Der Wirtschaftsfaktor Tourismus und seine Umsatzmöglichkeiten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
12 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Regionalisierung als konzeptuelle Aufteilung für Touristen

3. Folklorismus als verklärte Darstellung der einheimischen Kultur

4. Neue Ansätze von Tourismus
4.1 Mitmachen als ein neuer Reisetrend
4.2 Als Tourist im eigenen Land

5. Fazit

Bibliografie:

Der Wirtschaftsfaktor Tourismus und verschiedene Methoden, damit Geld zu verdienen

1. Einleitung

Der Tourismus, oder auch Fremdenverkehr genannt, zählt zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Welt. Nicht jedes Land kann mit dem Ertrag aus dem primären und sekundären Wirtschaftssektor seinen Haushalt regulieren und sich somit von der Tourismussparte unabhängig erklären. Touristen bringen Geld. Diese einfache Erkenntnis ist nicht neu. Waren es in früheren Jahrhunderten noch die Adeligen, denen das Reisen als Privileg zustand, so entwickelte sich die Neugier nach dem Unbekannten schnell zu einer Passion aller derer, die es sich leisten konnten, die hohen Kosten, die eine Reise mit sich brachte, aufzubringen. Man wollte mit eigenen Augen sehen, wovon andere berichteten und selber zum Kreis derer gehören, die anderen von ihren Erlebnissen erzählen konnten. Natürlich stieg dadurch auch das eigene Ansehen, denn wer reisen konnte, war gebildet und hatte natürlich auch die finanziellen Möglichkeiten dazu. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich die Arten des Reisens weiter, nicht mehr nur wohlhabende Leute konnten sich den Traum der Ferne erfüllen, auch einfache Arbeiter konnten nun Reisen. Auch wenn es nur an die deutsche Ostseeküste oder in den Harz ging. Man wollte und will immer noch das Fremde erleben, denn fremd ist all das, was außerhalb der eigenen Lebenswelt liegt. Im Zeitalter der Globalisierung nimmt der Begriff Tourismus immer größere Dimensionen an, die Welt wächst zusammen, Reisen ist immer preiswerter geworden, die Möglichkeiten, das Ziel zu erreichen immer vielfältiger. Immer exotischer sind die Traumziele der Reisenden und immer mehr müssen sich die neuen und alten Traumziele der Touristen profilieren und sich eine Sonderstellung erarbeiten. Durch Marketing- Agenturen, die sich auf Tourismus und das Bild des Reiseziels in der Öffentlichkeit spezialisiert haben, sowie Studiengänge und zahlreiche Ausbildungsberufe in diesem Bereich, nimmt Tourismus ein neues Ausmaß in der Wirtschaft an. Welche positiven sowie negativen Auswirkungen die Vermarktung des Reisens auf die einheimische Bevölkerung hat, wird in dieser Arbeit an einigen Beispielen dargestellt und kritisch betrachtet.

2. Die Regionalisierung als konzeptuelle Aufteilung für Touristen

Denkt man an italienische Amalfiküste, bayrische Bergdörfer oder eine Großstadt wie Berlin, hat man sofort bestimmte Bilder vor Augen und Eigenschaften der dort ansässigen Bevölkerung, die man aufzählen könnte. Oftmals haben diese Bilder nur ein Bruchteil mit den eigentlichen Eigenschaften der Orte und ihrer Bewohner zu tun. Dieses Phänomen nennt man Regionalisierung. Es ist das Festlegen von bestimmten kulturellen Äußerungen und Eigenschaften in einer bestimmten Region. Diese Einteilung ist so nicht natürlich, da Kultur selbst eine künstliche Umwelt darstellt[1]. Man versteht Regionen in diesem Sinn als Produkte von Kultur, denn eine Region umkreist das Gebiet, in dem es nur diese bestimmte Kultur gibt.[2] Wieso es diese stilisierten Besonderheiten[3] gibt, ist mit dem entstehen der Nationalstaaten und dem Wandel vom Mittelalter in die Neuzeit zu erklären. Die einzelnen Regionen mussten sich ,vor allem wirtschaftlich, positionieren, man versuchte, das zu vermarkten, was vermeintlich typisch für die eigene Region war, zum anderen entstanden zum Beispiel im Ruhrgebiet Industrien, die das Bild dieser Region nach außen prägten und was sie für Außenstehende definierte. Zum anderen rückte die sogenannte Volkskultur in den Fokus, die sich von der meist uniformen Hoheitskultur unterschied und auch Unterschiede zu anderen Regionen aufzeigte.[4] Die Bewohner der einzelnen Regionen identifizierten sich jedoch nur selten und vereinzelt mit der ihnen zugeschriebenen regionalen Kultur. Im Laufe der Zeit veränderte sich dieses Bewusstsein jedoch stark, man merkte, dass man mit der Regionalisierung ein eigenes Image hatte, mit dem man Geld verdienen konnte. Touristen kamen in die Region, um das typische für eben diese Region zu erleben. Die typischen Trachten, die ursprünglich nur für bestimmte Arbeiten getragen wurden, wurden zur vermeintlichen Alltagskleidung, man posierte für Fotos und inszenierte sich und seine Region. So begann auch das Fremdenverkehrsamt Bayerns, mit der regionalen Kultur der Dörfer zu werben, um noch mehr Touristen und somit mehr Geld in die Region zu bringen, die sonst wirtschaftlich nicht viel hervorbrachten, wie Regionen in denen Landwirtschaft oder Industrie ansässig war und ist[5]. Im Zuge dessen ist auch das Konzept des Folklorismus entstanden, bei dem bestimmte kulturelle Äußerungen, wie Bräuche, benutzt werden, um sich und seine Region effektvoll darzustellen.[6] Dieses Konzept dient vor allem der Vermarktung. Unter Volkskundlern ist umstritten, ob dieser Folklorismus nun die wirkliche Tradition verfälscht und unecht ist oder ob es sich um eine Art Konservation einer historischen Wirklichkeit handelt[7]. Wenn man dem zweiten Gedanken folgt, so kann man auf eine Art bewusste Selektion der Einheimischen schließen, die das Effektvollste ihrer Bräuche und Traditionen zu Vermarktungszwecken auswählen und weiterleben lassen, während andere Eigenschaften, die nicht zum Bild passen, dass der Region innewohnt oder vermittelt werden soll, bewusst ausgemustert werden[8]. Die Einheimischen werden somit zu Geschäftsleuten, die mit ihrer Kultur, der sie sich immer mehr bewusst werden, Geld verdienen wollen[9]. Dieses Konzept geht auf, kann aber in eine Richtung entgleiten, aus der man nur schwer wieder herauslenken kann. Oftmals sind dann bestimmte Regionen an ihre Kultur gebunden, die Weiterentwicklung ist dadurch kaum mehr möglich. Zum anderen können die Regionen kaum noch ohne den Tourismus leben, da das gesamte Konzept der Region auf dem Wirtschaftsfaktor Tourismus basiert[10]. Einheimische, die sich mit diesem Konzept nicht identifizieren können, verlassen nach und nach die Region, vor allem junge Menschen sehen sich kaum verbunden zu den alten Bräuchen, die massenwirksam vorgeführt werden. Zudem sehen sie für sich im Tourismus keine Zukunft, sie wollen nicht ein Bild vermitteln, das ihre Region antiquiert und romantisch darstellt. Viele Regionen vergreisen durch diese Landflucht. Um diesem Schicksal entgegen zu wirken, entstehen seid kurzem immer mehr Unternehmen, die sich auf die Vermarktung von Regionen spezialisiert haben und nach neuen Ideen suchen, um diese für Jung und Alt, für Fremde und Einheimische gleichermaßen attraktiv zu gestalten und dem oftmals eingestaubten Traditionen neuen Wind zu verleihen.

3. Folklorismus als verklärte Darstellung der einheimischen Kultur

Das Aufrechterhalten der verschiedenen Traditionen und Bräuche in den Regionen ist die Hauptaufgabe der dort agierenden Akteure. Vor allem durch ihre Kleidung und noch mehr durch groß inszenierte Feste und Umzüge vermitteln sie ein bestimmtes, charakteristisches Bild ihrer Region, mit dem Touristen sie identifizieren und verbinden. Diese Feste haben meist religiöse oder spirituelle Hintergründe, wie zum Beispiel die Festumzüge während der Semana Santa, der Karwoche, in den spanischsprachigen Ländern. Vor allem die Prozessionen in Sevilla sind über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und locken jährlich hunderte Schaulustige an, die oftmals eigentlich keinen Bezug zu den religiösen Hintergründen dieses Festes haben, sondern ihnen nur als touristische Attraktion beiwohnen. Die Einwohner Sevillas haben sich diese Feierlichkeiten zu Eigen gemacht, um damit Touristen anzulocken, die während der Feiertage in ihre Stadt strömen und dadurch viel Geld in der Region lassen. Die religiöse Bedeutung tritt in den Hintergrund, sie dient nun vielmehr als Grund für eine spektakuläre Inszenierung. Kirchliche Würdenträger haben schon oft versucht, dieser Kommerzialisierung der Feste Einhalt zu gewähren, doch der ökonomische Faktor wog fast immer schwerer als die Ehrfurcht vor den Traditionen[11]. Ohnehin wird religiöser Kult oftmals mit einheimischer Kultur gleichgesetzt, selbst wenn eigentlich nur ein Bruchteil der einheimischen Bevölkerung wirklich gläubig ist und die Bräuche aus Überzeugung durchführen, ziehen für den wirtschaftlichen Wohlstand der Region auch die anderen, nichtgläubigen Bewohner mit, um die Darstellung möglichst groß und spektakulär zu gestalten. Dabei nehmen die nicht- religiösen Bewohner die Feste anders wahr als die Gläubigen und modifizieren das Fest entsprechend ansprechend für die Touristen, die damit angelockt werden sollen[12]. Bei dieser Modifizierung werden sogar Vorgaben der Liturgie geändert, um eine möglichst eindrucksvolle Stimmung zu erzeugen[13].

Doch nicht nur Feste dienen der Vermarktung und dem Anlocken von Touristen[14], auch regionale Attraktionen, Aktivitäten aber auch die regionale Küche dient dem Imagebild einer Region. Fährt man nach Neapel, darf die obligatorische Spaghetti Napoli nicht fehlen, wer nach Berlin reist muss eine Currywurst gegessen haben und in Bayern erwartet man zum Frühstück Weißwurst mit süßem Senf und einem Weizenbier. Viele Restaurants haben sich auf diese Klischees eingestellt und bieten Essen und Trinken an, wegen dem Touristen in die jeweilige Region kommen, auch wenn es eigentlich viel mehr Auswahl und Variation in der jeweiligen regionalen und Landes- Küche gibt, die entdeckt werden könnte. Doch auch hierbei geht es um die Popularität der Gerichte. Touristen zahlen dafür, typische Speisen in kleinen urigen Restaurants zu essen, in denen am besten noch Volksmusik gespielt wird, um das Ambiente perfekt zu machen. Diese Vorstellungen wirken pittoresk, jedoch zugleich auch grotesk, wenn man sich vor Augen hält, dass diese Restaurants nur den Touristen dienen, nicht den Einheimischen. Es sind Orte zum Geld verdienen, sie prägen das Bild der Regionen und der Einheimischen gegenüber der Außenwelt. Wenn man es genau betrachtet, stellen diese Orte Enklaven dar, die eine zuweilen längst vergangene Zeit konservieren, jedoch mit der Alltags- und Lebenswelt der Einheimischen kaum noch konform geht. Den meisten Touristen ist diese vorgespielte Realität oftmals gleichgültig, sie kommen in diese bestimmte Region, um bestimmte Sachen zu erleben, die eben typisch sind[15]. Doch der Trend geht langsam in eine neue, authentischere und modernere Richtung, weg vom Massentourismus mit Standardprogramm hin zu individuellen Erlebnisreisen, bei denen man in die wirklich gelebte Volkskultur eintaucht und sie ansatzweise begreifen kann.

[...]


[1] Konrad Köstlin: Die Regionalisierung von Kultur S. 25

[2] Köstlin (1980) S. 25

[3] Köstlin (1980) S. 26

[4] Köstlin (1980) S. 26f.

[5] Gottfried Korff: Folklorismus und Regionalismus S. 39

[6] Korff (1980), S. 40

[7] Korff (1980), S. 40

[8] Korff (1980), S. 41

[9] Dieter Richter: Fremdenverkehr und lokale Kultur S. 26

[10] Richter (1996) S. 20

[11] Richter (1996) S. 137

[12] Richter (1996) S. 144

[13] Richter (1996) S. 145

[14] Bernd Jürgen Warneken: Kommunale Kulturpolitik- Am Beispiel Offenes Stadtfest, S. 113

[15] Richter, S.11

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Wirtschaftsfaktor Tourismus und seine Umsatzmöglichkeiten
Veranstaltung
Wirtschaftsanthropologie
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V288872
ISBN (eBook)
9783656891406
ISBN (Buch)
9783656891413
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tourismus, Wirtschaft, Kommerzialisierung, Kulturwissenschaft
Arbeit zitieren
Sandra Pein (Autor), 2014, Der Wirtschaftsfaktor Tourismus und seine Umsatzmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288872

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