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Das Problem der Überhangmandate. Reformvorschlägen des Wahlrechts im Deutschen Bundestag

Title: Das Problem der Überhangmandate. Reformvorschlägen des Wahlrechts im Deutschen Bundestag

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anno Esser (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Mit dem Urteil vom 25. Juli 2012 traf das Bundesverfassungsgericht eine Entscheidung mit großer Tragweite für die zukünftige Ausgestaltung des Wahlrechts der deutschen Demokratie. Das geltende Wahlrecht wurde als verfassungswidrig verworfen und die Zahl der Überhangmandate auf 15 begrenzt. Das Urteil hat eine lange und zum Teil unglückliche Vorgeschichte, die bis in die 90er Jahre zurückreicht - als die Überhangmandate durch ihr gehäuftes Vorkommen zunehmend als Problem in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft wahrgenommen wurden.

Dem Wandel des Parteiensystems und der zunehmenden Fragmentierung nach der Wiedervereinigung konnte die „alte“ Regelung des personalisierten Verhältniswahlrechts nicht mehr gerecht werden. Justiz und Politik taten sich allerdings lange schwer, angemessene Reformen auf den Weg zu bringen: Macht- und parteipolitische Überlegungen bestimmten die Entwicklung.

Im juristisch-politikwissenschaftlichen Diskurs wurde die Wahlrechtsreformdebatte, besonders seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum „negativen Stimmrecht von 2008, in vielen Beiträgen und Stellungnahmen intensiv thematisiert. Das Spektrum der Vorschläge reicht dabei von „kleinen“ Reformen, die am System der personalisierten Verhältniswahl festhalten und „nur“ das Problem der Überhangmandate und des negativen Stimmgewichts zu lösen versprechen, bis zu „großen“ Reformen, die den bisher eingeschlagenen Pfad verlassen und die Einführung - entweder eines Mehrheitswahlsystems oder der Verhältniswahl, bzw. eine Stärkung der Komponenten dieser beiden Modelle - vorschlagen.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist erstens, die Entstehung und Entwicklung der Überhangmandate nachzuzeichnen und zu analysieren und zweitens, die im juristischen und politikwissenschaftlichen Diskurs vorgeschlagenen Wahlrechtsreformmodelle darzustellen und kritisch zu untersuchen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überhangmandate im personalisierten Verhältniswahlrecht

2.1. Entwicklung der Überhangmandate bei den Wahlen zum Bundestag

2.2. Erklärungsfaktoren und Ursachen von Überhangmandaten

2.3. Zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts

3. Wahlrechtsreform: Möglichkeiten und Perspektiven

3.1. Ausgleichslösung

3.2. „Große“ Reformvorschläge

3.2.1. Verhältniswahlrecht

3.2.2. Mehrheitswahlrecht

3.3. „Kleine“ Reformvorschläge

4. Schlussbetrachtung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert das Phänomen der Überhangmandate im deutschen Wahlsystem, untersucht deren Entstehung und Entwicklung sowie die verfassungsrechtlichen Auseinandersetzungen. Ziel ist es, die im juristischen und politikwissenschaftlichen Diskurs vorgeschlagenen Reformmodelle – von der Ausgleichslösung bis hin zu grundlegenden Systemänderungen – kritisch zu bewerten.

  • Entstehungsmechanismen von Überhangmandaten und negativem Stimmgewicht
  • Die Rolle der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts als Reformtreiber
  • Kritische Analyse der geltenden Ausgleichslösung
  • Bewertung „großer“ Reformansätze (Verhältnis- vs. Mehrheitswahl)
  • Diskussion „kleiner“ Reformoptionen (Kompensationsmodelle, Wahlkreisänderungen)

Auszug aus dem Buch

2. Überhangmandate im personalisierten Verhältniswahlrecht

Das Zustandekommen von Überhangmandaten im Wahlsystem zum Deutschen Bundestag ist ein besonderer Effekt des personalisierten Verhältniswahlrechts, das Elemente des Mehrheits- und des Proporzwahlsystems kombiniert. Überhangmandate entstehen dann, wenn eine Partei in einem Bundesland eine höhere Anzahl von Direktmandaten durch die Erststimmen erringt, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zusteht.

Bei der Wahl zum Deutschen Bundestag kann jeder Wähler eine Erststimme für den lokalen Wahlkreisbewerber und eine Zweitstimme, die über die Verteilung der Mandate zwischen den Parteien im Bundestag nach Proporzregel entscheidet, abgeben. Maßgeblich für die Verrechnung von Stimmen in Mandate ist das Prinzip der Verhältniswahl. Die Auszählung der Erst- und Zweitstimmen erfolgt getrennt, wobei die Hälfte der regulären Mandate im Bundestag in den 299 Einzelwahlkreisen den Bewerbern mit der jeweils höchsten Zahl an Erststimmen zugewiesen wird. Die verbleibenden Mandate werden anschließend in einem zweistufigen Verfahren als Listenmandate so verteilt, dass die Proportionalität der für die Parteien abgegebenen Zweitstimmen möglichst gewahrt wird. In der „Oberverteilung“ werden zunächst auf Bundesebene aus den Zweitstimmenergebnissen jeder Partei die ihr zustehende Mandatszahl im Bundestag errechnet. In der „Unterverteilung“ wird anschließend die berechnete Gesamtzahl der Mandate auf die einzelnen Landeslisten der Parteien in den Bundesländern verteilt. Wenn eine Partei in einem Bundesland Direktmandate errungen hat, werden diese auf die zu vergebenden Listenmandate angerechnet. Übersteigt die Zahl der erreichten Direktmandate die Zahl der Listenmandate, die der Partei proportional nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen, dann behält sie diese Mandate. Es entsteht also ein Überhang an Mandaten, da den Parteien die in den Wahlkreisen errungenen Parlamentssitze nach dem Bundeswahlgesetz verbleiben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Problematik der Überhangmandate im Kontext der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und skizziert das Ziel der Arbeit, verschiedene Reformmodelle zu untersuchen.

2. Überhangmandate im personalisierten Verhältniswahlrecht: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise des personalisierten Verhältniswahlrechts, die Ursachen für Überhangmandate und die zentrale Rolle der verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung bei der Reformdebatte.

3. Wahlrechtsreform: Möglichkeiten und Perspektiven: Hier werden verschiedene Reformansätze, unterteilt in Ausgleichslösungen, „große“ Systemwechsel sowie „kleine“ Anpassungen, kritisch gegenübergestellt und auf ihre Wirksamkeit sowie Nebenwirkungen geprüft.

4. Schlussbetrachtung und Fazit: Das Fazit stellt fest, dass es kein ideales Modell ohne Nebenwirkungen gibt und die Wahlrechtsreform ein fortlaufender Prozess ist, der stark von politischen Konsensbildungen und zukünftigen Wahlergebnissen abhängt.

Schlüsselwörter

Überhangmandate, personalisiertes Verhältniswahlrecht, Wahlrechtsreform, Bundesverfassungsgericht, negatives Stimmgewicht, Ausgleichslösung, Wahlsystem, Proporz, Direktmandate, Listenmandate, Mehrheitswahlrecht, Regierbarkeit, Repräsentation, Bundestagswahl, Stimmensplitting.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Problem der Überhangmandate im deutschen Wahlsystem und der kritischen Diskussion verschiedener Reformvorschläge, die das Ziel verfolgen, das Wahlsystem verfassungskonform und funktionsfähig zu gestalten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zu den Schwerpunkten gehören das personalisierte Verhältniswahlrecht, die verfassungsrechtliche Kritik am negativen Stimmgewicht, die verschiedenen Arten der Sitzzuteilung sowie die Vor- und Nachteile von Verhältnis- und Mehrheitswahlsystemen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist, die Entstehung der Überhangmandate zu analysieren und die im juristischen sowie politikwissenschaftlichen Diskurs vorgeschlagenen Reformmodelle darzustellen und kritisch zu untersuchen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, basierend auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, politikwissenschaftlicher Fachzeitschriften, Gesetzesentwürfen und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert im Detail die Entwicklung von Überhangmandaten, die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, die aktuelle Ausgleichslösung sowie alternative Konzepte wie das Verhältniswahlrecht, das Mehrheitswahlrecht und verschiedene Kompensationsmodelle.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Überhangmandate, personalisiertes Verhältniswahlrecht, Wahlrechtsreform, negatives Stimmgewicht und Ausgleichslösung charakterisiert.

Wie bewertet der Autor die aktuelle Ausgleichslösung?

Der Autor erkennt an, dass sie kurzfristig ein verfassungskonformes Recht schafft, kritisiert jedoch die damit verbundene Aufblähung des Bundestages und die Verzerrung des parteiinternen föderalen Proporzes.

Warum ist das Augsburger Zuteilungsverfahren in der Diskussion so präsent?

Es gilt in der Politikwissenschaft als mathematisch elegantes und relativ „geeignetes“ Modell unter den Kompensationslösungen, stößt jedoch aufgrund der Verzerrung des föderalen Proporzes bei den großen Parteien auf Widerstand.

Inwiefern beeinflusst das Bundesverfassungsgericht die Reformdebatte?

Das Gericht wirkt als zentraler Reformtreiber, indem es bestehende Regelungen als verfassungswidrig verwirft und dem Gesetzgeber durch seine Urteile enge Vorgaben für die Neugestaltung des Wahlsystems macht.

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Details

Title
Das Problem der Überhangmandate. Reformvorschlägen des Wahlrechts im Deutschen Bundestag
College
University of Bonn  (INSTITUT FÜR POLITISCHE WISSENSCHAFT UND SOZIOLOGIE)
Course
Demokratiereform
Grade
1,0
Author
Anno Esser (Author)
Publication Year
2013
Pages
29
Catalog Number
V288889
ISBN (eBook)
9783656891703
ISBN (Book)
9783656891710
Language
German
Tags
Überhangmandate Wahl Deutscher Bundestag Reformvorschläge
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anno Esser (Author), 2013, Das Problem der Überhangmandate. Reformvorschlägen des Wahlrechts im Deutschen Bundestag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288889
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