In vorliegender Arbeit möchte der Verfasser den Versuch unternehmen, den Begriff des Übermenschen und dessen Herleitung, worauf in Nietzsches Werk Also sprach Zarathustra das Hauptaugenmerk gerichtet ist, näher zu bestimmen.
Die Thematik erscheint dem Verfasser besonders interessant vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die einem steten Wandel unterliegt und welcher nach mehr als 120 Jahren nach der Ausrufung des Übermenschen durch Nietzsche und dem Durchleben einschneidender weltbewegender Ereignisse durchaus die Möglichkeit gegeben war, einen solchen Menschen nicht im Einzelfall, sondern in wachsender Mehrheit hervorzubringen.
So ist es das Ziel dieser Arbeit, anhand des o. g. Primärwerkes sowie geeigneter Sekundärliteratur und einer Einordnung Nietzsches anthropologischen Standpunktes die Merkmale eines solchen Übermenschen herauszuarbeiten und einen möglichen Weg zu ihm aufzuzeigen.
Zu Beginn der Untersuchung nennt der Verfasser einige essentielle Arbeitsdefinitionen und erläutert den Hintergrund der Philosophie und gedanklichen Herkunft Nietzsches sowie damalige zeitgenössische Errungenschaften. Im folgenden Kapitel 3 sollen dann neben Nietzsches Gesellschaftskritik, die Voraussetzungen und der Weg zum sowie das eigentliche Bild des Nietzsche’schen Übermenschen gezeichnet werden, um selbiges in Kapitel 4 von Seiten seiner Kritiker genauer zu beleuchten. Abschließend geht Kapitel 5 der aufgeworfenen Fragestellung nach, inwiefern die Existenz eines Übermenschen in unserer heutigen Gesellschaft bereits besteht, wobei der Verfasser seine eigene Einschätzung zum Hervortreten eines etwaigen Übermenschen preisgibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen und Begrifflichkeiten
2.1 Evolution und Darwinismus
2.2 Feuerbach’sche Religionskritik
2.3 Polarität – oder warum es weder Gut noch Böse gibt
3 Nietzsches Bild des Übermenschen
3.1 Nietzsches Kritik am zeitgenössischen Gesellschaftsbild
3.2 Voraussetzungen für den Übermenschen
3.3 Der Weg zum Übermenschen
3.3.1 Der Geist des Kamels
3.3.2 Der Geist des Löwen
3.3.3 Der Geist des Kindes
3.4 Eigenschaften des Übermenschen
4 Kritik an der Konzeption des von Nietzsche gezeichneten Bildes des Übermenschen
5 Ausblick – Ist die Menschheit dem Übermenschen näher gerückt?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, Nietzsches Konzept des Übermenschen anhand seines Werkes „Also sprach Zarathustra“ sowie ergänzender Forschungsliteratur zu analysieren, um dessen Merkmale herauszuarbeiten und den notwendigen Transformationsweg des menschlichen Geistes aufzuzeigen.
- Analyse der philosophischen und anthropologischen Wurzeln von Nietzsches Übermensch-Konzeption.
- Untersuchung der dreistufigen Geistestransformation: vom Kamel über den Löwen hin zum Kinde.
- Kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und religiösen Prägung durch den "letzten Menschen".
- Evaluation der Rolle des Leibes als "große Vernunft" im Gegensatz zur herkömmlichen Geistzentriertheit.
- Reflexion der Rezeption durch namhafte Kritiker sowie ein Ausblick auf die heutige Relevanz.
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Der Geist des Löwen
„Aber in der einsamsten Wüste geschieht die zweite Verwandlung: zum Löwen wird hier der Geist, Freiheit will er sich erbeuten und Herr sein in seiner eigenen Wüste“ (Nietzsche, S. 18). Häußling betrachtet den Löwen als Raubtier, das in der Wüste wohnt und dieses Wüstenleben im Gegensatz zum Kamel, das die Wüste lediglich durchquert, wissentlich bejaht (cf. Häußling, S. 22). Die Wüste selbst ist Symbol für das Vorherrschen des Nichts (cf., ebd.) und bedeutet eine Abwesenheit aller Fesseln und äußerer sowie innerer Zwänge. Der Löwe kann somit als Leitbild des Geistes in seiner nihilistischen Phase angesehen werden (cf. ebd., S. 24). Sein nihilistischer Geist ist dabei von einem empfundenen Ekel geprägt, der dem kamelhaften Glauben an unverbrüchliche Wahrheiten gilt (cf. ebd., S. 25). Aus eben diesem Ekel heraus mobilisiert er seine destruktiven Energien, die zur Zerstörung der etablierten Ordnung notwendig sind (cf. ebd., S. 25).
Diese freigesetzten zerstörerischen Kräfte wendet der Löwe nun gegen den ihn bedrohenden und vernichten wollenden Drachen Du-sollst (cf. Nietzsche, S. 18). Dieser Drache wiederum spiegelt das Leitbild der Tradition wider und vertritt, nachdem Gott als Autorität der Moral überwunden ist, noch immer die weiter fortbestehende Lebensmaxime der gekannten und bis dahin gelebten Werte. Die Moral an und für sich ist für den Menschen jedoch kein so gut verhandelbares Objekt wie der nun gestorbene Gott, sodass es zur Aufgabe des Löwen wird, alles Moralische im Denken, in den Handlungen und in den Wahrheiten der Menschen aufzuspüren und dieses in seinem fiktiven, begrenzten Charakter zu entlarven (cf. Häußling, S. 24). Der Löwe jedoch vermag noch keine neuen Werte zu schaffen, wohl aber Freiheit vermag er durch seine Macht zu erringen (cf. Nietzsche, S. 19). Der Drache wiederum sucht das Entstehen des Ich-will des Löwen zu verhindern und möchte am genügsamen Geist des Kamels festhalten, das ihm so lange die Treue gehalten und fügsam gedient hat (cf. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in Nietzsches Konzept des Übermenschen ein und erläutert die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Untersuchung.
2 Definitionen und Begrifflichkeiten: Hier werden die theoretischen Grundlagen, wie die Evolutionstheorie und Feuerbachs Religionskritik, als Fundament für Nietzsches Philosophie erörtert.
3 Nietzsches Bild des Übermenschen: Dieser Hauptteil analysiert die Voraussetzungen, den Entwicklungsweg durch die Geistestransformationen und die spezifischen Eigenschaften des Übermenschen.
4 Kritik an der Konzeption des von Nietzsche gezeichneten Bildes des Übermenschen: Das Kapitel befasst sich mit der wissenschaftlichen und philosophischen Kritik an Nietzsches Konzept, insbesondere hinsichtlich dessen Unschärfe und dem Missbrauchspotential.
5 Ausblick – Ist die Menschheit dem Übermenschen näher gerückt?: Der Verfasser bewertet abschließend, inwiefern die aktuelle Gesellschaft die Voraussetzungen für den Übermenschen erfüllt oder ob dieser ein prophetisches Ideal bleibt.
Schlüsselwörter
Nietzsche, Übermensch, Zarathustra, Geistestransformation, Nihilismus, Wille zur Macht, Religion, Anthropologie, Gott, Moral, Leib, Evolution, Philosophie, Gesellschaftskritik, letzte Mensch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht Nietzsches philosophisches Verständnis des Übermenschen, insbesondere wie dieser Begriff aus seinem Werk "Also sprach Zarathustra" abgeleitet und definiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernbereichen gehören die Religionskritik, die Evolutionstheorie, die Bedeutung des Nihilismus sowie die symbolischen Stadien der geistigen Transformation des Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Existenz des Übermenschen ein realistisches Szenario darstellt und durch welche Merkmale und Entwicklungsschritte ein solcher Mensch gekennzeichnet wäre.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Verfasser nutzt eine literatur- und ideengeschichtliche Analyse, wobei er Nietzsches Primärtext mit zeitgenössischer sowie fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Kritik am zeitgenössischen Gesellschaftsbild, den notwendigen Voraussetzungen wie dem "Tod Gottes" und den drei Stufen des Geistes: Kamel, Löwe und Kind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Übermensch, Wille zur Macht, Geistestransformation, Nihilismus, Religion und Anthropologie beschreiben.
Wie unterscheidet Nietzsche zwischen dem Übermenschen und dem "letzten Menschen"?
Der "letzte Mensch" hält an alten Traditionen und einem bequemen Status quo fest, während der Übermensch ein neues, aus sich selbst schöpfendes Wesen darstellt, das den Sinn der Erde verkörpert.
Warum ist das "Kind" das Symbol für den Übermenschen?
Das Kind symbolisiert den Neubeginn und die Unschuld, da es unbelastet von festgefahrenen Moralvorstellungen aus sich heraus spielt und schöpferisch Neues erschafft.
Warum kritisieren Gelehrte wie Benz die Konzeption Nietzsches?
Kritiker bemängeln oft eine fehlende Konkretisierung der Eigenschaften des Übermenschen sowie eine zu starke Fokussierung auf die negative Abgrenzung zum christlich geprägten Menschenbild.
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- Tim Hoffmann (Author), 2014, Nietzsches Verständnis des Übermenschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288709