2,4% bis 3,8% der Krankenhausaufenthalte gehen auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurück. Solche vermeidbaren Krankenhausaufenthalte können nicht nur tödlich für Patienten enden, sondern verursachen im Gesundheitssystem nach groben Schätzungen Kosten i.H.v. 3,5 Milliarden Dollar jährlich. Andere Schätzungen, die den Untersuchungsradius auch auf andere durch UAW bedingte Behandlungsfehler ausdehnen und weitere Folgen berücksichtigen kommen zu weitaus höheren Schätzungsergebnissen in Bezug auf Sterblichkeit der Patienten und Kosten.
Beleuchtet man die Ursachen dieses Phänomens genauer, so kommt zum Vorschein, dass die zunehmende Multimorbidität älterer Patienten zu Multimedikationen führt, die es für den in seiner ärztlichen Routine festgelegten, behandelnden Arzt erschwert, die Wechselwirkungen verschiedener Arzneimittel abzuwägen. Standardverfahren zur Medikation sind bisher nur halbtechnische Verfahren.
Das MAI-System (Medikation erfassen, Angemessenheit bewerten, Intervention durchführen) stellt ein halbtechnisches Verfahren dar, mit dessen Hilfe in der heutigen Praxis begonnen wird, die Risiken der Multimedikation zu reduzieren. Von der Wirklichkeit des Kommunikationsprozesses zwischen Arzt und Patient abweichend wird dabei jedoch von einem idealtypischen Kommunikationsprozess ausgegangen, der nach wie vor fehleranfällig ist, insbesondere im Hinblick auf die individuelle Schulung des jeweils behandelnden Arztes. Das seit 2003 in Heidelberg erprobte CPOE-System verfolgt das Ziel, Bestandsaufnahme, Medikationsbewertung sowie Abstimmung der Therapieziele und Verordnungsvorschlag nahezu fehlerfrei nach den Bedürfnissen des Patienten und unter Berücksichtigung der individuellen Patientenvorgeschichte aufeinander abzustimmen.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit liegt in der Darstellung der Funktionsweise von CPOE-Systemen und deren Wirkung bzgl. der Reduktion von UAW sowie einer Betrachtung der betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen und Kosten bei der Einführung eines CPOE-Systems.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemfeld der Medikationsfehler und Lösungsansatz
2.1 Wissenschaftliche Definition des Medikationsfehlers
2.2 Ursachen für Fehler bei der Medikation
2.3 Möglichkeiten zur Eindämmung von Medikationsfehlern
3 Rechnergestützte Verordnungssysteme zur Verhinderung von Medikationsfehlern
3.1 Computerized Physician Order Entry (CPOE-System)
3.1.1 Aufbau des CPOE-Systems
3.1.2 CPOE-System mit Clinical-Decision-Support-System (CDSS-Komponente)
3.1.3 Bedingungen und Variablen für die erfolgreiche Implementierung eines CPOE-Systems
3.2 Positive und negative Effekte rechnergestützter Informationssysteme in der Medizin
3.3 Kosten eines CPOE-Systems
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von CPOE-Systemen zur Steigerung der Patientensicherheit durch die Reduktion von Medikationsfehlern. Dabei werden sowohl die Funktionsweise und die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung als auch die damit verbundenen Kosten und Risiken analysiert.
- Ursachen und Definition von Medikationsfehlern
- Funktionsweise und Aufbau von CPOE-Systemen
- Integration von Clinical-Decision-Support-Systemen (CDSS)
- Erfolgsfaktoren bei der Implementierung von IT-Systemen im Krankenhaus
- Wirtschaftliche Betrachtung und Kostenstrukturen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 CPOE-System mit Clinical-Decision-Support-System (CDSS-Komponente)
CPOE-Systeme können, aber müssen nicht an „Systeme für klinische Entscheidungsfindungen“, sog. CDSS (engl. „Clinical-Decision-Support-System“), gebunden sein, wohingegen allerdings auch Arzneimitteltherapie-Systeme (CDSS) existieren, die ohne ein CPOE-System eingesetzt werden. Die in den CPOE-Systemen integrierten CDS-Systeme erfüllen eine ganze Bandbreite an unterschiedlichen Aufgaben. Diese können in Warnungen bestehen wie bspw. bei Allergien, Kontraindikationen, Interaktionen, Doppelverordnungen oder Überdosierungen sowie über potenzielle UAW im Allgemeinen oder Kalkulationshilfen zur Dosierung unter Abwägung von Alter, Körpergewicht oder Nierenfunktion.
Andererseits können CDSS auch eine Verlinkung mit internen und externen Leitlinien herstellen, pharmazeutische und medizinische Datenbanken überprüfen, interne oder allgemeine Arzneimittellisten berücksichtigen sowie durch indikationsgerechte Dosierungen, Laborkontrollen, Begleitmaßnahmen und Anwendungshinweise verordnungsspezifische Empfehlungen geben und damit Informationshilfen zur Medikationsauswahl darstellen, die in so kurzem Zeitrahmen kein Arzt bewältigen kann und einen hohen Sicherheitsgewinn für den Patienten mit sich bringen. Zur Gewährleistung einheitlicher Standards existieren verschiedene Bestrebungen, die Anforderungen an die Arbeitsweise von CPOE-Systemen und deren CDSS-Komponenten festzulegen und auf diese Weise zu standardisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesundheitsökonomische Relevanz von Medikationsfehlern und führt in das Konzept der CPOE-Systeme als Lösungsansatz ein.
2 Problemfeld der Medikationsfehler und Lösungsansatz: Dieses Kapitel definiert Medikationsfehler, untersucht deren vielfältige Ursachen – von menschlichen Faktoren bis zu Organisationsdefiziten – und zeigt erste Lösungswege auf.
3 Rechnergestützte Verordnungssysteme zur Verhinderung von Medikationsfehlern: Das Hauptkapitel beschreibt detailliert die Funktionsweise von CPOE-Systemen, deren Aufbau, die Integration von CDSS-Komponenten sowie die Voraussetzungen und Kosten einer Implementierung.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass CPOE-Systeme bei sorgfältiger Planung und Anpassung sowohl die Patientensicherheit erhöhen als auch das Personal entlasten können.
Schlüsselwörter
Medikationsfehler, CPOE-Systeme, Patientensicherheit, Arzneimittelwirkungen, CDSS, Krankenhausmanagement, Multimedikation, IT-Implementierung, Prozessoptimierung, Gesundheitsökonomie, Arzneimitteltherapie, klinischer Workflow, Verordnungsfehler, Digitalisierung im Gesundheitswesen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Reduzierung von Medikationsfehlern in Krankenhäusern durch den Einsatz von IT-gestützten Systemen, insbesondere CPOE-Systemen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Ursachenforschung von Fehlern bei der Medikation, die technische Funktionsweise von CPOE-Systemen sowie die betriebswirtschaftlichen Aspekte ihrer Einführung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Untersuchung, wie CPOE-Systeme die Sicherheit von Patienten erhöhen können, indem sie Medikationsfehler reduzieren und den klinischen Verordnungsprozess unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender Studien zur Implementierung und Wirksamkeit rechnergestützter Verordnungssysteme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Problemanalyse, eine detaillierte technische Beschreibung von CPOE und CDSS sowie eine betriebswirtschaftliche Bewertung der Kosten und notwendigen Voraussetzungen für die Einführung solcher Systeme.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Patientensicherheit, CPOE-Systeme, Medikationsfehler, CDSS und Prozessoptimierung im Krankenhaus geprägt.
Welche Rolle spielt die CDSS-Komponente innerhalb eines CPOE-Systems?
Die CDSS-Komponente fungiert als entscheidungsunterstützendes System, das Ärzte bei der Medikationswahl durch Warnhinweise und Informationen zu Wechselwirkungen aktiv unterstützt.
Warum kann die Implementierung von CPOE-Systemen problematisch sein?
Die Implementierung ist ein komplexer Prozess, der oft an fehlender Akzeptanz des Personals, hohen Kosten oder der Notwendigkeit zur Anpassung bestehender Arbeitsabläufe scheitert.
Können CPOE-Systeme alle Medikationsfehler vollständig verhindern?
Nein, UAW können nicht vollständig eliminiert werden, jedoch ermöglichen CPOE-Systeme eine weitgehende Reduzierung, indem sie Fehler in der Verordnungsphase minimieren.
- Citation du texte
- Julia von Heese (Auteur), 2013, CPOE-Systeme im Einsatz zur Reduzierung von Medikationsfehlern im Krankenhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288459