Eine ungesunde Ernährung in den unteren sozialen Schichten wird oftmals auf das eine Problem der fehlenden finanziellen Mittel reduziert. Gesunde, abwechslungsreiche Nahrung mit viel Obst und Gemüse sowie ausreichend Ballaststoffen, gesättigten Fettsäuren etc. sei mit Sozialleistungen nicht realisierbar. Die Leistungen werden jedoch kaum und wenn, dann nicht aus diesem Grunde erhöht. Dies liegt an der Befürchtung, dass eine Leistungserhöhung die Motivation bei der Arbeitssuche verringern könnte. Ebenso besteht die Sorge, das zusätzliche Geld werde in Genussgüter, wie Zigaretten und Alkohol, anstatt in eine gesunde Ernährung der Kinder investiert.
Ernährungsbedingte Erkrankungen, wie Adipositas, Diabetes Mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in dieser sozialen Schicht viel häufiger anzutreffen, als in anderen. Doch ist der Zustand der wachsenden „dicken Unterschicht“ mit mangelndem Interesse, Passivität und schlichtweg zu geringem Einkommen zu erklären? Stecken vielleicht noch mehr Gründe dahinter?
Diese Fragen werden in der folgenden Hausarbeit beleuchtet und auch, ob es wirklich nur diese scheinbar eindeutigen Ursachen gibt oder nicht noch mehr Gründe dahinterstecken. Dabei wird außerdem der Frage nachgegangen, inwieweit es überhaupt möglich ist, sich von Sozialleistungen, durch den Einsatz von haushälterischen Kompetenzen gesund zu ernähren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definition Armut
2. Armut und Ernährung
3. Bedeutung der Ernährung
4. Vollwertige Ernährung
5. Ursachen für Fehlernährung
6. Ernährung in der armen Familie
7. Kann man sich von Sozialleistungen gesund ernähren?
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Armut und Ernährungsweise in Deutschland. Dabei wird der Forschungsfrage nachgegangen, ob eine gesunde Ernährung trotz des Bezugs von Sozialleistungen durch den gezielten Einsatz haushälterischer Kompetenzen realisierbar ist und welche weiteren sozioökonomischen Faktoren die Ernährungsgewohnheiten in einkommensschwachen Haushalten prägen.
- Analyse des Armutsbegriffs und dessen Auswirkungen auf das Konsumverhalten
- Die soziale und kulturelle Bedeutung von Ernährung im Alltag
- Einflussfaktoren von Fehlernährung bei einkommensschwachen Familien
- Herausforderungen einer vollwertigen Ernährung unter finanzieller Limitierung
- Psychologische Aspekte und der Verlust von Autonomie durch Armut
Auszug aus dem Buch
3. Bedeutung der Ernährung
Die Ernährung dient der Versorgung des Körpers mit Nährstoffen zur Deckung des täglichen Energiebedarfs. Dabei sollte ein ausgewogenes Verhältnis von Kohlehydraten, Eiweißen und Fetten erreicht werden. Eine Trinkmenge von mindestens 1,5l kalorienarmer Flüssigkeiten am Tag ist wichtig für einen physiologischen Flüssigkeitshaushalt. Allerdings hat Ernährung in einer Wohlstandsgesellschaft wie Deutschland längst nicht mehr die Bedeutung der bloßen Energieversorgung. Sie gestaltet unser soziales und kulturelles Leben und kann moralische sowie religiöse Überzeugungen ausdrücken (vgl. Dalk, S. 2001, S.14, Barlösius, E. 1995, S.28).
In Deutschland leben viele Menschen, die über kein eigenes Einkommen verfügen oder deren Verdienst zu gering ist, um selbst für ihre Lebenshaltungskosten aufzukommen. Dennoch muss niemand hungern. Die sozialstaatliche Unterstützung für Geringverdiener und Arbeitslose deckt die Kosten für ein Leben am Existenzminimum. Dies reicht zwar für die Bedarfsdeckung aus, aber ist es auch ausreichend für die Bedürfnisbefriedigung, die ebenfalls Funktion der Ernährung ist (vgl. Barlösius, E. 1999, S.237)? Die Nahrungszufuhr erfüllt eine wichtige soziale wie auch kulturelle Funktion, was sich am gemeinsamen Abendessen mit der Familie, Essen gehen mit dem Partner oder der Einladung in ein Restaurant anlässlich eines Geburtstages zeigt. Diese Rituale sind Teil unseres Alltags und werden regelmäßig praktiziert. Dabei geht es keineswegs um die reine Nährstoffzufuhr. Vielmehr geht es darum, sich mit den Menschen zu treffen, die man liebt, um sich auszutauschen und die gemeinsame Beziehung zu pflegen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Annahme, dass Armut zwangsläufig zu ungesunder Ernährung führt, und hinterfragt, ob dies nur an finanziellen Mitteln oder auch an anderen Faktoren liegt.
1. Definition Armut: Dieses Kapitel erläutert die Abgrenzung zwischen absoluter, relativer und subjektiver Armut als theoretische Grundlage der Untersuchung.
2. Armut und Ernährung: Hier wird der Zusammenhang zwischen geringem Einkommen, variablen Haushaltskosten und dem damit verbundenen erhöhten Risiko für Fehlernährung thematisiert.
3. Bedeutung der Ernährung: Dieses Kapitel beschreibt Ernährung nicht nur als reine Nährstoffzufuhr, sondern als essenziellen Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens.
4. Vollwertige Ernährung: Es werden die offiziellen Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Standard für eine gesunde Lebensweise vorgestellt.
5. Ursachen für Fehlernährung: Dieses Kapitel analysiert Gründe wie den Verlust gemeinsamer Mahlzeiten, den Einfluss von Fertigprodukten und das schwierige Umdenken bei festgefahrenen Gewohnheiten.
6. Ernährung in der armen Familie: Es wird untersucht, wie sich prekäre Arbeitsverhältnisse und der psychische Druck der Armut auf die familiäre Ernährungsstruktur auswirken.
7. Kann man sich von Sozialleistungen gesund ernähren?: Dieses Kapitel prüft, ob eine gesunde Ernährung trotz begrenzter finanzieller Mittel mit extremem Planungsaufwand und Disziplin möglich ist.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine gesunde Ernährung theoretisch möglich wäre, die Lebensrealität unter Armutsbedingungen dies jedoch durch psychischen Leidensdruck und strukturelle Barrieren erschwert.
Schlüsselwörter
Armut, Ernährung, Sozialleistungen, Fehlernährung, Haushaltswissenschaft, Soziale Schichten, Kaufkraft, Ernährungsverhalten, Existenzminimum, Gesundheitsstatus, Lebensqualität, Haushaltsplanung, Fertigprodukte, Übergewicht, Psychische Belastung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen einer finanziell prekären Lebenslage (Armut) und der Ernährungsqualität in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Zusammenhang zwischen Armutsrisiko und Übergewicht, die Bedeutung von Ernährung als soziales Ritual sowie die Herausforderungen einer vollwertigen Ernährung bei knappen Haushaltsbudgets.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob ein gesundes Ernährungsverhalten trotz Sozialleistungen bei entsprechender haushälterischer Kompetenz möglich ist oder ob strukturelle Faktoren die Umsetzung verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse, die soziologische Erkenntnisse und ernährungswissenschaftliche Studien zusammenführt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt neben theoretischen Definitionen von Armut die Ursachen für Fehlernährung, die Bedeutung des Essens als soziale Funktion und eine kritische Auseinandersetzung mit der Realisierbarkeit gesunder Ernährung unter Hartz-IV-Bedingungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Armut, Ernährung, Sozialleistungen, soziale Ungleichheit und Haushaltsmanagement definieren.
Wie wirkt sich der psychische Leidensdruck bei Armut auf die Ernährung aus?
Der psychische Druck führt häufig dazu, dass Essen als Kompensation für Liebesentzug oder Frust dient, was wiederum den Konsum von hochkalorischen, ungesunden Lebensmitteln fördern kann.
Welche Rolle spielt die "Kulturelle Funktion" des Essens in der Argumentation?
Der Autor argumentiert, dass der Verlust der sozialen und kulturellen Funktion von Mahlzeiten durch fehlende finanzielle Mittel für gemeinsame Aktivitäten oder Einladungen einen zentralen Teil des Armutserlebens darstellt.
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- Jenny Feierabend (Author), 2013, Haushälterische Kompetenzen. Gesunde Ernährung trotz Sozialleistungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288632