Corporate Social Responsibility. Theoretische Ansätze zur sozialen Verantwortung von Unternehmen


Akademische Arbeit, 2004
43 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Corporate Social Responsibility - Versuch einer Begriffsklärung
1.1 Wissenschaftliche Definition
1.2 Aktuelle Versuche einer Begriffsklärung

2 Ansätze von Corporate Social Responsibility
2.1 Klassischer Ansatz
2.2 Moderner Ansatz
2.3 Alternative Ansätze
2.4 Unterschied zwischen CSR und Public Relations

3 Werdegang und Rahmenbedingungen von CSR
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
3.2 Rahmenbedingungen
3.3 CSR in Europa und den USA

4 Corporate Social Responsibility in Österreich
4.1 Maßnahmen der Regierung
4.2 Maßnahmen der Sozialpartner
4.3 Allgemeine Maßnahmen

5 Folgen und Nutzen von Corporate Social Responsibility
5.1 Positive Auswirkungen von CSR
5.2 Social Responsible Investing (SRI)

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)
7.1 Bücher und Zeitschriften
7.2 Homepages und Online-Dokumente

1 Corporate Social Responsibility - Versuch einer Begriffsklärung

Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR), zu Deutsch „soziale Verantwortung von Unternehmen“, ist in der Literatur nicht einheitlich definiert. Die Vielzahl voneinander abweichender Definitionen lässt sich dadurch erklären, dass sich die Sichtweise von CSR im Zeitablauf immer wieder geändert hat und auch in Zukunft weiter ändern wird.

Bereits 1974 beschrieb Neil Churchill die wandelbare Charakteristik von CSR passend mit „Social Responsibility is a moving target“[1]. Ein bewegliches Ziel zu treffen ist schwer. Genauso schwierig ist es, einen formbaren Begriff wie Corporate Social Responsibility zu definieren. Folglich kann CSR auch 30 Jahre nach Neil Churchill nicht präzise abgrenzt werden.

Darüber hinaus herrscht in der Literatur weitgehend Verwirrung über den CSR-Begriff vor. Corporate Citizenship, Corporate Philanthropy, Business Social Responsibility, Community Involvement, Stakeholder-Dialog, Corporate Governance, Triple Bottom Line usw. sind lediglich ein paar Begriffe, die synonym mit Corporate Social Responsibility verwendet werden.[2]

1.1 Wissenschaftliche Definition

Die wahrscheinlich bekannteste, wenngleich auch nicht ganz neue, wissenschaftliche Definition der sozialen Verantwortung von Unternehmen stammt von Archie Carroll aus dem Jahr 1979 und lautet:

„The social responsibility of business encompasses the economic, legal, ethical and discretionary expectations that society has of organizations at a given point in time.”[3]

Carroll geht davon aus, dass eine gründliche Definition von CSR die wirtschaftliche, gesetzliche, ethische und freiwillige Verantwortung umfassen muss, um die Gesamtverpflichtung eines Unternehmens gegenüber der Gesellschaft abzudecken. Betrachtet man die geschichtliche Entwicklung der Wirtschaft, so lag der Fokus zunächst auf der ökonomischen, dann auf der gesetzlichen und erst später auf der ethischen und freiwilligen Verantwortung. Die vier Kategorien der sozialen Verantwortung sind voneinander vollkommen unabhängig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vier Kategorien sozialer Verantwortung[4]

In der linken Hälfte der Abbildung 15 sind die vier Kategorien, nach ihrer Wichtigkeit geordnet, dargestellt. Die unterschiedlichen Proportionen sind Ausdruck der relativen Bedeutsamkeit jeder einzelnen Form der Verantwortung.[5]

1) Wirtschaftliche Verantwortung: Die historisch wichtigste und maßgeblichste Verantwortung eines Unternehmens ist seine Wirtschaftlichkeit. Ein Unternehmen ist für die Gesellschaft nur dann wertvoll, wenn es die richtigen Güter zu fairen Preisen produziert ohne dabei Verluste zu machen. Diese Kategorie bildet die Grundlage für alles Weitere.
2) Gesetzliche Verantwortung: An zweiter Stelle steht die Forderung, dass Unternehmen ihre wirtschaftliche Tätigkeit unter Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllen.
3) Ethische Verantwortung: Sie bezeichnet all jene ethischen Aspekte, die nicht schon ohnehin in den ersten beiden Kategorien inkludiert sind. Eine Abgrenzung zu treffen, was ethisches Verhalten darstellt, ist schwierig. Carroll subsumiert unter dieser Kategorie alle Erwartungen der Gesellschaft gegenüber dem Unternehmen, die über die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinausgehen.
4) Freiwillige Verantwortung: Schließlich umfasst der CSR-Begriff auch jene Form von Verantwortung, die von der Gesellschaft nicht direkt gefordert wird, sondern vom Unternehmen freiwillig übernommen werden kann. Diese Verhaltensweisen sind von der Gesellschaft erwünscht, werden aber nicht gefordert oder gar sanktioniert.[6]

Im rechten Teil der Abbildung 15 ist eine etwas andere Darstellungsform der Kategorien, nämlich die Pyramide der sozialen Verantwortung, zu sehen. Sie wurde von Carroll etwas später zur Veranschaulichung gewählt und enthält korrespondierend zur linken Seite die vier Stufen der sozialen Verantwortung.[7] Darüber hinaus enthält sie plakative Anweisungen, wie sich das Management verhalten soll, um im Sinne von CSR zu agieren.[8]

1.2 Aktuelle Versuche einer Begriffsklärung

Gegenwärtig gibt es von drei Organisationen bedeutsame Anstrengungen, Corporate Social Responsibility näher zu definieren. Diese Bemühungen werden nun kurz vorgestellt.

Auf globaler Ebene versucht das World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) eine allgemein anerkannte Definition von CSR zu finden. Das WBCSD ist eine Koalition von 160 internationalen Unternehmen, welche gemeinsam Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung übernommen haben. Die Mitglieder kommen aus über 30 Ländern und vertreten mehr als 20 wichtige Industriesektoren.[9]

1998 initiierte das WBCSD in einem ersten Anlauf so genannte Stakeholder-Dialoge, um einen groben Einblick über die Bedeutung von CSR zu bekommen. Der europäische Stakeholder-Dialog zu CSR in den Niederlanden vom September 1998 führte zu folgender frühen Definition:

„Corporate Social Responsibility is the continuing commitment by business to behave ethically and contribute to economic development while improving the quality of life of the workforce and their families as well as of the local community and society at large.“[10]

In weiterer Folge dehnte man die Gespräche auch auf Länder anderer Kontinente, nämlich USA, Brasilien, Argentinien, Ghana, Taiwan, die Philippinen und Thailand aus, um deren Sichtweise von CSR kennen zu lernen. Unter Berücksichtigung der neu gewonnenen Erkenntnisse wurde die erste Definition geringfügig abgeändert und lautet derzeit offiziell:[11]

„Corporate Social Responsibility is the commitment of business to contribute to sustainable economic development, working with employees, their families, the local community and society at large to improve their quality of life.”[12]

Diese Definition erwähnt sowohl die Nachhaltigkeit als auch die Stakeholder. CSR ist demnach geeignet, das Unternehmen auf den Nachhaltigkeitskurs zu bringen. Allerdings müssen dazu auch die Interessen der Anspruchsgruppen berücksichtigt werden.

Auf europäischer Ebene entwarf die Europäische Kommission im Juli 2001 ein Grünbuch namens „Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen“. Dahinter steht die Absicht, eine Diskussion über CSR zu entfachen und Vorschläge für europaweite Rahmenbedingungen zu sammeln. Zu diesem Zweck wurden alle relevanten Akteure, von Behörden über internationale Organisationen bis hin zu Unternehmen und interessierten Einzelpersonen, aufgefordert, in einem Konsultationsprozess Stellung zu nehmen.[13] Die dem Grünbuch zugrunde liegende Definition der sozialen Verantwortung von Unternehmen lautet:

„Die soziale Verantwortung der Unternehmen ist (…) eine freiwillige Verpflichtung der Unternehmen, auf eine bessere Gesellschaft und eine saubere Umwelt hinzuwirken. (…) Diese Verantwortung praktizieren sie gegenüber den Arbeitnehmern und generell gegenüber allen von ihrer Geschäftstätigkeit beeinflussten Stakeholdern (…).“[14]

„Sozial verantwortlich handeln heißt (…) über die bloße Gesetzeskonformität hinaus „mehr“ investieren in Humankapital, in die Umwelt und in die Beziehungen zu anderen Stakeholdern.“[15]

Innerhalb der Konsultationsfrist gingen über 250 Reaktionen zum Grünbuch bei der Kommission ein. Obwohl es teilweise signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Stellungnahmen gab, wurde die Diskussion über das Grünbuch durchwegs befürwortet und die Wichtigkeit von gemeinsamen Maßnahmen im CSR-Bereich betont.

Einen weiteren Schritt zu Präzisierung des Terminus „CSR“ unternimmt derzeit die International Organization for Standardization (ISO-Komitee), welche versucht, einen ISO Standard für CSR zu entwickeln. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2001 eine Machbarkeitsstudie für CSR-Standards initiiert, in der mit Hilfe eines Online-Forums die unterschiedlichen Sichtweisen der Stakeholder gesammelt wurden. Durch diese weltweite Diskussion sollte geklärt werden, inwieweit ISO-Standards im Bereich von CSR nützlich sein können.[16]

Aus aktuellen Presseaussendungen geht hervor, dass die Beteiligung am Online-Forum sehr groß war und innerhalb der ersten Monate mehr als 370 Teilnehmer aus aller Welt verzeichnet werden konnten. Trotzdem ist gegenwärtig noch keine Entscheidung bezüglich der Einführung von Standards gefallen.[17] Es wird sich demzufolge erst in Zukunft zeigen, wie CSR von Seiten des ISO-Komitees definiert werden wird.

In den angeführten Beispielen versucht man auf ähnliche Weise eine klare Definition von CSR zu finden. Folgende drei Schritte kennzeichnen den Prozess der Begriffsklärung:

1) Entwicklung einer Grunddefinition von CSR (mit Ausnahme des ISO-Komitees)
2) Intensiver Dialog mit den Stakeholdern
(Stakeholder-Dialoge, Konsultationsprozess zum Grünbuch, ISO-Online Forum)
3) Überarbeitung der ursprünglichen Definition aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse; Festschreiben einer endgültigen Definition bzw. eines Standards (beim ISO-Komitee noch nicht erfolgt)

Die ausgedehnte Kommunikation mit den betrieblichen Anspruchsgruppen liegt allen drei Ansätzen zugrunde. Durch die Einbeziehung der Stakeholder soll sichergestellt werden, dass die endgültige Definition breite Anerkennung findet. Bei allen drei Organisationen ist man sich demzufolge des großen Einflusses der Stakeholder bewusst.

Neben den hier angeführten Organisationen haben sich auch viele Unternehmen freiwillig bzw. aufgrund des öffentlichen Drucks dazu entschlossen, ihre eigene Definition von CSR aufzustellen.[18]

Die Definition der Kommission, Ergebnis einer Vielzahl von Debatten und Konsultationsprozessen, kann in Europa derzeit als die Anerkannteste bezeichnet werden. Sie findet in den Hauptpunkten breite Zustimmung von Gesellschaft und Wirtschaft. Die Anstrengungen in Richtung einer einheitlichen Sichtweise von CSR scheinen sich somit zumindest teilweise schon gelohnt zu haben.[19]

2 Ansätze von Corporate Social Responsibility

Über die Jahre haben verschiedene Autoren zahllose Ansätze und Modelle zur Erforschung der sozialen Verantwortung von Unternehmen entwickelt. Der klassische Ansatz stammt von Friedman[20] (siehe 3.2.1). Dieser besagt, dass die soziale Verantwortung des Unternehmens lediglich darin bestehe, die Gesellschaft mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen und gleichzeitig einen Gewinn zu erwirtschaften. Eine wesentlich modernere Sichtweise vertritt Carroll[21] (siehe 3.2.2). Er gehört einer Gruppe von Autoren an, die das Unternehmen in einem größeren sozialen Kontext sehen und davon überzeugt sind, dass die Wirtschaft gegenüber der Gesellschaft eine Verantwortung trägt, welche über das Ziel der Gewinnmaximierung hinaus geht. Schließlich sind noch jüngere Ansätze wie von Lantos[22] und Quazi et al.[23] zu erwähnen. Sie stellen eine Weiterentwicklung der beiden vorher genannten Denkrichtungen dar und werden unter 3.2.3 näher erläutert.

2.1 Klassischer Ansatz

„The Social Responsibility of business is to increase its profits!“[24] Bereits der Titel des 1970 in der New York Times veröffentlichten Artikels von Milton Friedman sagt einiges über die klassische Sichtweise von Corporate Social Responsibility aus.

Demnach besteht in einer freien Gesellschaft die einzige soziale Verantwortung der Unternehmer darin, ihren Gewinn zu maximieren. Wer sich darüber hinaus sozial engagiert, macht sich unwissentlich zur Marionette einer intellektuellen Strömung, die versucht, die Werte der freien Gesellschaft zu untergraben. Der klassische Ansatz sieht das Unternehmen als „künstliche“ Person an, welche weder Verantwortung tragen noch frei darüber entscheiden kann, was mit dem Gewinn geschieht. Die einzige Verpflichtung besteht gegenüber den Shareholdern, die dem Unternehmen ihr Kapital zur Verfügung stellen. Geschäftsführer und Angestellte sind somit lediglich Beauftragte (Agenten) der Kapitalgeber (Prinzipale) und sollen daher ausschließlich in deren Interesse handeln.

Agiert ein Unternehmen aber sozial verantwortlich und gibt Geld für Umweltschutz oder soziale Projekte aus, kürzt es die Dividende der Aktionäre, die Gehälter der Angestellten und infolge von Preiserhöhungen der produzierten Güter auch das begrenzt verfügbare Geld der Kunden. Ferner sei es Aufgabe der Politiker und nicht der Wirtschaft, sich um soziale Belange zu kümmern. Den Unternehmen mangelt es an Informationen, wie das Geld sinnvoll verwendet werden kann. In der klassischen Sichtweise steht es nur Privatpersonen bzw. den Unternehmenseigentümern zu, Geld für soziale Zwecke zu spenden, da dann nicht über fremdes, sondern eigenes Geld verfügt wird.[25]

2.2 Moderner Ansatz

Im Unterschied zum klassischen Ansatz, bei dem das Prinzip der Gewinnmaximierung im Vordergrund steht und eine begrenzte Sichtweise der Rolle des Unternehmens vorherrscht, sehen moderne CSR-Ansätze das Unternehmen als einen Teil der Gesellschaft mit vielfältigen Aufgaben und Verantwortlichkeiten an. Weiters stellen sie vermehrt die Fähigkeit und den Willen des Unternehmens zu handeln in den Vordergrund. Es ist zu wenig, sich nur auf dem Papier zu CSR zu bekennen, wenn in der Realität keine Taten folgen. In diesem Zusammenhang wird in der Literatur anstelle von Corporate Social Responsibility von Corporate Social Responsiveness oder auch von CSR2 gesprochen. Dabei stehen Corporate Social Responsiveness und CSR2 im Gegensatz zu CSR für eine aktivere, dynamischere und offensivere Form der sozialen Verantwortung.[26]

Aufbauend auf die Definition von Corporate Social Responsibility, der viergliedrigen CSR-Pyramide und den Überlegungen zu Corporate Social Responsiveness, schlägt Carroll ein CSR-Modell, bestehend aus folgenden drei Dimensionen, vor (Abb. 16):[27]

1. Dimension: Kategorien der sozialen Verantwortung – wirtschaftliche, gesetzliche,
ethische und freiwillige Verantwortung
2. Dimension: Unternehmensstrategie – reaktiv, defensiv, progressiv und offensiv
3. Dimension: involvierte soziale Themen – Menschenrechte, Arbeitnehmerschutz,
Umweltschutz, Gemeinwesen, Lieferantenbeziehungen, Anliegen der Anspruchsgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Dreidimensionales Modell der sozialen Verantwortung[28]

Die Kategorien der sozialen Verantwortung (1. Dimension des Modells), wurden bereits unter 3.1.1 vorgestellt. Im Modell spiegeln sie die eingangs erwähnte Definition von CSR wider.

Für ein ganzheitliches CSR-Konzept ist es notwendig zu wissen, welche Strategien ein Unternehmen verfolgen kann, um sozial verantwortlich zu handeln. Eine reaktive Strategie lässt CSR unbeachtet (do nothing). Im Fall von defensivem Verhalten werden nur die notwendigsten Schritte unternommen, um die Öffentlichkeit zufrieden zu stellen. Hingegen haben progressive und speziell offensive Unternehmen in sozialen Belangen einen Vorsprung und führen den Markt in puncto CSR-Aktivitäten an (do much). Dieses Spektrum an Verhaltensweisen wird durch die zweite Dimension repräsentiert.

Schließlich werden in der dritten Dimension jene Bereiche ersichtlich, in denen soziales Engagement als wichtig erachtet wird. Auch hier herrscht kein Konsens, welche Themen dies genau sind. Carroll nennt den Konsumentenschutz, die Umwelt, die Diskriminierung, die Produktsicherheit, die Sicherheit am Arbeitsplatz und die Aktieninhaber, während das Grünbuch der Europäischen Kommission auch von den Menschenrechten, dem Schutz der Geschäftspartner des Unternehmens, dem Humanressourcenmanagement und der Verantwortung gegenüber lokalen Gemeinschaften spricht.[29]

Eine recht vernünftige Auflistung der Themenbereiche von CSR liefert das WBCSD. Neben den bereits erwähnten Punkten wird hier auch von einer Verantwortung gegenüber den Stakeholdern gesprochen. Da die Stakeholder in der vorliegenden Arbeit eine zentrale Stellung einnehmen, erfolgt die Achsenbezeichnung der dritten Dimension in Abbildung 16 nach den vom WBCSD vorgeschlagenen Schwerpunkten.[30]

Das vorliegende moderne CSR-Modell zeigt nicht nur verschiedene Facetten des CSR-Konzepts auf, sondern kann vom Management auch als Planungsinstrument für zukünftige CSR-Aktivitäten verwendet werden. Darüber hinaus fungiert es als Diagnoseinstrument, um aktuelle Probleme zu lösen und die Position des Unternehmens in Bezug auf seine soziale Verantwortung zu überprüfen.

Beispielsweise könnte ein Hersteller von alkoholischen Erfrischungsgetränken von der Gesellschaft kritisiert werden, Jugendliche durch seine Produkte vermehrt zum Alkoholkonsum zu motivieren. Um soziale Verantwortung zu zeigen, nimmt er die entsprechenden Produkte vom Markt und appelliert an die Unternehmen in derselben Branche, seinem Beispiel zu folgen. Auf das Modell umgelegt wurde der Unternehmer in seiner ethischen Verantwortlichkeit (1. Dimension) im Bereich der Stakeholder-Anliegen (3. Dimension) angegriffen. Das daraus resultierende Verhalten ist offensiv (2. Dimension). Es wird deutlich, dass das Management mit Hilfe des Modells seine Position im CSR-Bereich rasch bestimmen kann.[31]

2.3 Alternative Ansätze

Neben den genannten Ansätzen von Friedman und Carroll gibt es in der Literatur zahlreiche andere Modelle von CSR. Obwohl sich diese untereinander zum Teil erheblich unterscheiden, lassen sich viele auf Friedmans bzw. Carrolls Grundkonzept zurückführen.

Der Ansatz von Lantos versucht beide Sichtweisen miteinander zu verbinden. So finden sich bei ihm, korrespondierend zu Carrolls vier Verantwortlichkeiten, die drei Formen ethisches CSR, altruistisches CSR und strategisches CSR. Inhaltlich fasst Lantos die schon bekannte wirtschaftliche, gesetzliche und ethische Verantwortung zum ethischen CSR zusammen. Die freiwillige Verantwortung ist die Grundlage für altruistisches CSR. Neu, und das macht dieses Konzept interessant, ist allerdings strategisches CSR, wofür es bei Carroll keine entsprechende Kategorie gibt. Strategisches CSR bezeichnet all jene sozialen Aktivitäten, die das Unternehmen unternimmt, um seine strategischen Ziele im Sinne von Friedmans Profitmaximierung zu erreichen. In diesem Fall agiert das Management nicht nur ethisch korrekt nach Carroll, sondern erfüllt auch seine Verantwortung gegenüber den Shareholdern im Sinne von Friedman.[32]

Ein weiterer alternativer Ansatz kommt von Quazi et al. Ihr Modell wurde zur Analyse von CSR in Ländern mit unterschiedlichen soziokulturellen Auffassungen und Marktbedingungen entwickelt und besteht aus zwei Achsen. Die horizontale Achse reicht vom Extremwert der hohen Verantwortung (moderner Ansatz) bis hin zur geringen Verantwortung (klassischer Ansatz). Die vertikale Achse repräsentiert die zwei Extrema in den Konsequenzen sozialen Engagements nämlich Nutzen und Kosten. Aus der Kombination der zwei Achsen ergeben sich vier Quadranten mit unterschiedlicher Sichtweise in Bezug auf Corporate Social Responsibility (Abb. 17).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Zweidimensionales Modell der sozialen Verantwortung[33]

Klassische Sichtweise: Sie entspricht dem klassischen Ansatz von Friedman. Die Gewinnmaximierung steht im Vordergrund, soziales Engagement verursacht nur Kosten und führt zu keinem weiteren Nutzen.

Sozioökonomische Sichtweise: Dieser Quadrant vertritt eine engstirnige Auffassung von CSR, leugnet aber nicht, dass ein gewisses Maß an sozialer Verantwortung dem Unternehmen einen zusätzlichen Nutzen stiften kann.

Moderne Sichtweise: Hier spiegelt sich Carrolls moderne Auffassung von CSR wider. Das Unternehmen ist Teil eines sozialen Gefüges. Wer sozial verantwortlich agiert, wird sowohl kurzfristig als auch langfristig einen Nutzen daraus ziehen.

Philanthropische Sichtweise: Soziales Engagement wird als Kostenfaktor betrachtet. Angesichts der Tatsache etwas Gutes zu tun, werden diese Kosten allerdings akzeptiert.

[...]


[1] Churchill, N.: (1974), S. 6

[2] Schwarz-Wölzl, M.: Corporate Citizenship – Unternehmen und gesellschaftliches Engagement.
http://www.nachhaltigkeit.at/reportagen.php3?id=4 (2004)

[3] Carroll, A.: (1979), S. 500

[4] Vgl. Carroll, A.: (1979), S. 499 und Carroll, A. et al.: (2003), S. 40

[5] Vgl. Carroll, A.: (1979), S. 499f

[6] Vgl. Carroll, A.: (1979), S. 499f

[7] Vgl. Carroll, A.: (1991), S. 42

[8] Vgl. Carroll, A. et al.: (2003), S. 41

[9] Vgl. WBCSD: (2002), S. 6

[10] WBCSD: (1999), S. 3

[11] Vgl. WBCSD: (2000), S. 8-10

[12] ebd.: (2000), S. 10

[13] Vgl. Europäische Kommission: (2001), S. 25

[14] Europäische Kommission: (2001), S. 5

[15] ebd.: (2001), S. 8

[16] Vgl. International Organization for Standardization: (2001), S. 18f

[17] Vgl. Kernaghan, W.: ISO launches online message board on corporate social responsibility.
http://www.iso.org/iso/en/commcentre/pressreleases/archives/2002/Ref816.html (2002)

[18] Vgl. Gillis, T. et al.: (2001), S. 24

[19] Vgl. Bronchain, P.: (2003), S. 8f

[20] Vgl. Friedman, M.: (1970), S. 122-126

[21] Vgl. Carroll, A. et al.: (2003), S. 47-50

[22] Vgl. Lantos, G.: (2002), S. 205-230

[23] Vgl. Quazi, A. et al.: (2002), S. 33-51

[24] Friedman, M.: (1970), S. 122

[25] Vgl. ebd., S. 122-126

[26] Vgl. Carroll A. et al.: (2003), S. 45f

[27] Vgl. ebd., S. 47-49

[28] Vgl. ebd., S. 49

[29] Vgl. Europäische Kommission: (2001), S. 9-17

[30] Vgl. WBCSD: (1999), S. 5

[31] Vgl. Carroll, A. et al.: (2003), S. 48

[32] Vgl. Lantos, G.: (2002), S. 205ff

[33] Vgl. Quazi, A. et al.: (2002), S. 36

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Corporate Social Responsibility. Theoretische Ansätze zur sozialen Verantwortung von Unternehmen
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
43
Katalognummer
V288493
ISBN (eBook)
9783656886846
ISBN (Buch)
9783656905837
Dateigröße
933 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
corporate, social, responsibility, theoretische, ansätze, verantwortung, unternehmen
Arbeit zitieren
MMag. Thomas Schrott (Autor), 2004, Corporate Social Responsibility. Theoretische Ansätze zur sozialen Verantwortung von Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288493

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