Das Thema meiner Hausarbeit sind die Journalisten im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat in der Türkei. Der Grund für die Auswahl dieses Themas ist die aktuelle Lage der türkischen Journalisten. Eines der größten Hindernisse für den Beitritt der Türkei in die Europäische Union ist die Pressezensur und die Inhaftierung zahlreicher Journalisten. Da mein Hauptstudienfach Turkologie ist, fiel mir die Auswahl dieses Themas sehr leicht. Im ersten Teil meiner Hausarbeit gehe ich auf die Geschichte der Journalisten in der heutigen Türkei ein. Der zweite Teil ist der Hauptteil meiner Hausarbeit. Hier werde ich die Besitzstrukturen der Medien in der Türkei und die Journalisten im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat erläutern.
Trotz des Endes der türkischen Militärjunta im Jahre 1983 zeugt die Zahl der inhaftierten und ermordeten Journalisten von keiner allzu demokratischen Medienatmosphäre. Die Inhaftierung vieler Journalisten stellt noch heute eine Hürde für den EU-Beitritt der Türkei dar. Die Massen an Zeitungslesern, Radiohörern und Fernsehzuschauern begegnen uns als die passivsten Elemente im Kommunikationsprozess. Die Empfänger stellen sich nicht als aktive, einflussnehmende und bewusste Masse dar. Sie begnügen sich in der Regel mit dem, was ihnen präsentiert wird und machen keinen Versuch die Situation zu ändern, auch wenn sie sich auf individueller Ebene beklagen. Trotz dieses negativen Bildes bin ich der Meinung, dass der Journalismus in der Türkei eine wichtige Aufgabe hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Journalisten in der Türkei
2.1 Die republikanische Periode + 1980
2.2 Die Zeit nach 1980
3. Die Besitzstruktur der Medien in der Türkei
4. Die Journalisten im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die prekäre Lage von Journalisten in der Türkei im Spannungsfeld zwischen staatlicher Repression, medienpolitischen Abhängigkeiten und den Herausforderungen der Pressefreiheit seit 1980.
- Historische Entwicklung des Journalismus in der Türkei
- Wandel der Medienbesitzstrukturen und Kommerzialisierung
- Einfluss staatlicher Institutionen und politischer Machtzentren auf die Berichterstattung
- Problematik der Pressezensur und Inhaftierungen
- Rolle der Medien als Instrument politischer und wirtschaftlicher Interessen
Auszug aus dem Buch
4. Die Journalisten im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat
Journalisten müssen stets enge Verbindungen zu staatlichen Organisationen pflegen, denn staatliche Organisationen sind wichtige Informationsquellen. Hierbei stehen Regierungsvertreter und Repräsentanten an erster Stelle, deshalb stellt sich die Frage, ob ein Journalist wirklich seine kritische Meinung an den Staat äußern kann.
Der Militärputsch von 1980 hatte das Verbot sämtlicher Parteien zur Folge. Die Presse wurde scharf kontrolliert und über bestimmte Themen durfte nicht geschrieben und bestimmte Nachrichten durften nicht gedruckt werden. Die Kommandantur für den Ausnahmezustand bestimmte was geschrieben werden sollte. (von Tilic, 2003) Auch stand das staatliche Fernsehen im Dienste der Generäle und eine Zeitung konnte auf Wunsch eines Kommandanten geschlossen werden. Den Medienbesitzern blieb die Möglichkeit entweder den Betrieb zu schließen bzw. schließen lassen oder sie arbeiteten mit der Militärjunta zusammen. Alle Medienbesitzer wählten hierbei die zweite Möglichkeit.
Nachdem General Kenan Evren Staatspräsident gewählt wurde, nahmen an den Wahlen von 1983 nur von den Generälen gebilligte Parteien teil. Die Mutterlandspartei ANAP von Turgut Özal gewann mit über 40 Prozent der Stimmen. (von Riemer, 1998) Die erneute Zuwendung zum Mehrparteiensystem verschaffte der Presse etwas mehr Spielraum. Ministerpräsident Özal knüpfte sogar mit einigen Zeitungen, Journalisten und Reportern direkte und persönliche Beziehungen an. Es entsteht ein neuer Journalistentypus, der den Beziehungen zu den politischen Machtzentren höchste Bedeutung beimaß. Als jedoch die bewaffneten Auseinandersetzungen mit der PKK im August 1994 begannen, legte der Staat der Presse erneut ein Maulkorb um. Zeitungen wurden verboten und viele Reporter, Journalisten fanden sich wegen ihrer Kurdenartikel vor Gericht wieder. Der Journalistenverband in Istanbul berichtete 1991, dass in den 8 Jahren der ANAP-Regierung 1392 Verfahren gegen Journalisten eröffnet wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Presse als „vierte Gewalt“ und führt in die aktuelle Problematik der Pressefreiheit sowie die Zielsetzung der Arbeit ein.
2. Die Geschichte der Journalisten in der Türkei: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des türkischen Pressewesens von den Anfängen im Osmanischen Reich bis zur Zeit nach 1980 nach.
2.1 Die republikanische Periode + 1980: Hier werden die Entwicklungen der Presse unter dem Druck der CHP, des Vielparteiensystems und die Auswirkungen der Militärputsche analysiert.
2.2 Die Zeit nach 1980: Das Kapitel beschreibt die sozio-ökonomische Zäsur des Jahres 1980 und die daraus resultierende Veränderung der journalistischen Prinzipien sowie Technologieinvestitionen.
3. Die Besitzstruktur der Medien in der Türkei: Der Fokus liegt hier auf dem Wandel der Medienbesitzverhältnisse von traditionellen Familien hin zu großen Holding-Strukturen und deren Einflussnahme.
4. Die Journalisten im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat: Dieses Kapitel thematisiert die direkte Abhängigkeit von staatlichen Informationsquellen und die Folgen staatlicher Repression auf die journalistische Arbeit.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz zur paradoxen Situation der türkischen Journalisten und der Hürden, die diese für eine demokratische Medienatmosphäre darstellen.
Schlüsselwörter
Pressefreiheit, Journalismus, Türkei, Zensur, Medienbesitzstruktur, Militärputsch, Republikanische Periode, Politische Einflussnahme, Pressefeinde, PKK, Meinungsfreiheit, Medienmacht, Journalistenprozesse, 1980, Journalistische Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Stellung von Journalisten in der Türkei zwischen journalistischer Pflicht, staatlichem Druck und den wirtschaftlichen Interessen großer Medienkonzerne.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der türkischen Presse, die Kommerzialisierung durch Holdings sowie die politischen Rahmenbedingungen, die die freie Berichterstattung einschränken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die strukturellen Gründe für die aktuelle Gefährdungslage von Journalisten in der Türkei aufzuzeigen und die Auswirkungen von staatlicher Zensur sowie politischer Bevormundung darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung journalistischer Berichte sowie dokumentierter Ereignisse der türkischen Zeitgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die Analyse der Medienbesitzverhältnisse und die spezifische Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Staat und Medienakteuren.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Pressefreiheit, staatliche Repression, Medienbesitzstruktur und die türkische Medienlandschaft seit 1980 beschreiben.
Welche Bedeutung hatte der Militärputsch 1980 für die Presse?
Der Putsch markierte eine tiefgreifende Zäsur, in der die Presse scharf kontrolliert, kritische Berichterstattung unterbunden und staatliches Fernsehen sowie Zeitungen als Propagandainstrumente instrumentalisiert wurden.
Inwiefern hat die Besitzstruktur der Medien die journalistische Unabhängigkeit beeinflusst?
Der Übergang von traditionellen Verlegerfamilien zu großen Wirtschafts-Holdings führte dazu, dass Medien oft zur Durchsetzung kommerzieller und politischer Eigeninteressen genutzt werden, was die Unabhängigkeit der Journalisten erheblich schwächt.
- Citar trabajo
- Ali Gündüzer (Autor), 2013, Die Journalisten in der Türkei im Spannungsfeld zwischen Medien und Staat, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288507