)

Der derzeitige Trend Europas kann als Prozess gesehen werden, worin Nationalstaaten mit einem relativ hohen Prozentsatz an kultureller Zusammengehörigkeit sich zu einer komplizierten multikulturellen und mehrsprachigen Gesellschaftsform entfalten. Diese Evolution wird durch intellektuelle Beleuchtungen über die europäische Anschauung abgerundet. Die europäischen Entwicklungen sind einerseits Teil einer globalen Metamorphose welche durch die Problematik der Zuwanderung, religiöse und ethnische Arrangements, Inklusionsstrategien, sowie Exklusion und die Interaktion mit Vielfältigkeit signiert ist. Im multinationalen Kontext wird der Segmentierungsablauf in den europäischen Staaten relativ einsprachig gehalten.

Multikulturelle Staaten waren stets umstrittene Staaten. In Europa haben historische Anordnung wie beispielsweise das Habsburger Reich oder Jugoslawien, gegen die von Herder beeinflusste Ideologie vom einem konformen Verhältnis zwischen Sprache, Volk und Nation verloren. Problematisch ist der demokratische Umgang mit der Vielfalt und ihre Dauerhaftigkeit. Ebenso gilt dies für entstandene Sprachprobleme, die wie wir geschichtlich aus den vielen Sprachdivergenzen kennen. Dem Deutschland von heute kann man nachsagen, dass größtenteils nur eine Sprache gesprochen wird und zwar die Deutsche. Obwohl dies in der Realität nicht immer der Wahrheit entspricht. Man kann auch ohne die Nationalsprache zu sprechen dem Gesellschaftsleben folgen. Dementsprechend leben Migranten oft zwischen zwei Kulturkreisen und wenn die Sprachkenntnisse des Zuwanderungslandes ungenügend sind, also die Möglichkeit zur Teilhabe nicht gegeben ist, so werden die Wertvorstellungen des Herkunftslandes immer bedeutungsvoller bleiben, als die des Zuwanderungslandes (Luchtenberg, 1995, S. 61 ff.)

Gesellschaftliches Image ist heute stark beeinflusst vom sprachlichen Know- how. Verschiedene Sprachen bedeuten gegenwärtig auch verschiedene Images. Welches Image nun welcher Sprache zuzuordnen ist hängt von mehreren Koeffizienten ab. Die Sprache der Einheimischen hat üblicherweise das höchste Ansehen, folglich kann das Ansehen aufgrund des Erlernens der Sprache wachsen. Von Migranten wird dementsprechend erwartet das sie die Nationalsprache erlernen um gesellschaftliche Achtung zu erlangen und somit ihren sozialen Aufstieg ankurbeln.

4. Mehrsprachigkeit im Berufsschulstützunterricht

4.1 Language Awarness Konzept bei Schülern mit Migrationshintergrund

Im Berufsbildungsbereich, bzw. im Stützunterricht kann in den Fächern Deutsch, Sozialkunde und Wirtschaft, die Mehrsprachigkeit als Anlass zur sprachlichen Bildung im Unterricht mit Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund genutzt werden. Vorallem indem man auf Charakteristika der Herkunftssprache, in diesem Fall Polnisch eingeht wie z.B. die diakritischen Zeichen, die Phonetik und darüber hinaus die Schwierigkeitsbereiche der deutschen Sprache mit denen der Herkunftssprache vergleicht und analysiert.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Multilingualismus für den Bildungserfolg im Berufsschulstützunterricht
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Hausarbeit
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V288450
ISBN (eBook)
9783656889625
ISBN (Buch)
9783656889632
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heterogenität, Schule, Modul 3 C, Fernuni Hagen, Pädagogik, Hausatbeit, Bildung, Wissenschaft, Bildungswissenschaft
Arbeit zitieren
Marina Zuber (Autor), 2015, Die Bedeutung von Multilingualismus für den Bildungserfolg im Berufsschulstützunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288450

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