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Gesellschafts- und Geschlechterkritik in ausgewählten Werken Ödön von Horváths

Title: Gesellschafts- und Geschlechterkritik in ausgewählten Werken Ödön von Horváths

Bachelor Thesis , 2012 , 45 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jana Schäfer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

„Das dramatische Grundmotiv aller meiner Stücke ist der ewige Kampf zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein.“
Mit diesem Satz beginnt Ödön von Horváth seine Gebrauchsanweisung, die sich besonders auf sein Volksstück Kasimir und Karoline bezieht. Zusammen mit der Randbemerkung für Glaube Liebe Hoffnung sind dies mit die einzigen poetologischen Schriften Horváths, die sich darüber hinaus speziell an das Publikum der beiden Stücke wenden. Dabei geht es ihm wie oben erwähnt vor allem um die „Demaskierung des Bewußtseins“ (Horváth: Kasimir und Karoline, S. 161). Ebenso dazu gehört die Entlarvung von Dummheit und Lüge, die beide das Erkennen des Selbst verhindern. All dies geschieht jedoch nicht abgegrenzt im Einzelnen, sondern wird im „gigantischen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft“ (Horváth: Glaube Liebe Hoffnung, S. 8) widergespiegelt.
Beide Stücke verinnerlichen diese Ziele Horváths, dessen Gesellschaftskritik damit nicht nur einen zeitgenössischen Hintergrund hat. Gerade durch seine Betonung des ewigen Kampfes erhalten seine Werke einen zeitübergreifenden Charakter, der sie bis heute so interessant macht. Die Demaskierung des Bewusstseins bezieht sich eben nicht nur auf die Figuren, sondern besonders auf den Rezipienten. Gesellschaft und die Rolle der Frau als ihr schwächstes Glied wird dabei von ihrer schwärzesten Seite gezeigt.
Inwiefern Horváth seine Gesellschafts- und Geschlechterrollenkritik erreicht und welche literarischen Strategien er dafür anwendet, wird meine Arbeit an den Stücken Kasimir und Karoline sowie Glaube Liebe Hoffnung zeigen. Wie oben erwähnt, gibt es gerade zu diesen beiden Dramen poetologische Schriften des Autors, was sie besonders aufschlussreich macht. Meine Arbeit wird desweiteren vier zentrale Schwerpunkte haben, die die verschiedenen Weisen der Kritik Horváths aufzeigen. Da Horváth immer die Erneuerung des Volksstückes betonte, werde ich zuallererst seine gattungsspezifischen Besonderheiten herausstellen. Als zweites folgt die Analyse des Dialogs, der für Horváth zentral vor der Handlung steht. Dazu gehören besonders der verwendete Bildungsjargon sowie die sich auftuenden Lücken in der Kommunikation. Im dritten Teil wird es vor allem um die inhaltliche Kritik an Liebe, Moral und Kitsch gehen sowie den Verlust der Illusion. Die motivorientierte Demaskierung der Figuren steht also im Mittelpunkt. An- und abschließend folgt darauf die Rolle der Frau in der Gesellschaft des Kleinbürgertums...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DEMASKIERUNG DES BEWUSSTSEINS ALS OBERSTES ZIEL

2.1. Eine Erneuerung des Volkstücks

2.2. Gescheiterte Kommunikation: Der Bildungsjargon als literarische Strategie

2.3. Motive der Gesellschafts- und Geschlechterrollenkritik

2.3.1. Liebe, Kitsch und Illusion

2.3.2. Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit

2.3.3. Weiblichkeit in Kasimir und Karoline und Glaube Liebe Hoffnung

3. FAZIT

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Bachelorthesis untersucht die Gesellschafts- und Geschlechterkritik in ausgewählten Werken von Ödön von Horváth, mit einem besonderen Fokus auf die Stücke Kasimir und Karoline sowie Glaube Liebe Hoffnung. Das primäre Ziel ist es, die literarischen Strategien Horváths – insbesondere die Verwendung des sogenannten Bildungsjargons – zu analysieren, um aufzuzeigen, wie diese zur „Demaskierung des Bewusstseins“ beitragen und die Abgründe innerhalb des kleinbürgerlichen Milieus der 1920er und 1930er Jahre enthüllen.

  • Die kritische Erneuerung des Volksstücks als literarische Gattung bei Horváth.
  • Die Analyse der Sprache als Mittel der Täuschung und Ausdruck gesellschaftlicher Fehlkommunikation.
  • Die Rolle der ökonomischen Krise und ihre Auswirkungen auf das Privatleben und zwischenmenschliche Beziehungen.
  • Die Untersuchung der Frauenfiguren unter Einbeziehung der Theorie der „Imaginierten Weiblichkeit“ von Silvia Bovenschen.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit Kitsch, Illusion und tradierten Moralvorstellungen als Fluchtmechanismen.

Auszug aus dem Buch

2.2. Gescheiterte Kommunikation: Der Bildungsjargon als literarische Strategie

Die Sprache ist für Horváth das wichtigste Mittel um seine angestrebte Demaskierung des Bewusstseins zu erreichen. Mehr noch ist sie der Mittelpunkt der Darstellung, denn er sagt in seiner Gebrauchsanweisung „der Mensch wird erst lebendig durch die Sprache“ (Horváth: GLH, S.79). Es ist also kein Wunder, dass Horváth dem Dialog eine Vorrangstellung einräumt und in seinen wenigen poetologischen Schriften immer wieder daraufhin weist. Wie sehr der Dialog der eigentlichen Handlung vorangestellt wird, zeigt Punkt sieben seiner Gebrauchsanweisung: „Es muß jeder Dialog herausgehoben werden – ein stummes Spiel der anderen ist streng untersagt.“(Ebd., S. 81). Sprache ist demzufolge der Hauptakteur seiner Werke, sie „ist ihm Medium und Objekt zugleich“ (Bartsch: Ödön von Horváth, S. 43).

In seinem modernen Volksstück soll sich das Publikum mehr dem Dialog zuwenden als nach der Handlung fragen. Das viele seine Werke missverstehen, liegt seiner Meinung nach an dem Unvermögen des Publikums sich auf die Dialoge zu konzentrieren, denn „es hat sich leider entwöhnt auf das Wort im Drama zu achten.“(Horváth: K+K, S.161). Dazu definiert Horváth ebenso seine Auffassung von dramatisch, die nicht unbedingt in der Handlung liegen muss. Stattdessen ist der „Zusammenstoß zweier Temperamente- die Wandlungen usw.“ (Ebd., S.161) für ihn Hauptbestandteil des Stückes. Demzufolge sind seine Werke auf jeden Fall dramatisch, weil sich in jeder Dialogszene eine Person wandle.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in das dramatische Grundmotiv Horváths und die poetologischen Schriften, wobei die Zielsetzung der Arbeit und die methodische Vorgehensweise skizziert werden.

2. DEMASKIERUNG DES BEWUSSTSEINS ALS OBERSTES ZIEL: Untersuchung der Gattungserneuerung des Volksstücks und des epischen Charakters bei Horváth.

2.1. Eine Erneuerung des Volkstücks: Analyse der theoretischen Begründung des modernen Volksstücks durch Horváth und dessen Abgrenzung zu anderen zeitgenössischen Strömungen.

2.2. Gescheiterte Kommunikation: Der Bildungsjargon als literarische Strategie: Untersuchung der Sprache als zentrales, oft täuschendes Medium, das soziale Schichten und deren Bildungsanspruch widerspiegelt.

2.3. Motive der Gesellschafts- und Geschlechterrollenkritik: Analyse der thematischen Schwerpunkte ökonomische Not, zwischenmenschliche Konflikte und deren Darstellung in den Stücken.

2.3.1. Liebe, Kitsch und Illusion: Erörterung der Rolle von Kitsch und Liebe als Fluchtmittel vor der Realität und als Bestandteil kleinbürgerlicher Ideologie.

2.3.2. Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit: Theoretische Grundlegung zur Analyse der Frauenrollen anhand der kulturhistorischen Theorie von Silvia Bovenschen.

2.3.3. Weiblichkeit in Kasimir und Karoline und Glaube Liebe Hoffnung: Konkrete Anwendung der Theorie Bovenschens auf die Frauenfiguren Elisabeth und Karoline.

3. FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Gesellschafts- und Geschlechterkritik sowie die Bedeutung von Horváths Werk für die Gegenwart.

Schlüsselwörter

Ödön von Horváth, Volksstück, Demaskierung des Bewusstseins, Bildungsjargon, Kleinbürgertum, Gesellschaftskritik, Geschlechterrolle, Kommunikationsstörung, Silvia Bovenschen, Imaginierte Weiblichkeit, Kasimir und Karoline, Glaube Liebe Hoffnung, Illusion, Kitsch, Weimarer Republik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorthesis grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Ödön von Horváth in seinen Volksstücken gesellschaftliche Missstände und die Rolle der Geschlechter kritisch hinterfragt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Entlarvung kleinbürgerlicher Ideologien, die Funktion von Sprache als Mittel zur sozialen Identitätsvortäuschung sowie die ökonomische und soziale Bedrängnis von Individuen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Horváth durch die Demaskierung des Bewusstseins seiner Figuren den Zuschauer dazu anregt, seine eigene Wirklichkeit und vorgefertigte Weltbilder kritisch zu reflektieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die poetologische Schriften Horváths, zeitgenössische Theaterkritik und die kulturhistorische Theorie der „Imaginierten Weiblichkeit“ von Silvia Bovenschen kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Erneuerung des Volksstücks, eine detaillierte Analyse der sprachlichen Strategien (Bildungsjargon) sowie eine motivorientierte Untersuchung von Liebe, Kitsch und der Rolle der Frau.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Demaskierung des Bewusstseins, Bildungsjargon, Gesellschaftskritik, Volksstück und Geschlechterrollen definiert.

Warum ist der Bildungsjargon für Horváth als literarisches Mittel so wichtig?

Der Bildungsjargon dient Horváth als „Ersatzsprache“, die es den Figuren ermöglicht, sozialen Aufstieg vorzutäuschen und sich hinter leeren Phrasen vor der schmerzhaften Realität ihrer Lebensumstände zu verstecken.

Welche Bedeutung hat Silvia Bovenschens Theorie für die Arbeit?

Bovenschens Konzept der „Imaginierten Weiblichkeit“ bietet einen theoretischen Rahmen, um die Diskrepanz zwischen der realen Lebenswelt der Frauenfiguren und ihrer literarischen Darstellung als männlich konstruiertes Objekt oder museale Projektionsfläche zu durchleuchten.

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Details

Title
Gesellschafts- und Geschlechterkritik in ausgewählten Werken Ödön von Horváths
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Germanistik LW)
Grade
1,7
Author
Jana Schäfer (Author)
Publication Year
2012
Pages
45
Catalog Number
V288480
ISBN (eBook)
9783656889885
ISBN (Book)
9783656889892
Language
German
Tags
gesellschafts- geschlechterkritik werken ödön horváths
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Schäfer (Author), 2012, Gesellschafts- und Geschlechterkritik in ausgewählten Werken Ödön von Horváths, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288480
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