Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Vorlesungsmitschrift zu Modellen und Paradigmen der Rehabilitationspädagogik

Title: Vorlesungsmitschrift zu Modellen und Paradigmen der Rehabilitationspädagogik

Script , 2015 , 22 Pages

Autor:in: Bachelor Thomas Bode (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In dieser Vorlesungsmitschrift werden verschiedenen Modelle und Paradigmen der Rehabilitationspädagogik vorgestellt. Eine einheitliche Definition der Behinderung ist in der Literatur nicht vorhanden. Konzepte und Begrifflichkeiten der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen unterscheiden sich stark voneinander. Unterschiedliche Zielsetzungen der benötigten Konzepte der Behinderung führen somit zu einer großen Variation der Begriffe und ihrer Bedeutung.

Die Klassifikation ICF, als eine mögliche Definition der Behinderung nach WHO, orientiert sich an dem Konzept der Funktionalen Gesundheit. Der Mensch wird als biopsycho-
soziales Wesen gesehen. Dementsprechend stellt das Konzept ein komplexes Wechselwirkungsmodell dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Fragestellungen zur Vorlesung

1.1 Definitionen von Behinderungen und deren Reichweite und Grenzen

1.2 Bildungsoptimistische und ordnungsorientierte Wurzeln der Aufklärung und deren Auswirkungen auf die entstehende Heilpädagogik

1.3 Grundlagen des Sensualismus und Vorgehensweisen am Beispiel Itard´s

1.4 Einfluss der gesellschaftlichen Bedingungen auf die Transformation von Bildungseinrichtungen zu Verwahreinrichtungen im 19. Jahrhundert

1.5 Gesellschaftlichen Funktionen der Hilfsschule

1.6 Einfluss der Anstaltsentwicklungen Ende des 19. Jahrhunderts auf das Euthanasieprogramm im Nationalsozialismus

1.7 (In)direkte Beteiligung der Heilpädagogik an den Sterilisationsmaßnahmen und dem Euthanasieprogramm während der NS-Zeit

1.8 Hürden und Hemmnisse der Inklusion in Deutschland

1.9 Gesellschaftlichen Veränderungen als Grundlage des Paradigmenwechsel im Behindertenbetreuungssystem

Zielsetzung & Themen

Das Portfolio verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Rehabilitationspädagogik kritisch zu beleuchten, wobei insbesondere der Wandel von Aussonderungsprozessen hin zu inklusiven Paradigmen analysiert wird. Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Normen, pädagogischem Handeln und den daraus resultierenden Auswirkungen auf Menschen mit Behinderungen.

  • Historische Wurzeln und Menschenbilder der Aufklärung
  • Die Rolle der Heilpädagogik in den Selektionsprozessen der NS-Zeit
  • Das Konzept der ICF und seine Bedeutung für die Teilhabe
  • Strukturelle Hürden und Hemmnisse für Inklusion im deutschen Schulwesen
  • Paradigmenwechsel im Behindertenbetreuungssystem: Von der Verwahrung zum Empowerment

Auszug aus dem Buch

1.3 Grundlagen des Sensualismus und Vorgehensweisen am Beispiel Itard´s der Wilde von Avignon

„Nihil est in intellectu, quod non antea fuerit in sensu“ (John Lockes)

Diese These stellt die Grundannahme des Sensualismus, als eine besondere Form des Empirismus dar. Als eine erkenntnistheoretische Richtung der Philosophie werden alle Erkenntnisse auf Sinneswahrnehmungen und letztendlich auf die Empfindung physiologischer Reize zurückgeführt. Somit wird die Frage nach dem Anfang der Erkenntnis mit ausschließlich sinnlichen Reizen ohne begriffliche Hilfsmittel verabsolutiert (Brockhaus. 1993).

John Locke, als Begründer des theoretischen Sensualismus untersuchte in seinen Werken eine Vielzahl pragmatischer Argumente zur Ablehnung eingeborener Ideen, und später mit dem Zusammenhang der Ideen mit der Erfahrung. Er sah das menschliche Bewusstsein bei der Geburt als ein weißes Blatt Papier, auf das die Erfahrung erst schreibt. Ausgangspunkt der Erkenntnis ist die sinnliche Wahrnehmung. Seine finalen Werke unterschieden äußere Wahrnehmungen (sensations) und innerer Wahrnehmungen (reflections) und die Untersuchung der Rolle der Sprache, ihres Zusammenhangs mit den Ideen und ihre Bedeutung für das Wissen (Academic. 2014).

Ausgangspunkt war für den Film der „Wilde von Aveyron“. Ein wilder Junge, der im Wald aufgefunden wurde, der vermutlich aufgrund seiner Behinderung von den Eltern in den Wald verschleppt und ausgesetzt wurde. Aufgrund einer Verletzung am Hals wird davon ausgegangen, dass die Eltern versucht haben ihn zu töten. Gefangen durch Dorfbewohner verbringt der Junge seine Zeit in verschiedenen Einrichtungen, wird untersucht und für Schwachsinnig gehalten und schließlich zu Doktor Itard überstellt. Jean Marc Gaspard Itard war ein französischer Arzt und Taubstummenlehrer, dessen Berichte über den „Wilden von Aveyron“ zu den klassische Texten in der heutigen Lernbehindertenpädagogik und den Erziehungswissenschaften zählen. Itard, orientiert am Sensualismus, erforschte an dem Jungen die Fragestellung, ob eine Erziehung und eine Zivilisation möglich ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Fragestellungen zur Vorlesung: Einleitende Betrachtung der Vorlesungsthemen, die den Rahmen für die nachfolgenden Analysen zur Geschichte und Praxis der Rehabilitationspädagogik bilden.

1.1 Definitionen von Behinderungen und deren Reichweite und Grenzen: Analyse des Behinderungsbegriffs anhand des ICF-Modells der WHO und Diskussion über dessen Potenzial sowie praktische Grenzen bei der Anwendbarkeit.

1.2 Bildungsoptimistische und ordnungsorientierte Wurzeln der Aufklärung und deren Auswirkungen auf die entstehende Heilpädagogik: Untersuchung der historischen Ursprünge der Heilpädagogik im 18. Jahrhundert, geprägt durch das Spannungsfeld zwischen aufklärerischem Bildungsanspruch und ordnungspolitischen Anforderungen.

1.3 Grundlagen des Sensualismus und Vorgehensweisen am Beispiel Itard´s: Darstellung der sensualistischen Erkenntnistheorie am Fallbeispiel des „Wilden von Aveyron“ und dessen pädagogischer Erschließungsversuche durch Itard.

1.4 Einfluss der gesellschaftlichen Bedingungen auf die Transformation von Bildungseinrichtungen zu Verwahreinrichtungen im 19. Jahrhundert: Analyse der Industrialisierung als treibende Kraft für die Entstehung von Anstalten zur Verwahrung von Menschen, die nicht in den Produktionsprozess integrierbar waren.

1.5 Gesellschaftlichen Funktionen der Hilfsschule: Kritische Beleuchtung der Hilfsschule als Aussonderungsinstrument, das primär der sozialen Kontrolle statt dem individuellen Bildungsauftrag diente.

1.6 Einfluss der Anstaltsentwicklungen Ende des 19. Jahrhunderts auf das Euthanasieprogramm im Nationalsozialismus: Untersuchung, wie die pädagogische Selektionspraxis und die Anstaltsentwicklung den Boden für die rassenhygienische Vernichtungspolitik bereiteten.

1.7 (In)direkte Beteiligung der Heilpädagogik an den Sterilisationsmaßnahmen und dem Euthanasieprogramm während der NS-Zeit: Reflexion über die Rolle der Hilfsschullehrer und die Instrumentalisierung heilpädagogischer Diagnoseverfahren für nationalsozialistische Selektionsziele.

1.8 Hürden und Hemmnisse der Inklusion in Deutschland: Aufzeigung struktureller, finanzpolitischer und institutioneller Widerstände, die die Umsetzung inklusiver Bildungsprozesse in Deutschland bis in die Gegenwart erschweren.

1.9 Gesellschaftlichen Veränderungen als Grundlage des Paradigmenwechsel im Behindertenbetreuungssystem: Zusammenfassung des Wandels vom Fürsorge- und Anstaltssystem hin zu Ansätzen von Empowerment und Selbstbestimmung ab den 1970er Jahren.

Schlüsselwörter

Rehabilitationspädagogik, Behinderung, ICF, Inklusion, Sonderpädagogik, Aufklärung, Sensualismus, Anstaltswesen, Nationalsozialismus, Euthanasie, Zwangssterilisation, Empowerment, Selektion, Behindertenbetreuung, Heilpädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in diesem Portfolio grundsätzlich?

Das Portfolio untersucht die historische Genese und die gesellschaftlichen Strukturen der Rehabilitationspädagogik, wobei der Fokus auf dem Wandel des Umgangs mit Behinderung liegt – von der frühen Aussonderung bis hin zu heutigen Herausforderungen der Inklusion.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Entwicklung des Behinderungsbegriffs, der Einfluss von Aufklärung und Industrialisierung auf die Heilpädagogik sowie die kritische Aufarbeitung der Rolle heilpädagogischer Institutionen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die kritische Reflexion darüber, wie sich gesellschaftliche Paradigmen auf die institutionelle Behandlung behinderter Menschen ausgewirkt haben und warum Inklusion trotz UN-Konvention in Deutschland weiterhin auf Widerstände stößt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen theoretisch-historischen Ansatz, indem sie historische Diskurse, pädagogische Konzepte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen auf Basis von Fachliteratur und Berichten analysiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Fragestellungen, die von den Grundlagen der Aufklärung über die NS-Verstrickungen der Heilpädagogik bis hin zur aktuellen Situation der schulischen Inklusion reichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Rehabilitationspädagogik, Inklusion, historische Aufarbeitung, Selektionsprozesse und Paradigmenwechsel.

Wie bewertet der Autor die Situation der Inklusion an Berufsschulen?

Der Autor sieht an berufsbildenden Schulen eine besonders schlechte Bilanz, da hier wirtschaftliche Leistungsmaximierung und ökonomische Interessen eine Auslese fördern, die Menschen mit Beeinträchtigungen benachteiligt.

Warum wird die Rolle der Hilfsschullehrer im NS-System kritisch gesehen?

Der Autor argumentiert, dass Hilfsschullehrer durch ihr Streben nach Anerkennung und Autonomie im Schulsystem zu aktiven Helfern bei der Aussonderung und Sterilisationspraxis wurden, da sie sich als "Sicherungsorgane des Volkes" verstanden.

Excerpt out of 22 pages  - scroll top

Details

Title
Vorlesungsmitschrift zu Modellen und Paradigmen der Rehabilitationspädagogik
College
Humboldt-University of Berlin  (Rehawissenschaften)
Course
Modelle und Paradigmen der Rehabilitationspädagogik
Author
Bachelor Thomas Bode (Author)
Publication Year
2015
Pages
22
Catalog Number
V288676
ISBN (eBook)
9783656890218
ISBN (Book)
9783656890225
Language
German
Tags
Rehabilitationspädagogik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor Thomas Bode (Author), 2015, Vorlesungsmitschrift zu Modellen und Paradigmen der Rehabilitationspädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288676
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  22  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint