Die Journalisten in der Türkei im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat


Hausarbeit, 2013

12 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Journalisten in der Türkei
2.1 Die republikanische Periode + 1980
2.2 Die Zeit nach 1980

3. Die Besitzstruktur der Medien in der Türkei

4. Die Journalisten im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Die Presse ist die 4. Gewalt. Das Fernsehen die 5., der Rundfunk die 6. Gewalt. Zeitschriften sind die 7. Gewalt, die Banken die 8., die Versicherungen die 9. Gewalt. Die Firma, die dem Militär Panzerflugzeuge verkauft, ist die 10. Gewalt. Die Tourismusunternehmen sind die 11. Gewalt, die Marketingfirmen die 12. und die Holdings die 13. Gewalt." (von Dogru, 1995) Das Thema meiner Hausarbeit sind die Journalisten im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat in der Türkei. Der Grund für die Auswahl dieses Themas ist die aktuelle Lage der Journalisten in der Türkei. Eines der größten Hindernisse für den Beitritt der Türkei in die Europäische Union ist die Pressezensur und die Inhaftierung zahlreicher Journalisten. Da mein Hauptstudienfach Turkologie ist, fiel mir die Auswahl dieses Themas sehr leicht. Im ersten Teil meiner Hausarbeit gehe ich auf die Geschichte der Journalisten in der heutigen Türkei ein. Der zweite Teil ist der Hauptteil meiner Hausarbeit. Hier werde ich die Besitzstrukturen der Medien in der Türkei und die Journalisten im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat erläutern.

2. Die Geschichte der Journalisten in der Türkei

Im Osmanischen Reich wurde die erste Druckerei in der Hauptstadt Istanbul von Juden, die aus Spanien vertrieben worden waren und Zuflucht unter den Osmanen gefunden hatten, gegründet. (von Tilic, 2003) Die Gebrüder Nahmes druckten 1499 in Istanbul die fünf heiligen Bücher des Propheten Mohammad.(von Tilic, 2003) Interessant ist, dass von 1492-1727 alle 37 Druckereien im Osmanischen Reich von Minderheiten bzw. von ausländischen Missionaren gegründet wurden. Keine dieser brachte ein Werk in türkischer Sprache heraus.

Die erste türkische Druckerei gründeten Sait Efendi und Ibrahim Müteferrika im Jahre 1727. Die erste Zeitung, welche in der heutigen Türkei gedruckt wurde, war das von der französischen Botschaft in Istanbul herausgegebene Bulletin de Novelles. (von Tilic, 2003) Die erste private Zeitung brachte der Kontrarevolutionär Alexander Blaques im Jahre 1801 heraus. (von Tilic, 2003) In diesem Blatt wurde den ausländischen Akteuren, die den griechischen Unabhängigkeitskampf unterstützten, der Kampf angesagt. Obwohl die Zeitung von einem Ausländer betrieben wurde, war sie anti griechisch.

Die erste Zeitung in türkischer Sprache, Takvim-i Vakayi, kam 30 Jahre später in Istanbul heraus. Die Takvim-i Vakayi war eine staatliche Zeitung, die in erster Linie dem Volk Erklärungen zu Regierungsbeschlüssen vermitteln sollte. Der Brite William Churchill brachte 1840 die erste private Zeitung in türkischer Sprache heraus (Ceride-i Havadis). Agah Efendi, der die Tercuman-i Ahval herausbrachte, war über die Hegemonie der ausländischen Presse in der Türkei verärgert. Agah Efendi fragte sein Volk warum man Einheimischen auch das Recht gibt, dasselbe zu tun. (von Tilic, 2003) Um 1860 herrschte im Osmanischen Reich eine freie Medienatmosphäre, jedoch kam mit der Zeit der politische Akt hinzu. Viele Jungtürken betätigten sich derzeit im Zeitungswesen.

Parallel zur wirtschaftlichen Krise des Osmanischen Reiches wurde das Reich immer die Tagesordnung, die der Presse, die solche Bevormundung kritisierte, einen Maulkorb umhängen sollten. In den 1860er Jahren war die Regierung berechtigt Zeitungen zu schließen. Daraufhin begannen die Jungtürken in europäischen Ländern Zeitungen contra Regierung herauszugeben. Zudem zu erwähnen ist, dass die erste Journalistengeneration (1860) von Intellektuellen der Bürokratie abstammte. Die Proklamierung einer verfassungsmäßigen Monarchie durch Sultan Abdulhamid im Jahre 1876 schuf breiten Raum für relative Freiheiten, jedoch entließ 1878 Abdulhamid das Parlament und das dunkelste Kapitel in der Geschichte des türkischen Zeitungswesens begann. Es folgten unzählige Widerstände gegen das Regime, was 1908 zur Wiedereinführung einer konstitutionellen Staatsform führte. Am selben Tag trat er mit den vier Verlegern der vier in Istanbul erscheinenden Zeitungen zusammen und hob die Zensur auf. Jedoch kehrte mit Beginn des ersten Weltkrieges die Zensur bis 1923 zurück.

2.1 Die republikanische Periode + 1980

Die interessantesten zehn Jahre der türkischen Presse waren die der Besatzung des zu den Verlieren des ersten Weltkrieges zählenden Landes, denn die Presse teilte sich in zwei Gruppen. Auf der einen Seite Istanbul, die mit den Besatzern zusammen arbeiteten und den Sultan unterstützten und auf der anderen Seite Ankara, die contra Sultan und pro kemalistische Unabhängigkeitsbewegung waren.

Als Atatürk nach Ankara zog und die Große Nationalversammlung eröffnete, gab er am 10.1.1920 den Startschuss für das Erscheinen der Zeitung Hakimiyet-i Milliye. (von Inuğur, 1992) Diese Zeitung wurde im Nachhinein umbenannt und zum Sprechrohr der republikanischen Volkspartei CHP. Auch in den ersten Jahren der Republik war die türkische Presse in einer zwiespältigen Lage. Grund hierfür war das Kalifat und die Führung der Moslems weltweit. Nachdem 1925 im Osten des Landes ein islamischer Aufstand ausgebrochen war, begann man, auf die Presse in Istanbul, die den Aufstand unterstützte, Druck auszuüben. Weiterhin stand die Presse in Istanbul immer noch in Opposition zu Republik. Am 4.3.1925 wurde das Gesetz Takrir-i Sükrun verabschiedet, worin steht, dass die Regierung den liberalen, den islamistischen und den linken Flügel aus den politischen Fächern herausbringt. Bis zur Zeit des Vielparteiensystems in der Türkei fristete die türkische Presse unter dem starken Druck der CHP ihr Dasein. Die neu gegründete demokratische Partei DP nahm um 1940 die Pressezügel fest in die Hand und gründete Zeitungen gemäß ihrer Partei. Die am 14.5.1950 an die Regierung gekommene DP brachte mit ihrem populistischen Diskurs die Massen, die eine Liberalisierung forderten, hinter sich. Die Beziehungen zur Presse wurden liberaler. Jedoch als die Presse die DP zu kritisieren begann, übte die DP starken Druck aus. Die Demokratische Partei rief einige Male Ausnahmezustände aus, welche Möglichkeiten eröffnete Zeitungen zu verbieten und die Presse zum Schweigen zu bringen. Die Massendemonstrationen der Studenten wurden nun unangenehmer. Durch die Unterstützung der Presse und später der Armee folgte der Militärputsch am 27.5.1960. Auf dem Militärputsch 1960 folgten weitere in den Jahren 1971 und 1980.

2.2 Die Zeit nach 1980

Nezih Demirkent, ein führender Kopf der türkischen Presse, schrieb in seinem Buch Medya Medya, dass sich die heutige Presse von der vor 1980 wesentlich unterscheide. (von Tilic, 2003) Das Jahr 1980 war sozio-ökonomisch und journalistisch betrachtet für die Türkei eine Zeitwende. Die heutigen Berichterstatter werden gezwungen was und wie sie schreiben sollen oder nicht. Auch habe sich das Prinzip des Journalismus in der Türkei verändert. Der Leser soll von nun an sich mit dem Gedanken, dass alle Zeitungen lügen, abfinden, denn ab 1980 sollte die Nachricht interessant sein, ob sie stimmt oder nicht, ist unwichtig.

Die Investitionen, die in den achtziger Jahren in den Kommunikationsbereich gemacht wurden, hatten ein gigantisches Ausmaß, während im Allgemeinen die Investitionen in allen anderen Bereichen gebremst wurden. (von Tilic, 2003) Ende der achtziger Jahre erreichten die Investitionen in die Kommunikationstechnologie sowohl des privaten als auch des öffentlichen Sektors ihren Gipfel.

3. Die Besitzstruktur der Medien in der Türkei

„Die Medien haben in den letzten Jahren für große kommerzielle Gruppen die Funktion einer Waffe. Profite zu erzielen ist ein zweitrangiges Thema bei den Medien." (von Sönmez, 1995) Sönmez sagt hier aus, dass sich die Funktion der Medien mit der Zeit geändert hat und relativ autonom von der Politik ist.

Die Invasion auf den türkischen Mediensektor oder vielmehr das Verschwinden der traditionalen Medienbesitzer von der Bildfläche ereignete sich in der ersten Hälfte der 1990er Jahre. Familien wir Karacan und Simavi, welche alte Medienbesitzer waren verließen komplett den Medienmarkt. Der letzte Vertreter der Simavi-Familie, Erol Simavi, verkaufte seine Anteile der Zeitung Hürriyet August 1994 an Aydin Dogan. Zuvor kaufte Aydin Dogan die Zeitung Milliyet von den Karacans auf.

Viele Holdings in der Türkei starteten in den Konkurrenzjahren der 1980er ihr Medienunterfangen. Das Ziel war vom Einfluss des Mediums zu profitieren.

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Details

Titel
Die Journalisten in der Türkei im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Grundlagen der Journalisik
Note
2.0
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V288507
ISBN (eBook)
9783656887812
ISBN (Buch)
9783656887829
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Türkei, Journalisten, politik, medien, staat
Arbeit zitieren
Ali Gündüzer (Autor:in), 2013, Die Journalisten in der Türkei im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288507

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